Mit ‘Pazifismus’ getaggte Artikel

Die sozio-politische Charakterologie Elsworth F. Bakers am Beispiel der Bundestagsparteien

3. Dezember 2012

Die von Elsworth F. Baker 1967 vorgestellte sozio-politische Charakterologie bzw. deren leichte Modifikation durch Charles Konia (The Emotional Plague, 2008) sieht wie folgt aus:

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Nach links hin von einer hypothetischen „gesunden Mitte“ haben wir der Reihe nach den Liberalen, den Sozialisten, den Pseudo-Liberalen und den Kommunisten. Es ist kaum bis gar kein Kernkontakt vorhanden und die Fassade dient der Abwehr gegen die mittlere Schicht, um beim Kommunisten zu kippen, d.h. in den Dienst der mittleren Schicht zu treten. Man denke nur an die unterschiedlichen Funktionen des Pazifismus bei der westlichen Linken in den 1980er Jahren („atomfreie Zonen“) und des damaligen „Pazifismus“ der nuklear aufrüstenden UdSSR.

Nach rechts hin haben wir den Konservativen, den Erzkonservativen, den Reaktionär und den Schwarzen Faschisten. Hier ist mehr Kernkontakt vorhanden, wenn auch zu einem Gutteil mystisch verzerrt. Die Fassade drückt nach rechts hin immer prominenter und nackter die mittlere Schicht aus. Das macht etwa das berühmte „Faszinosum“ des Nationalsozialismus aus: „es wird die Sau rausgelassen“.

Es bringt wenig bis nichts, diese Aufstellung auf die deutsche Parteienlandschaft zu übertragen, da diese generell nach links verschoben ist und da jede Partei „eine Welt für sich ist“ mit einer jeweils komplexen Geschichte. Gehen wir die Parteien deshalb nacheinander durch:

Die Grünen waren eine Sammlungsbewegung aus den Erben Rudi Dutschkes, liberal gesinnten „Bürgerrechtlern“ und echten Ökologen, d.h. „Konservativen“ im eigentlichen Sinne des Wortes. Die beiden Extreme der Partei, echte charakterologische Kommunisten wie Jutta Ditfurth auf der einen und Menschen des „rechten Spektrums“ auf der anderen Seite, wurden sehr schnell aus den Reihen der Partei weggegrault bzw. verließen sie enttäuscht, weil diese eine „FDP mit grünem Anstrich“ geworden sei oder, auf der anderen Seite, sich als „Wassermelone“ entpuppt habe: außen grün, innen rot. Was blieb, waren vollkommen kontaktlose „pazifistische Liberale“, die von Pseudoliberalen, die so taten, als wären sie selbst ebenfalls genuine Liberale, mißbraucht wurden.

Nachdem Kommunisten erst einmal mit Hilfe der Liberalen und Sozialisten an die Macht gekommen sind, sind nicht etwa wie vorher die Konservativen ihr Hauptfeind, sondern ihre ehemaligen liberalen und sozialistischen Bundesgenossen. Nichts kann eine kommunistische Herrschaft weniger brauchen als „subversive“, „kritische“ Geister und Leute, die nach „Solidarität“ („Fraktionsbildung“!!) rufen. Was sie braucht sind willfährige Untertanen, die sich nicht viel um Politik scheren bzw. tun, was ihnen gesagt wird. Wenn die Kommunisten diesen „konservativen“ Bevölkerungsanteil mit Versatzstücken der kommunistischen Ideologie indoktrinieren können, um so besser! Beim Untergang des Kommunismus fand man entsprechend Liberale und Sozialisten eher bei den Regimegegnern als bei den Parteimitgliedern der SED/PDS. Zwar stirbt langsam das alte konservative Milieu der DDR weg, doch sind wohl immer noch weite Kreise der Parteimitglieder und Wähler der Linken in Ostdeutschland eher konservative Charaktere. In Westdeutschland ist das vollkommen anders, was die Partei Die Linke immer wieder an den Rand der Spaltung führt, denn hier dominiert das charakterologisch extrem linke Spektrum die Partei.

