Mit ‘Hitler’ getaggte Artikel

Spitze Bemerkungen

21. Mai 2013

Woran erkennt man einen pestilenten Charakter? Hitler war in abendlicher Gesellschaft oder am Mittagstisch ein angenehmer, charmanter Mann. Bis er, der Vegetarier, etwa angesichts der Suppe von „Leichentee“ sprach oder davon, daß im Tierreich jedes Tier bei lebendigen Leibe zerrissen werde, sobald es Schwäche zeigt, und ähnliche Widerwärtigkeiten, die einem das Essen im Halse stecken lassen. Der Film Der Untergang arbeitet das sehr schön heraus. Stalin ließ regelmäßig kameradschaftliche Saufgelage „unter Genossen“ in sadistische Exzesse ausufern, die die Opfer vollkommen unvorbereitet traf: das Lachen erstarrt urplötzlich. Es ist ein innerer Zwang des pestilenten Charakters so etwas zu inszenieren. Das kennt jeder aus dem Alltag: diese satanische Freude, die in den Augen mancher Menschen aufflackert, wenn sie mal wieder ohne Vorwarnung und wohl plaziert, eine „spitze Bemerkung“ haben fallenlassen, die das Opfer bis ins Mark trifft.

Dieses Muster findet sich überall, etwa wenn eine fruchtbare Diskussion urplötzlich von einer Frage oder Anmerkung unterbrochen wird, die nur für Verwirrung, Unmut und einen schlechten Nachgeschmack sorgt. Ein einzelner pestilenter Charakter hintertreibt und verunmöglicht so die arbeitsdemokratische Zusammenarbeit von vielleicht Dutzenden von Leuten. Es läuft ihm alles „zu glatt“ und er muß unbedingt seine „kritischen Anmerkungen“ einbringen – die typischerweise wirres Zeugs sind. Wer kennt nicht diese Trolle! Oder man denke etwa daran, wie ein Lehrer im Sexualkundeunterricht versucht, den Schülern die Genitalität nahe zu bringen. Mit absoluter Sicherheit wird es zumindest einen Schüler geben, der mit entsprechenden ekelhaften Fragen und Zwischenbemerkungen alles zum Kippen bringt. In den Teeny-Komödien Hollywoods werden solche Typen gefeiert. Apropos Film: man nehme den Spielfilm über Reichs letzte Jahre, Der Fall Wilhelm Reich. Es ist „typisch Emotionelle Pest“, daß vollkommen unmotiviert und schwachsinnigerweise Reichs letzte Frau, Aurora Karrer, als Agentin der CIA (sic!) dargestellt wird. Ansonsten würde der Film nämlich „zu glatt“ laufen.

Es ist der charakterstrukturelle Zwang des pestilenten Charakters urplötzlich, zusammenhanglos und aus heiterem Himmel das organisch gewachsene oder das organisch sich entwickelnde durch eine „spitze Bemerkung“ oder deren Äquivalent zu zerstören. Er ist wie derjenige, der die Nadel zückt, wenn jemand einen Luftballon aufgeblasen hat, um kleinen Kindern eine Freude zu machen. Ihr Erschrecken und Entsetzen verschafft ihm eine tiefe Wollust.

Manchmal verstecken sich die Pestträger hinter „Wissenschaftlichkeit“ und „Gewissenhaftigkeit“. Ich spreche natürlich von den „Skeptikern“, die mit ihren ständigen Nörgeleien und Logeleien („spitze Bemerkungen“) jedes Vorankommen verunmöglichen. Jedes zarte Pflänzchen einer neuen Einsicht oder Entdeckung wird rücksichtlos totgetrampelt. Man denke nur an Otto Fenichel, der Reich stets prinzipiell zustimmte, ihn dann aber mit allen möglichen Einwänden, man müsse das ganze „differenzierter sehen“, überschüttete. Seine umjubelten „Rundbriefe“ sind nichts anderes als ein großes „Wenn und Aber“, das paralysieren soll.

Oder man denke an Hans Löwenbach und seine Auseinandersetzungen mit Reich über dessen bioelektrische Experimente in Oslo. Die Geschichte ist in Jenseits der Psychologie dokumentiert. Jahrgang 1905 arbeitete der Psychiater am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin als anerkannter Spezialist für Neurophysiologie. 1935 Emigration nach Norwegen, dort Tätigkeit an der Universität Oslo, wo er Reich half. 1936-1938 Bordarzt für Walfänger. 1938 Emigration in die USA, dort in der Forschung tätig. Professorenstellen an Universitäten (Einhart Lorenz: Exil in Norwegen. Lebensbedingungen und Arbeit deutschsprachiger Flüchtlinge 1933-1943, Baden-Baden 1992).

Reich notierte sich 1935 über ihn:

Löwenbach ist ein Intrigant. Versuchte Hoffmann [einen weiteren von Reichs Mitarbeitern] durch Unwahrheiten aufzuhetzen. Die Intriganten haben es leicht in dieser Welt. Man kann ihnen nur mit Geradheit begegnen, zahlt dann aber oft Lehrgeld. Beim Elektrodenversuch mit Hoffmann gab es keinen einzigen Einwurf, den Löwenbach ins Feld geführt hatte. Hoffmann hatte nicht die Eindrücke der ersten Versuche, das „Wandern“ etc., und fiel daher auf Löwenbach herein. Löwenbach = Prototyp der Furz-Wissenschaftler, die jahrzehntelang die feinsten Fäserchen an Blättchen untersuchten, wenn sie sagen sollten, wie ein Baum aussieht, blüht und wächst. Kommt dann einer und beschreibt den Baum im Ganzen, dann sind sie exakt – und verkleinern.

Leute wie Löwenbach wissen immer alles besser und kramen die abstrusesten „wissenschaftlichen“ Einwände hervor, um den, der wirklich die Forschung voranbringen will, mit „spitzen Bemerkungen“ zu piesacken. Sie nennen es „Wissenschaft“, tatsächlich leben sie aber nur ihre sadistische Lust aus.

schoenegruesse

Wider das liberale Pseudochristentum!

27. April 2013

Friedensbewegte, gutmenschliche Christen gefallen sich vor allem in drei Dikta, die mit äußerster moralischer Verve vertreten werden:

  • Du sollst nicht töten!
  • So dir jemand auf die rechte Wange schlägt, halte ihm auch die linke hin!
  • Liebe deine Feinde!

Pazifismus wird bis auf die selbstverleugnende Spitze getrieben, Idiotie zur Tugend. Nur leider hat das nicht das geringste mit der Botschaft vom Berg Sinai und der Bergpredigt zu tun!

„Du sollst nicht töten!“, ist schlichtweg eine Fehlübersetzung des „Du sollst nicht morden!“ Selbstverständlich kann ein Jude oder Christ im Krieg einen gegnerischen Kombattanten oder einen zum Tode verurteilten töten, ohne irgendeine Sünde zu begehen!

