Mit ‘Kabbala’ getaggte Artikel

Der zweite Jesus (Teil 2)

30. Januar 2012

Zur Befreiung vom Gesetz und zum Zusammengehen von Mensch und Gott tritt als Drittes die Rückkehr zur Himmelskönigin hinzu. In der Kabbala wird die Schechina (die Herrlichkeit Gottes) als „Himmelsmutter“ bezeichnet und nimmt eine ganz zentrale Rolle ein. In Sabbatais persönlichem Leben war es Sara, seine Maria Magdalena.

Sara war als Sechsjährige bei den Chmelnizkij-Massakern verwaist, wurde von einem Kloster aufgenommen, floh mit 10 aus den Klostermauern. Sie wurde von Juden nach Amsterdam gebracht, wo sie verkündete, sie wäre als Frau für den Messias bestimmt. Von dort kam sie nach Livorno, um „des Messias Braut zu werden“. Als Zwi davon hörte, ließ er sie zu sich nach Kairo holen und heiratete sie. Es hieß wohl in der jüdischen Gemeinde, sie habe sich als Prostituierte durchgeschlagen, doch Zwi behauptete, gerade dies sei messianische Fügung, daß er wie der Prophet Hosea eine unzüchtige Frau heimführe (Heinrich Graetz: Volkstümliche Geschichte der Juden, Bd. VI, München 1985, S. 57f).

Hier könnte man jetzt nach Manier von Reichs Christusmord Zwi als Genitalen Charakter darstellen. Doch Zwi war (wie auch Jesus?!) nach allem, was wir wissen, ein impotenter, homosexueller und psychotischer Modju mit einer unglaublich charismatischen Ausstrahlung, wie sie dieser Charakterstruktur eigen ist. Abertausende von Juden hat er mit seinen leeren Versprechungen in den Ruin, in die seelische Verzweiflung und in den Tod getrieben und wären nicht ein paar wenige konservative Rabbiner bei Verstand geblieben, hätte er beinahe das durch Inquisition und Chmelnizkij-Aufstand bereits geschwächte Judentum vollends vernichtet. Was sein messianisches Pendant Jesus wohl zu seiner Zeit alles angerichtet hat! Und inwieweit ist Jesus für die Zerstörung Israels durch Titus verantwortlich?! Zwi war der charakterliche Todfeind der Genitalität. Ist dies, wenn man es auf Jesus überträgt, die einfache Lösung des Rätsels, von dem Reich in Christusmord (S. 82) spricht: wieso sich auf der Grundlage des vorgeblich genitalen Lebens Christi eine antigenitale Kirche hat entwickeln können?

Zwis Charakter zeigte sich nicht nur in seinem Verhalten, sondern auch in seiner Lehre, die darauf beruhte, man müsse zuerst ins Böse hinabsteigen, um zu spiritueller Freiheit gelangen zu können. Dieser Abstieg in die Mittlere Schicht erzeugt aber nichts als unheilvolles Chaos, wie ja die Geschichte des Sabbatianismus gezeigt hat, ebenso auch alle folgenden revolutionären Bewegungen insbesondere der Marxismus, die pervertierte säkulare Form jüdisch-christlichen Messianismus.

Besonders schlimm trieb es Jakob Frank (1726-1791) aus Ostgalizien, wo 150 Jahre später Reich geboren werden sollte. Frank stammte aus einer Sabbatianischen Familie und begründete als „Reinkarnation“ Sabbatai Zwis eine abgewandelte Form des Sabbatianismus. Er lebte ein noch verruchteres, noch lügnerisches Leben als Zwi, da eine verruchte Zeit der messianischen Zeit vorangehen sollte.

Beide wollten das rabbinische Judentum auflösen und den Talmud vernichten. Frank nihilierte das gesamte Judentum durch Übertretung aller guten Sitten, aller Gebote und Verbote, selbst der Inzestschranke.

Dabei mischten sich uralte vorderasiatische, matriarchalische Kultkomponenten mit hinein. Die Anhänger Jakob Franks umtanzten bei ihren Sexorgien auf der Basis der Promiskuität zugleich ein nacktes Frauenzimmer, das sie für die weibliche Hypostase der Gottheit hielten. (Salicia Landmann Jesus und die Juden, München 1987, S. 207)

Aus der Schechina Gottes wurde die lebendige „Matronita“, Franks Tochter Eva, die die Frankisten bei ihren Riten anbeteten.

Frank erklärte das Gesetz für tot und stattdessen die „Heiligkeit der Sünde“. Nach alter gnostischer Theorie waren die „Heiligen Funken“ in der Welt verschüttet worden und nun gelte es, sie wieder einzusammeln, indem man sich der Verderbnis ganz hingebe und sie so dialektisch aufhebe. „Durch die Sünde würde die Errettung kommen. Aus dem großen Sünden würde eine Welt hervorgehen, in der es keine Sünde mehr gäbe“ (David Bakan: Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton 1958, S. 107). Dies ist natürlich die Theorie aller modernen religiösen oder säkularen terroristischen Ideologien.

Als die Rabbiner sich gegen Jakob Frank wandten, den Bann aussprachen und sogar erfolgreich versuchten, die katholische Inquisition auf diese „neue Sekte“ aufmerksam zu machen, diente sich Frank in Notwehr der Katholischen Kirche an und rächte sich blutig, indem er Greuelmärchen über den Inhalt des Talmuds verbreitete. Es würde Christenmord und der Gebrauch von Christenblut vorgeschrieben. Im übrigen seien er und seine Anhänger mit ihrem sabbatianischen Glauben beinahe auch schon Christen, – was ja stimmte. Sie behaupteten, der Sohar lehre die Dreieinigkeit und daß eine Person der Gottheit Fleisch geworden sei. Schließlich nahmen sie 1759 den christlichen Glauben ganz an. Als besondere Vergünstigung für getaufte Juden wurden sie vom polnischen Adel adoptiert und übernahmen so adlige Familiennamen. Heimlich glaubten sie aber weiter, daß sich die besagte Person der Gottheit in allen Messiasanwärtern, also nicht nur in Jesus verkörpert habe und daß nun Frank der „Heilige Herr“ sei. Nach der Taufe blieben sie eine geschlossene Gruppe und heirateten nur untereinander.

