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Der Rote Faden: Wilhelm Reich im Schlachthaus

31. März 2013

1918 traten Lenin und Trotzki im Frieden von Brest-Litowsk weite Gebiete des ehemaligen Zarenreiches an das Deutsche Reich mit der festen Überzeugung ab, daß sich binnen kurzem dort und im restlichen Europa das gleiche ereignen würde wie in Rußland. Die „Arbeiter und Soldaten“ würden aufstehen und dem Kapitalismus ein Ende setzen, so daß sich von Moskau aus die Weltrevolution über den gesamten Planeten ausbreiten werde.

Lenin und Trotzki hatten die an sich unannehmbaren Friedensbedingungen des Deutschen Reiches akzeptiert (hat hier irgendjemand verlogenerweise „Versailles!“ gerufen?!), weil es zuerst einmal darum ging, den ersten sozialistischen Staat der Erde zu konsolidieren. Als spätestens 1923 deutlich wurde, daß von einer kommunistischen Revolution im Westen Europas keine Rede sein konnte, ging Stalin daran diese Politik mit anderen Mitteln fortzuführen. Es ging nun darum einen Staat aufzubauen, der wie einst das zaristische Rußland im Konzert der Großmächte mitspielen konnte. „Kosmopolitische“ Kommunisten, die, wie Trotzki und etwa auch Reich, weiterhin von einer „Revolution von unten“ träumten, wurden rücksichtslos verfolgt, genauso wie einst Lenin die Menschewikin und Sozialrevolutionäre verfolgt und schließlich sogar mit Todesschwadronen bekämpft hatte.

Die Rote Armee war eine ausschließlich auf Angriff ausgerichtete Streitmacht mit entsprechend exotischen Waffen wie Amphibienpanzern, Hochgeschwindigkeitspanzern und Panzern mit mauerbrechenden Kanonen, die weltweit sonst keine Armee im Arsenal hatte. Als Hitler sich quasi als „Kaiser Wilhelm III.“ entpuppte und mit der aktiven Unterstützung Stalins die westlichen Demokratien erneut bedrohte, brauchten die Bolschewiki nur abwarten, um schließlich als Befreier der „faschistischen Besatzung“ und einem europaweiten Bürgerkrieg a la Spanien ein Ende zu setzen. Mit einer Verzögerung von vielleicht zweieinhalb Jahrzehnten hätte sich Lenins und Trotzkis Plan doch noch erfüllt. Vielleicht mit leicht anderen Mitteln, aber – Europa würde rot sein, damit seine Kolonien und über kurz oder lang der gesamte Planet.

Dummerweise sollte das imgrunde schwache Deutschland vollkommen überraschend in den Aufmarsch der sowjetischen Streitkräfte hineinmarschieren und deshalb binnen kurzer Zeit vor Leningrad, Moskau und Stalingrad stehen. Zu allem Überfluß holte Hitler ungewollt die USA nach Europa, so daß sich Stalins Plan nur zum kleinsten Teil erfüllte: Europa sollte am Ende des von Stalin inszenierten Krieges nur bis zur Elbe rot werden. Zwar zeichneten sich in Frankreich und Italien nach dem Zweiten Weltkrieg kommunistische Machtübernahmen ab, jedoch versandte das ganz ähnlich wie die kommunistischen Aufstände in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg.

Die Welt erstarrte wie zwischen den beiden Weltkriegen wieder in einem „Kalten Krieg“. Nochmal zweieinhalb Jahrzehnte weiter, Breschnew war mittlerweile an der Macht, begann der Kommunismus erneut zu triumphieren. Diesmal in den ehemaligen Kolonien der westeuropäischen Mächte in Gestalt von „nationalen Befreiungsbewegungen“ (sic!). Wie zu Zeiten des Hitler-Stalin-Pakts gelang es den Kommunisten sogar im Rahmen der „Detente“ den Westen für seine aktive Mitarbeit am eigenen Untergang zu gewinnen. Hätte es nicht Leute wie Pinochet und Reagan gegeben, wäre der Planet heute rot.

1989 begann das mittlerweile restlos überdehnte Sowjetreich aus ganz ähnlichen Gründen zusammenzubrechen wie einst das Zarenreich: „Obervolta mit Atomraketen“. Der Sieg des Westens im Kalten Krieg war jedoch eine Illusion, denn all die Zeit über hat sich untergründig der ursprüngliche Strang der „Revolution von unten“, den Stalin hatte ausrotten wollen, fortgesetzt. Man denke beispielsweise an die „Reichianer“, die fleißig daran weitergearbeitet haben, die moralischen Grundfesten des Westens morsch zu machen. Gegenwärtig hat all dieses linke Pack, das zu Zeiten der „Friedensbewegung“ noch alles getan hatte, um Stalins Traum der militärischen Eroberung Westeuropas doch noch in den Bereich des Möglichen zu bringen, die Lufthoheit im gesellschaftlichen Diskurs. Man brauch nur einen beliebigen Fernsehsender anschalten oder ein beliebiges Printmedium aufschlagen – und man ist der roten Zersetzungsarbeit ausgesetzt. Die westliche Kultur steht kurz vor dem endgültigen Kollaps und die Antifa prügelt jeden zu Brei, der es irrwitzigerweise noch immer wagt aufzumüpfen.

Wie konnte es soweit kommen und was ist zu tun?

Ausgerechnet Hindenburg und Ludendorff haben Lenin und Trotzki an die Macht gebracht, die anfangs kaum mehr waren als deutsche Agenten. Sie sollten die deutsche Ostfront befrieden, was sie auch sehr schnell getan haben. Kaum war der Krieg beendet, versuchten Lenin und Trotzki die Revolution nach Deutschland zu tragen.

Churchill hatte eine ganz ähnliche Taktik wie Hindenburg und Ludendorff: genauso wie Stalin als lachender Dritter zuschauen wollte, wie sich Deutschland und die Westmächte gegenseitig zerfleischen, wollte Churchill das gleiche Schauspiel des gegenseitigen Ausblutens zwischen Deutschland und Rußland, die er beide gleichermaßen haßte, von seiner Insel aus genießen. Die „verbündeten“ Russen wurden von einem Jahr auf nächste vertröstet, was die Errichtung einer „zweiten Front“ betraf. Erst als sich erwies, wie schwach Deutschland wirklich war und die Gefahr bestand, daß Rußland bis zum Atlantik durchmarschiert, kam es zur Landung in der Normandie, „um Rußland zu helfen“. Wer Rußland zu diesem Zeitpunkt tatsächlich half, war Hitler mit seiner kindischen Ardennen-Offensive. Wirklich alle Kriegsteilnehmer hatten sich verkalkuliert, am meisten aber Churchill.

Der Kampf des Westens gegen die Sowjetunion war von Anfang an einer der Zersetzung: der rote Monolith sollte mit Hilfe der liberalen Werte des Westens nach und nach zum Zerbröseln gebracht werden. Man kann gar nicht überschätzen, wie sehr der „Rock ‘n’ Roll“ und alles, für was er steht, dazu beigetragen hat, das Sowjetimperium zu Fall zu bringen. Absurditäten wie „Pussy Riot“ sind sozusagen die Nachgeburt dieser westlichen Zersetzungsarbeit. Es ist aber nun genau dieses Gift, diese liberale Ideologie, die den Westen jetzt selbst zerstört. In Gestalt des Kulturbolschewismus („Political Correctness“) ist die von Lenin und Trotzki herbeigesehnte „Revolution von unten“ in vollem Gange. Diesen Text schreibe ich übrigens zum Ausklang der „Chaostage“ in Münster. Um mich herum randalieren die Fotzen. Bereits heute wird die EU von Ex-Maoisten und Ex-Trotzkisten regiert und auf allen Staatsebenen vertritt die höhere Beamtenschaft eine angeblich „grüne“ Ideologie, dazu fast alle Akademiker, Lehrer, Journalisten, etc. Was bleibt beispielsweise von einem Gehirn übrig, das tagtäglich der Süddeutschen Zeitung ausgesetzt wird?

Man hat jeweils versucht „Feuer mit Feuer“ zu bekämpfen: die Emotionelle Pest wurde mit emotionell pestkranken Mitteln bekämpft. Zuletzt etwa durch die „Pussy Riots“. Das Problem ist, daß man die Pest nicht beherrschen und steuern kann. Das ist so bei Ehestreitigkeiten, die in „Rosenkriege“ ausarten, an deren Ende nur Verlierer stehen und es ist so bei geopolitischen Abenteuern. Reich hat immer wieder seine abgrundtiefe Verachtung für diese politischen Manöver zum Ausdruck gebracht und dagegen eine grundsätzlich andere Herangehensweise gesetzt: die Mobilisierung primärer Triebe. Nur die zielgerichtete Aggression, die unverzerrt aus dem Kern kommt, ist gegen die organisierte Emotionelle Pest effektiv. Das schließt jeden „rechten“ Militarismus („Befehl und Gehorsam“) und jeden „linken“ verkopften Intellektualismus aus. Und vor allem steht man am Ende nicht als Zauberlehrling da, der die Geister, die er rief, nicht mehr bändigen kann.

