Mit ‘Heinrich Mann’ getaggte Artikel

Der Rote Faden: Aldous Huxley

4. August 2011

Angesichts der überhandnehmenden Sexualisierung in der westlichen Welt wird von „Gesellschaftskritikern“ gerne angeführt, wie überholt die Theorien Reichs über die weltverbessernden Folgen einer „sexuellen Befreiung“ doch wären. Als mahnender Gegenentwurf wird gerne auf Aldous Huxleys Zukunftsroman Brave New World (Schöne neue Welt) von 1932 verwiesen.

Reich hat sich 1936 in seiner Zeitschrift mit diesem Werk auseinandergesetzt, da der niederländische Kommunist Jef Last mit Verweis auf Huxleys Roman ganz ähnliche Argumente, wie sie heute im Schwange sind, gegen die Sexpol anführte. Jef Last hatte „Genossen Reich“ geschrieben:

Huxley führt in diesem Roman die Gedankengänge der Sexpol eigentlich ad absurdum. Er zeichnet eine phantastische Zukunftsgesellschaft, in der alle Bindungen zwischen Fortpflanzung und Sexualität gelöst sind. Die Kinder werden in Staatslaboratorien ausgebrütet, der Sexualakt als Lust dagegen ist nicht nur stärkstens bejaht, sondern der Staat tut alles, damit der sexuelle Trieb fortwährend hemmungslos und restlos befriedigt werden kann. Auch in Huxleys Roman fordert man bereits die dreijährigen Kinder auf mit dem „Lulu“ zu spielen und bestraft nur diejenigen, die an sexuellen Spielen kein Vergnügen haben. Das Ergebnis ist eine scheinbar vollkommen glückliche Welt, aus der (bei genügender materieller Versorgung) jede Unzufriedenheit verschwunden ist und auch jede sexuelle Entartung. („Antwort auf Wilhelm Reich/Antwort an Jef Last“, Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie, Bd. 3, Nr. 3/4, S. 169-171)

Negativ sei jedoch zu konstatieren, so Last, daß aus dieser „vollkommen glücklichen Welt“ leider „jede Spannung, jedes künstlerische Schaffen, jede geistige Hingabe und jede wirkliche Wissenschaft“ verschwunden sei. Und genau dies sei der implizite Vorwurf der reaktionären Gegner der Sexpol: „eine hemmungslose Bejahung des Trieblebens bedeute den Untergang aller Kultur, da diese nur auf einer bewußten Eindämmung und Beherrschung der Triebkräfte aufgebaut ist“.

Reich erwidert darauf, daß man es bei Huxleys Roman mit einem reinen Phantasiegebilde zu tun habe, während die Anschauungen der Sexpol aus der wissenschaftlichen Forschung hervorgegangen seien. Diese habe gezeigt, daß eine Trennung von Sexualität und Fortpflanzung eine ganz andere Zukunft zeitige.

[K]ein Trieb des Menschen wirkt so befruchtend und anregend auf seine Produktivität sowohl in Bezug auf künstlerisches Schaffen als auf wissenschaftliche Arbeit wie der Geschlechtstrieb, der eine Bejahung erlebt. So würde die Sexpol, wenn sie die Zukunftsgesellschaft schildern wollte, gerade zu entgegengesetzten Schlüssen kommen wie Huxley: Die Menschen, welche frei von Schuldgefühlen zu ihrem Sexualleben stehen und unabhängig von wirtschaftlichen Miseren ihren gesunden, natürlichen Trieb lustvoll befriedigen könnten, würden nicht wie bei Huxley, jede Spannung entbehren, sondern ihre Spannungen wie deren Lösungen bewußt erleben. Und aus der bewußten Bejahung ihrer Bedürfnisse und deren Befriedigung würde eine neue Kultur aufblühen. Kunst wäre nicht mehr Privileg einiger Auserwählter, sondern die Masse würde fähig werden, sie zu genießen! (ebd.)