Dabei handelte Frank nach dem Vorbild von Zwi, der als jüdischer Messias aus Angst vor dem vom türkischen Sultan angedrohten Foltertod zum Islam übergetreten war. Die islamischen Nachfolger der Sabbatianer, die selbst diese Charakterlosigkeit als messianisch akzeptierten, waren die 1683 in Saloniki formierten jüdischen Moslems „Dönmeh“, die eine geschlossene Gruppe bildeten, da sie nur untereinander heirateten. So lebten die Ideen Zwis in einer moslemischen Sekte fort.

Aus den katholischen Frankisten ging z.B. als Nachkomme der polnische Nationaldichter Adam Mickiewicz hervor, der das geteilte Polen mit dem leidenden Christus gleichsetzte. Landmann:

Ich zweifle daran, daß man an polnischen Schulen diese Wurzeln des polnischen Nationalismus in einer ketzerischen, pseudomessianischen jüdischen Bewegung der Jugend offenbart. Aber trotzdem beschäftigt man sich im heutigen sozialistischen Polen intensiv mit dem Frankismus. Als nämlich die Französische Revolution losbrach, kamen etliche von Franks Adepten zur Überzeugung, in Paris breche die eigentliche und wahre Welterlösung an, sie zogen nach Frankreich, nahmen an den revolutionären Auseinandersetzungen auf Seiten der Aufständischen teil, und einer von ihnen starb, gleichzeitig und zusammen mit Robespierre, auf der Guillotine. (S. 215)

Landmann weiter:

Im heutigen sozialistischen Polen zelebriert man aber etliche Frankisten, die den religiösen Background der Lehre ihres Meisters preisgaben, zur Überzeugung gelangten, daß die Französische Revolution die Welterlösung einleite, und für sie kämpften und starben. Durchaus richtig erkennen die polnischen sozialistischen Ideologen in diesen revolutionären Frankisten Vorläufer von Karl Marx, der von der Weltrevolution unter sozialistischem Vorzeichen das endzeitliche Paradies auf Erden erwartete. (S. 216)

Die religionsgeschichtliche Forschung hat gezeigt, daß Sabbatai Zwi und Jakob Frank als Vorläufer von Theodor Herzl große Bedeutung haben. Frank und seine Anhänger vollzogen eine äußerliche Massenkonversion zum Katholizismus in der Hoffnung, im Bunde mit Rom das messianische Reich aufzurichten. Und Zwi suchte die religiöse und nationale Wiedergeburt von Israel zu fördern, indem er seine Anhänger dazu aufforderte, durch äußerlichen Übertritt zum Islam die Sultanswürde in jüdische Hand zu bringen, um dann ein neues Israel errichten zu können. Aus den Reihen der Dönmeh ging um die Jahrhundertwende der türkische Minister Dschawid Bey hervor. Er war in der türkischen Regierung, mit der die Zionisten erfolgreich über erste Niederlassungen in Palästina verhandelten. So schloß sich der Kreis.

Der zweite Jesus (Teil 1)

29. Januar 2012

Wer war Jesus? Was ist vor 2000 Jahren wirklich passiert? Die Antwort könnte in einem Geschehen zu finden sein, das sich vor etwa vier Jahrhunderten zutrug und diesmal sehr gut dokumentiert:

Von Kabbalisten war das Jahr 1648 als Zeit der Wunder festgelegt worden, in der die Messianische Ära beginnen sollte. In diesem Jahr stand ein gewisser Sabbatai Zwi (1626-76), der aus Smyrna in der Türkei stammte, in einer Synagoge in Saloniki auf und sprach den mystischen Namen Gottes aus, wie es nur einst der Hohepriester durfte, bzw. eines Tages der Messias tun dürfte, und machte sich so zum Messias-Anwärter. Daraufhin wurde der Bann gegen ihn gesprochen, genauso wie bei Jesus, nachdem dieser vor dem Sanhedrin den Heiligen Namen aussprach, was er in Mt 10,25 angekündigt hatte. (Die großen Zaddikim der Chassiden werden „Baal Schem“ genannt, „Meister des [Heiligen] Namens“. Mit diesem hat Rabbi Löw in der Sage den Golem zum Leben erweckt.)

In Saloniki beging Sabbatai Zwi

seine mystische Vermählungsfeier mit der Thora. Kabbalistisch sollte es bedeuten, daß die Thora, die Himmelstochter, mit dem Messias, dem Sohn des Himmels, in einem unzertrennlichen Bund vereinigt sei, oder daß er die Fleisch gewordene Thora sei und diese ersetzen könne. (Heinrich Graetz: Volkstümliche Geschichte der Juden, Bd. VI, München 1985, S. 55f)

Zwi feierte Heilige Hochzeit mit der Thora, die man sich kabbalistisch, der spätbiblischen Tradition folgend, als weiblich personifizierte Weisheit vorstellte. Andererseits behauptet er aber auch selbst, die fleischgewordene Thora zu sein und diese zu ersetzen (ebd., S. 56).

Das schlimme Schicksal der Juden ausgerechnet 1648, nämlich der Kosakensturm unter Chmelnizkij, hatte so manchem Juden gezeigt, daß die Thora tot ist. So konnte nur noch der Messias helfen, denn die Befolgung des göttlichen Gesetzes hatte nichts gebracht. Es kam soweit, daß sich unter kabbalistischen Vorzeichen das Judentum vom Gesetz trennte. Dessen Grundwesen sich sowieso weniger im Gesetz als vielmehr im Sabbat zeigt, in dem sich Gott und Schöpfung versöhnen und das messianische Reich vorweggenommen wird. Maimonides sagte, zu den wenigen Dingen, an die der Jude glauben müsse, um Jude zu sein, gehöre der Glaube an das Kommen des Messias. An dieser Stelle setzte Sabbatai sein gegen das Rabbinertum gerichtetes Zersetzungswerk an.

Es gehört schon seit dem Neuen Testament zu den Hauptgedanken des Antisemitismus, daß Jesus kein Jude (mehr) war. Jene Philosemiten aber, die zurecht auf die Jüdischkeit Jesu hinweisen, verkennen, daß es gerade zur Dialektik des jüdischen Messianismus gehört, daß der Messias aus dem von der Thora bestimmten Judentum heraustritt, wie z.B. der „Jude“ Sabbatai Zwi. Gerade diese Kritiker haben das Judentum genausowenig verstanden, wie die Antisemiten.

