Mit ‘Hypnose’ getaggte Artikel

Künstlich induzierte okulare Panzerung

3. März 2013

Sekten und Kulte funktionieren auf der Grundlage von künstlich induzierter Augenpanzerung, d.h. Panzerung, die nicht aus der Kindheit stammt, sondern im Erwachsenenalter der bereits bestehenden „anerzogenen“ Panzerung hinzugefügt wird.

Beispielsweise konnte sich der Marxismus nur deshalb ausbreiten (tatsächlich sah es in den 1970er Jahren so aus, als würde er den gesamten Planeten übernehmen!), weil seine Theorie derartig unbestimmt ist, daß man automatisch „in den Augen weggeht“, wenn man sich mit diesem „dialektischen“ Unsinn beschäftigt, wobei immer das Gefühl bleibt, man habe das ganze nicht wirklich verstanden. Ähnlich sieht es bei christlichen Sekten mit ihren Bibelstudien aus. Es ist schlichtweg unmöglich (außerhalb des kirchlichen Lehramtes) irgendeinen Sinn im „Wort Gottes“ zu finden. Was bleibt ist ein „dissoziativer“ Geisteszustand, in dem man buchstäblich „neben sich selbst steht“. Biophysikalisch ist das die Trennung von Wahrnehmung und Erregung („schizophrene Spaltung“), wie Reich sie im Schlußkapitel der Charakteranalyse beschrieben hat.

Am gefährlichsten sind Sekten, in denen diese „okulare Spaltung“ direkt durch Übungen induziert und verankert wird. Man denke nur an die verschiedenen Techniken (Yantras, Mantras, Evokation von Gottheiten, etc.) im indischen Guruismus oder tibetischen Lamaismus. Am effektivsten sind aber wohl die Techniken von Scientology, die ganz spezifisch (geradezu explizit) darauf ausgerichtet sind, eine Augenpanzerung zu induzieren. Den Effekt sieht man am durchschnittlichen Scientologen mit seinem charakteristischen Ausgenausdruck.

In den folgenden vier Videos werden die „Grundtechniken der Augenpanzerung“ im einzelnen beschrieben. Nachdem die Scientology-Interessierten dergestalt hergerichtet sind, geht es an das Studium der Schriften von L. Ron Hubbard – die ein normal empfindender und denkender Mensch bereits nach dem ersten Durchblättern gelangweilt zur Seite legte. Es ist eben die ganze Unsinnigkeit dieser Ergüsse, die, wie im Marxismus und evangelikalen Christentum, die okulare Panzerung weiter verschlimmert und aufrechterhält.

Es gehört zur Aufgabe der Orgonomie die Bevölkerung über diese Mechanismen aufzuklären und den Faschismus Schritt für Schritt weiter zurückzudrängen. Vernichtet alle Kulte und Sekten, alle Institutionen, die die Autonomie der Individuen und das klare Fühlen und kritische Denken untergraben!

Betrachten wir, womit ein Student von Scientology am Anfang der Indoktrination konfrontiert ist:

Bei TR-0 (training routine zero) geht es darum, ohne jede Regung (nicht mal ein Blinken der Augenlieder ist erlaubt!) dem Instrukteur 120 Minuten in die Augen zu starren. Nach jeder Körperregung wird abgebrochen und die Zeit wird von vorne gezählt, bis der Student schließlich nach schier endlosen Sitzungen es schafft, die 120 Minuten in einem Stück durchzustehen. Das kann ein Mensch nur schaffen, wenn er buchstäblich „seinen Körper verläßt“, d.h. sich die Wahrnehmung von der Erregung abspaltet. Man gerät in einen hypnotischen Zustand, den manche Scientologen ihr Leben lang nie wieder verlassen, sondern höchstens noch vertiefen werden! Dieses TR ist die Grundlage der folgenden TRs und wird in diesen fortgeführt. Deshalb steht jeweils ein „0“ vor der Numerierung.

Bei TR-01 liest der Student dem Instrukteur Satz für Satz Stellen aus der krankhaften, wahrscheinlich drogeninduzierten Pädophilengeschichte Alice im Wunderland von Lewis Carroll vor. Es geht darum, trotz der ganzen Absurdität der Sätze, nicht zu lachen oder sonst eine Regung zu zeigen. Damit wird die eigene Kritikfähigkeit lahmgelegt.

Bei TR-02 liest der Instrukteur umgekehrt dem Studenten aus Alice im Wunderland vor und es geht darum, ohne jede Regung diesen Unsinn hinzunehmen. Es wird ein Geisteszustand induziert, in dem man jeden Unsinn L. Ron Hubbards akzeptiert und niemals angesichts des Grotesken lacht. Humor und Lachen würden einen nämlich aus der Trance aufschrecken lassen.

Bei TR-03 frägt der Student seinen Instrukteur immer wieder und wieder zwei Fragen. Entweder „Fliegen Vögel?“ oder „Schwimmen Fische?“ Der Instrukteur gibt alle möglichen Antworten. Kommt schließlich die richtige Antwort, stellt der Student die zweite Frage. Wird die richtig beantwortet, kommt wieder die erste Frage dran. Man darf auf diese blödsinnige eigene Fragerei nicht reagieren, etwa lächeln und unsicher werden, sondern immer wieder und wieder die gleiche Frage stellen. Auf diese Weise wird man selbst zu einem Scientologen, d.h. einem roboter-artigen Menschen, der davon lebt, daß er seine Mitmenschen verunsichert und in einen hypnose-artigen Trancezustand versetzt.

TR-04 ist identisch mit TR-03 mit dem Unterschied, daß der Instrukteur alle möglichen vernünftigen Einwände gegen diese ganze Prozedur vorbringt, die der Student (immer ohne jede emotionale oder körperliche Regung) so beantworten soll, daß das Gegenüber weitermacht. Auf diese Weise soll man lernen, nicht nur die eigenen spontanen Gefühle und den eigenen rationalen Geist zu kontrollieren, sondern auch die des Gegenübers: man wird zum Scientologen.

Mit TR-05 soll man lernen mit Widerständen fertigzuwerden, etwa wenn das Gegenüber partout nicht kooperieren will. Man sagt dem Instrukteur, der die Session verlassen will, daß er „diesen Körper im Stuhl sitzen lassen soll“. Ein Phrase, die man ständig wiederholt, wenn das Gegenüber aufstehen will. Der Student wird dergestalt trainiert, stets als Herr der Situation aufzutreten, d.h. ein guter Scientologe zu sein: sich von oben kontrollieren zu lassen und nach unten (d.h. die Nicht-Scientologen) zu kontrollieren. Gleichzeitig lernt er das Gegenüber (und damit sich selbst) als „Geistwesen“ zu betrachten, das einen Körper hat: eine weitere Spaltung zwischen Wahrnehmung („Geist“) und Erregung („Körper“).

TR-6 ist die logische Fortsetzung von TR-05: der Student führt den sich wehrenden und protestierenden Instrukteur durch den Raum, hält an, ändert die Richtung, führt den Instrukteur, hält an, ändert die Richtung, etc. Der Student wird buchstäblich zu einem „Führer“ und verinnerlicht dabei gleichzeitig das Grundkonzept der Scientology: der Körper ist das ausführende sterbliche Organ des unsterblichen Geistes.

Bei TR-8 geht es darum, die Spaltung zwischen Geist und Körper zu zementieren, indem man einem unbelebten Objekt, etwa einem Aschenbecher, den Befehl gibt, sich zu erheben. Wenn der Student dann den Aschenbecher mit der eigenen Hand hebt, wird diese Muskelaktion schließlich irrelevant im Vergleich zu der „Tatsache“, daß der Aschenbecher tatsächlich unserem Willen folgt und sich erhebt – der eigene Körper wird irrelevant im Vergleich zum allmächtigen Geist. Jeder Furz wird zu einem übernatürlichen Ereignis!