Reichs Aussage kann man in folgendem dem Studenten der Orgonomie wohlbekannten (hier nur leicht abgewandelten) Diagramm zusammenfassen:

Damals gehörten beide, Huxley und Last, zur linken Kulturschickeria. (Später wurde Huxley Antikommunist.) Auf dem „Ersten Schriftstellerkongreß für die Verteidigung der Kultur“, von Willi Münzenberg, damals noch immer der Kopf des Agitprop der Komintern, in Paris organisiert (21.-25. Juni 1935), wurde jene Figur geschaffen, der Reich schließlich zum Opfer fallen sollte: der fellow traveller. Eine Kreatur, die noch heute, lange nach dem Untergang der UdSSR, die Kultur bestimmt und alles tut um die Orgonomie zu vernichten, teilweise mit den oben von Last vorgetragenen Argumenten.

Der damalige Kongreß sollte die ideologischen Grundlagen der Volksfront in Frankreich errichten. Leute wie André Gide, André Malraux, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Ernst Bloch und nicht zuletzt Aldous Huxley nahmen an ihm teil. Ganz allgemein umfaßte die pro-kommunistische anti-faschistische Intelligenz Europas um diese Zeit folgende Leute:

Vertreten sind auf französischer Seite Alain, Rolland, Barbusse, Aragon, Malraux, Gide, Guilloux und Vildrac, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Johannes Becher aus Deutschland, die Russen Ehrenburg und Aleksei Tolstoi, und aus England schließlich Aldous Huxley und E.M. Forster. (Francois Furet: Das Ende der Illusion, München 1998, S. 365)

Last war ein enger Freund von Andre Gide und hat ihn, zusammen mit Eugene Dabit, auf Gides berühmte und Gide enttäuschende Reise in Stalins UdSSR begleitet. Jef Last und Eugene Dabit, „die beide Kommunisten sind“.

Ziemlich genau ein Jahr nach Romain Rolland trifft Gide mit seinem Gefährten Pierre Herbart in den letzten Junitagen 1936 in Moskau ein; in Leningrad stoßen vier seiner engsten Freunde dazu, die bei dieser Reise mit von der Partie sind: Jef Last und Eugene Dabit, aber auch Louis Guilloux und der Verleger Schriffrin. (ebd., S. 367f)

So naiv Huxley auch immer argumentiert hat, etwa wenn Kinder dazu aufgefordert werden müssen mit dem „Lulu“ zu spielen und bestraft, wenn sie an sexuellen Spielen kein Vergnügen haben, hat er zweifellos in mancher Hinsicht recht behalten. Es breitet sich in der Tat eine Art „Sexualterror“ aus und die (vermeintliche) „Befreiung der Sexualität“ hat zu einem schier fassungslos machenden Kulturzerfall geführt. Ich brauche das hier nicht weiter ausführen.

Reich lebte in einer Gesellschaftsformation, der „autoritären Gesellschaft“, die weitgehend auf der Hemmung der Sexualität beruhte und sich entsprechend in einem Zustand chronischer Kontraktion befand. Das Leben war ein Jammertal, geprägt von Arbeit, Verzicht und Sparsamkeit.

Die Verwerfungen der Weltkriege, die diese „patriarchalischen“ Zustände im Mark erschütterten, die Entwurzelung der Menschen durch die Industrialisierung und nicht zuletzt die „Trennung von Sexualität und Fortpflanzung“ durch die Pille führten seit den 1960er Jahren zu einer vollkommen neuen Gesellschaftsformation, der „antiautoritären Gesellschaft“, die sich in einem chronischen Expansionszustand befindet. Der „Spaß regiert“, Arbeit ist nur eine leider notwendige Unterbrechung der Freizeit, und jeder, der sich gegen die allgemeine Enthemmung stellt, wird als Spaßbremse ins Abseits gestellt. Introvertierte und „stille“ Jugendliche wissen genau wovon ich spreche.