Reich hat diese „arbeitsdemokratische“ Gedankenwelt aus den Bestrebungen nach einer „Revolution von unten“, die Stalin, mit mörderischem Haß verfolgt hatte, entwickelt. Zunächst hatte er die Stalinisierung („Bolschewisierung“) der KPÖ und KPD noch aktiv mitgestaltet, begann dann aber ab 1932 zunächst unter „rätekommunistischen“ Vorzeichen genau jene Strukturen zu hinterfragen, auf die Stalin seine ganze Hoffnung setzte: den Geist des Militarismus, der Geheimdiplomatie und der „Geopolitik“. So schrieb Reich 1933 (ergänzt 1942):

Wir erklären z. B. einen Krieg soziologisch nicht vollständig, wenn wir die besonderen ökonomischen und politischen Gesetze aufdecken, die ihn unmittelbar bedingen, also etwa die deutschen Annexionstendenzen, die sich vor 1914 auf die Erzbecken von Briey und Longy, auf das belgische Industriegebiet, auf die Erweiterung des Kolonialbesitzes in Vorderasien etc. richteten; oder die Interessen des Hitlerschen Imperialismus im II. Weltkrieg an den Ölquellen von Baku, an den Werken der Tschechoslowakei etc. Die ökonomischen Interessen des deutschen Imperialismus waren zwar der entscheidende aktuelle Faktor, aber wir müssen auch die massensychologische Basis der Weltkriege einordnen, wir müssen fragen, wie der massenpsychologische Boden fähig wurde, die imperialistische Ideologie aufzusaugen, die imperialistischen Parolen in Tat umzusetzen, strikte entgegengesetzt der friedlichen, staatspolitisch uninteressierten Gesinnung der deutschen Bevölkerung. Man beantwortet die Frage nicht zufriedenstellend, wenn man den „Umfall der Führer der II. Internationale“ dafür verantwortlich macht. Warum ließen sich die Millionenmassen der freiheitlich und antiimperialistisch gesinnten Arbeiter verraten? Die Angst vor den Folgen der Kriegsdienstverweigerung kommt nur bei einer Minderzahl in Betracht. Wer die Mobilisierung 1914 mitgemacht hat, weiß, daß sich in den arbeitenden Massen verschiedenartige Stimmungen zeigten. Von bewußter Ablehnung bei einer Minderheit angefangen über eine merkwürdige Ergebenheit in das Schicksal oder eine Stumpfheit bei sehr breiten Schichten bis zu heller Kriegsbegeisterung nicht nur in Mittelschichten, sondern weit hinein in Industriearbeiter-Kreise. Die Stumpfheit der einen wie die Begeisterung der anderen waren fraglos massenstrukturelle Fundierungen des Krieges. Diese massenpsychologische Funktion in beiden Weltkriegen kann nur unter dem Gesichtspunkt verstanden werden, daß die imperialistische Ideologie die Strukturen der werktätigen Massen konkret im Sinne des Imperialismus veränderte: Man kann gesellschaftliche Katastrophen mit der Auskunft, daß es sich um eine „Kriegspsychose“ oder eine „Massenvernebelung“ handelte nicht abtun. Es würde bedeuten die Massen gering einzuschätzen, wenn man sie einer bloßen Vernebelung für zugänglich hält. Es geht darum, daß jede Gesellschaftsordnung sich in den Massen ihrer Mitglieder diejenigen Strukturen erzeugt, die sie für ihre Hauptziele braucht. Ohne diese massenpsychologischen Strukturen wäre kein Krieg möglich. Es besteht eine wichtige Beziehung zwischen der ökonomischen Struktur der Gesellschaft und der massenpsychologischen Struktur ihrer Mitglieder; nicht nur in dem Sinne, daß die herrschenden Ideologien die Ideologien der herrschenden Klasse sind, sondern, was für die Lösung von praktischen Fragen der Politik bedeutsamer ist: auch die Widersprüche der ökonomischen Struktur einer Gesellschaft sind in den massenpsychologischen Strukturen der Unterdrückten verankert. Anders wäre nicht denkbar, daß die ökonomischen Gesetze einer Gesellschaft nur durch die Tätigkeit der ihnen unterworfenen Massen zur konkreten Auswirkung gelangen können.

Oder mit anderen Worten: die einzig mögliche genuine revolutionäre „Politik“ geht von der Charakterstruktur der Massen aus, der Rest ist nur blutiges Theater, das zu nichts führt als immer mehr menschlichem Hackfleisch.

Man kann das ganze auch anders ausdrücken: der Weg ist das Ziel!

Wie Wilhelm Reich benutzt wird, um die Orgonomie zu zerstören

15. März 2013

Kaum hat man irgendeinen fruchtbaren Gedanken, etwa daß Frauen in die Familie gehören, um die Kinder großzuziehen, daß Kinder eine väterliche Autorität benötigen und daß es für Kinder nichts schlimmeres gibt, als schutzlos dem Gruppendruck von seiten anderer Kinder ausgesetzt zu sein, – kommt der nächste Reichianer und haut dir eines von Reichs Werken, etwa Die sexuelle Revolution, um die Ohren. Kaum denkt man über die Ökonomie nach, wird einem Reichs Haltung zu Marx unter die Nase gehalten. Und so in vielen weiteren Bereichen.

Es ist absurd sich auf diese Weise auf Reich zu berufen. Was wäre, wenn Reich 1932 gestorben wäre? Wären „Reichianer“ noch heute fanatische Kommunisten? Hätte Reich das ORANUR-Experiment nicht durchgeführt, würden sie heute noch vertreten, daß Orgonenergie-Akkumulatoren in den radiologischen Abteilungen von Krankenhäusern neben anderen Geräten zur physikalischen Therapie stehen sollten? Man kann Figuren wie Giordano Bruno und selbst Christus ganz anders sehen als Reich es getan hat. Erdreistet sich noch jemand, Lenin so zu zeichnen, wie es Reich getan hat? (Lenin war der einzige Revolutionär, der im Detail beschrieben hat, wie man etwa zaristische Polizeioffiziere ermorden kann.)

Reich ist seit über einem halben Jahrhundert tot und seine Ansichten sind nur noch von historischem Interesse. Das einzige was zählt, ist die Funktion des Orgasmus, die Entdeckung des Orgons und die Orgonometrie. Orgonomie ist nicht etwas, was auf den zeitlich spätesten jeweiligen Reich-Zitaten beruht und dann jederzeit durch eine nachträglich entdeckte noch spätere Aussage Reichs wieder infrage gestellt werden muß. Sie ist die selbständige Anwendung der Reichschen Methode. Aber jeder, der auf vollkommen korrekte Weise zu neuen Ergebnissen kommt, setzt sich der Gefahr aus, von „Reichianern“ zurechtgewiesen zu werden. Auf diese Weise wird jeder Fortschritt der orgonomischen Wissenschaft hintertrieben und die Orgonomie selbst sogar in ihrer Existenz gefährdet.

Es hat schon seinen Sinn, wenn heute medizinische Orgonomen ihre Patienten kaum noch berühren, jedenfalls drastisch weniger als sogenannte „Körpertherapeuten“. In diesem Zusammenhang auf Reich zu verweisen, dessen Therapie am Ende doch so vollkommen anders ausgesehen habe, ist vollkommen daneben, denn Reich behandelte nur ein bestimmtes Klientel, d.h. langwierige Fälle übergab er seinen Schülern, und es ging ihm primär um eine experimentelle Herangehensweise. Daß sich die Orgontherapie so entwickelt hat, wie sie sich entwickelt hat, läßt sich funktionell begründen. Hier die Orgonomie mit Rückverweis auf Reich „retten“ zu wollen, kann ihr nur schaden.

Dazu gehören auch Fragen der grundsätzlichen Strategie, etwa im Verhalten gegenüber Behörden. Reichs Umgang mit der FDA kann wohl kaum als Muster einer vernünftigen Vorgehensweise gelten! Sollten die Orgonomen in Amerika so manchem halbinformierten Dogmatiker folgen, etwa was den Orgonenergie-Akkumulator, den Cloudbuster und selbst das Berühren von Patienten betrifft, könnte das sehr schnell im Verschwinden der organisierten Orgonomie auf dem nordamerikanischen Kontinent münden. Die Orgonomie muß juristisch unangreifbar sein. Alles andere ist eine offene Einladung an die Emotionelle Pest!

Es stimmt, daß Reich am Ende die Orgonenergie in den Mittelpunkt stellen wollte, doch eine vernünftige Forschung, die dem skeptischen Blick insbesondere der Physiker widerstehen könnte, würde Unsummen verschlingen, mal abgesehen vom ungeheuren Zeitaufwand und der notwendigen Expertise. Das geht alles nicht ohne ein angemessenes gesellschaftliches Umfeld, das aktiv im Rahmen der sozialen Orgonomie geschaffen werden muß. Jede Orgonforschung verpufft in der sich immer mehr okular abpanzernden antiautoritären Gesellschaft, wenn sie nicht sogar den grassierenden Mystizismus unterfüttern würde („Feinstoffliches“). Nichts gegen Orgonphysik, aber zu behaupten, daß die orgonomische Soziologie zu sehr im Mittelpunkt stehe…

Man kann sogar mit dem Begriff „Kontakt“ die Kontaktlosigkeit vertreten:

Politisch korrekte „Arbeitsdemokratie“

10. Januar 2013

Reich sah den Realsozialismus schließlich als nichts anderes als „Roten Faschismus“, der mit dem ursprünglichen Intentionen von Marx, Engels und Lenin nichts mehr zu tun habe. Ein „feministisch“ reformierter Marxismus tritt uns in Marc Rackelmanns Diplomarbeit Der Konflikt des „Reichsverbandes für Proletarische Sexualpolitik“ (Sexpol) mit der KPD Anfang der dreißiger Jahre (Freie Universität Berlin, 1992) entgegen.