Schließlich geht es in der Scientology darum, den eigenen Körper ganz zu verlassen, etwa indem man zunächst sich selbst anfaßt, dann die Wand, sich selbst, die Wand, sich selbst, die Wand, etc. Macht man das häufig genug und im Zustand der bereits induzierten Spaltung, hat man schließlich tatsächlich das Gefühl den Körper zu verlassen. Die Depersonalisation und Derealisation ist vollendet!

Im Zustand der induzierten Spaltung kann man „audiert“ werden und selbst „audieren“, d.h. mit Hilfe von Fragebögen zu (meist fiktiven!) traumatischen Ereignissen in diesem Leben und in früheren Leben geführt werden, sogar in zukünftigen Leben, da die „Zeitlinie“ des Geistes eine ganz andere ist als die des materiellen Universums (wieder Spaltung).

In höheren Stufen der Scientology wird deine Seele dann vollends zerschreddert, wenn du lernst, daß du von Myriaden fremder Seelen bevölkert bist, die jede ihre eigenen Probleme hat. Es gibt Leute, die ihr gesamtes Erspartes und das Ersparte von Familie und Freunden für diese Dämonenaustreibung ausgegeben haben.

Bei aller künstlich herbeigeführten Psychose ist Scientology imgrunde nur die verschärfte Version des ganz normalen Wahnsinns. Wir alle arbeiten ein ganzes Leben daran, eine Gesellschaft aufrechtzuerhalten, die uns, unsere Familie und unsere Freunde zerstört. Also macht euch nicht über diese Idioten lustig. Wir sind alle miteinander Idioten. Der zentrale Moment dieser Idiotie ist die Augenpanzerung, die von all dem Schwachsinn um uns herum ständig erzeugt und aufrechterhalten wird. Der alltägliche Wahnwitz!

Edmund Forster, Erik Jan Hanussen und der Psychotherapeut um die Ecke

28. März 2012

Ob Hanussen jemals mit Hitler zusammengetroffen ist, ist zweifelhaft. Der amerikanische Wikipedia-Eintrag über ihn behauptet das für Anfang der 1920er Jahre auf der Grundlage von Unterlagen des OSS, während im deutschen Eintrag davon keine Rede ist. Andere „Quellen“ behaupten eine Begegnung Anfang der 1930er Jahre. Derartige Begegnungen sind mehr als fraglich und werden m.W. in der seriösen Hitler-Literatur nirgends erwähnt. Trotzdem ist Hitlers Karriere ohne Hanussen m.E. kaum vorstellbar. Es geht um den Reichstagsbrand und das merkwürdig „schlafwandlerische“ Auftreten von Marinus van der Lubbe. Es ist tatsächlich diskussionswürdig, daß van der Lubbe von dem informellen SA-Mitglied Hanussen in einen hypnotischen Zustand versetzt worden war, um den Reichstag anzuzünden. Aus diesem posthypnotischen Zustand wurde er nie wieder befreit. Ich habe mich damit bereits an anderer Stelle beschäftigt. Unwillkürlich muß man an das merkwürdige Auftreten von Lee Harvey Oswald denken.

Beide, van der Lubbe und Oswald, handelten mit geradezu übermenschlicher Präzision. Es gehört ungemeine Willensstärke dazu, ein Gebäude wie den Reichstag systematisch in Brand zu setzen oder einen Präsidenten im Visier zu halten und in kürzester Folge dreimal abzudrücken. Hypnose kann bewirken, daß wir uns sozusagen nicht mehr selbst im Wege stehen und entsprechend Dinge „durchziehen“ können, die ohnehin unserem Wesen entsprechen. Deshalb kann man diese Methode ja therapeutisch nutzen, etwa zur Raucherentwöhnung oder um soziale Phobien zu überwinden, die das Arbeits- und Liebesleben behindern.

Bernhard Horstmann führt in seinem Buch Hitler in Pasewalk (Düsseldorf 2005) aus, daß Hitlers angebliche „Gaserblindung“ am Ende des Krieges in Wirklichkeit hysterischer Natur war und daß der behandelnde Psychiater, Dr. Edmund Forster, seinem Patienten mittels einer ausgeklügelten Hypnosetechnik dazu brachte wieder sehen zu können. Er suggerierte Hitler, daß dieser kein gewöhnlicher Mensch sei, sondern auserwählt, ein „Wundermann“, der mit seiner übermenschlichen Willenskraft Herrschaft über die Materie habe und deshalb auch das Unmögliche vermöge, nämlich trotz seiner zerstörten Augen wieder zu sehen. Die so freigesetzten psychopathologischen Mechanismen hätten, so Horstmann, in Hitler, eine „totale Wesenstransformation“ bewirkt.

Forster hat Hitler während der Trancephase die Omnipotenz des zu Wundern fähigen Übermenschen suggeriert. Er tat dies in Verbindung mit den Namen Jesus, Mohammed und der Heiligen und hat damit die Grundlage für einen Messiaskomplex gelegt, der später an Hitler verschiedentlich mit Staunen bemerkt worden ist. (S. 150)

Die „Stimme“, die Hitler gehört hat, und die ihn in einer „Vision“ zum Retter Deutschlands berief, war nichts anderes als die Stimme seines Hypnotiseurs Forster. (S. 244)

Da diese Hypnosebehandlung in die Wirren der November-Revolution fiel, hatte Forster nicht mehr die Gelegenheit den hypnotischen Zustand wieder aufzuheben. Ergebnis war eine andauernde Wesensveränderung Hitlers. Aus einem willensschwachen und eher schüchternen deutsch-völkischen und schwärmerisch wagnerianisierenden Sonderling wurde der visionäre „Führer“, dem nach allen Zeugenaussagen ein „hypnotisch aufgeladenes Fluidum“ umgab, das zumindest eher willensschwache Zeitgenossen in seinen Bann zog. Gleichzeitig wirkte Hitler merkwürdig starr, beziehungslos und „fremdgesteuert“, wie in Trance.

Die Rolle, die Forster und Hanussen in der Geschichte des Nationalsozialismus gespielt haben, wird sich nie abschließend nachweisen lassen, die Indizien sind aber ziemlich schlüssig. Es geht darum, daß Psychotechniken („Psychotherapie“) eine entscheidende Rolle im wichtigsten Geschehen seit Jahrhunderten gespielt haben.

Reich selbst hat Anfang der 1920er Jahre als angehender Psychiater und Psychoanalytiker „Suggestivmethoden“ angewendet, um seinen Patienten möglichst schnell helfen zu können. In der Psychoanalyse hat der hypnotische Rapport in Gestalt der „Übertragung“ überlebt. Der Therapeut wird unbewußt zum Vater und/oder zur Mutter und dringt dergestalt in die Psyche des Patienten ein, die sich in dessen Kindheit gebildet hatte. Es dreht sich alles darum, eine „Übertragung“ herzustellen. In der Orgontherapie hingegen ist die Übertragung nichts anderes als ein Ersatzkontakt, der automatisch auftritt und immer wieder aufgelöst und durch einen genuinen Kontakt ersetzt werden muß.