Das kabbalistische Hauptwerk, der Sohar, geht mit seiner mündlichen Überlieferung auf das alexandrinische Zeitalter etwa 200 v.Chr., also in eine Zeit vor Jesus, zurück. Sein Grundgedanke habe, so Graetz, gelautet, „daß in der Gnadenzeit, in der Welt der Ordnung, die Gesetze des Judentums, die Ritualien über Erlaubtes und Verbotenes, vollständig ihre Bedeutung verlieren würden“ (Graetz, S. 64). Sabbatai war ein solcher, das Gesetz auflösender Messias.

Die Sabbatianer stellten die lästerliche Theosophie auf, die Gottheit sei dreifältig in drei Personen, dem Uralten der Tage (vgl. Dan 7,13), dem heiligen König und in einer weiblichen Person, Schechina. Der heilige König, der Messias, sei der wahre Gott, der Erlöser und Befreier der Welt, der Gott Israels, ihm allein müsse Anbetung zuteil werden, der Uralte dagegen habe sich zurückgezogen und Sabbatai zu seinem Stellvertreter eingesetzt. (Graetz, S. 65)

Der „lästerliche Hauptgedanke“ der Sabbatianer war, „daß der höchste Gott, die erste Ursache, mit dem Weltall in keinerlei Verbindung stehe, sondern eine zweite Person in der Gottheit, der Gott Israels genannt, habe die Welt erschaffen, das Gesetz für Israel offenbart“. In Sabbatai Zwi, dem Messias, habe sich nun die zweite Person der Gottheit verkörpert und durch sein Erscheinen habe die Bedeutung der Thora aufgehört (Graetz, S. 117).

Es war immer so, daß mit der Befreiung vom Gesetz das engere Zusammengehen von Gott und Mensch parallel lief. Nietzsche:

Jesus hatte ja den Begriff der „Schuld“ selbst abgeschafft, – er hat jede Kluft zwischen Gott und Mensch geleugnet, er lebte diese Einheit vom Gott als Mensch als seine „frohe Botschaft“. (Antichrist, A 41)

Die Charakteranalyse der Bibel

24. Oktober 2011

Der amerikanische Psychoanalytiker Andrew Peto hat die beiden unterschiedlichen Kulte von Juda und Israel auf zwei disparate Versuche zurückgeführt, den Ödipuskomplex zu bewältigen (Josef Dvorak: Satanismus, Frankfurt 1989, S. 152).

Wenn in Ex 4,24-26 Moses’ Frau Zippora ihren Sohn Gershom beschneidet, entspricht dies psychologisch der Identifikation des Sohnes mit der Mutter und führt zum „Jahwe allein“-Kult von Juda, wo sich der Sohn passiv homosexuell als „Braut Gottes“ dem Vatergott unterwirft. (In der Kabbala wird die jüdische Gemeinde mit der Schechina gleichgesetzt, dem weiblichen Gegenstück Gottes. Von deutschen Rabbis wird Schechina mit „Einwohnung Gottes“ übersetzt, die mit den Juden in alle Exile zieht: Gott wohnt bei der Judenheit: Gott wohnt der Judenheit bei: Gottes Beiwohnung: Gottes Beischlaf!)

In Juda wird also dem ödipalen Konflikt von vornherein ausgewichen, im Gegensatz zum Kult Israels, das den Stier anbetete. Wie sich in Gen 32,25-29 zeigt, wo Jakob mit Gott (dem Vater) kämpft, männlich die Gefahr der Kastration von sich abwendet und dem kastrierenden Vater sogar den Segen abringt.

Die Psychoanalyse spiegelt den Höhepunkt und den Niedergang des jüdisch-christlichen Patriarchats wider. Ende des 19. Jahrhunderts fiel in der Ansicht der Gebildeten die Bedeutung der Mutter für das Kind fast auf den Nullpunkt. Die ursprüngliche Psychoanalyse Freuds ist ein getreues Abbild dieser männlichen Ausschließlichkeit. Erst Leute wie Jung, Rank und Klein sollten mit ihrer Betonung des Präödipalen die Mutter wiederentdecken. Doch was sie fanden, war nicht das matriarchale Paradies, sondern die kastrierende Zippora, während für Freud weiterhin ihr Gemahl Moses das Urbild des Kastrierenden darstellte. Der Urvater, der, Freud zufolge, bei den Juden die Beschneidung eingeführt hatte.

Auffallend ist die enge Korrelation zwischen Beschneidung und Homosexualität. Es gibt ohne Übertreibung praktisch keinen moslemischen Mann, der keine homosexuellen Erfahrungen gemacht hat. (Man schaue sich etwa die Lebensgeschichte von Hamed Abdel-Samad an.) Auch in Amerika sind fast alle Männer (wenn auch nicht aus religiösen, sondern aus pseudomedizinischen Gründen) beschnitten, gleichzeitig grassieren Homosexualität und Homosexuellenhaß (= Homosexualität). Die ganze amerikanische Kultur ist vom Drang geprägt einen anderen Mann zu verletzten, „in ihn einzudringen“ oder selbst verletzt zu werden. Man denke nur an das unverkennbar homoerotische Ereignis „Duell“ in den Western.

Die Eroberung des „matriarchalen“ Westens Amerikas im 19. Jahrhundert läßt sich mit dem Vordringen der arabischen Wüstenstämme in die umliegenden matriarchalen Kulturen vergleichen. Die Rolle, die die Homosexualität in solchen reinen Männergesellschaften von Eroberern spielt, kann man gar nicht überbewerten. Dazu gehört auch die tiefe, puritanische Religiosität der Amerikaner und Araber, die von homosexuellen Untertönen nur so gesättigt ist. Wie widernatürlich ist es doch, wenn Männer einen Mann („Gott“) anbeten, dem sie ständig ihre Liebe bekunden und von dem sie Liebe erflehen:

Du bist mein Gott, dich suche ich! Ich sehne mich nach dir mit Leib und Seele; ich dürste nach dir wie ausgedörrtes, wasserloses Land. (Ps 63,2)

Der Gläubige erscheint vor Gott als Sohn, der ihn, seinen Vater, innig liebt (Jer 3,4), mit Anklängen an eine homoerotische Unterwerfung:

Du hast mich verführt, Herr, und ich habe mich verführen lassen, du hast mich gepackt und mir Gewalt angetan. Nun spottet man über mich, alle lachen mich aus. (Jer 20,7)

Aber auch umgekehrt kann sich der Gläubige als päderastischer Gott fühlen, wenn ihm im moslemischen Paradies ein „Kreis ewigglühender Jünglinge aufwartet, so schön wie Perlen, in ihren Muscheln verborgen“ (Sure 52,25 und 76,209).