Rackelmann hat das gegensätzliche Politikverständnis von KP und Reich gut herausgearbeitet:

(…) dem Konflikt zwischen der straffen kommunistischen Organisationspolitik, für die Inhalte zweitrangig waren und dem Politikverständnis Reichs, das „von den Bedürfnissen zur Wirtschaft“ (Menschen im Staat, Frankfurt 1982, S. 127) gehen wollte, wobei Reich als pflichtgetreuer Leninist zunächst bereit gewesen ist, diese Organisationspolitik aktiv mitzutragen. Die unterschiedlichen Zielsetzungen von Reich und der KPD wurden erst im Verlauf der praktischen Arbeit offenbar und führten schließlich zum Bruch und zum Ausschluß Reichs aus der KPD. (S. 8)

Reichs

Vorgehensweise ist induktiv – von den, in seinem Verständnis, grundlegenden menschlichen Bedürfnissen ausgehend, kritisiert er die Gesellschaft dort, wo sie eine Befriedigung dieser Bedürfnisse verhindert und damit krank macht. Seine Zielgruppe sind damit die Menschen als sexuelle Wesen, letztlich also alle, und nicht als lohnabhängig warenproduzierende. Er kritisiert den Kapitalismus nicht als die Wurzel allen Übels, sondern als besondere Form des Patriarchats mit seinen Auswirkungen auf das Verhältnis von Mann und Frau und das Verhältnis der Menschen zu ihren Körpern. (S. 23)

Reich fand

Zugang zur Arbeiterbewegung und zum Marxismus über die Frage der menschlichen Grundbedürfnisse, deren Befriedigung er durch die kapitalistische Produktionsweise verhindert sah. Im Gegensatz zur traditionellen kommunistischen Politik interessierte ihn dabei weniger der Mensch (genauer: der Mann) als Warenproduzent – sondern die Auswirkungen dieser Wirtschaftsweise auf das alltägliche Leben. (S. 27)

Rackelmann hinterfragt auf der Grundlage einer feministischen Kritik das bis auf Marx zurückgehende patriarchalische Grundwesen der Arbeiterbewegung. Von den Marxisten sei rein verstandesmäßig vom Kopf her an den ganzheitlich körperlichen Menschen vorbei und von ihren Bedürfnissen abstrahierend geplant und alles Weibliche verdrängt und unterdrückt worden. Dabei kommt es bei Rackelmann zu einer ziemlich kitschigen Gleichsetzung: Frau = Familie = Masse = orgastische Hingabe = Körperlichkeit = dunkle Erdhaftigkeit = unberührte Natur, etc. Einerseits ist dieses fast schon Primärprozeßdenken Rackelmanns für jede selbstbewußte Frau eine sexistische Beleidigung und andererseits präsentiert hier Rackelmann eine romantische Verkleisterung der wahren Zustände.

Reich selbst mußte nach einer anfänglichen Idealisierung des Proletariats feststellen, daß „die Massen“ genauso, wenn nicht sogar mehr, gepanzert sind wie ihre „Unterdrücker“ – und genauso steht es mit den Frauen. Die Arbeitsdemokratie setzt weder auf bestimmte Ideologien („Feminismus“), noch auf bestimmte Gruppen der Gesellschaft („Basisdemokratie“), sondern auf jene Kern-Funktionen, die von der Panzerung nicht betroffen werden (die logischen und die Naturgesetze, die lebenserhaltenden Instinkte und die lebensnotwendige Arbeit), und jene rationalen Menschen, die diese Kernfunktionen verkörpern (also alle Menschen, die nicht oder nur minimal an der Emotionellen Pest erkrankt sind, d.h. dem Drang, der Lebensentfaltung aus Frustration einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen).

Arbeitsdemokratie bedeutet nicht, den Menschen die Verantwortung zu nehmen, indem man sie als Opfer hinstellt, sondern ihnen die Verantwortung aufzubürden. Und als solche naturwissenschaftlich-„medizinische“ Herangehensweise hat die Arbeitsdemokratie praktisch nichts zu tun mit Rackelmanns „feministischer“ Ideologie, die sogar noch oberflächlicher ist als die gängige irrationale Machtpolitik (sekundäre Schicht). Diese „intellektuelle“ Kontaktlosigkeit wird deutlich, wenn Rackelmann allen Ernstes behauptet, Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie sei ein Vorläufer der „basisdemokratischen Organisationsformen der neuen sozialen Bewegungen“ gewesen (S. 23). Rackelmann vertritt die politisch korrekte Fassade. Bezeichnend ist, daß seine Arbeit mit einem Motto ausgerechnet von Erich Fromm beginnt, dessen gesamtes System auf der sozusagen „Entkernung“ der Reichschen Gedanken beruht!

Bernd Guggenberger sagt zu den „basisdemokratischen Organisationsformen der neuen sozialen Bewegungen“: Die

moralische Selbstaufrüstung durch Inanspruchnahme einer imaginären „Allgemeinheit“ und „Eigentlichkeit“ hat die Neue Linke zu einem virtuos gehandhabten Instrumentarium systematischer Verunsicherung erweitert.

So

erfüllt die Berufung auf die „Basis“ für die Strategen der Systemüberwindung vor allem die Funktion, die fehlende Eigen-Legitimität auch für eine Position sicherzustellen, welche sich nicht auf die Zustimmung der Mehrheit der Bevölkerung berufen kann. (…) Die „Basisdemokratisierung“ (…) verkommt zum bloßen Instrument der Selbstversicherung der neuen Elite. (Weltflucht und Geschichtsgläubigkeit. Strukturelemente des Linksradikalismus, Mainz 1974)

Guggenberger fährt fort:

Die subkulturelle Version des Modells der Basisgruppen orientiert sich vor allem an Wilhelm Reichs Feststellung, das Klassenbewußtsein werde keineswegs allein durch die großen Kämpfe der Arbeiterklasse, durch Haupt- und Staatsaktionen der großen Politik bestimmt, sondern ganz wesentlich durch verinnerlichte Werte der Werbe-, Konsum- und Freizeitwelt, des sexuellen Bereichs, der Alltagsphäre. (Was ist Klassenbewußtsein?) Die bewußte Organisierung von „Basisprozessen“ auch außerhalb des direkten Machtkampfes war daher auch eine zentrale Forderung der Kommune 2.

Zur Untermauerung seiner Kritik am Marxismus verwendet Rackelmann Reichs Dreischichtenmodell der Charakterstruktur (S. 19). Die oberste Schicht, die soziale Fassade ist für Rackelmann die „bürgerliche Fassade“, z.B. des „konservativen Politikers im Bordell“. Daß damit aber auch Rackelmanns „feministisches“ Getue gemeint sein könnte, kommt gar nicht erst über den Horizont des Bewußtseins, denn schließlich ist man (und frau) ja authentisch. Er erfaßt zwar anhand der Marxistischen „Biologismus“-Kritik an Reich, daß die Kommunisten vom biologischen Kern getrennt sind, verleugnet aber gleich darauf selbst den bioenergetischen Kern, wenn er anprangert, „wie Menschenkörper zu faschistischen Männerkörpern zugerichtet werden“ (S. 22). Was um alles in der Welt ist ein „Menschenkörper“? Es gibt (wenn man mal von Hermaphroditen absieht) nur „Frauenkörper“ und nur „Männerkörper“! Der „Menschenkörper“ ist ein antibiologisches („faschistischer Männerkörper“!), verkopftes Konstrukt linker Theoretiker, die vollständig von ihrem Kern abgeschnitten sind.

Es geht hier nicht um Rackelmann, sondern um die Lebenslüge des gesamten politisch korrekten „Reichianismus“ in Deutschland, der im Namen des Lebendigen aus der Orgonomie eine linke Ideologie macht, die in ihrer Lebensfeindlichkeit dem Stalinismus in nichts nachsteht – nur, daß man sich noch weniger gegen sie wehren kann. Man denke nur daran, was feministische Kinderschutzgruppen oder extremistische Tierschützer, „Veganer“ und andere derartige Gruppen organisierter „Eigentlichkeit“ anrichten.

Zur Zeit der Sexpol wurde Reich von der KPD zur Mitgliederwerbung mißbraucht. Heute nimmt z.B. entsprechend die „neue“ Linke buchstäblich alles Wahre, Gute und Schöne mitsamt ihrer Vertreter in Beschlag. Diese Grundtendenz zum Mißbrauch des Lebendigen ist keine Stalinistische Entstellung, sondern gehört zum falschen, verlogenen Grundwesen des Marxismus („die soziale Fassade“). Deshalb sind Marxisten, gerade wenn sie sich Reich positiv zuwenden, die Todfeinde der Orgonomie. Diese „rote Faschisierung“ der Orgonomie ist ein umfassendes charakterologisches Problem, weniger eines der bewußten Marxistischen Ideologie.

Die „neuen sozialen Bewegungen“, insbesondere die Partei Die Grünen, haben gezeigt, worum es geht: Man gibt vor, den bioenergetischen Kern zu vertreten („Eigentlichkeit“ im Gegensatz zur „verlogenen bürgerlichen Gesellschaft“), tatsächlich vertritt man aber selbst nur die oberflächliche Fassade, die, wie Guggenberger ausgeführt hat, in den Dienst der Sekundären Schicht tritt. Auf diese Weise wird aus Reichs Konzept „Arbeitsdemokratie“ nichts andere als guter alter Roter Faschismus.

arbeitsrot

Hegel und der Orgonomische Funktionalismus (Teil 3)

29. Dezember 2012

Teil 1

Teil 2

Hegels Methode ist ein „spekulatives Denken“, d.h. im damaligen Sprachgebrauch ein „überblickendes Denken“; ein Denken, das das Gemeinsame in den Erscheinungen sieht. In diesem Sinne war Hegel ein funktioneller Denker.