Praktisch alle anderen Methoden, einschließlich der „Selbsthypnose“, helfen zweifellos den Patienten, halten jedoch letztendlich das Elend aufrecht, indem sie die Kontaktlosigkeit perpetuieren, wenn nicht verstärken. Sozialphobiker, beispielsweise, mögen durch diverse „Techniken“ ihre Ängste verlieren und ein besseres Leben führen, letztendlich wäre ihnen aber mehr damit gedient, wenn sie lernten ihre Ängste zu ertragen. Die Geschichte des „Dritten Reiches“ ist ein Menetekel dafür, was „Psychotherapie“ letztendlich bedeutet. Man denke nur daran, daß sich immer wieder „Psychosekten“ um Psychoanalytiker, Individualpsychologen, etc. formieren. Wer sich etwas mit der „Psychotherapeuten-Szene“ auskennt – gruselig…

Es dreht sich immer um das gleiche Problem; ein Problem, mit dem ich mich morgen beschäftigen werde. Es geht um die Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten. Bei Hanussen war es der Mißbrauch des therapeutischen „Rapports“; bei Forster geht es um eine ähnliche Situation, die aufgrund äußerer Umstände eintrat, und in der modernen Psychotherapie geht es darum, daß mangels eines klaren funktionellen Denkens, die therapeutische Beziehung ständig aus dem Ruder zu laufen droht mit teilweise verheerenden Konsequenzen.

Christopher Turner: ADVENTURES IN THE ORGASMATRON (America), Teil 3

24. September 2011

Christopher Turner fand in Aurora Karrers Archiv folgende bisher unveröffentlichte Notiz Reichs vom September 1952, in der Reich Mildred Bradys Besuch bei ihm Ende 1946 beschreibt:

Now I knew well why she said this when I recall her sitting there in front of me in the easy chair, with glowing eyes, glowing from genital frustration, with eyes as I have seen them many thousands of times in people of both sexes, of all ages and professions … who expected, I say, orgastic potency from me, expressing this yearning clearly in her eyes as she looks at me, and then smearing me up and down in public with that pornographic insinuation about the Or[gone] accumulator which is supposed to provide orgastic potency. Thus she turned her normal, natural desire into mud, which she then throws in to my decent face. (S. 283)

Die Tragödie von Turners Buch ist, daß er genau die glühenden Augen hat, von denen Reich spricht. Jeder zweite Satz handelt vom Orgasmus und daß der Orgonenergie-Akkumulator die „orgastische Potenz“ „verbessert“. Adventures in the orgasmatron! Tatsächlich ist Turners Buch kaum mehr als ein ausgewalztes Update der beiden Artikel Bradys: „The New Cult of Sex and Anarchy“ und „The Strange Case of Wilhelm Reich“.

Genüßlich walzt Turner folgende Punkte aus (bitte Herztropfen bereitlegen!):

  • Mit Verweis auf Reichs Rede an den Kleinen Mann, zeigt Turner, daß Reich tatsächlich die Massen verachtete.
  • Reichs Aktivitäten, etwa in der Therapie oder bei der Propagierung der „sexuellen Befreiung“ laufen stets auf „Psychofaschismus“ hinaus, d.h. auf die Unterwerfung und Kontrolle des Einzelnen und der Massen.
  • Was die „Kinder der Zukunft“ betrifft: „Reich hoped at the Orgonomic Infant Research Center to breed a new nonrepressed, armor-free super-race” (S. 315).
  • Der „Kult von Sex und Anarchie“, der sich um Reich als Kristallisationskern in der Boheme der Ost- und Westküste gebildet hat. Bei „Künstlern“, die zum Großteil Reich nie ernstgenommen hatten und nur einem Modetrend folgten. Den Orgonenergie-Akkumulator betrachteten sie mit Verachtung, obwohl sie ihn teilweise jahrelang benutzten. Wie einer sagte: Ein Gutes hatte er, zumindest habe ich in ihm Krieg und Frieden zu Ende gelesen!
  • Ständig reitet Turner darauf herum, daß der Orgonenergie-Akkumulator die „orgastische Potenz“ verbessern sollte. Dies wird im Zusammenhang mit dem damaligen Hype um Kinsey ausgewalzt. Reich selbst sei prüde und homophob gewesen – und sexbesessen.
  • Der Orgonenergie-Akkumulator wird durchgehend als eine vollständig wirkungslose Blechkiste dargestellt, deren vorgeblicher Heileffekt einfach auf die suggestive Wirkung der Persönlichkeit Reichs zurückzuführen war. Den entsprechenden Erläuterungen aus den Akten der FDA wird ein breiter Rahmen eingeräumt.
  • Reichs aus wissenschaftlicher Sicht vollkommen unsinnigen Experimente seinen Ausdruck „manischer Schübe“ gewesen (Reich embarked on another frenzy of experiments,“ S. 332). Über das ORANUR-Experiment schreibt Turner: “Peter Reich, despite his father’s and Baker’s reports of his health, maintains that he didn’t feel anything during the Oranur experiment. He puts it all down to mass hysteria. His mother had to have a hysterectomy and Eva got ill, but, he said, Eva ‘was always a bit hysterical’” (S. 335).
  • Reichs Projekt „Kinder der Zukunft“ ist kläglich gescheitert, da es zu mehr oder weniger organisiertem sexuellen Kindesmißbrauch durch Reichs Mitarbeiter ausartete. Gemeint sind Michael Silvert, Albert Duvall und Felicia Saxe. (Turner hat keine Ahnung, daß es sich bei der Frau, die beschrieben wird, um Saxe handelt und daß sie zur Zeit des Projekts schon längst von Reich geschaßt worden war.) Reich selbst habe eine sehr fragwürdige Beziehung zu seiner Tochter Eva gepflegt.
  • Reich wurde psychisch immer instabiler und verfiel immer weiter der Paranoia. Seine „Forschungen“ wurden immer bizarrer und irrationaler: „Orgonmotor“, Versuche mit radioaktiven Stoffen, „Regenmachen“, schließlich gar der „Kampf gegen UFOs“. Seine letzten Jahre verbrachte er im Alkoholdelirium, voll Bitternis und kompensatorischen Phantasien der eigenen welthistorischen Bedeutung. Er stellte sich als zweiten Christus dar, war aber tatsächlich ein selbstsüchtiger Egoist, der rücksichtslos über Leichen ging und stets anderen die Schuld für sein Schicksal zuschob.

Diese Punkte können und müssen diskutiert werden, doch ist dies mit Turners Buch so gut wie unmöglich, weil ihm das Sujet, über das er sich anmaßt zu schreiben, so gut wie unbekannt ist. Beispielsweise hat er Reichs zentrales Buch Der Krebs nie gelesen. Er zitiert zwar daraus, aber das ist eindeutig die Frucht von „Zitatsuchen“, denn er zitiert auch Stellen aus Ausgewählte Schriften (vielleicht das einzige Reich-Buch, das er tatsächlich gelesen hat!), die ursprünglich in Der Krebs veröffentlicht worden waren. Hätte er Der Krebs gelesen, hätte er den Abschnitt „Fallangst bei einem drei Wochen alten Säugling“ nicht nach dem Wiederabdruck in Children of the Future zitiert. Besonders absurd ist es, daß er ein Buch über „How the Sexual Revolution Came to America“ oder (so der Untertitel in der britischen Ausgabe) „Wilhelm Reich and the Sexual Revolution“ schreibt, ohne offensichtlich Reichs Buch Die sexuelle Revolution je gelesen zu haben.

Die Orgontherapie, die Reich bei seinem Sohn Peter durchführte, beschreibt er nach Der Traumvater wie folgt: „Peter would lie on the couch and follow his father’s finger as he moved it around in front of him until he was dizzy. In this hypnotized state, Reich would then…“ (S. 315f). Und dann geht’s los mit dem vegetotherapeutischen Quälereien, bis Peter herzzerreißend vor Schmerzen schreit und inständig darum fleht, doch bitte mit den sadistischen Attacken aufzuhören.