Jemand auf die rechte Wange schlagen, bedeutet ihn mit dem Handrücken der rechten Hand zu schlagen, was in der Antike Ausdruck äußerster Verachtung war. So wurde Sklaven signalisiert, daß sie der letzte subhumane Dreck sind, mit denen man sich buchstäblich nicht die Hände (die Handflächen) dreckig macht. Jemanden „auch die linke Wange hinhalten“, ist also nicht Ausdruck masochistischer Unterwerfung (eine Todsünde für ein Geschöpf Gottes!), sondern ganz im Gegenteil die Aufforderung einem auf Augenhöhe zu begegnen.

Und was schließlich die Feindesliebe betrifft, ist das eine Aufforderung zur Selbstdisziplin, denn seine Freunde zu lieben, ist wahrhaftig keine große Kunst! Es ist die Aufforderung, innerlich stark, objektiv und klar im Kopf zu bleiben und nicht vom Gegner innerlich „besessen“ zu sein.

Man sieht sofort, daß sich hier ein ganz andersgeartetes Christentum herausschält, als das, was uns die liberalen Pseudochristen verkaufen wollen, die den Glauben an Gott mit dem Glauben an eine humanistische Moral vertauscht haben.

Tatsächlich sind sie nicht mal „liberal“. Es sind Pseudo-Liberale, deren Ziel es ist, dem Feind, d.h. dem Teufel, zum Sieg zu verhelfen, sei dies nun in Gestalt des Kommunismus oder des Islamismus. Sie treten hyperchristlich auf, sind aber in Wirklichkeit Wölfe im Schafspelz. Ich habe mich mit dieser Thematik bereits an anderer Stelle beschäftigt.

Zum Schluß ein sehr interessantes Zitat aus einer Arbeit des Theologen Karl Dienst über Das Ende des Protestantismus: Moral als Religionsersatz?:

Die durch [den Moralismus] produzierte kollektive Vorstellung der Wertlosigkeit, ja der Gefährlichkeit der Werteprinzipien der solchermaßen beschädigten Personen und auch ihrer nationalen Gemeinschaft erzeugt und fördert eine masochistische Moral, den Selbsthaß. Ihre Modalitäten sind unaufhörliche Schuldbekenntnisse und Bußrituale, die persönliche und auch nationale Selbsterniedrigung und die Bereitschaft zu unbegrenzten Wiedergutmachungsangeboten. Der Kriegsgeneration bleibt dann nur noch die Alternative, als Verbrecher oder als politische Dummköpfe zu erscheinen, die schleunigst Buße zu tun hat. Der Frankfurter Psychologieprofessor Fritz Süllwold spricht als Folgen von solchen Schuldkomplexen und Selbsthaß „affektive Denkhemmungen“ an, die eine „drastische Reduktion des Aufmerksamkeits- und Auffassungsumfangs und dementsprechend erhebliche Einbußen bei der Informationsaufnahme und Informationsintegration“ bewirken und wie „kollektive Verblödungen“ erscheinen.

Was hier beschrieben wird, ist nichts anderes als die künstliche Erzeugung okularer Panzerung durch Sprachregelungen.

Was wir mit den Grünen, „Kirche von unten“ und anderen derartigen Bewegungen erleben, erlebten unsere Vorväter in den 1930er Jahren angesichts der politischen Religion Nationalsozialismus und einem vor moralischer Inbrunst innerlich brennenden Hitler:

In der antiautoritären Gesellschaft (und der Nationalsozialismus war in vieler Hinsicht ein Vorläufer der antiautoritären Gesellschaft!) wird Religion politisiert und Politik wird zum sinnstiftenden Religionsersatz.

War Hitler antiautoritär?

7. März 2013

Die Frage scheint vollkommen absurd zu sein, gilt doch der Nationalsozialismus als die Inkarnation des autoritären Geistes schlechthin. Doch die Sache ist nicht so eindeutig. Erstens beruht Reichs Massenpsychologie des Faschismus zufolge der Nationalsozialismus ganz und gar nicht auf reiner Sexualunterdrückung, sondern gewann einen Großteil seiner Faszination aus der Überwindung des rigiden Kirchenglaubens und dessen, was die Nazis als „die Reaktion“ bezeichneten. Der Nationalsozialismus war in dieser Hinsicht nur eine der vielen Varianten der „lebensreformerischen“ Bewegung des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Typisch antiautoritär am Nationalsozialismus war die Zentralisierung und Vereinheitlichung auf allen Ebenen. Im Rahmen des Modernisierungsschubs Hitler beispielsweise nicht nur die lateinische Schrift verpflichtend gemacht, sondern wollte auch die Mundarten abschaffen. Klingt nicht gerade „völkisch“! Dem Nationalsozialismus ging es ganz zentral, ähnlich den späteren „kulturrevolutionären“ Bemühungen Maos, um die Delegitimierung von lokalen Autoritäten. Das reichte bis in die Familie hinein: Hitler bot sich als Gegengewicht zu den autoritären Eltern an. Das machte auch einen Gutteil des Einflusses der „Hitlerjugend“ aus.

Entgegen dem Vorurteil, der das Dritte Reich gerne als „Monolith“ sieht, war wohl kein westlicher Staat jemals derartig desorganisiert wie Deutschland unter Hitler. Nirgends gab es eindeutige Zuständigkeitsbereiche und Willkür war gang und gäbe. Beispielsweise wurden im Krieg in einem Landesteil des besetzten Polens großzügig alle eingedeutscht, die sich zur deutschen Kultur bekannten, während in anderen strenge rassistische Kriterien (was immer das in diesem Zusammenhang auch bedeuten mag!) angelegt wurden. Daß der denkbar schlecht geplante Krieg fünf Jahre anhielt, verdankte Hitler ausschließlich der hochprofessionellen Generalität, die auch aus den dilettantischsten Befehlen noch etwas machte. Wie heute lebte die antiautoritäre Gesellschaft parasitär von dem, was die autoritäre sich über Jahrhunderte erarbeitet hatte. Das „Dritte Reich“ lebte in jeder Hinsicht von der Substanz, insbesondere aber der Expertise des deutschen Beamtenapparats.

Hitler selbst war das Gegenteil eines pflichtbewußten „Preußen“. Sein Tagesablauf war nicht der eines „obersten Beamten“, sondern der eines dekadenten Müßiggängers, der nie zu sprechen war und jede Entscheidung solange hinauszögerte, bis es zu spät war. Ich kriege „autoritäre“ Zustände, wenn ich die Literatur lese. Bei den Filmdokumenten über die Aufmärsche der Nazis, deren Design größtenteils auf den verhinderten Künstler und Architekten Hitler höchstpersönlich zurückgehen, werde ich unwillkürlich an die „Rocky Horror Picture Show“ oder an den Christopher Street Day erinnert. „Das soll doch wohl ein Scherz sein?!“ Und wenn man dann noch an Knallchargen wie Göring und Himmler denkt, die allen Ernstes mit Schminke im Gesicht herumliefen, macht es irgendwann „Knacks!“ im autoritären Gehirn! Stauffenberg war für dieses groteske Gesindel Ausdruck „der Reaktion“.

