Der gegenwärtige „Nahostkonflikt“, der sich dank der „multikulturellen Idee“ mittlerweile bis in unseren Alltag hinein erstreckt, ist nur die gegenwärtige Ausprägung eines jahrtausendealten Geschehens:
James DeMeo schreibt in seinem Saharasia:
Die Zeit um 4000 v.Chr. markiert den Beginn der fortschreitenden Verwüstung in Arabien. Es scheint, daß die Rub’al-Khali als erstes ausgetrocknet ist, gefolgt von den sie umgebenden Regionen. Der Anfang dieser Trockenphase war gekennzeichnet durch verlassene Ansiedlungen und die allgemeine Ausbreitung von semitischen Völkern aus Arabien in alle Richtungen hinaus. Diese frühen semitischen Völker wurden aus ihrer Seßhaftigkeit getrieben und paßten sich ihrer Umwelt an, indem sie Nomaden wurden. Die frühsten Belege für Überfälle auf Niederlassungen fallen in diese Zeit und ereigneten sich in Gebieten nördlich von Arabien und im Westen, im Niltal. Im 3000 v.Chr. tauchen semitische Elemente in den mesopotamischen und ägyptischen Kulturen auf, was auf nach außen gerichtete Wanderungen und Invasionen hinweist. (The Saharasia Connection, University of Kansas 1986, S. 296f)
Die Rub’al-Khali ist die wahrhaftige Hölle, aus der wahrhaftige Dämonen mit einem wahrhaftigen Teufel an ihrer Spitze in die Welt hinauszogen. Eine Verkörperung dieses Teufels ist der ägyptische Todesgott Seth, der dem kanaanitischen Mot und damit dem jüdisch-christlichen Satan entspricht. Seth tötet Osiris und wird daraufhin von Horus besiegt und verjagt. Er ist der große Widersacher der Isis, die die Personifikation des Landes Ägypten ist. Immanuel Velikovsky hat die These aufgestellt, Seth sei deshalb von den Ägyptern als Verkörperung des Bösen schlechthin, als „Der Böse“ angesehen worden, weil Seth der Gott der semitischen „Hyksos“ war. Seth hatte den alten Pharao (Osiris) gestürzt und das Land Ägypten (Isis) unterdrückt und gepeinigt, um schließlich von einem neuen Pharao (Horus) vertrieben zu werden (Vom Exodus zu König Echnaton, Frankfurt 1983, S. 82).
Der letzte Pharao, den die Hyksos stellten, war Apophis II.
Eine Inschrift des Apophis sagt, daß „sein Vater Seth, der Herr von Auaris [die Hauptfestung der Hyksos], alle fremden Länder unter seine Füße gelegt hatte“. In Auaris war das Heiligtum des Seth, den die Hyksos verehrten und der bis zur Zeit der Ramessiden von den Ägyptern als Verkörperung der bösen Macht angesehen wurde. (ebd.)
Die „Hirtenkönige“ tauchen auch in Ps 78,49 auf. Jedenfalls behauptet Velikovsky (S. 83f) das Wort „Unglücksenegel“ ließe sich besser mit „Hirtenkönige“ übersetzen:
Jahwe entsandte wider sie [die Ägypter] seine Zornglut, Wut und Grimm und Bedrängnis, ein Eindringen der Hirtenkönige.
Die Hyksos, eine kleine primitive Gruppe aus den Wüsten Arabiens, konnten die noch teilweise matriarchal geprägte Hochkultur der Ägypter überrennen, weil sie in einer Hinsicht höher entwickelt waren: in der Kriegstechnik. Allein dies sicherte dem Patriarchat die Weltherrschaft.
Michael Grant zufolge zogen im 18. Jahrhundert zahlreiche Einwanderer durch Kanaan. Einer Gruppe von ihnen, die Grant als „Militäraristokratie“ bezeichnet, gelang es nach dem Durchzug durch Kanaan die Macht in Ägypten zu erobern. Das Herrschaftsgebiet dieser „Hyksos“ habe sich auch auf die Städte Palästinas erstreckt, die sie unter strenger Kontrolle hielten (Das heilige Land, Bergisch Gladbach 1988, S. 26f).