Grundlage seines Denkens war der Dreischritt aus „Einheit – Getrenntheit – höherer Einheit“, d.h. einer Einheit, in der das Getrennte auf eine höhere Ebene gehoben, es „aufgehoben“ wird. Diesen Dreischritt ging er in allen denkbaren Bereichen durch: von der Naturphilosophie (insbesondere Goethes Farbenlehre) bis hin zur Religions- und Philosophiegeschichte, wobei es ihm gelang, jeweils funktionelle Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichsten Bereichen offenzulegen.

Am Anfang steht die „einfache (unterschiedslose) Einheit“. Sie entspricht dem gängigen naiven, „wissenschaftlichen“ Denken, das keine Widersprüche zuläßt.

Es ist ein naives Denken, weil es nicht sieht, daß in jeder Einheit implizit die Zweiheit enthalten sein muß, sonst wäre sie nämlich keine Einheit. Jede „These“ bringt mit Notwendigkeit eine „Antithese“ mit sich. Ein „Innen“, impliziert immer ein „Außen“, Bewegung Stillstand, Licht Dunkelheit, Leben Tod, Freiheit Gebundenheit, etc. pp.

Dieser Umschlag ins Gegenteil bedingt den zweiten Schritt der Triade: die Unterschiede, das Wechselspiel von These und Antithese, wie sie im Gegensatz zum „einfachen Sein“ das „Dasein“ bestimmt.

Im menschlichen Geist bildet sich schließlich die „höhere (konkrete) Einheit“, in der die diversen Unterschiede jeweils in einer Synthese aufgehoben sind. Dieser „Geist“ ist aber nicht etwa der Gedanke des einzelnen Menschen, sondern „der Gedanke Gottes“, der letztendlich allem zugrundeliegt. Im Menschen wird sich sozusagen „das Sein“ seiner selbst bewußt, womit wir wieder am Anfang des Dreischritts wären. Beispielsweise gehen aus Sicht des Geistes (und damit auch real!) Innen und Außen auf die Gestalt zurück, Bewegung und Stillstand, Licht und Dunkelheit, Leben und Tod, Freiheit und Gebundenheit jeweils auf die Organisation, etc. pp.

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Dieses philosophische (und in mancher Beziehung gleichzeitig religiöse, genauer gesagt christliche) System ist kaum etwas anderes als eine mystische Verzerrung der Orgonometrie, d.h. der objektiven Logik der Natur. Natürlich war es Hegels Anspruch diese „objektive Logik der Natur“ letztgültig entschlüsselt zu haben, doch tatsächlich blieb seinem Nachfolger Reich dieser Schritt vorbehalten.

Jacob Meyerowitz hat das Denken des Menschen wie folgt orgonometrisch beschrieben:

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Der Mensch denkt sozusagen auf „Ebenen“, von denen er jedoch nicht erfassen kann, daß es sich um Ebenen unterschiedlicher Tiefe handelt. Entsprechend wird auf abstrakte Weise alles mit allem verknüpft ohne Rücksicht auf die funktionelle Entwicklung (in diesem Beispiel gestaffelt in drei Ebenen, es könnten mehr sein), so als handele es sich um eine einzige Ebene. Die funktionelle Entfaltung, die „Bifurkationen“, „außerhalb der Ebenen“ fällt ganz aus dem Blick. Es ist Aufgabe der Orgonometrie sie wieder in den Blick zu bringen.

Hegel, der den Anspruch hatte, als erster Mensch wirklich wissenschaftlich, d.h. in Übereinstimmung mit der objektiven Realität, zu denken, hat die Orgonometrie in vieler Hinsicht vorweggenommen.

Er hat die Rolle des Gemeinsamen Funktionsprinzips (CFP) erfaßt. Zunächst als Funktion („das einfache Sein“), aus dem die Differenz und damit „das Dasein“ hervorgeht. Und dann, sozusagen in der „spekulativen Schau“, hat er diese einheitliche Funktion als Prinzip erkannt, in dem die spätere Entwicklung bereits enthalten ist. Das ganze dachte er als eine Entwicklung im Dreischritt, weil er im abstrakten Denken gefangen war, wobei er jedoch ansatzweise die funktionelle Entwicklung „außerhalb der Ebenen“ erfaßt hat. Das bezeichnet man heute als „Hegelsche Dialektik“, die über den Umweg des Dialektischen Materialismus (Marx, Engels und Lenin) zu Reich gelangte.

Der Nachweis des Kontinuums der Funktion in der Medizin (Teil 3)

28. Oktober 2012

Die orgonomische Vorstellung von „Gesundheit“ ist offensichtlich absurd! Nehmen wir etwa das, was Federico Navarro in seinem zweibändigen, ähhh, Werk Die sieben Stufen der Gesundheit (Frankfurt 1986) über Haarausfall bei Männern gesagt hat: es sei (logisch!) Folge von okularer Panzerung… :-)

Aber im Ernst: hier zeichnet sich ein wahrhafter Terror ab, der die gesamte Orgonomie ad absurdum führt. Will sagen, wenn man derartige Maßstäbe an den Menschen legt, wie der verpeilte „Vegetotherapeut“ Dr. Navarro, dann können wir das Konzept „Gesundheit“ gleich ganz vergessen, denn es ist offensichtlich nichts anderes als eine ideologische Chimäre, die letztendlich der Ausübung faschistischer Macht dient, indem jeder und jede „entlarvt“ wird. „Schütteres Haar?“ „Wußte ich’s doch!!!

Im funktionellen Denken, das frei ist von den krankhaften Absolutheiten des mechanistischen und des mystischen (d.h. gepanzerten) Denkens, treten derartige Probleme nicht auf.

So, was soll das sein, „funktionelles Denken“?!

Erst einmal denken wir nicht in Absolutheiten wie „krank“ und „gesund“! Niemand und nichts ist „absolut krank“ bzw. „absolut gesund“!

Das wird deutlich, wenn man konkrete Beispiele nimmt.

Gesundheit hat offensichtlich etwas, mit einem „ungepanzerten“, d.h. beweglichen Körper zu tun. Trotzdem kann ein Ballettänzer, an dessen Bewegungsabläufen nichts auszusetzen ist, hochneurotisch sein. Aber, und das ist entscheidend, ein verfettetes Couchpotato kann unter wie auch immer gearteten Umständen kein genitaler Charakter sein.

Jemand, der Sex bis zum Abwinken hat und dabei, nach eigener Einschätzung, vollkommen befriedigt ist, kann hochneurotisch sein. Ein zölibatär lebender Mensch kann jedoch unter keinen Umständen ein genitaler Charakter sein.

Ein „großer Denker“, etwa ein bekannter Philosoph, kann ein neurotisches Wrack sein. Aber jemand der, unabhängig vom IQ, Dinge nie zuende denkt und ständig an den Fragen vorbeiargumentiert, kann unmöglich ein genitaler Charakter sein.

Diese Beispiele mögen genügen. Was ist also „Gesundheit“, d.h. „orgastische Potenz“?! Schauen wir uns dazu folgendes Diagramm an:

Je weiter sich die Schenkel nach rechts hin spreizen, desto mehr Raum ist für „die bunte Welt der Neurose“. Hier ist wirklich Raum für alles.

Beispielsweise kann ein schizophrener Mensch zeitweise vollkommen freie Augen haben, während sie zu anderen Zeiten vollständig gepanzert sind.

Ein Mensch wie Richard Wagner kann großartige Kunst schaffen und gleichzeitig an einem Traktat arbeiten, das den Holocaust mit vorbereitet hat.

Jemand wie Lenin kann in vieler Hinsicht die Orgonometrie wie kein anderer vorweggenommen haben und gleichzeitig den GULAG begründet haben.

Jemand kann der netteste Arbeitskollege sein, den man sich überhaupt vorstellen kann, und sich abends sadistische Kinderpornos anschauen.

Je weiter wir aber nach links zurückgehen, d.h. in Richtung des Gemeinsamen Funktionsprinzips alles Lebendigen, desto eingeschränkter wird die Variation.

„Nach links“ verweist in Richtung der Gesundheit, die viele Dinge ausschließt, während „nach rechts“ in Richtung Krankheit verweist, die so gut wie alles einschließt.

Dazu muß man wissen, daß es buchstäblich keine einzige neurotische Äußerung gibt, wie bizarr sie auch immer sei (etwa die Untaten kannibalistischer Sexualmörder), die nichts als eine bloße Übertreibung eines primären, vollkommen natürlichen und gesunden Antriebes entlarvt werden könnte. „Ich habe dich zum Fressen gern!“

Wenn man die Orgonomie wirklich verstanden hat, dann sind faschistische Fehldeutungen von Gesundheit und Krankheit ausgeschlossen.