In seiner 1910 geschriebenen Studie über „Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci“, der vielleicht homosexuell war, beschreibt Freud, wie das männliche Kind unter dem Einfluß des Kastrationskomplexes, der ihn um seine Männlichkeit zittern läßt, jene unglücklichen Geschöpfe verachten lernt, nämlich die Frauen, an denen nach seiner Meinung die Kastration bereits vollzogen worden ist (Studienausgabe, Bd. X, S. 121). Wenn Freud in einer anschließenden Fußnote unmittelbar auf die Juden zu sprechen kommt, klingt hier eine Verbindung zwischen Frauenverachtung, Homosexuellenhaß und Antisemitismus an. Die Fußnote aus dem Jahr 1919 lautet:

Es scheint mir unabweisbar anzunehmen, daß hier auch eine Wurzel des bei abendländischen Völkern so elementar auftretenden und sich so irrational gebärdenden Judenhasses zu suchen ist. Die Beschneidung wird von den Menschen unbewußterweise der Kastration gleichgesetzt. Wenn wir uns getrauen, unsere Vermutungen in die Urzeit des Menschengeschlechts zu tragen, kann uns ahnen, daß die Beschneidung ursprünglich ein Milderungsersatz, eine Ablösung, der Kastration sein sollte.

Der Beschnittene steht so unbewußt für den Unbeschnittenen zwischen Mann und Frau, ist verachteter Homosexueller, ist „Jude“.

Diese verwickelten Zusammenhänge zeigen sich auch, wenn die Juden einerseits als die Vertreter des Patriarchats dingfest gemacht werden (antisemitische Tendenzen im Feminismus), andererseits die Juden aber als Volk mit „weibischem Charakter“ bezeichnet werden (Gerda Weiler: Ich verwerfe im Lande die Kriege, München 1984, S. 344).

In den 1930er Jahren wollte der Psychoanalytiker Immanuel Velikovsky ein Buch über Die Masken der Homosexualität schreiben, in dem er darstellen wollte, wie die unterdrückte Homosexualität Quelle der Lust, körperlichen Schaden zuzufügen, und des Hasses zwischen Nationen wird, wo die eine den Triumph über die andere als verweichlicht empfundene Nation sucht:

Ist nicht die Mordlust der Türken, die ein armenisches Dorf massakrieren, gesteigert durch diese Unterschiedlichkeiten in der unbewußten völkischen Konstitution? Ist nicht Deutschland mit dem nationalen Emblem eines Adlers, der die Krallen spreizt, um sie seinem Opfer ins Fleisch zu bohren, ein natürlicher Feind Frankreichs mit seiner Mädchengestalt in phrygischer Mütze oder, als Alternative, mit seinem Hahn, einem lauten aber wenig furchteinflößenden, beinahe komischen Ersatz für eine männliche Gestalt? (…) In der Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Israel und den arabischen Staaten wurden die letzten wiederholt und gründlich von den Juden versohlt, deren Image durch Jahrhunderte der Diaspora das eines verfolgten und vergewaltigten Volkes war. Hierunter hat die so lange hochgehaltene Selbsteinschätzung der Araber als einer männlichen Rasse so sehr gelitten, daß keine Konzession seitens Israels sie beschwichtigen konnte. (Das kollektive Vergessen, Frankfurt 1987, S. 133)

Die von Velikovsky aufgedeckten Hintergründe zeigen sich auch in folgendem Graffiti an der Nürnberger Führertribüne: „Türken raus – Sieg Heil – Fickt die Türken in den Arsch!“ (Spiegel 4/89, S. 71). So blickt man zu schwachen „weibischen“ „Untermenschen“ hinab. Umgekehrt erscheint das Volk, das einen unterworfen und versklavt hat, als hyperpotenter Superman. So spricht Ezechiel (23,20) von den Ägyptern, „deren Glied so groß wie das eines Esels ist und die so brünstig sind wie Hengste“.

Die „Vergeistigung“ der Gottesvorstellung in Juda war nichts weiter als ein Rückfall in die passive Analität mit passiv femininer Unterwerfung, zwanghaften Ritualen und Gesetzen und mit masochistischer Religiosität. Es fand eine kollektive Kastration statt, die noch heute aus den Gläubigen solche gebrochenen Gestalten mit der typisch weinerlichen Stimme und Gedrücktheit macht. Von gläubigen Christen geht die gleiche depressive Grundstimmung aus, wie von Menschen, die in ihrer Kindheit sexuell mißbraucht worden sind. Sie identifizieren sich mit dem Sohn, der von seinem Vater an ein Kreuz genagelt und zu Tode gefoltert worden ist.

Ein Dämon, den wir erst vernichten können, wenn wir die historische Genese des Fluchs, die historische Genese Gottes durchschaut haben. Hier hat die Orgonomie eher Schaden angerichtet, mit ihrem fatalen Hang alles zu ontologisieren, was funktionell der verfrühten, bzw. zu tiefen Deutung in der Charakteranalyse entspricht. Gott wird zum „kosmischen Orgon“ gemacht und auf diese Weise wird er nur noch fester in den Seelen der Menschen verankert. Das „Kosmische“ fand im radikalen Monotheismus des „kosmischen“ Jahwe seine erste Ausprägung. Aus einem Gott, der seinen Platz auf Bergen, in Wolken und schließlich im Tempel hatte, wurde ein Gott, der über der Welt thront. Doch dies war paradoxerweise ein ähnlicher Abfall vom Grundwesen der jüdischen Religion wie später die Ausformung eines „kosmischen Messias“ durch die Christen. Aus einem Menschen wurde Gott – der schlimmste Götzendienst, den man sich vorstellen kann. Die Moslems gingen sogar noch weiter und beteten einen „kosmischen Gegenstand“ an, den „unerschaffenen“ Koran. So wie Gabriel Maria heterosexuell den Christus brachte, brachte Gabriel Mohammed den Koran, diesmal mit homoerotischen Untertönen, wie Salman Rushdie in seinen Satanischen Versen gezeigt hat.

Kabbala und Überlagerung

17. Oktober 2011

Die Kabbala, die jüdische Geheimlehre, soll als „dritte Thora“ genauso wie die erste und zweite Thora (Pentateuch und mündliche Überlieferung) direkt auf Moses zurückgehen.