Den Vater hat Hitler gehaßt, die Lehrer waren ihm zuwider, er lehnte jeden Zwang ab und bevorzugte eine träge, ziellose Existenz. Wer drei Stunden dieser Existenz ertragen kann, bitte:

Die Adenauer-Periode war eine der Restoration, insbesondere was die Wiederherstellung lokaler Autoritäten betrifft, bis „1968“ der antiautoritäre Ungeist wieder hervorbrach. Daß die Verbindung zu „1933“ ganz und gar nicht so abwegig ist, zeigt die Geschichte von Horst Mahler oder insbesondere die von Reinhold Oberlercher, „Hamburgs Dutschke“.

Die Vernebelung der Orgonomie

26. Januar 2013

Heutzutage gilt man allenfalls als Antisemit, wenn man Taten wie Mengele oder Befehle wie Hitler zu verantworten hat oder sie zumindest ausgesprochen rechtfertigt. Ansonsten kann man über die Gefährdung des „Weltfriedens“ durch das klitzekleine Israel (so groß wie Hessen!) oder über den angeblichen „Völkermord“ an den bevölkerungs-explodierenden „Palästinensern“ räsonieren und trotzdem frech behaupten, man wäre kein Antisemit. Entsprechend dürfen „Israelkritiker“ in diesem Land auf keinen Fall als das bezeichnet werden, was sie angesichts derartiger Äußerungen ohne Zweifel sind: Antisemiten vom Schlage eines Julius Steichers!

Wer die einzige Demokratie im Nahen Osten „kritisiert“ (wie es so schön beschönigend heißt), stellt sich außerhalb jedes zivilisierten Diskurses. Wenn man so etwas durchgehen läßt, dann gehen alle Maßstäbe verloren, Israel wird weiter delegitimiert und am Ende steht das, was doch angeblich alle verhindern wollten: ein zweiter und diesmal finaler Holocaust. Der Anfang dieser abschüssigen Straße in den Untergang des jüdischen Volkes ist gemacht, wenn alle darauf bestehen, daß man doch wohl Israel „kritisieren“ dürfe. Wehe jedoch man nimmt sich heraus die Antisemiten zu kritisieren, dann ist plötzlich ein Ende mit der verlangten „Liberalität“. Das Lebendige darf verfolgt werden, doch es darf nicht verteidigt werden!

Überhaupt darf man nichts mehr beim Namen nennen. Wenn ich etwa Präsident Obama als pestilenten Charakter bezeichne, stehe ich als Extremist da, den man nicht ernst nehmen kann. Bei fast allen Lesern scheint die Emotionelle Pest erst bei Adolf Hitler und Josef Stalin anzufangen. Obama habe doch so viel persönlichen Charme, könne Lachen, habe eine glückliche Familie, etc. Nun, Hitler und Stalin konnten auch ausgesprochen charmant sein. Hitler war ein ausgenommen angenehmer Chef, während beispielsweise für Churchill seine Sekretärinnen etwa den gleichen emotionalen Wert hatten wie Zimmerpflanzen, nur daß er die letzteren besser behandelte.

Es geht nicht darum eine Checkliste durchzuarbeiten, um zu ergründen, wer als pestilenter Charakter bezeichnet werden kann und wer nicht, sondern um das Gewichten von Indizien. Die Parallelen zwischen etwa Hitler und Obama sind in dieser Hinsicht einfach unübersehbar und können von keinem ernsthaften Menschen in Abrede gestellt werden.

Natürlich wird dann immer gleich von der „Banalisierung des Bösen“ gesprochen, was doch nur darauf hinausläuft, daß man einen „Hitler“ nur dann erkennen kann, nachdem 50 000 000 Tote zu beklagen sind. Nein, es reichen schon Dinge, wie, daß Obama nie in seinem Leben wirklich gearbeitet hat, daß er eindeutig an einer narzißtischen Persönlichkeitsstörung leidet, daß er wirklich alle seine Wahlkämpfe mit miesen Tricks gewonnen hat, daß seine Politik wie keine zuvor Amerika polarisiert hat, daß er von jeher zum äußersten linken Rand der Democratic Party gehörte, daß er ein Adept von Saul Alinsky ist, etc. Eines der Hauptindizien ist aber eine gewisse Angstfreiheit und „Parasympathikotonie“, die die verängstigten Massen fasziniert: der „coole“ Obama im Gegensatz zum unbeholfenen Bush. Tatsächlich ist die angstfreie „Parasympathikotonie“ nur Schein, denn innerlich sind pestilente Charaktere wie tot.

Das beste Beispiel für solch einen Modju ist der überaus charmante und geradezu charismatische Ted Bundy, ein echter Frauentyp und Traum jeder Schwiegermutter:

Das ganze erinnert mich an meine Lektüre der Protokolle der Ausbildungsseminare mit Elsworth F. Baker. Ein Fall wird vorgestellt, die angehenden Orgontherapeuten sind verwirrt, weil der vorgestellte Patient (wie fast immer) keinem der von Reich und Baker beschriebenen Charakterstrukturen eindeutig zuzuordnen ist und so wird vielleicht eine halbe Stunde hin und her diskutiert, bis Baker auf die funktionell wichtigsten Züge hinweist und entsprechend zu einer eindeutigen Diagnose kommt.

Es geht schlicht darum, daß der gepanzerte Mensch eine Todesangst vor Kontakt hat und sich deshalb nur im Nebeligen und Ungefähren wohl fühlt, wenn es um energetische Phänomene geht. Das läßt sich entsprechend auf jeden Bereich der Orgonomie übertragen. Etwa die Schwärzung von alten Gemäuern: Es sieht nicht nur so aus wie Melanor, es ist Melanor! Die zerfaserte grauschwarze Wolke am Himmel ist tatsächlich eine DOR-Wolke! Das Flimmern vor den Augen ist tatsächlich Orgon! Die „kleinen Dinger“ unter dem Mikroskop sind Bione! Das mit Metall ausgeschlagene Behältnis akkumuliert tatsächlich Orgon! Das schlechte Gefühl ist ORANUR!

Es geht auch darum, daß manchem offensichtlich Charles Konias Blogeinträge zu einfach und „grobschlächtig“ sind. Es ist eine Sache, in gewundenen Sätzen und mit langatmigen Umschreibungen das „Peinliche“ (Schmerzhafte) zu umgehen – oder es direkt und unverblümt auszusprechen. Man denke auch an die Orgontherapie, wo man ellenlang seine ach so komplizierten Gefühle beschreibt und der Therapeut einfach antwortet: „Sie haben Angst!“ Bis man schließlich nach viel Geschwafel endlich erkennt, daß es tatsächlich so einfach, „primitiv“ und eindeutig ist. Wenn es kompliziert wird, ist es die Panzerung, die alles zerhackt. Wenn es nebulös wird, ist insbesondere Augenpanzerung involviert. Der Neurotiker hat eine Todesangst vor Eindeutigkeit. Es ist ihm in jeder Hinsicht, wie es im Deutschen so schön heißt, pein-lich.

abstraktorgo

The Journal of Orgonomy (Vol. 42, No. 2, Fall 2008/Winter2009)

20. Januar 2013

Peter A. Crists Aufsatz „What is the Emotional Plague? A Brief Introduction“ (S. 70-77) wurde in deutscher Übersetzung auf Dr. Vittorio Nicolas Netzseite veröffentlicht.