Die SPD war in den Industriezentren und Metropolen Westdeutschlands so etwas wie die „SED des Westens“. Noch heute kontrolliert sie in weiten Teilen den gesamten Staatsapparat und die Medien, in NRW praktisch flächendeckend. Wie im Fall der SED war auch hier ein Großteil der Mitglieder, erst recht aber der Wähler, eher konservativ strukturiert. Das änderte sich spätestens in den 1970er Jahren, als die ehemalige Arbeiterpartei zunehmend eine Partei der Pseudointellektuellen wurde. Zentrum der Partei war natürlich stets die sozialistische Ideologie von „Gerechtigkeit“ und „sozialem Ausgleich“. Entsprechend findet die SPD erst seit kurzem zu sich selbst, da nun die sozialdemokratische Ideologie besser zur durchschnittlichen Charakterstruktur der Parteimitglieder paßt.

Am authentischsten waren seit jeher die beiden „bürgerlichen Parteien“ CDU/CSU und FDP, denn hier stimmte die offizielle konservative bzw. liberale Ideologie stets mit der jeweiligen Charakterstruktur der Parteianhänger überein. Wenn man mal von manchen sozialistischen Absonderlichkeiten am Anfang der Parteigeschichte der CDU absieht und davon, daß ausgerechnet die FDP lange Zeit geradezu ein Auffangbecken für „alte Kameraden“ war. Durch die Verschiebung des soziopolitischen Spektrums nach links ist von der genannten „Authentizität“ wenig geblieben. Nicht von ungefähr spricht man von der zunehmenden „Sozialdemokratisierung“ der CDU.

Die FDP hätte die Chance gehabt, als „Partei der Freiheit“ zu überleben, hat aber Selbstmord verübt, weil der Liberale bei all seinen hehren „Prinzipien“ wankelmütig ist. Wegen seiner Struktur und der ihr inhärenten Kontaktlosigkeit kann er sich dem Linkstrend nicht entgegenstellen. Der Konservative ist den Linken ebenfalls ausgeliefert, weil er an Werte wie Fairneß und „Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden!“ glaubt. Werte, auf die die extreme Linke, insbesondere der Kommunist, spuckt!

Der Rote Faden: Reich und die „Nazis“

7. Juni 2011

Die diversen „Ehrenrettungen“ Reichs gehen mir unglaublich auf den Geist. Am verlogensten ist wohl die als „Antifaschist“. Es gehört zu den Versuchen der Linken, Reich irgendwie nutzbar zu machen. Genauso wie die KPÖ/KPD Reich ihn für sich nutzen wollte. Und zweitens: manche Leute können einfach nicht genug kriegen von Hitler und Konsorten. Es bringt Bewegung in die erstarrten Glieder. An sich ist dieses ständige Aufgeilen am Hitlerismus nichts weiter als eine sexuelle Perversion. Was dahinter steckt, nämlich der verzweifelte Versuch die Falle der „Zivilisation“ zu verlassen, zeigt folgendes „Schema der kulturpolitischen Entwicklung“ nach Reich (Die sexuelle Revolution):

Das Konzept, das hinter diesem Schema steht, kann man sich gut anhand von Kurt Hiller (1885-1972) vergegenwärtigen. Hiller, Jude, schwul und „Schopenhauerscher Sozialist“, war dem Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld eng verbunden. Wie so viele Homosexuelle hatte er quasi „Stirnerianische“ Anwandlungen. Beispielsweise lautete der ursprüngliche Titel seiner juristische Dissertation Das Recht über sich selbst. Es ging darum, daß das Strafrecht die Selbstbestimmung des Menschen stärker berücksichtigen müsse. Er begeisterte sich für die russische Revolution (ab 1927 warb der SPD-Anhänger sogar für die KPD) und für Mussolini.