Beide Gesellschaftsformationen sind gepanzert:

Der Rote Faden: Reich und die KPÖ (Teil 2)

23. Mai 2011

Marie Frischauf und Reich arbeiteten nicht nur in der Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung, sondern auch im Bund der Freunde der Sowjetunion zusammen. Beispielsweise sprach Reich am 27. Februar 1930 im Bachlechner-Saal in Ottakrieg über den Kreuzzug der Kirche gegen die Sowjetunion. Er unterstrich, die Umwandlung der Kirchen und Klöster in Schulen und elektrotechnische Einrichtungen sei nur in Übereinstimmung mit der ortsansässigen Bevölkerung erfolgt. (Aber klar doch! PN) Der Kreuzzug der Kirche gegen die Sowjetunion sei erst nach der Sozialisierung der Landwirtschaft virulent geworden. Wie im Zentralorgan der KPÖ Die Rote Fahne (1. März 1930) berichtet wurde, sagte Reich, daß revolutionäre Kämpfer Religion hassen müßten, dieser Haß müsse aber „objektiv“ sein.

Während Reich Mitte 1930 nach Berlin zog, setzte Marie Frischauf ihre sexual- und parteipolitischen Aktivitäten in Wien fort bis die Faschisten in Österreich die Macht übernahmen. Sie floh nach Paris, wo sie in Kontakt mit dem Schriftsteller Heinrich Mann (dem Bruder von Thomas Mann) stand. Zusammen mit Arpad Hass gründete sie den „Cercle culturel autrichien“. Als die Deutschen Frankreich okkupierten wurde die Jüdin interniert. Sie floh weiter nach Mexiko, wo sie den Roman Der graue Mann (Wien 1949) schrieb. Nach dem Krieg kehrte sie nach Wien zurück, wo sie wieder als Dermatologin arbeitete. Sie war aktiv im Österreichischen Friedensrat, einer pazifistischen Organisation gegen den Nuklearkrieg und die Wiederbewaffnung.

Frischauers und Reichs offizielle Gründungsurkunde ihrer Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung besagte u.a.:

Die durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung bedingte, ungeheure Sexualnot unserer Zeit, die vornehmlich auf Unwissenheit und falschen Anschauungen über primitivste Gesetzmäßigkeiten des Geschlechtslebens beruht und die sich in einer erschreckenden Zunahme von Selbstmorden, Jugendlicher und Erwachsener, in unglücklichen Ehen und in einer ständig steigenden Lebens- und Arbeitsuntüchtigkeit der Menschen äußert, rechtfertigt Einrichtungen zur Aufdeckung und Bekämpfung dieser Erscheinungen.

Die kapitalistische Ordnung wird für die Sexualnot verantwortlich gemacht. Dem will die Gesellschaft durch Aufklärung der Massen und weitere Erforschung dieser Zusammenhänge entgegenarbeiten. Ihre Aufgaben sind deshalb Sexualberatung, allgemeine Aufklärung z.B. in öffentlichen Vorträgen, Broschüren, etc. und schließlich sexualwissenschaftliche, d.h. psychoanalytische Forschung.

Mitglied der Gesellschaft könne jeder werden, der sich mit der sozialistischen Weltanschauung identifiziere. Doch stellt sich im Rückblick die Frage, wie Karl Fallend ausführt, inwieweit es Frischaufs und Reichs Gesellschaft möglich war größere Kreise von Linken für sich zu gewinnen. Es zwinge sich der Eindruck auf, daß die Gesellschaft ausschließlich aus dem Umkreis der KPÖ hervorgegangen ist und nur von diesem unterstützt wurde. Nach außen hin gab es zwar keine Verbindungen, aber beispielsweise veröffentlichte ausschließlich die Die Rote Fahne, das Organ der KPÖ, Bekanntmachungen, Anzeigen von und Berichte über die Gesellschaft. Außerdem waren sieben der zehn für die Gesellschaft tätigen Berater Mitglieder der KPÖ. Eduard Kronengold (Kronold) erzählte Fallend, daß er nie Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen sei. Fallend konnte nicht in Erfahrung bringen, ob dies auch auf Edith Buxbaum und Edmund Bergler zutraf.