Klar, oberflächlich erinnert das Folgen des Fingers mit dem Augen ein wenig an Hypnose, aber interessanterweise ist mir in all den Jahrzehnten, in denen ich mich mittlerweile mit dieser Sache beschäftig habe, nicht ein einziges Mal diese Assoziation mit der Hypnose gekommen. Sie ist schlichtweg dermaßen abwegig… Nicht nur theoretisch – jeder, der schon einmal einige Stunden Orgontherapie hatte… Alles, wirklich alles, dreht sich darum, in den Augen nicht „wegzugehen“, eben nicht in einen wie auch immer gearteten „hypnotischen“ Zustand zu verfallen, sondern in Kontakt zu bleiben.

Aber wie wird das ganze dem Publikum von dem halbgebildeten Ignoranten Turner dargestellt? Erst treten die Patienten weg und dann werden sie sadistisch gequält – wie in den imaginativen Folterkellern irgendwelcher imaginativer „satanistischer“ Sekten, die unter Drogen gesetzte Kinder quälen und vergewaltigen!

Das ganze wird zu einer wahrhaften Katastrophe für die Orgonomie, weil Turner das präsentierte groteske Zerrbild mit bisher unveröffentlichten Zitaten Reichs aus dem hinterlassenen Archivmaterial von Reichs letzter Frau Aurora Karrer spickt, die dann als Dokumente miesester Verlogenheit dastehen! Das erinnert an einen Menschen (= Reich), der in den Sumpf (= Turner) gefallen ist: je mehr er strampelt, um sich zu befreien, desto sicherer versinkt er immer tiefer im Morast.

Hier zwei Stellen aus einem unveröffentlichten Manuskript von Reich. Die erste Stelle handelt davon, daß die Orgonomie tatsächlich ein Kult ist – gegen den Willen Reichs:

I realized that what drove people to me was my “brilliance” and my “radiant personality,” not the cause for which I bled in many ways. I wanted workers, fighters, knowers, searchers. What I got was a lot of mystical hangers-on who expected salvation from me. Orgastic potency, happiness in life, without doing anything to get and secure it. I should give it to them … Under such conditions it was imperative to decline to lead anything or try to do anything at all in the ocean of human filth. (S. 319)

Insbesondere beschämend war der Umgang mit Kindern. Die „klassische“ Orgontherapie ist bereits für Erwachsene recht fragwürdig, für Kinder ist sie tatsächlich Horror. (Heute berühren vom späten Elsworth F. Baker und von Charles Konia ausgebildete Orgontherapeuten ihre Patienten kaum und Kinder werden im Rahmen einer kindgerechten „Spieltherapie“ behandelt.) Dazu die Aussage von Susanna Steig (Nichte des berühmten William Steig) über ihre Erfahrungen im Orgonomic Infant Research Center:

I have spent a lifetime dealing with the aftermath of my traumatic childhood, full of abuse and betrayal. I think the Reichians were megalomaniacs, true believers, and elitists. Not one of them had a bit of empathy or sympathy for children. Many of them were sadists. I really hope the truth of what happened to us becomes well known … This is a cautionary tale about true believers and the evil that they do. (S. 325)

Die zweite Reich-Stelle, die ich vorstellen möchte, zeigt noch einmal wie vollkommen abwegig Titel und Untertitel und die pornographische Aufmachung von Turners Buch sind – wie absurd das ganze Buch ist.

Reich differentiated between the orgasm enjoyed when “making love,” in which the opposite sex partner “is felt as ‘somebody else,’ if not as completely alien and foreign,” and the more profound and rejuvenatingly potent orgasm enjoyed when you “fall in love,” when you are totally “lost in the experience … ONE organism, as if united or melted into each other.” (S. 307)

Bezeichnenderweise habe ich bei Turner nirgends auch nur den Ansatz von Empathie dafür gefunden, was zwischen einer liebenden Frau und einem liebenden Mann geschieht. Nur Häme und Verachtung.

Noch ein Wort über Turner persönlich: Ich habe sein oben verlinktes Photo unabhängig voneinander zwei erfahrenen Psychotherapeutinnen gezeigt, ohne ihnen vorher die Zusammenhänge zu erläutern. Die erste meinte, nachdem sie sich das Photo lange angeschaut hatte, daß er, der Mann auf dem Photo, sehr „zurückhaltend und vorsichtig“ sei. Die zweite Psychotherapeutin meinte, daß sie bei diesem Mann sehr „zurückhaltend und vorsichtig“ sein würde, da er etwas Ungutes an sich habe. Bereits vorher hatte ich das Photo einem weiteren Psychotherapeuten gezeigt, der meinte nur knapp: „Schwul!“

Die Emotionelle Pest (Teil 2)

2. Mai 2011

Auf Grundlage des im ersten Teil gesagten, folgt hier ein „EP-Index“ (Emotionelle Pest). Null Punkte bedeuten vollständige EP-Freiheit, zehn Punkte absolute Modjuhaftigkeit, dabei folge ich der Einteilung:

  1. Energiepegel: unangemessene Aggressivität entsprechend der starken Beckenpanzerung und dem hohen Energieniveau: beides zusammen macht die Menschen zu „stacheligen“ Sadisten. Der Pestilente Charakter ist typischerweise ein Aktivist mit einem buchstäblich hohen Potential.
  2. Sozialverhalten: Hang zur üblen Nachrede und „Mobbing“, wozu auch allgemeine Unverträglichkeit und die Zerstörung von Arbeitsbeziehungen gehört. Gleichzeitig versteht sich der Pestilente Charakter aber immer wieder lieb Kind zu machen. Er ist ein Parasit, der von den Arbeitsleistungen anderer lebt.
  3. Persönlicher Umgang: Hang andere zu „Hypnotisieren“, „stechender, bohrender, hypnotisierender Blick á la Hitler“ und der allgemeine Hang andere mit seiner vermeintlich „bezwingenden Persönlichkeit“ zu manipulieren.
  4. Ideologie: Freiheits- und Wahrheitskrämerei, worunter auch der vermeintliche „Kampf gegen die Emotionelle Pest“ gehört. Dieses Predigen ist verbunden mit einer vollständigen Uneinsichtigkeit in die eigene Pathologie, fehlende Selbstkritik.
  5. Sexualität: pornographisches Verhältnis zur Sexualität, wobei ich hier Pornographie mit einer verächtlichen Haltung gegenüber der Sexualität gleichsetze, im Unterschied zur passiven Verklemmtheit, die nicht pestilent ist.

Betrachten wir nun konkrete Beispiele:

  1. unangemessene Aggressivität:
    sehr stark 2
    mittel stark 1
    sehr schwach 0
  2. Hang zur üblen Nachrede:
    sehr stark 2
    mittel stark 1
    sehr schwach 0
  3. Hang, andere zu „hypnotisieren“:
    sehr stark 2
    mittel stark 1
    sehr schwach 0
  4. Freiheits- und Wahrheitskrämerei:
    sehr stark 2
    mittel stark 1
    sehr schwach 0
  5. pornographisches Verhältnis zur Sexualität:
    sehr stark 2
    mittel stark 1
    sehr schwach 0

L. Ron Hubbard ist das Paradebeispiel eines „10-Punkte“-Modju. Er war extrem energetisch, kriminell, diktatorisch und ein Perverser, der seine Umgebung mit einer rigiden Sexualmoral malträtiert hat. Ein moderner Mohammed oder Joseph Smith!

Sein System beruhte darauf seine Mitmenschen durch Hypnosetechniken gefügig zu machen, ihnen ihre Seele zu stehlen – und sie dafür, d.h. für die eigene Zerstörung, ein Vermögen zahlen zu lassen.