Mussolini, man sehe sich ihn an, ist kein Kaffer, kein Mucker, kein Sauertopf, wie die Prominenten der linksbürgerlichen und bürgerlich-sozialistischen Parteien Frankreichs und Deutschlands und anderer Länder des Kontinents es in der Mehrzahl der Fälle sind; er hat Kultur. (…) Wenn ich mich genau prüfe, ist mir Mussolini, dessen Politik ich weder als Deutscher noch als Pazifist noch als Sozialist ihrem Inhalt nach billigen kann, als formaler Typus des Staatsmannes deshalb so sympathisch, weil er das Gegenteil eines Verdrängers ist. Ein weltfroh-eleganter Energiekerl, Sportskerl, Mordskerl, Renaissancekerl, intellektuell, doch mit gemäßigt-reaktionären Inhalten, ist mir lieber, ich leugne es nicht, als ein gemäßigt-linker Leichenbitter, der im Endeffekt auch nichts hervorbringt, was den Mächten der Beharrung irgend Abbruch tut.

In seinem Beitrag „Linke Leute von rechts“ über Nationalrevolutionäre wie Karl Otto Paetel und Otto Strasser fragte Hiller 1932:

„Links“, „rechts“ – diese Unterscheidung wird täglich dümmer. Wer kommt noch mit ihr aus? […] Wer taugt mehr, ein kommunistischer Nichtdenker oder ein nationalistischer Selbstdenker?

An Otto Strasser erinnert sich Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus:

In manchen deutschen Versammlungen pflegten um 1930 kluge, ehrlich gesinnte, wenn auch nationalistisch und metaphysisch denkende Revolutionäre wie etwa Otto Strasser den Marxisten entgegenzuhalten: „(…) Euer Grundfehler ist, daß ihr die Seele und den Geist leugnet oder verlacht und ihn, der alles bewegt, nicht begreift.“ (S. 28)

Dieses Argument konnte man, Reich zufolge, nur dadurch entkräften, indem man den sexuellen Charakter dieses „Grundbewegers“ offenlegte (vgl. ebd. S. 139). Siehe dazu das obige „Schema“!

Karl Otto Paetel (1906-1975) war einer der führenden Köpfe der nationalbolschewistischen Bewegung mit Kontakten zu Ernst Jünger, dem linken Flügel der SA, den Strasser-Brüdern, Ernst Niekisch, etc. 1930 hatte Paetel die „Gruppe Sozialrevolutionärer Nationalisten“ (GSRN) gegründet. 1933-34 wurde er verschiedene Male verhaftet und flüchtete 1935 zunächst nach Prag, dann nach Kopenhagen, wo er vom 31. Juli bis 7. Okt. 1935 blieb:

Drei Monate verbrachte ich, ohne mich bei der Polizei zu melden, in Kopenhagen. Ich habe von dort nicht nur Tivoli und die vielen Radfahrer in Erinnerung, sondern auch eine Zeit äußerster Armseligkeit. Ich wohnte im Büro von Wilhelm Reich – ohne ihn selber je kennenzulernen –, wo mich ein Bekannter aus Berlin, der das Büro von „Sexpol“ verwaltete, untergebracht hatte. Auf einer Matratze auf dem Fußboden las ich damals zum ersten Mal Hamsun. (…) Ich hatte ursprünglich die Absicht gehabt, Kopenhagen nur als Durchgangsort zu benutzen, um nach Schweden zu gelangen, wo ich Freunde hatte. Aber mein „Wirt“, der mich inzwischen als Haussklaven fürs Reinemachen benutzte, damit ich die kärgliche Leberpastete abverdiente, wußte meine Abreise immer wieder hinauszuzögern. Nach vielem Hin und Her gelang es mir einen dänischen Anhänger der Sexuallehre von Reich, einen Psychiater, aufzutreiben, der sich bereit erklärte mich ohne Papiere nach Schweden einzuschleusen. (Karl O. Paetel: Reise ohne Uhrzeit. Autobiographie, Worms 1982, S. 213)

Es gab zu dieser Zeit wie selbstverständlich Kontakte zum linken Flügel des nationalsozialistischen Lagers.

Bruno Kreisky, von 1970 bis 1983 Bundeskanzler von Österreich, wurde einmal gefragt, wie er als Jude und Widerstandskämpfer denn mit all den alten Nazis in seinem Kabinett zusammenarbeiten könne. Seine Antwort, sinngemäß: Wir haben doch schon in den gleichen Gefängniszellen gesessen! Er sprach von der Zeit unter dem klerikal-faschistischen Dollfuß-Regime 1934 bis 1938 als Sozialisten und Nationalsozialisten dem gleichen Verfolgungsdruck ausgesetzt waren und größtenteils den gleichen „Idealen“ huldigten, insbesondere die Vereinigung mit Deutschland.