Kabbalistisch spaltet sich Gott aus der Einheit in die Zweiheit und konstituiert dabei das Haus der Welt, das hinfort von Zweiheiten geprägt ist, die darauf drängen sich wieder zu vereinigen. Dies war auch die Geheimlehre Jesu, wie sie sich in der Bezeichnung manifestiert, die er Gott gab: ABBA. Orgonometrisch ist dies der knappste Ausdruck für die Schöpfungsfunktion: von der Einheit (Alef, der Stier = 1) zur Zweiheit (Beth, das Haus = 2) und von der Zweiheit (B) zu einer neuen Einheit (A). Das ist Abba, unser lieber Vater im Himmel, die Weltformel.

In der Kabbala wurde Magie als Fortführung der Schöpferkraft des Gottes betrachtet, der den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hatte, während das Christentum Magie stets verteufelt hat. Wollte es so seine Ursprünge kaschieren?

In seinem Buch über Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition hat David Bakan den Nachweis bringen wollen, daß Freud die Psychoanalyse aus der Kabbalistik hergeleitet habe (Princeton, NJ 1958). Der Versuch eines solchen Nachweises ist Bakan gründlich mißlungen. Trotzdem kann man, auch wenn sich keine direkte Verbindung nachweisen läßt, von einer Gleichartigkeit von Kabbala und Psychoanalyse (und damit indirekt auch der Orgonomie) schon allein deshalb sprechen, weil beide Systeme praktisch alles mit sexuellen Metaphern darstellen. Alle Symbole erhalten einen sexuellen Inhalt.

In der Orgonomie ist ein Symbol immer das Produkt einer Überlagerung zweier konträrer Elemente, so daß implizit alle Symbole sexueller Natur sein müssen, da für den Menschen „Überlagerung“ in erster Linie Überlagerung von Frau und Mann ist. Man denke nur an das Sinnbild für das Christentum (ein vertikaler Balken durchdringt einen horizontalen) oder für die Judenheit (ein nach unten gerichtetes „weibliches“ Dreieck wird von einem nach oben gerichteten „männlichen“ Dreieck durchdrungen).

Zur derartigen Symbolen siehe auch meine Ausführungen im 1. Abschnitt von Der blaue Faschismus.

Für den nichtmedizinischen Orgonomen John M. Bell ist das Symbol (in der Literatur die Metapher) ein Produkt der Überlagerung von sich scheinbar ausschließenden Elementen:

Die erfolgreiche Metapher (…) ist eine Art energetischer Überlagerung ähnlich der Fusion zweier getrennter Energieströme, die eine neue Einheit oder ein neues System erzeugen. Die Metapher überlebt, wenn sie wahrhaft bedeutungsvoll und genuin funktionell ist, als ein neues Konzept oder eine Idee, die mit Bedeutung, Einsicht und Energie (der Fähigkeit zur Bewegung) gefüllt ist. („Art and Orgonomy – Preliminary Considerations“, Journal of Orgonomy, Nov. 1977)

Zeena Schreck

11. Oktober 2011

Zeena Schreck (Jahrgang 1963) ist die Tochter des Gründers der Church of Satan in San Francisco, Anton LaVey. Sie war das erste Kind, daß im Namen Satans getauft wurde. Tatsächlich war LaVey ein Atheist und seine Kirche (gegründet 1966) ein Geschäftsmodell und Kabarett pur. Seine Satanische Bibel war fast Durchweg ein Plagiat. Noch heute fallen Volldeppen auf diesen Unsinn herein. Als sich immer mehr Neurotiker („Sinnsucher“) und Perverse um ihn scharrten, zog Lavey die Notbremse und machte klar, daß er allein das Sagen habe und das ganze nicht mehr sei als ein Geschäft. (Der Mann war schließlich böse!) Daraufhin kam es zur Abspaltung einer Gruppe, die tatsächlich an Satan bzw. den „Prinzen der Finsternis“ glaubte. Es bildete sich der Temple of Set. Set war der ägyptische Totengott und angeblich die Urform des christlichen Teufels. Ansonsten blieb vieles beim Alten, d.h. LaVeys lächerliche Rituale, von denen einige „Himmler und der SS“ entlehnt waren, wurden weiter praktiziert. LaVeys Tochter Zeena, die Mittlerweile zur „Hohepriesterin“ der „Kirche“ avanciert war, wandte sich schließlich enttäuscht und angewidert ob der Lügen und Betrügereien ihres Vaters von diesem ab und wurde Mitglied des Temple of Set. 2002 trat sie auch dort aus, weil die vertretenen Lehren nicht „authentisch“ seien und einer kritischen Überprüfung nicht standhielten. Aus ihr wurde eine tantrische Buddhistin, deren Ziel es ist zu einem Bodhisattwa zu werden. Gleichzeitig blieb sie Set treu und blieb eine bekennende Sadomasochistin und Hexe. Sie lebt heute in Berlin.

Tatsächlich war der europäische Satanismus (Blavatsky, Crowley und Co.) mit seinen sexualmagischen Praktiken zu einem Gutteil kaum mehr als eine Verballhornung des tibetischen Buddhismus, der mit der Kabbala und der Magie der Renaissance zu einem abartigen Gebräu vermengt wurde. Zentral war dabei der „prolongierte Orgasmus“ bei möglichst „aufgeilendem“ perversen Sex und die Konzentration der magischen Intention während des Orgasmus.

Es ist bemerkenswert wie weit sich dieses Gedankengut in der westlichen Welt verbreitet hat. Ich erinnere nur an Projekte wie „Orgasmen für den Frieden“.

In ihrem Buch über die Sexualmagie Demons of the Flesh, The Complete Guide to Left Hand Path Sex Magic stellen Zeena Schreck und ihr Ehemann Nicolas Jesus als einen Zauberer dar, dem es um „Selbstvergöttlichung“ ging und der dazu Sexualmagie mit Maria Magdalena praktizierte. Als Beleg verweisen sie auf die tatsächlich bemerkenswert weite Verbreitung sexualmagischer Elemente in der christlichen Gnosis. Ich selbst habe auf dieses Element des Christentums wiederholt hingewiesen (siehe Der verdrängte Christus).

Man kann das alles auf Zeena Schrecks interessanter und wirklich lesenswerter Weltseite nachlesen.