Reichs Selbstverständnis als Wissenschaftler (Teil 1)

11. September 2012

Reichs grundsätzliches Selbstverständnis als Wissenschaftler kommt wohl am besten in seinen 12 „Grundregeln“ zum Ausdruck, die ich hier gekürzt und paraphrasiert wiedergebe:

  1. Die Instrumente zur Beobachtung und Messung sollten die gleiche Qualität haben wie die sinnlosen Luxusgegenstände, die man sich erträumt und für die man bereit ist Unsummen auszugeben.
  2. Man soll auf die Antworten hören, die einen die Natur gibt und nicht auf das, was ein Lehrbuch aus dem anderen abschreibt.
  3. Man soll nicht versuchen besonders clever zu sein, sondern einfach und bescheiden.
  4. Man soll nicht darauf achten, was denn die Mitmenschen über einen sagen könnten.
  5. Zu Beginn soll man sich streng an die Vorgaben für das jeweilige Experiment halten. Später kann man dann den Versuchsaufbau variieren und „kontrollieren“.
  6. Entsprechend soll man sich zunächst auf seine Sinne verlassen, danach aber das beobachtete mit Hilfe von Instrumenten verifizieren, die von den Sinnen unabhängig sind.
  7. Man soll nicht Ideen über Dinge ausspinnen, die man selbst nie beobachtet hat.
  8. Vorgänge und Gegebenheiten muß man aus ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten heraus verstehen und nicht fremde Gesetzmäßigkeiten abstrakt auf sie übertragen.
  9. Erfährt man von einer neuentdeckten natürlichen Grundfunktion, muß man bereit sein, seine bisherigen Vorstellungen einer Revision zu unterziehen.
  10. Man darf seine Fehler nicht verdrängen, sondern muß aus ihnen lernen.
  11. Man muß sich stets darüber im Klaren sein, was man (noch) nicht weiß.
  12. Eine Autorität ist nur derjenige, der sich mit dem gegeben Phänomen wirklich befaßt hat. Bloße akademische Titel bedeuten in dieser Hinsicht gar nichts. („Rules to Follow in Basic Research“, Orgone Energy Bulletin, 3(1), Jan. 1951, S. 63f)

Reichs Durchhaltevermögen, das in der grundsätzlichen Überzeugung fundiert war, den richtigen Weg zu gehen, war das Geheimnis seines Erfolges, während andere aus Bequemlichkeit und Selbstzweifeln zu schnell aufgaben. Reich führte dazu 1938 aus:

Es mußte (…) zu einem methodischen Grundsatz meiner Arbeit werden, jede technische Errungenschaft der wissenschaftlichen Forschung zu übernehmen, jede praktische Beobachtung genau zu registrieren, jedoch, um nicht gestört zu werden, jede theoretische Auslegung zunächst unbeachtet zu lassen. Ich pflege, um von vornherein Schwierigkeiten der Arbeit zu beseitigen, meine Mitarbeiter ausdrücklich darum zu bitten, nur ihre Technik und ihre Tatsachenkenntnisse anzuwenden, jedoch in der Arbeit und mir gegenüber irgendwelche gelernten Theorien oder Anschauungen zu vergessen. So wurde es möglich, den Versuch durchzuführen, Ruß zu glühen und in Bouillon + KCl quellen zu lassen, ja sogar zu kultivieren. Es stellt sich nämlich heraus, daß diese sogenannte physikalische Bewegung (Brownsche Bewegung), die ja als solche immer vorhanden sein müßte, bei Veränderung der Bedingungen nicht vorhanden ist, daß die Kohle- und Rußstäubchen schön ruhig daliegen, daß sie sich nach einiger Zeit der Quellung zu rühren beginnen etc. und daß die Bewegung nach mehreren Wochen oder Monaten aufhört. Die Bequemlichkeit des Denkens in der naturwissenschaftlichen Arbeit ist gewiß eine Erscheinung, die man bei Durchbrüchen in unwahrscheinlich klingende Gebiete sehr deutlich zu spüren bekommt. Man hat also in der zweiten Art wissenschaftlicher Forschung nicht nur Tatsachen und Probleme zu bewältigen und nicht nur gegen überlieferte, oft falsche Anschauungen zu kämpfen und sie zu widerlegen, mehr: Neben dem eigenen Gefühl von der Richtigkeit und Korrektheit der Annahmen, das unbedingt vorhanden sein muß, hat man mit den unerläßlichen und quälenden Zweifeln an der eigenen Sache zu kämpfen, die einen sowohl sehr befruchten, aber auch sehr oft veranlassen können, die Arbeit in einem verfrühten Stadium abzubrechen. (Die Bionexperimente, S. 176)

Die Geschichte der Orgonomie ist nicht die Entfaltung eines Dogmas, sondern eine ständige Selbstwiderlegung von Hypothesen. Reich ist während seines gesamten Forscherlebens von einer dieser Widerlegungen zur nächsten geradezu gestolpert, sie trennten ihn von der Psychoanalyse und dem Marxismus, denen er absolut gehuldigt hatte, seine elektrischen Spekulationen der 1930er Jahre erwiesen sich als unhaltbar. Dann entdeckte er eine spezifisch biologische „isolierte“ Strahlung – die sich als allgegenwärtiger Background erwies; er meinte nur im Menschen würde diese Energie blockiert, um dann zu entdecken, daß das DOR auch unabhängig vom Menschen auftrat.

Sein Assistent und Biograph Myron R. Sharaf führt aus, daß sich Reichs Selbstverständnis vor allem durch den Widerstand und das Unverständnis seiner Umwelt formte. Reich war, wie gesagt, ursprünglich allzu erpicht darauf, nur die Gedanken fortzuführen, die Freud und Marx/Engels/Lenin ins Rollen gebracht hatten. Nur die scharfe Zurückweisung durch die Psychoanalytiker und Marxisten brachte ihn dazu sich auf sein ureigenstes Anliegen zu konzentrieren. Als er sich des Ausmaßes und der ganzes Bedeutung seiner Entdeckungen bewußt wurde, hörte er auf sich als „nichts besonderes“ zu betrachten, sondern fing an zu fragen, welche Qualitäten es der Person Wilhelm Reich ermöglicht hatten, etwas zu leisten, was ohne diese Person nie hätte geleistet werden können (Sharaf: „Thoughts about Reich“, Journal of Orgonomy, 11(2), November 1977, S. 240-245).

Seine Antwort auf diese Frage nach seiner „Einzigartigkeit“ lautete nicht etwa, daß er, Reich, ein besonders großes „Genie“ gewesen sei. Nein, es fing schon damit an, daß er anders atmete!

Ich habe immer sehr gut geatmet. Die Leute dachten, es hätte mit mir etwas Besonderes auf sich, weil ich so gut atmete. Ich bin einmal zu einem Arzt gegangen, weil ich eine Sehnsucht in der Brust spürte. Er hat es überhaupt nicht verstanden. (Sharaf: „Some Remarks of Reich: Summer 1948“, Journal of Orgonomy, 3(1), S. 116-119, March 1969)

Reich hatte einfach eine Qualität, die den meisten anderen Wissenschaftlern abgeht: ein „Offensein“ für die Naturprozesse.

Ich fühlte mich mehr als Übermittler einer bestimmten Logik denn als weiser Denker, der „überlegen“ wissenschaftliche Schlußfolgerungen zieht. (Menschen im Staat, S. 175)

Das, d.h. das Fühlen wie ein „Neugeborenes“, das noch außerhalb der Gesellschaft steht, beinhaltet wiederum eine neue Haltung zur „Wertfreiheit“ der Wissenschaft.

Wissenschaftlern seien, so Bernd A. Laska in einer Buchbesprechung, „nur zwei Möglichkeiten denkbar, wie sie ihr Geschäft erledigen können: als wertfreie oder als parteiliche Wissenschaft“.

Laska fährt fort:

Das Konzept der wertfreien Wissenschaft geht von dem Dogma aus, das Werten könne prinzipiell nicht Aufgabe der Wissenschaft sein. Es ist deshalb gezwungen, jedem mündigen Menschen grundsätzlich Autonomie im Werten zuzusprechen. Das Paradoxe an dieser Position ist, daß Autonomie erst dem „Mündigen“ zugestanden wird, also gerade demjenigen, der in einem Anpassungsprozeß seine Autonomie eingebüßt hat, während dem wahrhaft autonomen Neugeborenen Autonomie abgesprochen wird. (Laska: Wilhelm Reich Blätter, 3/81, S. 160)

Es gibt zwei Arten von Wissenschaft: die erstere ist ein Instrument, „im Dienste der Tendenz des Menschen, den Problemen des lebendigen Lebens auszuweichen.“ Entsprechend unterschied Reich, wie Laska weiter ausführt, „zwischen notwendigem Irren aus Unkenntnis und nichtnotwendigem Irren, das aus dieser Tendenz erwächst“ (Laska: „Zur Bestimmung des Status der Reichschen Theorie: I. Allgemeiner Überblick“, Wilhelm Reich Blätter, 1/80, S. 8-20).

Reichs psychoanalytische Kollegen, typische Intellektuelle, sahen seine praktische Beschäftigung mit der sozialen Frage als Verrücktheit an (Menschen im Staat, S. 102), wo es doch für einen Arzt die selbstverständlichste Sache der Welt sein sollte. Das gleiche gilt für Reichs Beschäftigung mit der Biologie: es sollte doch für einen Arzt selbstverständlich sein, sich mit den biologischen Grundlagen des Lebens direkt auseinanderzusetzen:

Die Orgonomie ist die endgültige Wahrheit!