Hier ein typisches Beispiel wie die Opfer aussehen – und das ist jemand, der die „Kirche“ verlassen hat, aber immer noch an den ganzen Unsinn glaubt. Was sie sagt, ist vollkommen gleichgültig, wichtig sind nur die Augen und die Ausstrahlung. Was Modju hinterläßt, ist eine leere Hülle:

Die gleiche Glut, der gleiche Irrsinn, die gleiche chronische Überexpansion, die gleiche krankhafte Erregung, der gleiche dauerhypnotisierte, dabei untergründig tief verzweifelt, depersonalisierte Zustand wie bei den Halbirren, die Stalin, Hitler und Mao zugejubelt haben.

Hier ein Beispiel, wozu solche Menschen in der Lage sind:

Ron beantwortet die Frage, was „Mechano-Mystizismus“ ist

22. April 2011

Für den „Mechano-Mystizismus“ fällt mir kein besseres Beispiel ein als die Scientology. Als L. Ron Hubbard Ende der 1940er Jahre seine „Wissenschaft“ aus Versatzstücken der Psychoanalyse, der „Magick“ von Aleister Crowley und den damals neusten Hypnosetechniken zusammenschusterte, war im Originalmanuskript zunächst vom „Gehirn“ die Rede, das es zu beeinflussen galt, das änderte er sehr schnell in Geist/Verstand (mind), um schließlich in das punkförmige, bzw. ausdehnungslose Wesen „Thetan“ zu münden. Der an sich allmächtige „Thetan“ ist im Körper gefangen und impotent gemacht wie ein Schwert in seiner Scheide. Scientology will sozusagen dieses Schwert aus seiner Scheide wieder herausziehen, auf daß es seines wahren Wesens gewahr wird: seine Unabhängigkeit von Materie, Energie, Raum und Zeit. Mit seinen drei Eigenschaften Affinität, Realität und Kommunikation schuf der Thetan im Verbund mit anderen Thetanen dieses Universum, das nichts anderes darstellt als eine Übereinkunft zwischen den Thetanen über das, was „die Realität“ konstituiert. Im Verlauf von Quadrillionen von Jahren vergaßen die Thetane ihr wahres allmächtiges Wesen, bis schließlich der Erlöser L. Ron Hubbard erschien – die einzige Chance, die diesem Universum geblieben ist, um dem ständigen Niedergang zu entgehen. Da Thetane allmächtig sind, können sie auch andere Thetane erzeugen, so daß letztendlich alles auf einen „Urthetan“ zurückgeht: L. Ron Hubbard, „den besten Freund, den die Menschheit je hatte“.

In der Orgonomie ist „Mechanismus“ als Auffassung definiert, in der Mensch und Natur nicht mehr sind als eine seelenlose „Maschine“. „Mystizismus“ ist im Kern die Vorstellung, die „Seele“ könne unabhängig vom Körper existieren. „Mechano-Mystizismus“ ist dann so etwas wie „der Geist in der Maschine“. Tatsächlich muß der Mechanismus zwangsläufig zum Mystizismus führen und umgekehrt.

In der Scientology zeigte sich das darin, daß die Auffassung des Körpers als Maschine, die von einer „Kommandozentrale“ (dem Gehirn) aus gesteuert wird, über kurz oder lang zur Frage nach dem „Kommandanten“ führte, der die „Hebel und Knöpfe“ bedient. Umgekehrt muß eine vollkommen „vergeistigte“ Weltanschauung, in der alles durch „Postulate“ dieses Kommandanten hervorging, in reiner Mechanik enden. Hier gibt es kein autonomes Funktionieren mehr, sondern nur Befehl und Gehorsam. Entsprechend sieht auch die Praxis der Scientology aus: die „Therapie“ (das „Auditieren“) ist so etwas wie Computerprogrammieren, bei dem Datenspeicher gelöscht und neu bespielt werden, und die Management-Technik ist nichts anderes als Militärdrill, die „Mitarbeiter“ sind uniformierte Roboter. Thetane selbst sind eine Art von „Dingen“ oder „Sachen“, die man, wie es vor 75 Millionen Jahren Xenu, der Herrscher der Galaktischen Föderation, tatsächlich mit Billionen von ihnen getan hat, in einer Mischung aus Glykol und Alkohol einfrieren, mit Atombomben wegsprengen und mit Hilfe von elektrisch geladenen Netzen wieder einfangen kann, um sie schließlich auf Kinosessel zu setzen, so daß man ihnen Filme vorspielen kann, die ihre Datenspeicher mit Mißinformationen füllen. Diese Thetane kleben heute zu Abertausenden an unseren Körpern wie Zecken und sind für all unser Unbill verantwortlich. Entsprechend ist die hochgeheime Scientology für Fortgeschrittene so etwas wie Dämonenaustreibung.

Das alles entworfen von einen kontaktlosen paranoid-schizophrenen Charakter:

Das Traurige ist, daß wir generell in einer total bekloppten „scientologischen“ Welt leben. Einer Welt, in der Mechanisten die abstrusesten „geistigen“ Konzepte vertreten, während Vertreter der vorgeblichen „Esoterik“ mit dem Lebendigen umgehen, als würde es nach einem „Schaltplan“ funktionieren. Psychiater und Neurologen behandeln Menschen immer noch so, als seien diese ein bloßes Anhängsel ihres Gehirns. Akupunkteure, Astrologen, Anthroposophen, usf. richten sich nach detaillierten Plänen, als ginge es darum einen Computer zu reparieren. Die Seele wird betrachtet als sei sie ein „Objekt“. Der Mensch nochmals en miniatur.

Mechanik geht immer mit Mystik einher und umgekehrt. Meist überwiegt aber das eine Element.

Man nehme den extrem mechanistischen Marxismus, der aus dem Hegelschen Idealismus hervorgegangen ist und im absurd voluntaristischen Trotzkismus, Stalinismus und Maoismus mündete. Ideologie, die alle materiellen Zwänge außer Kraft setzt! Oder den Katholizismus, der mit einem Mann anfing, „der nicht von dieser Welt war“, um in einer grotesk „materialistischen“ Welt aus blutenden Hostien und weinenden Madonnen-Statuen zu enden. Die Mystik ist im Marxismus so schwer auszumachen, weil in ihm der Seelenbegriff keinerlei Rolle spielt, während im Katholizismus die Mechanik so schwer zu erkennen ist, weil alles „durchseelt“ ist. Schaut man jedoch genauer hin, ist die ganze „Heilsökonomie“ von einer erschreckend seelenlosen Mechanik geprägt. Der berüchtigte Ablaßhandel zu Zeiten Luthers hat nur sichtbar gemacht, was alle Religion prägt: eine tumbe Mechanik.

Man nehme die Physik, die im 19. Jahrhundert alles mit Mechanik erklären wollte (die Welt als ein Legobaukasten!), um heute die Welt auf platonische Ideen zu reduzieren. Und man nehme die platonische Ideenwelt selbst, die nichts anderes ist als das „idealisierte“ Spiegelbild der Welt der toten Dinge. Für das Lebendige, die Orgonenergie, bleibt in dieser geisteskranken Welt kein Platz.

Die DOR-Menschen (ein Nachtrag)

6. Juli 2010

Teil 2

Nachdem in den 50er Jahren die UFO-Forschung durch die „Kontaktler“, die von „Venusianern“ und Reisen auf den Mond berichteten, der sich kaum von der Erde unterschied, der Lächerlichkeit preisgegeben worden war, galten über zwei Jahrzehnte hinweg Geschichten über „UFOnauten“ als Tabu. Seit Anfang der 80er Jahre zwang die schiere Masse der Berichte jedoch zu einem Umdenken. Was in den 50er Jahren die Kontakler waren, wurden nun die „Entführungsopfer“, die von „kleinen grauen Männchen“ (greys) aus ihren Betten entführt wurden. Diese neuen „Kontaktler“ sprachen jedoch nicht aus freien Stücken über ihre Erfahrungen, sondern ausschließlich unter Hypnose.