Hier die beiden Filme, bzw. die TV-Serie, die im Aufsatz eine Rolle spielen:

 

Der Rote Faden: Walter Kolbenhoff (Teil 1)

18. September 2012

Frühjahr 1931 kam Walter Kolbenhoff (Jahrgang 1908) zum Zentralorgan der KPD, die Rote Fahne in Berlin und wurde Mitglied des Proletarisch-Revolutionären Schriftstellerverbandes.

Im März 1933 gelangte Walter Kolbenhoff, damals 24 Jahre als, nach Kopenhagen. Via Amsterdam war er aus Berlin geflohen. Er kam nach Kopenhagen mit einem Schiff und wollte die Stadt am nächsten Tag wieder verlassen. Vorher wollte er zumindest die berühmte Promenade Langelinie gesehen haben und das bestimmte sein Schicksal, denn als er die Promenade entlangging, rief jemand aus heiterem Himmel seinen Namen. Es war Wilhelm Reich, der auf einer Bank zusammen mit seiner Freundin saß. Kolbenhoff kannte Reich aus Berlin. Reichs Der Sexuelle Kampf der Jugend wurde in Berlin unter proletarischen Jugendlichen diskutiert. Kolbenhoff war in einer dieser Gruppen und er war ein Favorit Reichs. In Berlin war Kolbenhoff, wie gesagt, Journalist der Roten Fahne. Jetzt, nachdem er Reich wiedergetroffen hatte, war klar, daß er in Kopenhagen bleibe. Reich war nur wenige Tage zuvor angekommen, hatte jedoch bereits Tausende von Kontakten geknüpft und auch Kolbenhoff wurde noch am selben Tag in Reichs Aktivitäten eingespannt.

Über Reich sagt Kolbenhoff, daß er in seinem Leben noch nie eine Person getroffen habe, die so intensiv an zwei, drei Sachen zur gleichen Zeit arbeiten konnte. Zunächst hatte Reich seinen Beruf. Als berühmter Psychoanalytiker hatte er vom ersten Tag in Kopenhagen sehr viele Patienten. Aber das schien Reich nicht zu reichen. All seine Leidenschaft, sein unglaubliches Engagement investierte er in seine politischen Aktivitäten. Jeden Tag schrieb er ein paar Artikel. Für seine Sexualökonomie stritt er mit einer Leidenschaft, die an Fanatismus grenzte. Das brachte ihn bald in Konflikt mit der KPD.

In Dänemark suchte der Kommunist Kolbenhoff Kontakt mit der KPD in Kopenhagen und half bei der Parteiarbeit. Die Partei riet ihm sich von Reich zu trennen, aber Kolbenhoff dachte nicht im Traum daran. Kolbenhoff führte Reichs Haushalt, lebte mit ihm und verbrachte die Freizeit mit ihm. Aber selbst dort konnte Reich nicht aufhören, mit ihm über Politik zu diskutieren.

Während dieser Gespräche machte Reich den Vorschlag, daß Kolbenhoff ein Buch über die Machtübernahme der Nationalsozialisten schreibe. Für dieses Buch gründete Reich den Trobris-Verlag nach Malinowskis Trobriand-Inseln. Reich zwang Kolbenhoff den Roman Untermenschen in ein paar Wochen zu schreiben. Als das Buch veröffentlicht wurde, wurde Kolbenhoff vor die Partei zitiert und ihm wurde gesagt, er solle sich von dem Buch distanzieren, oder er hätte schwerwiegende Konsequenzen zu tragen. Sie waren gegen das Buch, weil es die gleiche Botschaft hatte wie Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus. Gewisserweise war der Roman eine Illustration von Die Massenpsychologie des Faschismus. Wie Reichs Analyse sprach auch der Roman von einer Niederlage der Arbeiterbewegung in Deutschland, während die verrückte Parteidoktrin fast das Gegenteil sagte. Die KPD gab Kolbenhoff zu verstehen, er solle sich von Reich, dessen anti-revolutionären Vorstellungen und von dem Buch distanzieren oder den Parteiausschluß gewärtigen. Kolbenhoff trennte sich nicht von Reich und ihm wurde deshalb nach fünf Jahren die Parteimitgliedschaft entzogen.

Die kommunistische Literaturkritik verriß Untermenschen. Der literarische Papst der Komintern, Franz Leschnitzer, schrieb in der Zeitschrift Internationale Literatur (Zentralorgan der Internationalen Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller, Bd. 4, Nr. 3, Moskau, 1934), daß Untermenschen einen korrumpierenden Einfluß ausübe, da der Autor nicht für seine organisierten Klassenbrüder eintrete. Abgesehen von dieser offiziellen Reaktion sorgte das Buch ansonsten für Aufsehen und traf auf allgemeine Zustimmung.

Kolbenhoffs Roman Untermenschen erschien 1979 erneut (Berlin: Verlag europäische ideen & Verlag Klaus Guhl). Der 1978 verfaßten Einführung Kolbenhoffs in die Neuauflage habe ich das oben ausgeführte entnommen.

In seiner Verlagswerbung schreibt Reich, daß das Buch von den „Untermenschen“ handle, dem Fundament, auf dem in Deutschland die neuen „Herrenmenschen“ ihre Macht errichtet hätten. Der Roman sei ein Beitrag zur Frage, warum die Arbeiterklasse nicht vereint gegen die Reaktion kämpfen wollte. Reich betont die authentische, lebenswahre Qualität des Buches. Das Buch befaßt sich mit den Ereignissen unmittelbar vor der Machtübernahme und leiste im Angesicht der Niederlage Trauerarbeit. Es beschreibt das Milieu der „Asozialen“, Landstreicher und Lumpenproletarier. Sie befinden sich außerhalb der Gesellschaft und zwischen den Fronten des Klassenkampfes, aber aus dieser Distanz erkennen sie die Mechanismen, die Reich in Massenpsychologie des Faschismus beschreibt.

In einer Szene umreißt Kolbenhoff das Leben in einer Kleingartensiedlung und das Eindringen kleinbürgerlicher Gesinnung in die Arbeiterklasse. In Momentaufnahmen illustriert der Roman, wie Menschen durch „Herrenmenschen“ zu Untermenschen degradiert werden und wie infolge die Untermenschen sich selbst in hilf-und zielloser Rebellion und Kriminalität zugrunderichten. Vagabunden suchen draußen in der Welt das Leben, das in ihrem Inneren zerschlagen worden ist.