30. August 2012

Dieser Ausspruch stammt von Elsworth F. Baker, der bei einer Rede vor dem American College of Orgonomy der Frage nachging, warum einige Orgonomen die Orgonomie wieder verlassen (Journal of Orgonomy, 11(2), November 1977).

Wie kann jemand, der geistige Gesundheit für sich beansprucht, behaupten, die Orgonomie sei die endgültige Wahrheit?

Dazu müssen wir zu Vater und Mutter zurückkehren, aus deren Verbindung zunächst die Sexualökonomie und schließlich die Orgonomie hervorgegangen ist: Psychoanalyse und Marxismus.

Engels, Lenin, Trotzki und nicht zuletzt Reich waren der Auffassung, daß der Dialektische Materialismus nicht nur eine Denkmethode wie jede andere sei, eine „abstrakte Logik“, sondern, daß er die objektive Entwicklung der Natur unmittelbar widergibt. Reich läßt sich 1938 darüber eingehend in Die Bione aus.

„Kritische“ Marxisten haben sich stets gegen diese Interpretation gewandt, die ihres Erachtens den wissenschaftlichen Grundintentionen von Marx‘ zuwiderläuft.

Ähnliches findet sich in der Psychoanalyse, obwohl dort m.W. eine entsprechende Debatte fehlt: Freud hatte Probleme Affekte, d.h. kurz andauernde, heftige Emotionen, etwa plötzlicher Schrecken oder Ekel („Eine Schlange!!“), ansteckende Freude, etc. aus seiner Triebtheorie abzuleiten, da Affekte in einem „symbolischen“ Sinnzusammenhang stehen. Freud nahm gemäß seiner dualistischen Grundtendenz Zuflucht in abstrusen Theorien über die Phylogenese. Das „Keimplasma“ sei von außen punktuell geprägt worden. Hier stellt sich die Frage, ob der nach außen greifenden Libido nicht vielmehr quasi „monistisch“ selbst Struktur und damit „Sinnhaftigkeit“ und eine gewisse „Logik“ inhärent ist. Wie das konkret aussieht, hat Reich in den späteren Zusätzen zur Charakteranalyse und insbesondere in Die kosmische Überlagerung gezeigt.

Reich war, vielleicht als einziger, eindeutig der Meinung, daß der Marxismus und die Psychoanalyse sozusagen „aus sich selbst heraus“ eine Logik entwickeln. Nicht von ungefähr finden sich immer wieder Stellen in seinem Werk, wo er sich als willenloses Werkzeug einer „objektiven Logik“ sieht.

Es geht um diese Logik, nicht darum, daß die Orgonomie Antworten auf alle Welträtsel hat – sie hat sie eindeutig nicht. Es geht um die Frage, ob man charakterstrukturell in der Lage ist, sich der besagten objektiven Logik hinzugeben, sie zu verkörpern und möglichst unverzerrt zum Ausdruck zu bringen.

Sämtliche Orgonomen, die zum damaligen Zeitpunkt die Orgonomie wieder verlassen hatten, hatten, Baker zufolge, eine liberale Charakterstruktur, d.h. ihre intellektuelle Abwehr stand im Vordergrund. Entsprechend konnte für sie die Orgonomie unmöglich die „abschließende Wahrheit“ sein.

Am Ende stellt sich natürlich die Frage, ob das ganze nicht, oh Schreck, ein „totalitäres Konzept“ ist. Dezidiert nicht, denn den naheliegensten, offensichtlichsten Niederschlag der orgonomischen objektiven Logik in der menschlichen Sphäre findet sich in der „natürlichen (!) Arbeitsdemokratie“.

Wer den Orgonomen „Totalitäres“ andichtet, sitzt schlicht einem Vorurteil auf und hat nie mit einem Orgonomen diskutiert – und in einer kritischen Frage Recht behalten. Es gibt keine orgonomische Autorität außerhalb der objektiven Logik.

Andererseits sind wir alle Menschen und Reich, war, wie alle Genies, ganz besonders menschlich – allzumenschlich… An anderer Stelle habe ich mich eingehend mit totalitären Zügen innerhalb der Orgonomie auseinandergesetzt.

Noch zwei Punkte:

Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Glaubenslehren bzw. Ideologien könnte man daran festmachen, daß die Wissenschaft ihre Logik nicht aus sich selbst zieht, sondern sich am Maßstab der abstrakten Logik messen läßt. Dann stellt sich natürlich die Frage, woher diese Logik kommt, wo bzw. wie sie in der Natur verankert ist. Unversehens landet man so zwangsläufig in einer Platonistischen Weltsicht. Nichts gegen abstrakte Logik und Mathematik, aber zu glauben, daß sie einen per se vor Spökenkiekerei bewahren, ist illusorisch.

Überhaupt abstrakte Logik: Im Laufe meines Lebens habe ich schon einige schier endlos sich hinziehende Diskussionen mit rationalen und wissenschaftlich gebildeten Leuten hinter mir, die einer linearen und in sich kohärenten Logik folgten. Ich war stets der Uneinsichtige, der „über zig Ecken herum denkt“. „Ach Peter, Du immer mit Deiner Dialektik!“ Und „trotzdem“ habe ich am Ende immer recht behalten, d.h. die Wirklichkeit, die „dialektischen“ (funktionellen) Gesetzmäßigkeiten folgt, hat mir recht gegeben! Um diesen narzißtischen Absatz zu komplementieren: Ich verweise auf die Diskussionen zwischen dem „uneinsichtigen“ Niels Bohr auf der einen und Einstein und anderen linear denkenden Physikern auf der anderen Seite!

Zweitens der vulgärmarxistische Einwand: „Da fehlt die historische Sichtweise!“ Leuten, die so etwas sagen, geht es darum, alles gnadenlos zu relativieren, indem sie es in den „geschichtlichen Kontext“ stellen. Dabei weiß jeder, der nicht vollkommen ideologisch verblendet ist, daß es Konstanten in der Geschichte gibt. Die Soziologie hat die Biologie als Hintergrund, dazu gehören nicht zuletzt die Charakterstrukturen und Gegebenheiten wie die Emotionelle Pest. Das sind „überzeitliche Wahrheiten“, wie Reich es etwa in dem denkbar „unhistorischen“ Buch Christusmord beschrieben hat; wenn man so will, ewige Wahrheiten!

Und selbst auf dem ureigensten Gebiet des Marxismus, der Wirtschaftsgeschichte: Hat eine Bäckerei, ein Zirkus, eine Reederei, etc. zur Zeit des Römischen Reiches wirklich so viel anders gewirtschaftet als heute? Natürlich ist es unsinnig geschichtliche Veränderungen zu leugnen, beispielsweise ist in diesem Blog ständig vom Übergang von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft die Rede, aber wie manche das Diktum „unhistorisch“ als Todschlagargument benutzen, ist kaum weniger unsinnig. Es hat was, sich von wirren Sektierern, wirres Sektierertum vorhalten lassen zu müssen!

Wer war Jesus? (Teil 2)

13. März 2012

Kurz zusammengefaßt hat der christliche Gott eine Natur, die drei „Personen“ teilen: Vater, Sohn und Geist. Wobei jedoch der Vater die einzige Quelle des Seins ist:

  • Der Vater gebiert den Sohn – der Sohn gebiert aber nicht den Vater.
  • Der Vater sendet den Geist aus – der Geist sendet aber nicht den Vater aus.

Da die westliche Kirche vor 1000 Jahren die Trinität in Unordnung brachte („der Geist geht vom Vater und vom Sohn aus“) kam es zur großen Kirchenspaltung zwischen Osten und Westen. (Die tragischerweise erst den Triumph der mohammedanischen Pest ermöglichte!)

Das „Gebären“ und das „Aussenden“ des Vaters erfolgt nicht in der Zeit, sondern ist ewig: d.h. die Trinität hat keinen Anfang und kein Ende. Was man sich darunter vorstellen kann, macht die orgonometrische Formulierung deutlich:

Die orgonometrische Entwicklung nach rechts kann, muß aber nicht ein Zeitpfeil sein. Reich hat hier eine Dimension „jenseits“ von Zeit und Raum offengelegt.

Diese Art zu denken ist aus der Theologie hervorgegangen, ist über Hegel, Engels und Lenin zu Reich übergegangen und wurde schließlich zur Orgonometrie.

Die Formulierung der Trinität wurde notwendig, um (im Rahmen der biblischen Vorgaben) jene Frage widerspruchslos beantworten zu können, um die sich das Christentum dreht: „Wer ist Jesus?“ Jesus ist die Fleischwerdung der zweiten Person Gottes, also des „Sohnes“. Er ist nicht einfach eine „Inkarnation Gottes“, wie etwa der Hindugott Vishnu Inkarnationen hat, sondern in Gestalt des Sohnes ist er eins mit der Natur Gottes, aber gleichzeitig ist er auch ganz Mensch, so wie jeder andere Mensch auch. Der einzige, wirklich der einzige Unterschied zu anderen Menschen ist, daß er ohne Sünde ist.

„Ohne Sünde sein“, bedeutet aus Sicht der Orgonomie, ohne Panzerung zu sein. Es fehlt die Mauer zwischen „mir“ und meiner „wahren Natur“. Die Zeitgenossen Jesu konnten das, d.h. den genitalen Charakter, nur in Begriffen der Theologie verstehen – so ist das Christentum entstanden. Eine Art pervertierter „Proto-Orgonomie“!