Ging es in den 50er Jahren bei den (vermeintlichen) Kontakten vor allem um den „interkulturellen Austausch“ mit unseren „Sternenbrüdern“, die uns vor dem bevorstehenden Atomkrieg warnten, handelt es sich bei den neuen Entführungsfällen fast ausschließlich um gynäkologische bzw. andrologische Unternehmungen, bei der es um die Entnahme von Keimzellen und „test tube babies“ geht.

Drei Forscher, die teilweise Bestseller schrieben, haben sich auf diesem Feld hervorgetan: Budd Hopkins, David Jacobs und John Mack. Für Hopkins handelt es sich bei dem Phänomen um eine Art „Forschungsprogramm“ der Außerirdischen. Jacobs hingegen betrachtet das ganze im Sinne eines Invasionsszenarios, bei dem es darum geht Hybride zwischen Menschen und Außerirdischen zu erzeugen, die eine vollkommene Integration der beiden Zivilisationen ermöglicht – wobei natürlich wir integriert werden. Mack sieht das Phänomen im Rahmen einer vom östlichen Mystizismus geprägten Theorie.

Kritiker haben darauf hingewiesen, daß auffälligerweise die Zeugen, die unter Hypnose aussagen, jeweils eine der drei Theorien bestätigen. Wobei jene, die das ganze als wissenschaftliche Untersuchung erfahren haben, bei Hopkins landen, jene, die eine letztendlich schreckliche Erfahrung gemacht haben, bei Jacobs und jene, denen es um ihre „spirituelle Entwicklung“ zu tun ist, bei Mack. Das deutet darauf hin, daß die Erwartungshaltung des Hypnotiseurs das prägt, was der Hypnotisierte sagt.

Ohnehin sind die drei Theorien widersinnig, denn was gäbe es schon groß zu erforschen? Und vor allem auf diese absurde Art und Weise!

Ein Indiz, das Jacobs für die Authentizität der Entführungsgeschichten anführt, sind die Beschreibungen der Außerirdischen: es handelt sich (ziemlich „phantasielos“) ausschließlich um „Greys“, neuerdings auch um menschliche Hybride (was eine logische Entwicklung aufzeige). Ein weiteres Indiz sei das Verfrachten der Opfer durch geschlossene Fenster hindurch. Wären das alles nur Träume und Phantasien, würde das naheliegende beschrieben: daß die Fenster geöffnet werden. Zumindest würde dies in einigen Fällen geschehen. Es geschieht aber nie. Dies sei, so Jacobs, ein untrügliches Indiz dafür, daß wir es nicht mit bloßen Hirngespinsten zu tun haben.

Das Problem ist nur, ob es nicht auch für die Aliens bequemer wäre, die Fenster zu öffnen. Oder zumindest manchmal! Warum der ungemeine Aufwand für solche paranormalen Kunststückchen, wenn sie nicht nötig sind?

Jacobs‘ Szenario beinhaltet die Züchtung der erwähnten Hybriden. Dies sei der eigentliche Sinn der Entführungen: die Mischung der außerirdischen mit der menschlichen Spezies. Dazu würden den Opfern Spermien bzw. Ovarien entnommen, Schwangerschaften abgebrochen und die Entführungsopfer mit der Betreuung ihrer „Sternenkinder“ beauftragt. Am Ende stünden dann Wesen, die genauso aussehen wie normale Menschen, nur daß sie eine zentrale Fähigkeit der Aliens besitzen: Telepathie und Gedankenkontrolle.

Da frägt man sich doch, ob die Aliens es nicht einfacher haben könnten. Wir selbst stehen kurz davor, aus Hautschuppen ganze Menschen kreieren zu können! Besonders absurd wird es aber, wenn die Entführungsopfer den Hybriden beibringen sollen, wie man sich als Mensch verhält. Beispielsweise wie man ein Zimmer einrichtet: nicht indem man die Möbel alle in eine Ecke stellt. Aber um so etwas zu wissen, bräuchten die Aliens nur unseren Alltag betrachten, Fernsehen anschauen und schlicht logisch denken. (Man denkt dabei unwillkürlich an Bronislaw Malinowskis funktionalistische Ethnologie, der zufolge die Funktionen Gestalt und Handhabe unserer Werkzeuge bestimmen. Löffel, Stühle, Tische, etc. werden überall unabhängig voneinander entwickelt. Und das gilt sicherlich auch für Wesen mit Kopf und vier Gliedmaßen überall im Universum! Die Funktion bestimmt die Form und Handhabe der Dinge.)

Die ganze Geschichte, die uns Jacobs erzählt, ist von vorne bis hinten vollständig absurd. Und genau hier führt uns eine seiner Beobachtungen in die richtige Richtung: für die Aliens reduziert sich alles auf Form, vollkommen unabhängig von Funktion. Beispielsweise insistieren sie darauf, daß die Mütter der Hybriden ihre Kinder an die Brust halten, egal ob sie Laktieren oder nicht. Die Aliens haben gesehen, „daß man das so macht“! Wahrscheinlich erklärt sich ähnlich ihr gesamtes absurdes Verhalten, etwa die Sache mit den geschlossenen Fenstern oder die „Trainingsprogramme“ für Hybride. „Es gehört sich so“, unabhängig davon, ob es sinnvoll ist oder nicht.

Wir scheinen es mit einer Art von Ritualen zu tun zu haben, bei denen es um die genaue Abfolge der Handlungen geht, nicht um die Handlungen selbst. Es ist, als würden wir bedrängt nicht von einer technischen Zivilisation, sondern von einer Gruppe von Schamanen oder tantrischen Adepten des Dalai Lama oder von Aleister Crowley. Der Dalai Lama okkupiert Länder auf magische Weise durch das nach außen hin sinnleere Legen von aufwendigen Sandmandalas, die sofort wieder zerstört werden. Crowley träumte von einem goldenen Zeitalter, das von der Kommunion mit den „Göttern“ geprägt sei. Er wollte es mit Hilfe von „Sex-Magick“ heraufbeschwören.

Von dieser Warte aus gesehen macht vielleicht sogar Macks Theorie noch am meisten Sinn. Ich beschäftige mich damit in Ea und die Wellenfunktion: Wir haben es mit etwas zu tun, das sich außerhalb unserer üblichen Denkweise bewegt, in einem Grenzbereich zwischen Physik und Psychologie, den die Parapsychologen untersuchen.

Nahtoderfahrungen

9. April 2010

In Ergänzung zum gestrigen Beitrag sind folgende Forschungsergebnisse von Zalika Klemenc-Ketis (Universität Maribor, Slowenien) et al. erhellend.

Bei der Untersuchung von Nahtoderfahrungen von unterschiedlichsten Patienten schälte sich als einziger Faktor, der Patienten mit Nahtoderfahrungen von solchen ohne Nahtoderfahrungen unterschied, heraus, daß erstere eine signifikant höhere CO2-Konzentration im arteriellen Blut aufwiesen als letztere. Außerdem war die Konzentration des Elements Kalium im venösen Blut erhöht. Die Intensität der Nahtoderfahrung stieg proportional zur Konzentration der beiden Stoffe im Blut.

Bislang sei dies die erste Studie, die eine Verbindung zwischen Nahtoderfahrungen und einer hohen CO2-Konzentration im Blut nachweise, berichten die Wissenschaftler. Schon länger bekannt ist hingegen, daß eine hohe Kohlendioxid-Konzentration das Säuren-Basen-Gleichgewicht im Gehirn ändern und so ungewöhnliche Eindrücke hervorrufen kann, etwa Lichtblitze, Visionen oder eine scheinbare Trennung vom Körper. Nichtsdestotrotz könnten die Erfahrungen an der Schwelle zum Tod aber bis jetzt nicht rein physiologisch erklärt werden, betonen die Forscher: Tatsächliche Nahtoderfahrungen zeichneten sich nämlich durch ihre große Klarheit und die genauen Beschreibungen der Betroffenen aus. Das unterscheide sie von künstlich ausgelösten Nahtoderfahrungen, die sich beispielsweise durch das Einatmen von reinem Kohlendioxid herbeiführen ließen.