Es hat etwas Tragikomisches an sich, wenn Nachgeborene Männern wie Kreisky (oder gar Reich) Lektionen über „Antifaschismus“ erteilen wollen. Beispielsweise verstieg sich Helmut Dahmer zu der Aussage, Reich habe „die ‚subjektiv-revolutionäre‘ Verfassung der Nazi-Gefolgsleute (die Trotzki als ‚menschlichen Staub‘ apostrophierte) und die plebejisch-antikapitalistischen Elemente der faschistischen Propaganda und Politik überpointiert“ (Helmut Dahmer: Libido und Gesellschaft, Frankfurt a.M. 1973, S. 407). Dazu zitiert er Menschen im Staat:

Dabei leistet der Faschismus, ohne es zu wollen, der Weiterentwicklung unschätzbare Dienste weit über sein Ende hinaus. Er zerstörte demokratische Illusionen, weckte die vegetative Lebenssehnsucht, entband die Jugend, vernichtete die Ausbeuter der sexuellen Misere. (S. 181)

Dahmer hätte auch auf eine Rezension von Karl Motesiczky einer dämonisierenden Hitler-Biographie verweisen können. Motesiczky:

Überflüssig zu sagen, daß eine solche Betrachtungsweise natürlich jeden Weg verbaut, die positiven, fortschrittlichen Momente im Nationalsozialismus zu sehen, die für große Teile der Jugend gerade im Kampf gegen die christliche Moral gegeben sind.

Ein Teil dieses „Positiven“ und „Fortschrittlichen“ erschließt sich uns, wenn wir die Arbeit des jüdischen Rechtsanwalts und Rechtsphilosophen Otto Mainzer (1903-1995) betrachten. Sein „erotisches Manifest“ Die sexuelle Zwangswirtschaft (Feldafing 1981) hatte Mainzer 1937 Reich zur Veröffentlichung unterbreitet. Es kam aus rein technischen Gründen nicht zur Veröffentlichung des Manuskripts, das ursprünglich den Titel Die Eroberung des Geschlechts trug.

Mainzers Ideen kamen nicht von Reich, hatten aber teilweise ihre Grundlage in dessen Vorarbeiten. Mainzer sieht sich selbst als verwandten Geist, nur grundsätzlicher auf Selbstbefreiung gerichtet und, im Unterschied zum Spezialisten Reich, philosophisch ausgreifender. Reich wird nur ein einziges Mal erwähnt bei der Auseinandersetzung mit dem Masochismus, aber große Teile des Werks sind mit Reich verknüpft.

Mainzer vertritt die Utopie einer „eugenischen Ordnung“ der Gesellschaft. Es gäbe nur eine einzige „soziale Frage“: der Entschluß zur Zeugung und sein Hintergrund. Über dem Gebot „Du sollst nicht töten!“ stehe „Du sollst nicht unbefugt das Leben geben!“ Mainzer zufolge sollten sich nur die fortpflanzen, die aus eigener Kraft einen Partner finden. Keine Machtstellung, kein Geld, kein Ehevertrag, etc. sollten hier eingreifen. Bei Befolgung würden nur die intelligenten und körperlich wohlgeratenen ihr Erbgut weitergeben. Ausschließlich die erotische Anziehung solle die Zukunft der Menschheit bestimmen, schreibt Mainzer. Reich war begeistert von Mainzers Arbeit. Reich selbst stimmte teilweise mit den deutschen Gesetzen zur Eugenik überein. Als Sozialist müsse man die Tendenz unterstützen, daß die Wissenschaft die Fortpflanzung bestimmt.

Äh, Äh, Ägypten…

2. Februar 2011

Es gibt kaum Politiker, die mehr gehaßt und verachtet werden als der „Kriegsverbrecher“ Winston Churchill, der „Kriegstreiber“ Ronald Reagan und der „Völkermörder“ George W. Bush. Alle drei gelten als üble „Imperialisten“, dabei haben sie im Kampf gegen den Nationalsozialismus, den Kommunismus und neuerdings den Islamismus zunächst das britische Weltreich geopfert und mittlerweile auch die amerikanische Vorherrschaft gefährdet.