Velikovsky setzt diese Ereignisse einige Jahrhunderte später an, was für unsere Argumentation, die von immer neuen Eroberungswellen aus Arabien ausgeht, kaum von Bedeutung ist. Jedoch gelingt es Velikovsky mit dieser chronologischen Verschiebung, die Hyksos (die man auch „Amu“ nannte) mit den biblischen Amalekitern geichzusetzen. Zum Beispiel ist dann der schon erwähnte Apophis (= Apop = Agog = Agag) identisch mit dem Amalekiter-König Agag, den Saul gefangennahm. Diesem Ereignis ist eine leidvolle jahrhundertelange Geschichte des Kampfes zwischen den Amalekitern, bzw. Hyksos und den Israeliten vorhergegangen, die sich (bis auf die chronologischen Unstimmigkeiten) nahtlos in das von Grant beschriebene Szenario einpaßt.
Velikovsky behauptet, daß die durch Kanaan ziehenden und in Ägypten eindringenden Hyksos mit jenen Amalekitern identisch waren, auf die die Israeliten stießen, als sie in umgekehrter Richtung aus Ägypten zogen, und die den Israeliten schwere Verluste beibrachten (Ex 17,8ff und Num 14,43ff). So wurden die Amalekiter die Hauptfeinde Israels und zwischen dem Gott Israels, Jahwe und den Amalekitern „ist Krieg für alle Zeiten“ (Ex 17,16).
Auch später, als bei Grant die Hyksos über die Städte Palästinas herrschten, wurden die Israeliten von den Amalekitern und deren Vasallen schwerstens bedrängt. Zum Beispiel verbündeten sich die Amalekiter mit den Moabitern und Ammonitern gegen die Israeliten und besiegten sie. „Achtzehn Jahre lang mußten die Israeliten dem Moabiterkönig Tribut zahlen“ (Ri 3,14). Unter der Gewalt der mit den Amalekitern verwandten Midianiter mußte Israel sieben Jahre lang leiden.
Die Israeliten versteckten sich vor ihnen in Höhlen und unzugänglichen Schluchten und verschanzten sich auf den Bergen. Jedesmal, wenn die Israeliten Getreide gesät hatten, fielen die Midianiter zusammen mit den Amalekitern und mit den Beduinen aus dem Osten in das Land ein und verwüsteten die Felder bis hin nach Gaza. Sie ließen nichts Eßbares zurück und raubten alles Vieh – Schafe, Ziegen, Rinder und Esel. Mit ihren Herden und Zelten zogen sie heran, um das Land auszuplündern. Sie waren so zahlreich wie die Heuschrecken; keiner konnte sie und ihre Kamele zählen. (Ri 6,2-5)
Dann wurde Israel durch Gideon von den Midianitern, den Amalekitern und „den Beduinen aus dem Osten“ befreit. Sie hatten die ganze Ebene „wie Heuschrecken“ bedeckt, „und ihre Kamele waren unzählbar wie die Sandkörner am Meeresstrand“ (Ri 7,12). Es war schließlich Saul, der die Amalekiter gänzlich vernichtete. Danach waren die Amalekiter nur noch ein versprengter Haufen von räuberischen Beduinen, die sporadisch ins Südland Palästinas einfielen (1 Sam 30,1).
Velikovsky zufolge hatten die Amalekiter ihren ursprünglichen Sitz in Mekka gehabt und von dieser zentralen Lage aus die anderen Stämme der arabischen Halbinsel beherrscht. Arabia Felix, Arabia Petraea und Arabia Deserta lagen in ihrem Machtbereich (Velikovsky, S. 75). Es ist bezeichnend für die innere Dynamik des Geschehens, daß von Mekka aus 2000 Jahre später eine fast ebenso schlimme Eruption des Patriarchats erfolgen sollte.




