1918 traten Lenin und Trotzki im Frieden von Brest-Litowsk weite Gebiete des ehemaligen Zarenreiches an das Deutsche Reich mit der festen Überzeugung ab, daß sich binnen kurzem dort und im restlichen Europa das gleiche ereignen würde wie in Rußland. Die „Arbeiter und Soldaten“ würden aufstehen und dem Kapitalismus ein Ende setzen, so daß sich von Moskau aus die Weltrevolution über den gesamten Planeten ausbreiten werde.
Lenin und Trotzki hatten die an sich unannehmbaren Friedensbedingungen des Deutschen Reiches akzeptiert (hat hier irgendjemand verlogenerweise „Versailles!“ gerufen?!), weil es zuerst einmal darum ging, den ersten sozialistischen Staat der Erde zu konsolidieren. Als spätestens 1923 deutlich wurde, daß von einer kommunistischen Revolution im Westen Europas keine Rede sein konnte, ging Stalin daran diese Politik mit anderen Mitteln fortzuführen. Es ging nun darum einen Staat aufzubauen, der wie einst das zaristische Rußland im Konzert der Großmächte mitspielen konnte. „Kosmopolitische“ Kommunisten, die, wie Trotzki und etwa auch Reich, weiterhin von einer „Revolution von unten“ träumten, wurden rücksichtslos verfolgt, genauso wie einst Lenin die Menschewikin und Sozialrevolutionäre verfolgt und schließlich sogar mit Todesschwadronen bekämpft hatte.
Die Rote Armee war eine ausschließlich auf Angriff ausgerichtete Streitmacht mit entsprechend exotischen Waffen wie Amphibienpanzern, Hochgeschwindigkeitspanzern und Panzern mit mauerbrechenden Kanonen, die weltweit sonst keine Armee im Arsenal hatte. Als Hitler sich quasi als „Kaiser Wilhelm III.“ entpuppte und mit der aktiven Unterstützung Stalins die westlichen Demokratien erneut bedrohte, brauchten die Bolschewiki nur abwarten, um schließlich als Befreier der „faschistischen Besatzung“ und einem europaweiten Bürgerkrieg a la Spanien ein Ende zu setzen. Mit einer Verzögerung von vielleicht zweieinhalb Jahrzehnten hätte sich Lenins und Trotzkis Plan doch noch erfüllt. Vielleicht mit leicht anderen Mitteln, aber – Europa würde rot sein, damit seine Kolonien und über kurz oder lang der gesamte Planet.
Dummerweise sollte das imgrunde schwache Deutschland vollkommen überraschend in den Aufmarsch der sowjetischen Streitkräfte hineinmarschieren und deshalb binnen kurzer Zeit vor Leningrad, Moskau und Stalingrad stehen. Zu allem Überfluß holte Hitler ungewollt die USA nach Europa, so daß sich Stalins Plan nur zum kleinsten Teil erfüllte: Europa sollte am Ende des von Stalin inszenierten Krieges nur bis zur Elbe rot werden. Zwar zeichneten sich in Frankreich und Italien nach dem Zweiten Weltkrieg kommunistische Machtübernahmen ab, jedoch versandte das ganz ähnlich wie die kommunistischen Aufstände in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg.
Die Welt erstarrte wie zwischen den beiden Weltkriegen wieder in einem „Kalten Krieg“. Nochmal zweieinhalb Jahrzehnte weiter, Breschnew war mittlerweile an der Macht, begann der Kommunismus erneut zu triumphieren. Diesmal in den ehemaligen Kolonien der westeuropäischen Mächte in Gestalt von „nationalen Befreiungsbewegungen“ (sic!). Wie zu Zeiten des Hitler-Stalin-Pakts gelang es den Kommunisten sogar im Rahmen der „Detente“ den Westen für seine aktive Mitarbeit am eigenen Untergang zu gewinnen. Hätte es nicht Leute wie Pinochet und Reagan gegeben, wäre der Planet heute rot.
1989 begann das mittlerweile restlos überdehnte Sowjetreich aus ganz ähnlichen Gründen zusammenzubrechen wie einst das Zarenreich: „Obervolta mit Atomraketen“. Der Sieg des Westens im Kalten Krieg war jedoch eine Illusion, denn all die Zeit über hat sich untergründig der ursprüngliche Strang der „Revolution von unten“, den Stalin hatte ausrotten wollen, fortgesetzt. Man denke beispielsweise an die „Reichianer“, die fleißig daran weitergearbeitet haben, die moralischen Grundfesten des Westens morsch zu machen. Gegenwärtig hat all dieses linke Pack, das zu Zeiten der „Friedensbewegung“ noch alles getan hatte, um Stalins Traum der militärischen Eroberung Westeuropas doch noch in den Bereich des Möglichen zu bringen, die Lufthoheit im gesellschaftlichen Diskurs. Man brauch nur einen beliebigen Fernsehsender anschalten oder ein beliebiges Printmedium aufschlagen – und man ist der roten Zersetzungsarbeit ausgesetzt. Die westliche Kultur steht kurz vor dem endgültigen Kollaps und die Antifa prügelt jeden zu Brei, der es irrwitzigerweise noch immer wagt aufzumüpfen.