Warum ich das alles erwähne? Erstens zeigt es, daß so manche Verdächtigung gegen den tibetischen Buddhismus alles andere als aus der Luft gegriffen ist. Beispielsweise schreibt Zeena unter einem Photo des Dalai Lama: „Mahakala in Disguise“. Mahakala ist er tantrische Gott der Zeit, die männliche Entsprechung der Göttin Kali und in vieler Hinsicht die tibetische Entsprechung von Set. Oder mit anderen Worten: der Dalai Lama ist eine Verkörperung Satans. „Satan“ im Sinne von Mephisto: jene Kraft, die alles Erschaffene („die Welt der Illusionen und Anhaftungen“) zerstören will. Siehe dazu Die Massenpsychologie des Buddhismus.

Entgegen allem äußeren Anschein geht es dem tibetischen Tantrismus nicht weniger um die Vernichtung des Weiblichen als etwa dem Islam. Beispielsweise sind die „Dakinis“, die stets in Flammen gehüllt dargestellt werden, bei lebendigem Leib verbrannte Hexen, die sich, magisch gebannt, dem Buddhismus unterworfen haben. Zeena Schreck selbst ist eine solche Dakini. Ihre Tragik ist, daß sie zwar ihren soziopathischen und frauenverachtenden Vater mit einem Todesfluch belegt hatte, woraufhin dieser elendig verreckt ist, sich nun aber dem Karmapa und dem Dalai Lama unterwirft. Und auch Set steht beispielsweise Allah näher als Zeena Schreck es wahrhaben will. Ein Leben gefangen in einem grandiosen Mißverständnis.

Tatsächlich ist sie so etwas wie „das erste Kind des neuen Äons“, die Verkörperung einer vollkommen andersgearteten Menschheit als wir sie bisher kannten, Homo novis. Bis etwa 1960 hatten wir eine autoritäre Gesellschaft mit „gottgläubigen“ Menschen, wie Reich sie in seinen Schriften beschrieben hat. Seitdem schält sich immer mehr die antiautoritäre Gesellschaft heraus mit „satanistischen“ Menschen, die eine grundsätzlich andere Panzerstruktur haben. Wenn ich mir Zeena Schreck anschaue… – sie hat die gleiche Ausstrahlung wie so viele andere Mädchen und junge Frauen heute. Verkörperungen einer Biologischen Revolution, die hoffnungslos schiefgegangen ist.

Es geht hier nicht darum irgend jemanden zu verurteilen („Sadomasochismus“, „Okkultismus“, „Satanismus, der mit Elementen des Nationalsozialismus kokettiert“, etc.), tatsächlich habe ich einen Heidenrespekt vor Zeena Schreck, sondern um die Trauer angesichts des fatalen Hangs des gepanzerten Menschen zur Selbstzerstörung. Der „neue Mensch“ ist diesem (wenn man so sagen kann) „Todestrieb“ weit mehr verfallen als vorangegangene Generationen.

Wilhelm Reich und das Judentum (Teil 3)

7. März 2011

Die Griechen, Gnostiker und Christen gingen davon aus, daß das Geistige dem Körperlichen übergeordnet sei, dagegen lehrt die jüdische Kabbala, der hebräischen Bibel folgend, die Ebenbürtigkeit. Der Mensch ist sein Körper! Eines der Wesenszüge der Kabbala ist die Verpflichtung zum Humor und zur Lebensfreude. Das Hauptgebot ist, glücklich zu sein. Die Kabbala kennt weder Askese noch Kasteiung. Sie ist eine weltfreudige Mystik.

In der jüdischen (im Unterschied z.B. zur griechischen) Tradition war niemals die Rede von sexueller Askese (mit den Essenern und den frühen zionistischen Pionieren als einziger Ausnahme). Die Kabbala ist kraß antizölibatär. Der Liebesakt heiligt den Körper. Nur durch die sexuelle Vereinigung ist göttliche Vollkommenheit erlangbar. Erst in der leidenschaftlichen Liebesvereinigung ist der Mensch ganz Mensch: ein Leib und eine Seele. Genauso wie in der Orgonomie im gemeinsamen gleichzeitigen Orgasmus aus zwei Organismen energetisch ein einziges Orgonom wird. Es ist die Quelle aller religiösen Sehnsucht nach Einheit mit „Gott“.

Für die Kabbala ist Sexualität göttlich. Damit ist keine spiritualistische Pseudosexualität gemeint. Auch geht es nicht nur um die Erzeugung von neuem Leben, vielmehr zählt vor allem der reine Lustgewinn. Dies macht die Kabbala einmalig in der mystischen Tradition der Welt (einschließlich dem vom Koitus reservatus geprägten Tantra und Taoismus). Hier ist eine der Quellen für die gemeinste, widerwärtigste Form der antigenitalen Emotionellen Pest: der Antisemitismus.

Leider hat sich Reich vollständig von den spirituellen Traditionen des Judentums ab und der christlichen Tradition zugewandt. Scheinbar war ihm nie bewußt, wie nah doch die Kabbala seinen eignen Ansichten kommt. Und was Reichs Vorliebe für Christus als Verkörperung des Genitalen Charakters betrifft, hat sich die moderne Kabbala ausdrücklich auf den „Rabbi Jesus“ berufen, der von der Last des Gesetzes befreite und sich so von den Priestern abhob, so wie später der Kabbalist vom orthodoxen Talmudisten.

Die Kabbala vertritt eine quasi funktionelle neuplatonische Schöpfungslehre mit Gott als der „Wurzel aller Wurzeln“, die sich durch Emanation stufenweise in „10 Sephiroth“ entfaltet. „Proto-Orgonomen“ wie Bruno und Goethe (die beide das Christentum mehr oder weniger verachteten) haben sich eingehend mit der Kabbala befaßt und sind nicht zuletzt dadurch dem späteren Orgonomischen Funktionalismus sehr nahe gekommen.

Reichs Haupteinfluß, Freud soll, David Bakan zufolge, ebenfalls stark von der Kabbala geprägt worden sein (Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition, Princeton, NJ 1958). Bakan sieht die Psychoanalyse in einer revolutionären, „antigesetzlichen“ kabbalistischen Tradition. Es ist wohl unumstritten, daß er hier einer fixen Idee aufgesessen ist und sich in dieser Hinsicht in haltlosen Spekulationen verfangen hat. Was seine Analyse trotzdem interessant macht, ist die Tatsache, daß Reichs Orgonomie weitaus besser mit Bakans Behauptungen harmoniert als Freuds Psychoanalyse – obwohl natürlich auch Reich in keinster Weise von der „mystischen Tradition“ des Judentums beeinflußt wurde.