Es wird das Leben eines Landstreichers beschrieben. Nach langen Reisen kehrt er zu Beginn des Nazi-Regimes in seine Heimatstadt Berlin zurück, wo er die Kameraden seiner Kindheit wiedertrifft. Die Handlung der Geschichte wird ständig durch Rückschau in seine Kindheit unterbrochen. So beschreibt der Autor den ewigen Kreislauf: Menschen, die in ihrer Kindheit durch Umstände, Eltern und Lehrer zerschlagen worden sind, zerschlagen ihrerseits wieder ihre eigenen Kinder und immer so weiter. Vor allem wird aber die „Führerbindung“ des Ich-Erzählers an den Anführer seiner Jugendbande beschrieben. Eine „Führerbindung“, aus der er sich erst jetzt als Erwachsener befreien kann, nachdem er erstmals seinem geliebten „Häuptling“ widerspricht. Offensichtlich soll dies eine Parallele zur großen Politik sein.

Der einzige Hoffnungsschimmer in der düsteren und tristen Welt des Romans ist die Gestalt des jungen Kommunisten „Artur“, dessen Christus-ähnlicher Passion der Held des Romans als Zeuge beiwohnt. Anläßlich dieses Martyriums rebelliert der Ich-Erzähler gegen den zynischen „Häuptling“.

Der Roman zeigt deutlich den Einfluß von Reichs Denken. Auf der anderen Seite war Kolbenhoff aber auch eine von Reichs Hauptinformationsquellen über das äußere und innere Leben der verarmten Bevölkerungsschichten.

Zu Kolbenhoff und seinen Roman siehe auch Der Blaue Faschismus.

The Journal of Orgonomy (Vol. 32, No. 1, Spring/Summer 1998)

23. August 2012

Der „Charakter“ einer Gesellschaft und der Charakter der Menschen, die in dieser Gesellschaft leben, bedingen einander. Zur alten autoritären Gesellschaft gehörte entsprechend der „triebgehemmte Charakter“, zur neuen antiautoritären der triebhafte.

Wo immer man hinschaut, scheinen die westlichen Gesellschaften in den Selbstzerstörungsmodus übergegangen zu sein: Überschuldung, die nur in einer Hyperinflation enden kann, ein kultureller Zerfall, der unaufhaltsam die Grundlagen unserer Gesellschaft untergräbt, eine auf allen Ebenen verantwortungslose Politik, die so agiert, als gäbe es kein Morgen. In welchem Ausmaß diese Gesellschaft antiautoritär ist, sieht man daran, daß jede Verunglimpfung der alten Traditionen, insbesondere des Christentums, nicht nur toleriert, sondern gefeiert wird, während gleichzeitig der mittelalterliche Islam im Namen des „Antikolonialismus“ hofiert und „in unsere Mitte geladen“ wird.

Neulich habe ich, vielleicht das erste Mal in diesem Jahrtausend, mir Samstagabend einen ganzen Werbeblock bei RTL angeschaut: ein Kulturschock! Derartig dumm, geschmacklos, hohl, infantil und widerlich… Ich war wirklich entsetzt, denn im Vergleich von vor vielleicht 15 Jahren hat der Kulturzerfall rapide zugenommen. Leute, die diesen Scheiß alltäglich sehen, bekommen das gar nicht mit.

Die autoritäre Gesellschaft, die „gesellschaftliche Panzerung“ ist seit 50 Jahren am Zusammenbrechen, was aber nicht zu mehr Freiheit führt, sondern zu einer neuen Art von Panzerung. Die nun freiwerdende, vorher im Körperpanzer gebundene Angst, wird von einer desorganisierten Panzerung aufgefangen, die vor allem von einer starken Augenblockade und der damit einhergehenden Kontaktlosigkeit geprägt ist und ständig zwischen Triebhaftigkeit („Freiheit“) und sadistischer Triebunterdrückung schwankt. Man denke nur an die Permissivität und dem gleichzeitigen extremen Moralismus der Political Correctness.

Diesen Zustand finden wir sehr gut in dem Film Rocky Horror Picture Show verkörpert, der wirklich nichts anderes beschreibt als die Ablösung der autoritären durch die antiautoritäre Gesellschaft: an die Stelle von berechenbaren Spießern treten unberechenbare Freaks.

Die Menschen werden nervöser und unglücklicher als sie es jemals waren. Die Spannung, die Anspannung, steigt, während gleichzeitig die Kapazität sinkt, diese Spannung zu ertragen: Spannungsbögen werden nicht mehr ertragen. Liebe wird nicht mehr ertragen, sondern nur Sentimentalität und der perverse Thrill. Arbeit wird nicht ertragen, sondern nur noch Chillen und Fun. Wissen zu erwerben, ist zu mühsam, aber man ist um so Meinungsfreudiger.

Das Piercing ist unmittelbarer Ausdruck dieser bioenergetischen Zusammenhänge. Charles Konia sieht im Piercing bei den „normaleren” Individuen Aufmüpfigkeit gegen die gesellschaftliche Norm, narzißtisches Verhalten und Identitätssuche am Werk. Man möchte in einer zerfallenden Gesellschaft zumindest zu einem „Stamm“ gehören („tribal“). Bei den Pathologischeren kommt ein masochistisches Moment hinzu: der Versuch, die innere Spannung, den „Druck“ zu lösen. Schließlich tritt bei manchen Formen der Schizophrenie der Drang zur Selbstverstümmelung zutage („Questions and Answers“, S. 112f).

Dazu Konias eigene klinische Beobachtungen: ein jugendlicher paranoid Schizophrener hatte seit geraumer Zeit Zigaretten auf seinem Arm ausgedrückt. Konnte damit aber aufhören, nachdem er seinen Unterarm piercen ließ und dort Ringe in der Haut trug. Offensichtlich reduzierten die Ringe die Gefühle und die „Spannung“ in seinem Arm. Auf der anderen Seite antwortete ein Jugendlicher, warum er in seinen Brustwarzen Ringe trage: „Um etwas zu fühlen!“

Einerseits werden die erogenen Zonen gepierct, um dort das Empfinden (die „Spannung“) zu reduzieren. Andererseits werden die gleichen Piercings benutzt, um Gefühle zu verstärken und verminderten Empfindungen und Gefühlen des Abgestorbenseins entgegenzuwirken. Siehe dazu auch meinen Blogeintrag Fuck me!.

Konia verweist auf eine Studie, daß Gepiercte in psychiatrischen Kliniken (immer im Vergleich zu vergleichbaren ungepiercten Patienten) signifikant mehr Angstsymptome hatten, sich auch anderen Selbstverstümmelungen hingaben und dissoziales Verhalten zeigten. Irrerweise hatten sie auch auffällig oft Interesse an Russisch Roulette (sic!): als Zuschauer oder sogar als Teilnehmer.