Nahtoderfahrungen sind nichts anderes als „extragenitale Orgasmen“, wie sie auch in der Epilepsie auftreten. Es ist bezeichnend, wie schwärmerisch und mit leicht verschleiertem Blick Leute von ihren Nahtoderlebnissen berichten; wie alles viel glücklicher, befreiter, erlöster, unbeschränkt war; unbeschreibliches Glück, Zerfließen, Hinübergleiten; und wie schlimm es war, in den Körper zurückkehren zu müssen. Entsprechend hat sich in der Nahtoderlebnis-Szene ein regelrechter nekrophiler Kult ausgebildet. Eine richtiggehende Todesgeilheit, mit der Betonung auf Geilheit. Wenn man die Medien in den letzten Jahren verfolgt hat, ist es wirklich auffallend, daß zwei Themen im Vordergrund stehen: die Grenzerfahrungen, die Bizzar-Sex (insbesondere „Würgespiele“!) schenken, auf der einen und Esoterik auf der anderen Seite. Man denke nur an die zahlreichen „tödlich verlaufenden Masturbationsunfälle“ von Prominenten in den letzten Jahren.

Wenn der Epileptiker mit den Augen nach oben Richtung Augenbrauen guckt, bekommt er einen Anfall, der Schizophrene psychotische Zustände und der Mystiker „jenseitige Erfahrungen“. Auch in der Hypnose wird diese Technik benutzt, insbesondere aber bei Massenveranstaltungen, wo die Menschen nach oben zum Führer gucken müssen und in mystische Ekstase geraten. Wenn ein Kind autoritär belehrt wird, muß es, da es dem Kopf schuldbewußt nicht zu heben wagt, schräg nach oben gucken. Dies wirkt wie eine Hypnose, ist traumatisierend, beeinflußt unmittelbar das Augensegment und erzeugt so direkt den Charakterpanzer.

Der tantrisch Meditierende verdreht seine Augen nach oben zur Provokation eines „echten extragenitalen Orgasmus im Gehirn“, dabei kommt es zu einer „spirituellen Entladung“, bei der das gesamte organismische Orgonenergie-Feld erstrahlt. Die Yoga-Verrenkungen dienen dazu, sozusagen eine „Ejaculatio praecox“ zu verhindern, so daß es nicht, wie beim Epileptiker, zu einer Entladung in die Muskulatur kommt. Diese spirituellen Onanisten erkennt man dann buchstäblich an ihrem Heiligenschein. Es entspricht dem „weißen Licht“ der Nahtoderfahrung und der „Aura“ des Epileptikers vor seiner „muskulären Entladung“ (Strömungsempfindungen, visuelle und akustische Halluzinationen, etc.).

Es ist faszinierend, daß Allah und seine Paradiesgärten nichts weiter sind als Produkte der „satanisch“-orgastischen Visionen des Epileptikers Mohammed.

Bei den Nahtoderfahrungen von denen Reanimierte berichten, führt Sauerstoffmangel knapp unter dem Niveau einer dauerhaften Hirnschädigung zur Überstimulation des rechten Schläfenlappens (verantwortlich für „Austritt aus dem Körper“ und „Lebensrückblick“) und zur Ausschüttung von Endorphinen mit ozeanischer Selbstentgrenzung und Visionen, wie man sie auch bei Benutzern bewußtseinserweiternder Drogen findet (LSD, Meskalin, Peyote-Kakteen, Fliegenpilze, etc.) oder in der „Aura“ von Epileptikern. Ähnliche Erfahrungen kann man durch Meditation, Hypnose, Schlafentzug, Reizüberflutung oder sensorische Deprivation machen.

Im Nahtoderlebnis und seinen Entsprechungen erfährt man Freiheit von Schmerz, Angst und Körperlichkeit. Daß es daneben zu etwa 30% auch Höllentrips gibt, bei denen der Mensch von Gnomen gepiesackt wird, läßt sich orgonomisch ebenso gut erklären (Orgasmusangst und „Mittlere Schicht“), wie die nicht minder irritierende Tatsache, daß es die an der Schwelle des Todes stehenden als Leid empfinden, in den erkrankten Körper zurückzumüssen. Danach treten Schwierigkeiten bei der Neuangleichung von Körper und „Geist“ auf und eine allgemeine Spiritualisierung des Lebens ist die Folge. Eine Problematik, wie Reich sie auch bei Schizophrenen beschrieb, die Schwierigkeiten bei der Integration von Erregung auf der einen und der Wahrnehmung dieser Erregung auf der anderen Seite haben.

Freud über Muskelpanzerung (Teil 1)

7. Dezember 2009

In den Studien über Hysterie beschreibt Freud den ersten Fall, der konsequent psychoanalytisch behandelt wurde (Thomas Köhler: Das Werk von Sigmund Freud, Lengerich 2000, S. 91).

Freud war mit Patienten konfrontiert, die sich (wie wir heute wissen aufgrund einer starken Augenpanzerung) nicht hypnotisieren ließen. Um sie zur Offenlegung ihres Innenlebens zu nötigen, griff er auf eine Anregung des französischen Psychiaters Hippolyte Bernheim zurück. Dieser hatte in den 1880er Jahren die Hypnose in die Wissenschaft offiziell eingeführt und zwar zur Behandlung der Hysterie. Freud ging wie folgt vor:

Ich legte der Kranken die Hand auf die Stirn und nahm ihren Kopf zwischen meine beiden Hände und sagte: „Es wird Ihnen jetzt einfallen unter dem Drucke meiner Hand. Im Augenblick, da ich mit dem Drucke aufhöre, werden Sie etwas vor sich sehen oder wird Ihnen etwas als Einfall durch den Kopf gehen und das greifen Sie auf.“

Es ging Freud um die Überwindung des „Assoziationswiderstandes“, der „kräftigere Mittel“ als bloßes Drängen des Arztes bedürfe.

Ich teile dem Kranken mit, daß ich im nächsten Momente einen Druck auf seine Stirne ausüben werde, versichere ihm, daß er während dieses ganzen Druckes eine Erinnerung als Bild vor sich sehen oder als Einfall in Gedanken haben werde, und verpflichte ihn dazu, dieses Bild über diesen Einfall mir mitzuteilen, was immer das sein möge. (…) Dann drücke ich für ein paar Sekundenauf die Stirn des vor mir liegenden Kranken, lasse sie frei und frage ruhigen Tones, als ob eine Enttäuschung ausgeschlossen wäre: Was haben Sie gesehen? Oder: Was ist Ihnen eingefallen? (Gesammelte Werke, Erster Band, S. 270)

Man könnte das als „Körperpsychotherapie“ bezeichnen. (Es erinnert auch etwas an das in Das okulare Segment (Teil 2) erwähnte EMDR!) Freud selbst hatte sein eigenes Vorgehen nicht durchschaut, versichert er doch „daß [er] solchen Druck auf die Stirn durch irgend ein anderes Signal oder eine andere körperliche Beeinflussung des Kranken ersetzen könnte“ (ebd., S. 270f).