Die offensichtlichste Verbindung zwischen Psychoanalyse und Kabbala sei, so Bakan, daß auch die letztere versucht, in einer „Wortanalyse“ hinter die oberflächliche Bedeutung der Wörter zu blicken. Über den großen Kabbalisten Abraham Abulafia (geb. 1240) schreibt Bakan:

Das psychologische Ziel, das Abulafia verfolgte, war, „die Seele zu öffnen, die Knoten, die sie binden, zu lösen.“ Dies beruhte auf der Vorstellung, daß die inneren Kräfte des Menschen infolge seines gewöhnlichen, täglichen Lebens in Anspruch genommen (bound in) werden. In Abulafias Schriften gibt es die Vorstellung, daß diese Knoten darin einen Wert haben, daß sie das Individuum davor bewahren, von den Strömen des Kosmos übermannt zu werden. Wenn jedoch das Individuum Kontakt mit dem göttlichen Strom haben will, ist es notwendig, daß die Knoten gelöst werden. (ebd., S. 76)

Dies überschreitet die Psychoanalyse und verweist auf die Charakteranalyse und Orgontherapie.

Auch durch die ganze Denkmethode weist die Kabbala über die Psychoanalyse hinaus zur funktionellen Charakteranalyse. Bakan erwähnt Abulafias kabbalistische Methode des „Springens“, die stark an den Orgonomischen Funktionalismus gemahnt. Er zitiert dazu den Kabbala-Kenner Scholem:

Tatsächlich ist dies nichts weiter als eine sehr bemerkenswerte Methode, die Assoziation als Meditationsweg zu benutzen. Es ist nicht ganz das „freie Spiel de Assoziierens“, wie es die Psychoanalyse kennt; vielmehr wird der Übergang von einer Assoziation zur anderen von bestimmten Regeln bestimmt (…). Jeder „Sprung“ öffnet eine neue Sphäre, die von bestimmten formalen, nicht materiellen Charakteristiken gekennzeichnet ist. (ebd., S. 77)

Man denkt sofort an das systematische Vorgehen der Charakteranalyse und an das Wechseln von einem Funktionsbereich zum anderen aufgrund funktioneller („formaler“) Identität.

Moses und die Dialektik der Bibel (Teil 3)

11. Oktober 2010

Ganz allgemein trugen im östlichen Mittelmeerraum Könige und Götter Kopfbedeckungen mit einem Hornpaar, etwa so wie die alten Germanen. Sure 18,84 erwähnt das Reich des „Dhulkarnain“. Über diese Gestalt wird in der Ullmann/Winter-Übersetzung des Koran (München 1959) angemerkt:

Dhulkarnain, der Zweigehörnte, ist nach Vielen Alexander der Große, der auf alten Münzen gehörnt dargestellt ist (die „Hörner“ können auch Haarbüschel nach ägyptischer Mode sein). Andere vermuten einen Heiligen, der Alexander hieß und zur Zeit Abrahams lebte. In alten jüdischen Schriften (Buch Daniel) ist Zweihörnigkeit das Symbol der Kraft.

Im Hebräischen hat der Begriff Horn die Nebenbedeutung „Stärke und Kraft“ (vgl. Am 6,13 in der Einheitsübersetzung). So werden heute auch zumeist die Stellen übersetzt, wo vom Horn die Rede ist. Einerseits wird sowohl die Stiermetaphorik, die das ganze Alte Testament durchzieht, verschleiert, gleichzeitig wird dadurch aber ungewollt jener Aspekt hervorgehoben, der sich eigentlich hinter dem Horn verbirgt: die männliche Potenz, die vom Stier archetypisch verkörpert wird.

Diese Identität von Horn und erigiertem Penis klingt noch im „jemand Hörner aufsetzen“ durch. Ganz klar wird die Identität, wenn Hanna in 1 Sam 2,1.10 (Lutherübersetzung) singt: „Mein Horn ist erhöht in dem Herrn (…) der Herr wird erhöhen das Horn seines Gesalbten.“ Natürlich handelt es sich hier ursprünglich um die Herrin und ihren Heros – er ist der „Starke“ Isaaks und der „Mächtige“ Jakobs. „es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen“ (Num 24,17 Luther).

Man denke auch an Ps 92,11, wo von der Kraft des Wildstiers die Rede ist: mein Horn wird erhöht werden, wie das eines Wildstiers. Aber schauen wir, was die Theologen daraus im Laufe der Zeit gemacht haben:

  • Luther alte Fassung: „Mein Horn wird erhöht werden wie eines Einhorns, und ich werde gesalbt mit frischem Öl.“
  • Luther Fassung 1964: „Aber mich machst du stark wie den Wildstier und salbst mich mit frischem Öl.“
  • Einheitsübersetzung: „Du hast mir die Kraft des Wildstiers gegeben und ich bin mit frischem Öl durchfeuchtet/gesalbt. Anm.: Die Salbung mit frischem Öl symbolisiert den Übergang von der Trauer zur Freude, vgl. Jes 61,3.“

Daß mit diesem „Öl“ eine sehr menschliche Feuchte gemeint war, sieht man an folgendem: Moses ist im Besitz universeller Zeugungskraft:

Und Moses war 120 Jahre alt, da er starb. Seine Augen waren nicht dunkel geworden, und er hatte die Feuchte im Bett behalten bis zum letzten Tag. (Dtn 34,7)

Dies ist die Übersetzung von Gerda Weiler (Das Matriarchat im Alten Israel, Stuttgart 1989, S. 158) während Luther übersetzt: „(…) und seine Kraft war nicht verfallen.“ Noch prüder ist die unübertreffliche Einheitsübersetzung: „(…) bis zuletzt war er rüstig geblieben (…).“

Beim ebenfalls „gehörnten“ indischen Gott Shiva ist der sexuelle Aspekt noch weit eindeutiger als bei Jahwe, denn Shivas Kultsymbol ist der Lingam. Die griechische Entsprechung für Shiva ist Dionysos. Und hier gibt es vereinzelt sogar synkretistische Verschmelzungen von Jahwe und Dionysos, was durch ihre Wesensverwandtschaft möglich wurde (Weiler, S. 93f). So ist man sich in der Theologie wohl einig, daß die Aaron-Gruppe am Fuße des Gottesberges eine „Orgie“ im Sinne des dionysischen Mysterienkultes feierte (ebd., S. 139).