Man denke in diesem Zusammenhang an die selbstmörderischen Stunts, etwa „S-Bahn-Surfing“, dem so viele Jugendliche frönen.

Ein derartiges Verhalten bestimmt, wie bereits gesagt, die gesamte Gesellschaft. Der nackte Irrsinn ist allgegenwärtig. Wenn man beispielsweise das Verhalten der Politiker betrachtet, die für jeden denkenden Menschen sichtbar das Land gegen die Wand fahren, sollte man weniger auf die Ideologie oder auf „Sachzwänge“ blicken, sondern darauf, daß es die Charakterstruktur der Durchschnittsmenschen karikaturhaft überzeichnet, sozusagen rekapituliert.

Da sind zunächst einmal die Politiker, die der zunehmenden Infantilität und Verantwortungslosigkeit der Massen entgegenkommen und sich gleichzeitig gegenüber „höheren Ebenen“ genauso verhalten: die Wähler wenden sich dem „Sozialstaat“ zu und die Politiker „Europa“. Niemand will mehr Verantwortung auf seiner Ebene tragen.

Am Ende steht dann der Politiker, der aufgrund seiner vollendet triebhaften Struktur dem „Kleinen Mann“ Führung bieten kann. Diese Art von Politiker beschreibt Konia wie folgt („Neither Left Nor Right (Part II continued): The Consequences Of Political Illusion“, S. 92-111):

Der soziopathische Politiker habe, so Konia, eine glatte aber gut entwickelte Fassade, die sich jedem äußeren Widerstand anpaßt. Es gelinge ihm ausgezeichnet Menschen zu bezaubern. In seiner Umgebung rufe er ein wohliges Gefühl der Entspannung hervor, womit er Vertrauen und öffentliche Unterstützung gewinne. Sein Lächeln solle die Ahnungslosen entwaffnen und ihr Vertrauen gewinnen. Seine Überzeugungen und Beziehungen seien jedoch bloße Funktion seines Verlangens nach narzißtischer Befriedigung und persönlichem Gewinn. Er empfinde nur Verachtung für die Regeln des Anstandes und für das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. Das Lügen falle ihm bemerkenswert leicht. Gewissensbisse seien ihm fremd. Anderen werde die Schuld in die Schuhe geschoben. Selbst wenn seine Verbrechen öffentlich werden, bleibe er entspannt und zeige keine Angst. Sein Charme und Mangel an Schuldgefühl veranlasse die Öffentlichkeit an seine Unschuld zu glauben. Er bleibe so lange loyal, als es seinen Zwecken und Interessen diene, obwohl er umgekehrt anderen unverbrüchliche Treue abverlange (S. 101).

Die Nähe zum, wie Reich ihn nannte, „Generalpsychopathen“ (Hitler) ist evident. Eine Massenpsychologie des Faschismus in der antiautoritären Gesellschaft ist ein Desiderat.

Das Lincoln-Kennedy-Rätsel, die NSU und Dr. Poch

18. Juli 2012

Das folgende ist ein Nachtrag zum Blogeintrag Baumrindologie und der Angriff der Klingonen. Die Frage ist schlicht, was um alles in der Welt mit der Realität los ist.

Der Satz, um den sich bei Verschwörungstheoretikern alles dreht, lautet: „Das kann doch kein Zufall sein!“ Man unterhalte sich etwa mit einem „Truther“, der, sobald er sich in den Gesetzen der Statik verfangen hat oder man ihm erklärt hat, daß Überschall-Abfangjäger ihre Höchstgeschwindigkeit nicht lange aufrechterhalten können und deshalb entsprechende Berechnungen haltlos sind, zumal wirklich niemand in der Welt innerhalb weniger Minuten entscheiden kann, ein vollbesetztes Verkehrsflugzeug vom Himmel zu holen (und auf dichtbevölkertes Gebiet niedergehen zu lassen!)… – und so weiter und so fort. Am Schluß werden dann immer triumphierend irgendwelche „unmöglichen Zufälle“ hervorgekramt.

Genauso etwa beim Attentat auf John F. Kennedy. Das Problem ist nur, daß dieses „Zufalls-Argument“ implodiert (oder wohl eher „explodiert“), wenn man es auf die Spitze treibt. Man nehme etwa das Lincoln-Kennedy-Rätsel, d.h. die vollkommen absurden „nicht-kausalen“ Übereinstimmungen zwischen den beiden berühmtesten und folgenreichsten Attentaten auf US-Präsidenten. Sogenannte „Skeptiker“ werfen gerne ein, daß viele der verblüffenden Übereinstimmungen frei erfunden seien. Beispielsweise seien nicht beide an einem Freitag erschossen worden – Lincoln erlag seinen Verletzungen erst am Samstag… Oder daß Booth und Oswald nicht im Abstand von 100 Jahren geboren wurden, da Booth 1838 zur Welt kam und Oswald 1939. Es bleiben aber derartig viele und vollkommen absurde Übereinstimmungen… Vor allem ist das ja kein Einzelfall!

Wie wahrscheinlich war etwa die vollkommen absurde Geschichte mit dem Verfassungsschützer, der Vertrauensleute in der „Rechten Szene“ führte und ausgerechnet bei einem der Morde der NSU „zufällig“ anwesend war – und nichts vom Mord mitbekam. Für Verschwörungstheoretiker ist so etwas ein gefundenes Fressen, an dem gleich die ganze Geschichte der Bundesrepublik neu aufgerollt wird. Nur leider… Aber schauen Sie selbst hier.

Dabei möchte ich Verschwörungstheorien durchaus nicht einfach so vom Tisch wischen. Man nehme etwa diesen Bericht aus dem Qualitätsblatt Frankfurter Allgemeine. Der Qualitätsjournalist schlägt sich feixend auf die Schenkel. Er weiß halt nichts von einem gewissen Walter Hewel, der im „Führerbunker“ als „Surabaya-Wally“ bekannt war, weil er dort zwischen 1927 und 1936 gelebt hat und die Nazi-Partei von Indonesien leitete. Also mal ehrlich: Hitler auf die obskure indonesische Insel Sumbawa entkommen? Absurder geht es nun wirklich nicht! Abgründe beispielloser Dummheit. Nur – Dr. Georg Anton Poch und Adolf Hitler sehen für mich tatsächlich absolut identisch aus. Aber ich bin ja auch kein Qualitätsjournalist! Entscheiden Sie selbst:

Nein, ich glaube nicht, daß Genmaterial, das man aus Dr. Pochs Gebeinen vielleicht noch extrahieren könnte, diese absurde Geschichte bestätigen würde, aber trotzdem ist die Sache gruselig. Identische Menschen!

Man nehme nur die „Zeitreisenden“, die heute durchs Internet geistern. Etwa Travolta oder Cage.