Wilhelm Reich: Arzt und Physiker

4. November 2009

Dr. med. Wilhelm Reich steht mit seiner Entdeckung der Orgonenergie in einer kontinuierlichen Tradition von Ärzten, die der Physik neue Wege gewiesen haben. Diese Herangehensweise war äußerst fruchtbar, die umgekehrte, von der unbelebten Natur auf die belebte zu schließen, hat uns, wie in Die zwei Seiten der mechano-mystischen Naturwissenschaft erläutert, die mechanistische Genetik gebracht. Hier die Tradition, in der Reich steht:

Der Arzt Georg Bauer alias Agricola (1494-1555) hat die Gesteins- und Bergbaukunde begründet. Als größte Autorität auf dem Gebiet des Magnetismus in seiner Zeit und als Begründer der experimentellen Methode ist der Arzt William Gilbert (1540-1603) hervorgetreten. Von ihm stammt der Begriff „elektrisch“. Sein Berufskollege und Begründer der naturwissenschaftlichen Denkrichtung in der Medizin, Santoro Santorio (1561-1636), der auch eine medizinische Waage zum Studium des Stoffwechsels konstruierte, maß nicht nur als erster das Fieber mit dem Thermometer, sondern erfand auch den Feuchtigkeitsmesser. Der Mediziner und „Iatrochemiker“ Johann Baptist Helmont (1577-1644) unterschied erstmalig andere Gase vom „Element Luft“. James Hutton (1726-97), ebenfalls Arzt, war der Begründer der Geologie. Der Medizinprofessor Joseph Black (1728-99) entdeckte die spezifische Wärme und die Umwandlungswärme.

Der Professor der Anatomie Luigi Galvani (1737-98) half mit, die moderne Elektrizitätslehre zu begründen. Bizzi und Chiurco, zwei Mitarbeiter Walter Hoppes (der Anfang der 70er Jahre die Orgonomie nach Deutschland brachte), schreiben über Galvanis Forschungen, mit ihnen hätte er sich als erster der Lebensenergie experimentell genähert. Obwohl er als Gründer der Elektrophysiologie anerkannt wird, begründete er in Wirklichkeit eine Theorie der Lebensenergie. Er nannte die von ihm entdeckte biologische Energie zunächst „animalische Elektrizität“, dann „galvanisches Fluidum“ und schließlich „Lebenskraft“. (Eine verblüffende Parallele zur Geschichte des Begriffs „Orgonenergie“.) Galvani ging sogar so weit, eine Verbindung zwischen der atmosphärischen Elektrizität, zwischen dem „elektrischen“ Ozean und dem Organismus zu postulieren. Diesen Punkt bringen die Autoren in Zusammenhang mit dem Konzept Benjamin Franklins (1706-90), der elektrostatische Phänomene mit einem pulsierenden „einheitlichen Fluidum“ erklärte (Hoppe: Wilhelm Reich, München 1984).

Der Arzt Thomas Young (1773-1829) gelangte über die Beschäftigung mit der physiologischen Augenoptik zur Wiederaufnahme der Huygenschen Wellentheorie. Ein anderer Mediziner, William Prout (1785-1850), stellte die für die Entwicklung von Chemie und Physik so fruchtbare und nach ihm benannte Hypothese auf, daß die Atome der Elemente aus Mehrfachen des Wasserstoffatoms bestünden. Ernst Heinrich Weber (1795-1878), ein Professor der Anatomie und Physiologie, begründete experimentell mit seinem Bruder, dem Physik-Professor Wilhelm Edward Weber (1804-1891), die Wellentheorie. Sie machten die ersten Beobachtungen über den Unterschied zwischen Gruppen- und Wellengeschwindigkeit. Der berühmte Léon Foucault (1819-1868) war von Haus aus Mediziner. Mit seinen Pendelversuchen wies er experimentell die Achsendrehung der Erde nach, er maß die Lichtgeschwindigkeit und arbeitete über die induzierten elektro-magnetischen „Foucaultschen“ Wirbelströme.

Julius Robert Mayer (1814-1878) formulierte als erster den allgemeinen Energieerhaltungssatz. Durch Beobachtungen in seiner ärztlichen Praxis war er zu dem Schluß gelangt, daß mechanische Energie, Wärme und chemische Energie äquivalent seien. Auf dem gleichen Gebiet und in die gleiche Richtung, von der Biologie zur Physik hin, arbeitete der Professor der Physiologie Hermann von Helmholtz (1821-1894), der später Physik lehrte. Er erfand Instrumente zur Untersuchung der Augen, begründete die physikalische Theorie der Tonempfindung, beschäftigte sich mit der Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Nervenerregung und brachte z.B. die Hypothese von der atomaren Natur der Elektrizität auf. Der Physiologe Henry Gray (1825-1861) unterschied zwischen Leiter und Nichtleiter für Elektrizität.

Reich war über seine ausgeprägten naturwissenschaftlichen Interessen zur Medizin gelangt und hier vor allen Dingen zur Sexologie. So mußte er zwangsläufig auf Freud stoßen. Dessen Theorien gingen aus seiner neurologischen Forschung, aus der Darwinistischen Biologie (z.B. Onto- als Wiederholung der Phylogenese) oder beispielsweise aus der „Psychophysik“ Gustav Theodor Fechners (1801-87) hervor, der wiederum als Schelling-Schüler auf die deutsche Naturphilosophie zurückgeht.

Heute wird gerne so getan, als hätte Freud den Begriff „Energie“ (ursprünglich ein biologischer Begriff) nur als reine Metapher benutzt, doch war es für ihn vielmehr ein erklärendes Konstrukt. Reich hat dann gezeigt, daß diesem Konstrukt eine Wirklichkeit entsprach. Doch während Freud sich von seinem Hintergrund als Physiologe emanzipieren wollte, führte Reich den ursprünglichen naturwissenschaftlichen Ansatz weiter, kam zur Biologie und schließlich, wie viele Ärzte vor ihm, zur Physik und begründete dabei ähnlich wie der Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815) ein neues naturwissenschaftliches Lehrgebäude. Die Systeme beider Männer reichten von Fragen der Medizin, oder z.B. der Erziehung, bis hin zu physikalischen Betrachtungen über Elektrizität und Gravitation. Es gibt auch eine direkte Linie von Mesmer zu Reich, denn der Mesmer-Schüler Puysegur erfand die Hypnose, wie sie von Freuds Lehrer Charcot praktiziert wurde.

mfr

Außer über den dänischen Physiker und Schelling-Schüler Hans Christian Oerstedt (1777-1851) hatte die deutsche „Naturphilosophie“ fast keinerlei Einfluß auf die Physik. (Eine Ausnahme ist der Einfluß der „deutschen Lebensphilosophie“ auf Leute wie Heisenberg bei der Ausformulierung der Quantenmechanik.) Die Naturphilosophie hatte Oerstedt dazu gebracht, nach der Einheit in der Natur zu suchen. So schlug er die Brücke zwischen Elektrizität und Magnetismus. Entscheidenden Einfluß hatte die Naturphilosophie auf die Biologie (z.B. auf die Zellenlehre und Embryologie). Mit Reich sollte ein Ausläufer der Naturphilosophie (vermittelt durch Bergson, Freud und andere) mit ihren Hauptcharakteristiken (Lebensenergiekonzept und im weitesten Sinne „dialektische“ Betrachtungsweise) endlich auch der Physik zu konkreten Entdeckungen verhelfen, nachdem Goethe mit seiner Farbenlehre gescheitert war und nur im biologischen Bereich „subjektiver Farben“ wirken konnte.

Während in der Biologie die Mechanisten Anhänger der falschen Präformationslehre waren (der ganze Organismus sei schon im Keimei vollständig en miniature vorhanden), folgten die Vitalisten der richtigen Theorie der Epigenese (der Organismus entwickelt sich durch Neubildung aus der Keimenergie einer spezifischen Formkraft). Ähnlich nahm Reich die Naturgesetze nicht als gegeben, statisch und unveränderlich hin, sondern suchte ihre Genese zu ergründen, sie auf Orgonenergie-Funktionen zu gründen.


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