Später spaltete sich Jahwe und „der Gehörnte“ wurde zum Teufel der Christen. Zuletzt waren diese beiden Aspekte der Gottheit vielleicht beim stierförmigen Fruchtbarkeitsgott Serapis vereinigt, dem Hauptgott im ptolemäischen Ägypten, eine Mischform von Osiris und Dionysos. Neuerdings versuchten Ibsen mit seinem „Dritten Reich“ und Nietzsche mit seinem „Gekreuzigten Dionysos“, sowie manche moderne „Satanisten“, diese Aspekte im Sinne der „Unschuld aller Schöpfung“ wiederzuvereinigen. Eine Verbindung von Jesus und Dionysos ist schon im Neuen Testament angelegt, wenn Jesus erstes Wunderzeichen, das Weinwunder von Kana (Joh 2,1-12), nichts als eine Kopie des dionysischen Weinwunders ist. Auch Jesus war „der Gehörnte“, jedenfalls trägt Offb 13,11 das Lamm (Christus bzw. der Anti-Christus) zwei Hörner.

Für Weiler ist der Stier „geradezu ein universales Sinnbild für matriarchale Männlichkeit“ (ebd, S. 61). Deshalb hätten matriarchale Könige/Götter stets den Beinamen „starker Stier“. Die Himmelskönigin und ihr Stier wären als unvergängliche Schöpferin und sterbliches aber stets neugeborenes Geschöpf, als Himmel und Erde einander zugeordnet. Dies zeige sich im ägyptischen Gottesbegriff ntr, eine Verschmelzung aus den Wörtern nz (Nout) und tr (Stier) zu ntr: dem ägyptischen Gott als „Stier seiner Mutter“ (ebd., S. 63). Echnaton, der kein Monotheist war, wie Freud behauptet, sondern der höchstens einen patriarchalen Schöpfergott zu seinem Hauptgott gemacht hat (ebd., S. 164f), hat deshalb das Wort ntr als Bezeichnung für seinen Schöpfergott Aton tunlichst vermieden.

Sein „Gott“ soll nicht mehr der Stier sein, nicht die Zeugungskraft verkörpern, sondern die Gebärfähigkeit. Deshalb läßt Echnaton sich eine Statue anfertigen, die ihn als Frau darstellt, mit weiblichen Brüsten und weiblichem Schoß und mit einem breiten weiblichen Becken. (ebd., S. 63)

Ähnliches findet man noch bei Christus.

Afrikanische Kruzifixe stellen häufig den Gekreuzigten mit weiblichen Brüsten, also als Androgyn, dar. Als solcher wird Christus in der Offenbarung des Johannes (1,13) vorgestellt, wenn es von ihm heißt, daß er um die Brüste (griech. Urtext) mit einem goldenen Gürtel umgürtet war. (Paul Schwarzenau: Das Kreuz. Die Geheimlehre Jesu, Stuttgart 1990, S. 83)

Diese Verweiblichung Gottes hat nichts, wie uns Jungianer weismachen wollen, mit dem Matriarchat zu tun, sondern ist Ausdruck einer usurpatorischen Patriarchalisierung. In diesem Punkt möchte ich Weiler mit aller Entschiedenheit unterstützen, auch wenn ich ziemlich fassungslos davor stehe, wenn Weiler z.B. „rituelle Defloration“ (S. 294) als Element des Matriarchats im alten Israel nennt. Diese Vergewaltigung ist ebenso krank wie der ganze phallisch-narzißtische Potenzwahn von Weilers „matriarchaler Männlichkeit“. Von diesem „matriarchalen“ Mann zum Mann als Schöpfer ist nur ein Schritt. Es geht dann sehr schnell um die patriarchale Schöpferkraft im Sinne des Korans, wo von der Entwicklung des Menschen gesagt wird:

War er nicht ein verspritzter Samentropfen? Darauf wurde ein wenig aus ihm, und Allah bildete ihn und formte ihn gehörig. (Sure 75,38f)

Das Blut gerann „und das geronnene Blut bildeten wir zu einem Stück Fleisch“, woraus sich dann der ganze Mensch im Mutterleib entwickelt (Sure 23,15). Hier wird eine typisch matriarchale Vorstellung (der Mensch entwickelt sich aus dem geronnenen Blut der ausbleibenden Menstruation) von einer typisch patriarchalen überlagert – der Mensch entwickelt sich ausschließlich aus dem Samen des Mannes, für den die Frau nur den „Ackerboden“ bereitstellt:

Die Weiber sind euer Acker, geht auf euren Acker, wie und wann ihr wollt. (Sure 2,224)

In der Parallelstelle der Bibel ist demhingegen nicht von Sperma die Rede, sondern von hingegossener Milch, die wie Käse gerinnt (Ijob 10,10 Lutherübersetzung), was, solange nicht das Sperma gemeint ist, genau der matriarchalen Vorstellung vom verklumpenden Menstruationsblut entspricht.

Den patriarchalen Schöpfungsmythos finden wir auch in der Kabbala, wenn im Sinne des „Alpha und Omega“ der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets (von dem über das griechische auch unser lateinisches abgeleitet ist), das „alef“ ein stilisierter Stierkopf ist. Dieser hebräische Buchstabe entwickelte sich aus der ägyptischen Bilderschrift, wo er den Stier repräsentierte. In der hebräischen Silbenschrift meinte dieses Zeichen dann nur noch den Anfangsbuchstaben des Wortes „Stier“. Daraus entwickelte sich zuerst seitlich gekippt und dann auf den Kopf gestellt das „A“. Kabbalistisch der kosmische Stier als das schöpferische All-Eine. Gnostisch der göttliche Same, der im Haus der Welt Beth gefangen ist: das hehre Männliche des Geistes in einer verdorbenen weiblichen Welt der Materie.

Jahwe ist der Stier, der in das Haus der Erde eindringt („beth“). Wenn Jesus Gott „Vater“, hebräisch AB nennt, spielt er darauf an.

Das dreieckige, keilförmige Profil des Stierhauptes, nachgebildet in der althebräischen Schrift für den Buchstaben Alef (Stier), bringt das Eindringen aus der Transzendenz in die Immanenz zum Ausdruck. (Schwarzenau, S. 189)

Die Immanenz ist Beth, das Haus, die Wohnhöhle, der Uterus der Erde. Hinter dieser gnostischen Vision, und der ganzen sexuellen Perversion „Christentum“, steckt, je nachdem, dieser phallische Sadismus (alef) oder analer Masochismus (beth), wie man ihn beim perversen Homosexuellen Paulus finden.


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