Ich selbst habe mal so eine Geschichte miterlebt, als ich einem befreundeten Psychiater ein Photo eines amerikanischen Orgonomen zeigte, das zum damaligen Zeitpunkt etwa zehn Jahre alt war. Mein Freund, Psychiater, verfiel in Schockstarre und stammelte nur: „Peter, ich habe Angst!“ Der Orgonom sah nämlich auf dem Photo wie mein Freund zu diesem Zeitpunkt aus, absolut identisch. Er selbst konnte keinerlei Unterschiede feststellen. Seine eigene Mutter hätte ihren Sohn auf dem Photo identifiziert! Nicht nur die Physiognomie, auch die Frisur, sogar der Kleidungsstil, vor allem aber die wirklich unverwechselbare Körperhaltung, insbesondere die Kopfhaltung, der ganze Ausdruck, die Ausstrahlung, alles vollständig gleich.

Reichs Universitätslehrer Paul Kammerer veröffentlichte 1919 ein Buch, das sein damaliger Student mit einiger Sicherheit gelesen hat: Das Gesetz der Serie – Eine Lehre von den Wiederholungen im Lebens- und im Weltgeschehen (Stuttgart/Berlin 1919). Demnach seien

Wiederholungen ein wesentliches Walten und Wirken im Ganzen der Welt (…): gleicherweise eignet sie dem Laufe der Gestirne wie den Wirbel der Atome; den toten wie den lebendigen Teilchen und Massen. Nachahmung, Ausgleichung, Anpassung, Wiederholung leiht der Pflanze ihren Wuchs, dem Tier seinen Bau und seine Bewegung, dem Menschen seinen Geist und sein Geschick und seine Schöpfung: Höchstleistungen des Fühlens und Denkens, ans Göttliche ragende Meisterwerke der Kunst wie der Wissenschaft – sie alle sind der Wiederkehr unterworfen und tragen die Wiederkehr in sich selbst: mit dem Schoße des Weltalls, das alles in der Welt gebar, verknüpft sie alle das Gesetz der Serie. (z.n. Arthur Koestler: Die Wurzeln des Zufalls, München 1972, S. 95)

Was damals Kammerer entdeckte ist heute unter der Version von C.G. Jung bekannt, d.h. als „Synchronizität“. Ihr begegnen wir alltäglich. Hier zwei Beispiele aus dem Leben Friedrich Nietzsches:

Am 5.2.1882 schrieb er an Heinrich Köselitz:

Neulich gehe ich spazieren und denke an gar nichts unterwegs als an die Musik meines Freundes Gustav Krug, – rein zufällig und ohne alle Veranlassung. Den Tag darauf kommt ein Heft Lieder von ihm mir zu Händen (…) und darunter gerade das Lied, welches ich auf meinem Spaziergang mir rekonstruiert hatte. Wunderlichstes Spiel des Zufalls!

Und am 10.3.1882 an eben diesen Gustav Krug:

Mit Deinen Liedern ging es mir seltsam. Eines schönen Nachmittags fiel mir Deine ganze Musik und Musikalität ein – und ich fragte mich schließlich: Warum läßt er nie etwas drucken? Dabei klangen mir die Ohren von einer Zeile aus Jung Niklas. Am nächsten Morgen kam Freund Rée in Genua an und überbrachte Dein erstes Heft – und als ich es aufschlug fiel mir gleich Jung Niklas in die Augen. Das wäre eine Geschichte für die Herren Spiritisten!

Solche Begebenheiten sind zu häufig, zu komplex und zu verrückt, um einfach als Zufall und selektive Wahrnehmung weginterpretiert werden zu können.

  • Substanz, Raum und Zeit beruhen darauf, daß sich etwas ständig wiederholt – so messen wir jedenfalls ihre Kontinuität: mit identischen Abständen.
  • Wir selbst, als „Subjekte“ beruhen darauf, daß wir immer derselbe bleiben.
  • Naturgesetze sind nichts weiter als Aussagen über die Zukunft: daß etwas so geschieht, wie es schon einmal geschehen ist.
  • Die Struktur des Universums ist fraktal, d.h. von Größenbereich zu Größenbereich wiederholen sich die Strukturen ständig.
  • Ästhetik, also das Wohlgefallen am Geordneten, Übersichtlichen, Begrenzten, an der Wiederholung.

Aus dem Führerhauptquartier der Antiorgon-Naziliga: Die drei Grundlagen des Nationalsozialismus (Teil 1)

15. Mai 2012

Die heutige antiautoritäre und angeblich „antifaschistische“ Gesellschaft ist in dreierlei Hinsicht funktionell identisch mit dem Nationalsozialismus:

  1. Im Vergleich zur „bürgerlichen“ Gesellschaft steht die Rebellion im Vordergrund, nicht der „Untertanengeist“. Es hängt alles vom Willen ab.
  2. Entsprechend tritt an die Stelle der Unterwerfung unter den Vatergott eine diffuse, „biologistisch“ geprägte „grüne“ Naturmystik.
  3. „Der Sohn“, der vom „Gesetz“, das durch das Judentum verkörpert wird, befreit, tritt in den Mittelpunkt. Man denke an den penetranten Jugendkult.

Dabei geht es jeweils um Elemente, die bereits in der bürgerlichen, autoritären Gesellschaft angelegt waren. Es ändert sich nur die Gewichtung. Beispielsweise entsteht, Reich zufolge, durch die Sexualunterdrückung im Patriarchat „die Struktur des Untertanen, der gleichzeitig sklavisch gehorcht und rebelliert“ (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 19).

Je nachdem was im Vordergrund steht, die Unterwerfung oder die Rebellion, hat man es mit einer autoritären oder antiautoritären Gesellschaft zu tun. Wobei natürlich stets beide Elemente vorhanden sind. Es handelt sich also nicht um einen absoluten, sondern um einen funktionellen Gegensatz.

Mit dieser Gegenüberstellung spielte Reich 1935 natürlich auf den sich damals europaweit ausbreitenden Faschismus an mit seiner unverkennbar revolutionären Rhetorik. In der NSDAP hat es stets einen gewichtigen „antibürgerlichen“ Flügel gegeben, zu dem nicht zuletzt Hitler selbst gehörte. Dieser Zug ist derartig prominent, daß immer wieder von neuem die Frage aufgeworfen wird, ob es sich beim Nationalsozialismus überhaupt um eine rechtsextreme und nicht vielmehr um eine linke Erscheinung handelt, die gleichberechtigt neben Sozialdemokratie und Bolschewismus zu verorten ist. Ich bin darauf bereits in Waren die Nazis „Rechte“? eingegangen.

Die damaligen Sozialisten waren sich dieser Nähe zu Hitler durchaus bewußt, darunter auch Reich. Spezifisch für Reich ist eine zweite Einsicht:

In der nationalsozialistischen Ideologie steckt ein rationaler Kern, der der reaktionären Bewegung ihren großen Schwung verleiht und sich in der Phrase der „Verbundenheit von Blut und Boden“ ausdrückt. (ebd., S. 24)

Siehe dazu auch Karl Motesiczky. In diesem Zusammenhang denke man an die anhaltende „Esoterik“-Welle oder die wirklich einfach nur als grotesk zu bezeichnende Popularität von C.G. Jung. Es herrscht heute der gleiche Geist, der die „nationalsozialistische Bewegung“ animiert hat.