Ein inkarnierter Gott, wie etwa Krishna, ist schlichtweg eine Monstrosität und an sich beliebig und – bedeutungslos. Man gehe nur einmal die diversen Inkarnationen der griechischen und indischen Götter durch. Die Vorstellung Jesus sei Prophet, also ein Bauchredner Gottes, gewesen, trifft ebenfalls nicht das, was Jesu Jünger erlebten, zumal Jesus kaum weltbewegendes „verkündet“ hat. Was blieb war die Trinität und die Zweinaturenlehre („Jesus ist ganz Gott und ganz Mensch“), die das Christentum von allen anderen Religionen grundsätzlich unterscheidet.

Wer Jesus war, zeigt sich in den Ikonen der orthodoxen Kirche:

Ikonen zeigen, abgesehen von Nebenfiguren einer Szene, wie etwa Judas und die jeweiligen Mörder der Märtyrer, ausschließlich Jesus, Heilige und Engel. Es gibt weder Schatten noch Perspektive, da eine Welt jenseits von Zeit und Raum gezeigt wird. Die Figuren strahlen von innen und gehen in einem strahlenden Hintergrund auf.

Ikonen gehen auf die Verklärung Jesu zurück, als Jesus auf einem Hügel vor seinen Jüngern Petrus, Johannes und Jakobus seine zweite, seine göttliche Natur offenbarte und er „erstrahlte“. Der prinzipiell unsichtbare Gott wurde sichtbar. Ikonen zeigen auch Heilige, weil ein Teil des göttlichen Feuers auf sie übergegangen ist (deshalb sind sie Heilige!) und sie nun ebenfalls von innen heraus erstrahlen. Sie sind damit Teil eines Bereichs Jenseits von Zeit und Raum, der vor der Schöpfung nur vom dreieinigen Gott (und den Engeln) ausgefüllt wurde. Den „lichtdurchlässigen“ („energiedurchlässigen“) Seligen bedeutet dieses Licht ewige Freude, den „gepanzerten“ Sündern, die durch das Licht unerträglich geblendet werden, ewige Qualen. Den genitale Charakter erfüllt es mit Wonne, wenn ihn die Orgonenergie durchströmt, der gepanzerte Mensch wird hingegen von den orgonotischen Strömungen buchstäblich zerrissen.

Reich und Marx (Teil 3)

10. März 2012

„Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern“ – das ist einer der berühmtesten Aussprüche überhaupt. Hier bezog sich Rosa Luxemburg auf Lenin und die Russische Revolution:

Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der „Gerechtigkeit“, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die „Freiheit“ zum Privilegium wird.

War Luxemburg etwa eine Liberale? Mitnichten! Sie war militante Sozialistin und wurde als solche ermordet. Was sie an Lenin auszusetzen hatte, war nicht etwa, daß der die „bürgerliche Demokratie“ (mit deren sogenannter „Gerechtigkeit“ und sogenannter „Freiheit“) eingeschränkt hatte, sondern die sozialistische Demokratie. Luxemburg hat den Weg in den Roten Faschismus gebrandmarkt.

Aber fangen wir von vorne an und rekonstruieren wir kurz die vier Schritte zu dem, was Reich drei Jahrzehnte später als „Roten Faschismus“ bezeichnen sollte:

  1. Am Anfang stand der naive Arbeiterkommunismus eines Wilhelm Weitling, der ganz vom christlichen Gedanken der Nächstenliebe durchdrungen war. Die Revolution sollte endlich die Brüderlichkeit zwischen allen Menschen herstellen.
  2. 1846/47 übernahmen Marx und Engels den Bund der Kommunisten und entwickelten eine pseudo-kommunistische „dialektisch-materialistische Geschichtsauffassung“, die den Arbeiter vom Subjekt der Befreiung zum Objekt sozialistischer (Pseudo-) Intellektueller Wirrköpfe („Theoretiker“) machte. Eine von diesen sozialitischen Theoretikern war eine oder zwei Generationen später Rosa Luxemburg.
  3. Lenins große Sünde in Luxemburgs Augen war es, daß er ein kleines sektenartiges Grüppchen innerhalb der „sozialistischen Bewegung“ mit einem Alleinvertretungsanspruch versah und alle anderen Linksintellektuellen verfolgte. Teilweise war man gegenüber anderen Sozialisten weitaus erbarmungsloser als gegenüber dem Klassenfeind. In Luxemburgs Augen war das eine Ungeheuerlichkeit. Für die kapitalistischen Ausbeuter und deren ideologische Spracherohre hatte sie hingegen null Mitleid.
  4. Der Sündenfall Stalins, das was den Stalinismus vom Leninismus unterscheidet, ist der nächste logische Schritt über Lenin hinaus: eine weitere Verschärfung des Klassenkampfes. Stalin tat etwas, was unter Lenins Herrschaft undenkbar gewesen wäre: Kommunisten verfolgten und ermordeten andere Kommunisten. (Im Maoismus der Kulturrevolution wurde sogar die Kommunistische Partei selbst zum Feind. Was blieb, war der greise Führer und seine ihm blind ergebenen jugendlichen Anhänger.)

Hat man einmal diese innere Logik der Entwicklung des Kommunismus begriffen, wird deutlich, wie lächerlich es ist, wenn manche davon sprechen, es wäre ein Mißbrauch, den Begriff „Roter Faschismus“ auf Lenin, Trotzki und andere „authentische Kommunisten“ oder gar, Gott bewahre, auf Marx, Engels und Figuren wie Luxemburg zu übertragen.

Es stimmt zwar, daß Reich selbst bis zuletzt ein großer Bewunderer von Trotzki, Lenin, Luxemburg, Engels und Marx war, was aber einzig zählen sollte, ist die funktionelle Logik: Kommunisten ermorden Kommunisten (Stalinismus) → Kommunisten ermorden Sozialisten (Leninismus) → Sozialisten nutzen Arbeiter als politische Verfügungsmasse (Marxismus) → Arbeiter wehren sich dagegen ein bloßer Produktionsfaktor zu sein (Arbeiterkommunismus). Was am Arbeiterkommunismus „Roter Faschismus“ sein soll? Ich verweise auf meine Ausführungen zur Zwangskollektivierung in Teil 2.

Die Massenpsychologie der Anthroposophie (Teil 1)

27. Oktober 2011

Rudolf Steiner glaubte, daß seine Gedanken ihm durch göttliche Kräfte eingegeben würden. Von Geburt an bis zu seinem Krebstod waren „geistige Wesenheiten“ seine ständigen Begleiter. während seiner Pubertät erlebte Steiner in der Beschäftigung mit der höheren Mathematik Befreiung von seinen drängenden Trieben. Statt genitaler erstrebte er mystische Erfüllung und „spirituelle Entladung“, während er, wohl aus persönlicher Erfahrung heraus, Sex mit Schwarzer Magie gleichsetzte.

1875 gründete Helena Petrowna Blavatsky die Theosophische Gesellschaft mit ihrer „Geheimen Lehre“ von Atlantis und dessen sieben „Wurzelrassen“, zu denen auch die „Herrenrasse“ zählte, die „Arier“. (Tatsächlich geht auf sie praktisch das gesamte Oeuvre der modernen „Esoterik“ zurück: etwa die „Hohlerde“ und David Icke ist nur ein fader Blavatsky-Aufguß.) Ein Freund Blavatskys, der Rosenkreuzer Franz Hartmann, gründete 1895 zusammen mit dem Wiener Fabrikanten Karl Kellner in Wien die Loge Ordo Templi Orientis (O.T.O.), deren Ordensgeheimnis tantrische Sexualmagie war. Aus dieser Geheimloge ist, neben Aleister Crowley (auf den wiederum die Scientology zurückgeht) Steiners Anthroposophie hervorgegangen. Eine weitere Abzweigung des O.T.O. war Lanz von Liebenfels Ordo Novi Templi (O.N.T.), der den Mutterboden der NSDAP formte. Jedenfalls gehörte das Hakenkreuz zum Logen-Wappen und aus dem Logenmotto „Heil und Sieg!“ wurde „Sieg Heil!“.

1920 schrieb der Anthroposoph Karl Heise (der später die Heraufkunft des Nazi-Regimes enthusiastisch begrüßen sollte) ein Buch über Entente-Freimaurerei und Weltkrieg, dessen Druck Steiner persönlich finanzierte und für das er das Vorwort schrieb. Das Buch handelt von „der britisch-freimaurerischen Verschwörung“ und zitiert dazu ausführlich Guido von List, den Logenbruder von Lanz von Liebenfels und Begründer des proto-nazistischen „Armanenordens“, dessen rassistische Sexualmagie ich an anderer Stelle beschrieben habe Der blaue Faschismus http://www.orgonomie.net/hdoblau.htm . Heute wird Heises Buch von neonazistischen Gruppen ständig neu verlegt.

Steiner hatte den Ersten Weltkrieg als „strafenden Sturmwind“ für die ungläubigen Alliierten bezeichnet. Wilson und Lenin nannte er „ahrimanische Mächte“ gegen Deutschlands spirituelle Sendung. In diesem Geiste hatte er bereits zu Beginn des Krieges den Chef des deutschen Generalstabs Helmuth von Moltke, einen Anthroposophen, beeinflußt. Anthroposophie als die Ideologie des deutschen Imperialismus! Der Gründer der anthroposophischen Kirche „Christengemeinschaft“, Pastor Friedrich Rittelmeyer, veröffentlichte 1934 ein Buch mit dem Titel Deutschtum, in dem er für einen Befreiungskrieg von der angelsächsischen Welt warb.