Wie konnte es soweit kommen und was ist zu tun?
Ausgerechnet Hindenburg und Ludendorff haben Lenin und Trotzki an die Macht gebracht, die anfangs kaum mehr waren als deutsche Agenten. Sie sollten die deutsche Ostfront befrieden, was sie auch sehr schnell getan haben. Kaum war der Krieg beendet, versuchten Lenin und Trotzki die Revolution nach Deutschland zu tragen.
Churchill hatte eine ganz ähnliche Taktik wie Hindenburg und Ludendorff: genauso wie Stalin als lachender Dritter zuschauen wollte, wie sich Deutschland und die Westmächte gegenseitig zerfleischen, wollte Churchill das gleiche Schauspiel des gegenseitigen Ausblutens zwischen Deutschland und Rußland, die er beide gleichermaßen haßte, von seiner Insel aus genießen. Die „verbündeten“ Russen wurden von einem Jahr auf nächste vertröstet, was die Errichtung einer „zweiten Front“ betraf. Erst als sich erwies, wie schwach Deutschland wirklich war und die Gefahr bestand, daß Rußland bis zum Atlantik durchmarschiert, kam es zur Landung in der Normandie, „um Rußland zu helfen“. Wer Rußland zu diesem Zeitpunkt tatsächlich half, war Hitler mit seiner kindischen Ardennen-Offensive. Wirklich alle Kriegsteilnehmer hatten sich verkalkuliert, am meisten aber Churchill.
Der Kampf des Westens gegen die Sowjetunion war von Anfang an einer der Zersetzung: der rote Monolith sollte mit Hilfe der liberalen Werte des Westens nach und nach zum Zerbröseln gebracht werden. Man kann gar nicht überschätzen, wie sehr der „Rock ‘n’ Roll“ und alles, für was er steht, dazu beigetragen hat, das Sowjetimperium zu Fall zu bringen. Absurditäten wie „Pussy Riot“ sind sozusagen die Nachgeburt dieser westlichen Zersetzungsarbeit. Es ist aber nun genau dieses Gift, diese liberale Ideologie, die den Westen jetzt selbst zerstört. In Gestalt des Kulturbolschewismus („Political Correctness“) ist die von Lenin und Trotzki herbeigesehnte „Revolution von unten“ in vollem Gange. Diesen Text schreibe ich übrigens zum Ausklang der „Chaostage“ in Münster. Um mich herum randalieren die Fotzen. Bereits heute wird die EU von Ex-Maoisten und Ex-Trotzkisten regiert und auf allen Staatsebenen vertritt die höhere Beamtenschaft eine angeblich „grüne“ Ideologie, dazu fast alle Akademiker, Lehrer, Journalisten, etc. Was bleibt beispielsweise von einem Gehirn übrig, das tagtäglich der Süddeutschen Zeitung ausgesetzt wird?
Man hat jeweils versucht „Feuer mit Feuer“ zu bekämpfen: die Emotionelle Pest wurde mit emotionell pestkranken Mitteln bekämpft. Zuletzt etwa durch die „Pussy Riots“. Das Problem ist, daß man die Pest nicht beherrschen und steuern kann. Das ist so bei Ehestreitigkeiten, die in „Rosenkriege“ ausarten, an deren Ende nur Verlierer stehen und es ist so bei geopolitischen Abenteuern. Reich hat immer wieder seine abgrundtiefe Verachtung für diese politischen Manöver zum Ausdruck gebracht und dagegen eine grundsätzlich andere Herangehensweise gesetzt: die Mobilisierung primärer Triebe. Nur die zielgerichtete Aggression, die unverzerrt aus dem Kern kommt, ist gegen die organisierte Emotionelle Pest effektiv. Das schließt jeden „rechten“ Militarismus („Befehl und Gehorsam“) und jeden „linken“ verkopften Intellektualismus aus. Und vor allem steht man am Ende nicht als Zauberlehrling da, der die Geister, die er rief, nicht mehr bändigen kann.