Ohne die geradezu „kriegsverliebte“ Unerbittlichkeit Churchills hätte Hitler das europäische Festland ähnlich langfristig dominieren können, wie im Roman Vaterland von Robert Harris beschrieben. Ohne Reagan und die SDI-Herausforderung würde es den Ostblock noch heute geben. Und ohne Bushs Beseitigung des imgrunde nationalsozialistischen Regimes im Irak würden die anderen „nationalsozialistischen“ Machthaber in der arabischen Welt jetzt nicht um ihre Macht bangen.

Man kann argumentieren, daß Churchill es war, der die Sowjetunion bis an die Elbe brachte, daß der Zerfall des Kommunismus im Kaukasus und im Balkan zu Zuständen geführt hat, die nach 1945 als für die Zukunft undenkbar galten und daß der Fall Mubaraks zu einem zweiten „Iran“ führen wird.

Dabei verkennt man, daß der Sturz des Shahs und das darauf folgende klerikal-faschistische Regime auf die durch den „Idealisten“ Carter verkörperte Schwäche des Westens zurückging. Wenn nicht der „Idealist“ Obama doch noch alles kaputt macht, ist die Situation heute vollkommen anders. Dank Bush weiß die Emotionelle Pest, daß sie einem rücksichtslosen Gegner gegenübersteht, der lieber seine eigene Existenz aufs Spiel setzt, als jemals nachzugeben. Es wird nur die bedingungslose Kapitulation akzeptiert.

Ein „Idealist“ wird jetzt einwerfen, daß doch die Amerikaner mit Hitler Geschäfte gemacht haben, die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg zum Verbündeten machten und Mubarak der größte Freund Amerikas war. Dazu kann ich nur sagen: Willkommen in der Realität! Tja, das ist der Planet Erde, du weltfremder Kindskopf!

Es führt letztendlich nirgendwohin, wenn man die Welt quasi „mystisch“ von der Warte irgendwelcher vermeintlicher „Ideale“ betrachtet. Wie Heiner Geißler mal in einem seiner lichteren Momente sagte: Der Pazifismus der 30er Jahre hat Auschwitz erst möglich gemacht. An anderer Stelle habe ich beschrieben, was Carter mit seinen „Menschenrechten“ angerichtet hat.

Es bringt aber auch nichts quasi „mechanistisch“ mit dem realpolitischen Kalkül zu hantieren, als handelte es sich um Mathematik. Das gesellschaftliche Geschehen wird letztendlich von bio-emotionalen Faktoren bestimmt, so daß jedes bloße „Machtkalkül“, so unausweichlich es kurzfristig auch immer sein mag, letztendlich in die Irre gehen muß.

Für den Nahen Osten bedeutet dies konkret, daß die Massen zwischen ihrer Freiheitssehnsucht einerseits und ihrer Angst vor Verantwortung andererseits gefangen sind. Sie suchen deshalb immer nach einer Vaterfigur, die sie von Verantwortung entlastet und ihnen Freiheit schenkt. Entweder wird das der „große weiße Vater“ in Washington sein oder, wenn sich dieser als weich und nachgiebig erweisen sollte, wird es ein neuer Khomeini sein.

Da Amerika den strengen aber gerechten Vater verkörperte, konnten sich trotz der „undemokratischen“ Charakterstrukturen in Deutschland und Japan gefestigte Demokratien entwickeln – ohne Gesichtsverlust. Das wird auch die einzige Chance für die Demokratie in der arabischen Welt sein – das oder ein arabischer Khomeini wird das Vakuum füllen.

Dabei ist es vollkommen gleichgültig, ob Amerika geliebt oder gehaßt wird, solange es nur gefürchtet und deshalb geachtet wird. Genau aus diesem Grunde ist es ein Menschheitsverhängnis, daß die eklige Kreatur Obama Antichrist und nicht der Kriegsheld McCain gewählt wurde.


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