Als Hitler auftrat, reagierten zwar manche Anthroposophen reserviert, aber niemals wirklich feindselig, während sich die meisten begeistert der „Bewegung“ anschlossen. 1933 erklärte der ehemalige Privatsekretär Steiners und späteres Mitglied des Vorstandes der Anthroposophischen Gesellschaft, Guenther Wachsmuth, gegenüber einer dänischen Zeitung, daß es kein Geheimnis sei, daß die Anthroposophen die Entwicklung in Deutschland voll Sympathie verfolgten. Währenddessen schickte der Nachfolger Steiners und Präsident der Anthroposophischen Gesellschaft, Albert Steffen, ein Rundschreiben an die führenden Nazis, um ihnen zu vergewissern, daß sich die Lehren Steiners in vollkommener Übereinstimmung mit dem Nationalsozialismus befänden.

Dementsprechend waren schon manche Anthroposophen aktiv gewesen. Da wäre z.B. Hans Eberhard Maikowski (Spitzname „Roter Hahn“), ein Sturmbannführer der SA und in dieser Eigenschaft der Führer des berüchtigten Killerkommandos „SA-Mordsturm 33“. Sein Bruder, ein Waldorf-Lehrer, war enger Mitarbeiter Steiners gewesen und auch der „Rote Hahn“ selbst war glühender Verehrer Steiners. Am Tag der Machtübernahme wurde er von einem Kommunisten erschossen, woraufhin er neben Horst Wessel zu einem der Nationalheiligen Hitler-Deutschlands wurde.

Trotzdem bezeichnete z.B. Reinhard Heydrich die Anthroposophie als „orientalische Verschmutzung des klaren germanischen Geistes“. Entsprechend wurde 1935 die Anthroposophische Gesellschaft verboten. Daraufhin sandte der Vorstand an Hitler einen Brief, in dem ihm die führenden Anthroposophen vergewisserten, es gäbe keinerlei Verbindungen mit freimaurerisch-jüdischen Kreisen und außerdem hätten ja nationalsozialistische Rassenexperten den Anthroposophen offiziell bescheinigt, daß Steiner Arier gewesen sei.

Noch heute versteht es die Anthroposophie sich ein positives Image zu geben. Zum Beispiel gibt sie vor, für individuelle Gnosis zu stehen, doch ist sie tatsächlich ein steriles, dogmatisches System, dessen Dreh- und Angelpunkt die Unterdrückung aller kritischen Distanz und die vollständige Identifikation mit dem Führer ist. Ihr positives Image ist um so erschreckender, wenn man sich vergegenwärtigt, daß ihr spiritueller Wahn vom Krieg der Kräfte des Lichts gegen die der unterirdischen Dunkelheit praktisch mit dem biologischen Wahn der Nationalsozialisten identisch ist. Wie Jerome Eden in seiner Broschüre The Emotional Plague vs. Orgonomic UFOlogy (S. 32) geschrieben hat: „Von Ahrimanisch zu Nicht-Arisch ist nur ein einfacher pathologischer Schritt“.

Dem britischen Anthroposophen Trevor Ravenscroft zufolge träumten sowohl Anthroposophie als auch Nationalsozialismus von einer neuen „Sonnenrasse unter dem Hakenkreuz“, in der die alte rassische Reinheit neu erstehen würde, die nach theosophisch-anthroposophischer Lehre durch die „degenerierten Rassen“ aus dem Süden des „atlantischen Urkontinents“ besudelt wurde. Dort waren, um mit Lanz von Liebenfels zu sprechen, „die Sodomsäfflinge“ Opfer monströser Selbstmutationen aufgrund ihrer „bösen Seelenkräfte“ gewesen. Schließlich sei der rassisch geschwächte Arier durch intellektuell-luziferische und materialistisch-ahrimanische (d.h. jüdische) Kräfte, die ihn von seinen spirituellen Quellen abgeschnitten hätten, aus seinem arischen Paradies vertrieben worden. Es ist in der Anthroposophie also durchaus eine Verbindung zum „Rassebiologischen“ zu finden.

Die ganze anthroposophische Grals-Mystik geht in diese Richtung. Denn was ist der „Gral“ anderes als Träger des Blutes Christi – des noblen arischen Blutes. In der reinen, arischen Blutlinie der Gralsfamilie pflanze sich die Fähigkeit zur hellsichtigen Geistschau als „Blut-Erinnerung“ der arischen Gottes-Söhne fort. Steiner glaubte, so Ravenscroft, seine eigene Geistschau habe er als letzter Vertreter von seinen germanischen Vorfahren geerbt, die diese Fähigkeit mit dem Sonnensymbol der Swastika symbolisiert hätten. Aus dieser okkulten Hellsichtigkeit heraus spräche Steiner von der „okkulten Bedeutung des Blutes“, das Gefäß der Stammes- und Rassen-Identität sei, und von „okkulten Blutriten“ zum Hervorrufen einer magischen Mutation hin zur reinen arischen Rasse. Einer Mutation, die eine neue Phase in der menschlichen Evolution hervorrufen würde, die Geburt des „Übermenschen“ durch „Ätherisierung des Blutes“. Dazu müsse das arische Blut reinerhalten werden, denn Luzifer habe sich im Blut der Menschheit etabliert, nämlich im „Blut der jüdischen Rasse“, die heute zum Träger von Tragödie und Bosheit geworden sei. Das jüdische Blut sei gallig geworden, weil es sich verbohrt gegen das Blut des Neuen Bundes gesperrt habe. Deshalb dürfe das jüdische Blut keine weitere Rolle in der Evolution der Menschheit spielen.

Ich bezweifle, daß Ravenscroft solche Stellen belegen kann, was sich jedoch belegen läßt ist, daß die Steinersche „Geisteswissenschaft“ behauptet, in der Menschheit gäbe es eine evolutionäre Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen, wie beim einzelnen Menschen auch. Dementsprechend sei die negroide Rasse „Baby“, die malaisch-polynesische „Kind“, die mongolische „Jugendlicher“, die indoarische „Erwachsener“ und die indianische „Greis“ (und deshalb leider Gottes dazu bestimmt auszusterben).

In der Anthroposophie wird die persönliche Verantwortung auf Geisteswesen, das karmische Gesetz und den göttlichen Weltplan delegiert, während das Judentum für die persönlich Verantwortung vor Gott steht, die vom Kleinen Mann gehaßt und vom anthroposophischen Christus überwunden wird. Der Anthroposoph kann nur in fixen mystischen Strukturen denken, mit festen Vorstellungen von Gut und Böse. In Verbindung mit Steiners Offenbarung, daß alle Nationen, Völker und „Rassen“ Ausdruck von Geistwesen und deshalb festumrissene „organische“ Einheiten sind, wird sie zur Ideologie des rassistischen Nationalismus, der „Rassenseele“. Steiner selbst sprach im typischen späteren Nazijargon von der „Volksseele“, der unlösbaren Verbindung zwischen „Nation und Blut“ und der „germanischen Sendung“. Goebbels‘ Roman Michael (1929) zeigt die Geistesverwandtschaft von Nationalsozialismus und Anthroposophie, denn der Anthroposophie zufolge ist „Michael“, der Erzengel, der Deutschland verkörpert, die „geistige Macht“ unserer Zeit.

Goebbels denkt Gesellschaft ganz allgemein in der Kategorie der Identität, insofern sowohl von der fremden als auch von der eigenen Gemeinschaft behauptet wird, sie hätte ein „Wesen“; was weder wissenschaftlich noch rational begründet werden kann: „Der Jude ist uns im Wesen entgegengesetzt.“ (Claus-E. Bärsch: „Antijudaismus, Apokalyptik und Satanologie“, Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, 1988, S. 118)

Steiners „atlantische“ Rassetheorien aus seiner Akasha-Chronik entsprechen denen Hitlers. Der deutsche Psychiater Wolfgang Treher zeigt in seiner Studie Hitler, Steiner, Schreber – Ein Beitrag zur Phänomenologie des kranken Geistes (Emmendingen 1966) die enge Verwandtschaft zwischen den geisteskranken Systemen Hitlers und Steiners auf. Treher zufolge kämpfte Hitler, in der Art von Projektion, die für Schizophrene charakteristisch ist, gegen das teuflische Böse, d.h. gegen die Juden, um die Einheit seiner manichäisch gespaltenen schizophrenen Seele wiederherzustellen. Treher betrachtet Steiner, der denselben psychotischen manichäischen Krieg des arischen Christus gegen den jüdischen Ahriman kämpfte, als sogar noch kränker und verrückter als Hitler. In beiden schizophrenen Wahnsystemen gibt es zwei Gruppen – eine höhere geistige Rasse und eine dämonische materialistische. Die letztere Rasse muß ihre Sünden abarbeiten, bis sie stirbt, wie in Hitlers KZs.

Steiner und Hitler waren beide Mystiker, aber für Steiner war die metaphysische Einheit der „absolute Geist“, der von der Materie unabhängig ist, während für Hitler es der „absolute Wille“ war, der nicht von den Umständen abhängig ist. So empfand Hitler nur Verachtung für den ästhetisierenden Schwächling Steiner. (In seinen frühen Tagen schrieb Hitler im Völkischen Beobachter gegen den „galizischen Juden“ Steiner.) Während Steiner sicherlich nur Mitleid mit dem primitiven Ahriman Hitler fühlte. Dies hinderte aber manchen ihrer Anhänger nicht daran, ihnen beiden zu folgen.


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