Reich hat diese „arbeitsdemokratische“ Gedankenwelt aus den Bestrebungen nach einer „Revolution von unten“, die Stalin, mit mörderischem Haß verfolgt hatte, entwickelt. Zunächst hatte er die Stalinisierung („Bolschewisierung“) der KPÖ und KPD noch aktiv mitgestaltet, begann dann aber ab 1932 zunächst unter „rätekommunistischen“ Vorzeichen genau jene Strukturen zu hinterfragen, auf die Stalin seine ganze Hoffnung setzte: den Geist des Militarismus, der Geheimdiplomatie und der „Geopolitik“. So schrieb Reich 1933 (ergänzt 1942):
Wir erklären z. B. einen Krieg soziologisch nicht vollständig, wenn wir die besonderen ökonomischen und politischen Gesetze aufdecken, die ihn unmittelbar bedingen, also etwa die deutschen Annexionstendenzen, die sich vor 1914 auf die Erzbecken von Briey und Longy, auf das belgische Industriegebiet, auf die Erweiterung des Kolonialbesitzes in Vorderasien etc. richteten; oder die Interessen des Hitlerschen Imperialismus im II. Weltkrieg an den Ölquellen von Baku, an den Werken der Tschechoslowakei etc. Die ökonomischen Interessen des deutschen Imperialismus waren zwar der entscheidende aktuelle Faktor, aber wir müssen auch die massensychologische Basis der Weltkriege einordnen, wir müssen fragen, wie der massenpsychologische Boden fähig wurde, die imperialistische Ideologie aufzusaugen, die imperialistischen Parolen in Tat umzusetzen, strikte entgegengesetzt der friedlichen, staatspolitisch uninteressierten Gesinnung der deutschen Bevölkerung. Man beantwortet die Frage nicht zufriedenstellend, wenn man den „Umfall der Führer der II. Internationale“ dafür verantwortlich macht. Warum ließen sich die Millionenmassen der freiheitlich und antiimperialistisch gesinnten Arbeiter verraten? Die Angst vor den Folgen der Kriegsdienstverweigerung kommt nur bei einer Minderzahl in Betracht. Wer die Mobilisierung 1914 mitgemacht hat, weiß, daß sich in den arbeitenden Massen verschiedenartige Stimmungen zeigten. Von bewußter Ablehnung bei einer Minderheit angefangen über eine merkwürdige Ergebenheit in das Schicksal oder eine Stumpfheit bei sehr breiten Schichten bis zu heller Kriegsbegeisterung nicht nur in Mittelschichten, sondern weit hinein in Industriearbeiter-Kreise. Die Stumpfheit der einen wie die Begeisterung der anderen waren fraglos massenstrukturelle Fundierungen des Krieges. Diese massenpsychologische Funktion in beiden Weltkriegen kann nur unter dem Gesichtspunkt verstanden werden, daß die imperialistische Ideologie die Strukturen der werktätigen Massen konkret im Sinne des Imperialismus veränderte: Man kann gesellschaftliche Katastrophen mit der Auskunft, daß es sich um eine „Kriegspsychose“ oder eine „Massenvernebelung“ handelte nicht abtun. Es würde bedeuten die Massen gering einzuschätzen, wenn man sie einer bloßen Vernebelung für zugänglich hält. Es geht darum, daß jede Gesellschaftsordnung sich in den Massen ihrer Mitglieder diejenigen Strukturen erzeugt, die sie für ihre Hauptziele braucht. Ohne diese massenpsychologischen Strukturen wäre kein Krieg möglich. Es besteht eine wichtige Beziehung zwischen der ökonomischen Struktur der Gesellschaft und der massenpsychologischen Struktur ihrer Mitglieder; nicht nur in dem Sinne, daß die herrschenden Ideologien die Ideologien der herrschenden Klasse sind, sondern, was für die Lösung von praktischen Fragen der Politik bedeutsamer ist: auch die Widersprüche der ökonomischen Struktur einer Gesellschaft sind in den massenpsychologischen Strukturen der Unterdrückten verankert. Anders wäre nicht denkbar, daß die ökonomischen Gesetze einer Gesellschaft nur durch die Tätigkeit der ihnen unterworfenen Massen zur konkreten Auswirkung gelangen können.
Oder mit anderen Worten: die einzig mögliche genuine revolutionäre „Politik“ geht von der Charakterstruktur der Massen aus, der Rest ist nur blutiges Theater, das zu nichts führt als immer mehr menschlichem Hackfleisch.
Man kann das ganze auch anders ausdrücken: der Weg ist das Ziel!