Leni Riefenstahl beschreibt ihre erste Begegnung mit Hitler als Teilnehmerin einer politischen Versammlung wie folgt:

Ich war verblüfft zu sehen, welche Macht Hitler über seine Zuhörer hatte. Wie ein Hypnotiseur besaß er die Gabe, sein Publikum zu behexen bis es tat, was er wollte. Es war sehr erschreckend und ich selbst war empfänglich für diese Ausstrahlung. Es war nicht nur eine ionisierte Atmosphäre, sondern eine äußerst seltene Beziehung zwischen dem Mann auf der Tribüne und den Menschen im Saal. Meine Erregung war sehr stark, so stark in der Tat, daß ich mich wenig um den Inhalt seiner Rede kümmerte. Ich fragte mich: „Wer ist er wirklich?“ (z.n. Bernhard Horstmann: Hitler in Pasewalk, Düsseldorf 2005, S. 131)

Anhand solcher Zeugenaussagen und „Bekenntnisse“ wird evident, daß der Nationalsozialismus weit mehr war als nur eine politische Bewegung und Hitler weit mehr als nur ein „politischer Führer“.

Hitler konnte nur so wirken, weil er auf eine diffuse Weise „Befreiung“ versprach bzw. verkörperte. In vieler Hinsicht kann man ihn durchaus mit Christus vergleichen. Sowohl Hitlers Selbstidentifikation mit Jesus als auch die Wahrnehmung Hitlers als neuer Jesus ist eindeutig.

Bereits 1923 meinte Hitler in einem von Dietrich Eckart unter dem Titel Der Bolschewismus von Moses bis Lenin veröffentlichten „Zwiegespräch zwischen Hitler und mir“, daß zwar auch das Christentum ein Teil der „jüdischen Weltverschwörung“ sei,

Jesus freilich war kein Jude, er war „Arier“. Doch nicht Jesus hatte das Christentum geschaffen, sondern Paulus. Paulus aber predigte Pazifismus und Gleichmacherei; er raubte dem römischen Reich seine stärkste Stütze, den heroischen, wehrhaften Geist, führte so seinen Untergang herbei und brachte die Juden ihrem Ziel, der Weltherrschaft, einen Schritt näher. (z.n. Norman Cohn: Die Protokolle der Weisen von Zion, Köln 1969)

Der Nationalsozialismus war also die Rückkehr zu Jesus. In der Jesus-Bewegung sah Hitler den Tischgesprächen zufolge eine lokale „arische“ Oppositionsbewegung gegen das Judentum, die auf Nachkommen gallischer Legionäre zurückging, die in Galiläa lebten. Dann wäre Paulus gekommen und hätte Jesu Lehre „judaisiert und verfälscht“ und in eine jüdische Oppositionsbewegung gegen das arische Rom verkehrt.

Heutzutage wird derartiger Unsinn, derartige „alternative Geschichtsinterpretation“, millionenfach verbreitet. Kaum eine U-Bahnfahrt, bei der nicht irgend jemand Sakrileg und ein ähnliches strunz dummes Machwerk liest. Allein schon hier wird der Antiautoritarismus evident: es geht gegen das „etablierte Wissen“, die Kirche, den patriarchalen Gott und aus Jesus dem Opferlamm wird Jesus der Rebell.

Was ist Faschismus? Was ist Antifaschismus?

12. Mai 2012

Was ist Faschismus? Faschismus ist, wenn hilflose Massen nach Hilfe rufen und dabei machthungrigen Gangstern in die die Hände fallen. Hitler selbst hat, in Anlehnung an den Rassisten und Frauenfeind Gustave Le Bon, das ganz offen in ein sexuelles Bild gekleidet: die „femininen Massen“ unterwerfen sich dem männlichen Willen eines „Führers“.

Das wurde nach dem politischen System benannt, welches von dem ehemaligen Sozialisten Benito Mussolini begründet wurde. Es ist nicht mehr als ein Wort, auf das man sich verständigt hat! Seine Etymologie ist vollkommen nebensächlich. Das, was es benennt, findet sich im deutschen Nationalsozialismus, im russischen Stalinismus oder im chinesischen Maoismus. Jeweils haben skrupellose Politgangster die Hilflosigkeit der von ihnen maßlos verachteten Massen ausgenutzt – und wurden dafür vergöttert.

In kleinerer Form findet sich der Faschismus in jeder Ritze der gepanzerten Gesellschaft, die von hilflosen Menschen und gewissenlosen Kriminellen bevölkert wird. Das fängt bei faschismusartigen Politkulten, wie den um Obama, an und hört beim alltäglichen Ressentiment auf. Man denke in diesem Zusammenhang etwa an die parteiischen Medien, die davon leben, den Massen deren eigenes Leben zu erklären.

Was Faschismus ist, wird erst deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, was Antifaschismus wirklich ausmacht. Reich:

Die sozialen Kämpfe toben heute, um es auf die einfachste Formel zu bringen, zwischen den Interessen der Lebenssicherung und Lebensbejahung und den Interessen der Lebensvernichtung und Lebensunterdrückung. Die soziale Gewissensfrage lautet heute (…): „Bist du und kämpfst für Sicherung und größtmögliche Freiheit des menschlichen Lebens? Tust du praktisch alles, was in deiner Macht steht, um die Millionen arbeitender Menschenmassen so selbständig im Denken, Handeln und Leben zu machen, daß die komplette Selbststeuerung des sozialen Leben in nicht allzu ferner Zeit die selbstverständliche Regel wird?“ (Die sexuelle Revolution, Fischer-TB, S. 13)

Und dann schaue man sich die heutigen Vertreter des „Antifaschismus“ an!

  1. Sie sind gegen „Sozialabbau“, treten also ganz offen dafür ein, daß die Massen auf den Status von Kindern gedrückt werden, die sich ihren Lebensunterhalt nicht selbst erarbeiten können und vor den Unbilden der Welt geschützt werden müssen. Kurioserweise wird ein Gutteil dieser „antifaschistischen“ „Projekte“ selbst vom verhaßten Staat subventioniert.
  2. Die Ästhetik des „Antifaschismus“ ist von den oben genannten Faschismen schlichtweg nicht zu unterscheiden. Massenmörderische Ideologien wie Stalinismus und Maoismus werden ganz offen propagiert. Fast nie fehlt der Bezug auf das homophobe und rassistische Monster Che Guevara. Vom Machismo und der pubertären Revolutionsromantik will ich gar nicht erst reden.

Mit „Antifaschismus“ hat das nichts, aber mit der obigen orgonometrischen Gleichung alles zu tun: Hilflosigkeit hier und Banditentum dort.

Hier – so sehen die Opfer des heutigen („Anti“-) Faschismus aus!


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