Aber lassen wir alle Zehn der Reihe nach passieren:

  1. Anny Angel, geboren 1898, eine Jüdin. 1925 war sie Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung geworden. Ihr Analytiker war zunächst Max Eitingon, später Theodor Reik und Reich, der ihr schließlich, im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern, helfen konnte. Sie beendete ihre Analyse bei Anna Freud und wurde später eine Mitarbeiterin von ihr. Sie immigrierte in die USA.
  2. Edmund Bergler. Er kam 1938 in den USA an, wo er 1962 starb.
  3. Eduard Fliegel, geboren 1894, ein Jude. Er war Parteianwalt der KPÖ und vertrat zahllose Kommunisten. 1938 konnte er vor den Nationalsozialisten fliehen.
  4. Marie Frischauf-Pappenheim. Ihre Beratungstätigkeit betraf die Verhütung und Geschlechtskrankheiten.
  5. Annie Reich, Reichs Ehefrau.
  6. Wilhelm Reich.
    1930 kam es zu einigen Veränderungen in der Gesellschaft: Im Mai wird Edmund Bergler nicht mehr in den Verlautbarungen der Gesellschaft erwähnt. Im Herbst kamen Isidor Fassler, Lia Swarowsky und Edith Buxbaum hinzu. Einige Zeit später Eduard Kronengold.
  7. Edith Buxbaum, geboren 1899, eine Jüdin. Schullehrerin. Eine enge persönliche Freundin von Annie Reich. Sie immigrierte 1937 in die USA.
  8. Isidor Fassler, geboren 1887, ein Jude. Wie Frischauf, war auch er für Verhütung und Geschlechtskrankheiten zuständig. Seit 1925 arbeitete er als Hausarzt in Wien, meist für eine arme Klientel. Er war dafür bekannt, daß er Abtreibungen vornahm. Zusammen mit seiner Frau Dora Bleicher war er in der KPÖ aktiv. 1927 war er für die Organisierung der Wiener Zehnjahresfeiern der Russischen Revolution verantwortlich. Wie erwähnt besuchte er zusammen mit Johannes Wertheim 1931 Rußland als Leiter einer Gruppe der Freunde der Sowjetunion. 1938 wurde er von der Gestapo ermordet.
  9. Eduard Kronengold, geboren 1899, ein Jude. Er war Reichs erster Lehranalysant und lebte später in New York.
  10. Lia Swarowsky, geboren 1894. Sie spielte eine gewisse Rolle in Reichs Anfangsjahren in Wien. Siehe Leidenschaft der Jugend. 1921 heiratete sie den Dirigenten Johann Swarowsky. Ihr zweiter Ehemann war der Rechtsanwalt Hugo Knöpfmacher, mit dem sie 1939 in die USA immigrierte. Sie war früher als Reich in die KPÖ involviert.

Es gab zwei Gruppen: Isidor Fassler und Eduard Fliegel hatten neben ihrer Tätigkeit in der Gesellschaft auch Funktionen in der KPÖ inne, aber keinerlei Verbindung zur Psychoanalyse, während der Rest aus der Psychoanalyse kam und insbesondere mit Reich als psychoanalytischem Lehrer verbunden war. Anny Angel, Eduard Kronengold und Annie Reich waren sogar ehemalige Patienten Reichs.

Soweit klingt das alles ziemlich harmlos, jedoch kann man mit einiger Sicherheit sagen, daß Reich hier ein ähnliches Spiel spielte wie im Parallelprojekt „Revolutionäre Sozialdemokraten“. Es ging um den Versuch, die sozialistische Bewegung und andere „fortschrittliche Kräfte“ (insbesondere die in den 20er Jahre boomende „Mentalhygiene-Bewegung“) zu unterwandern und der KPÖ zuzuführen. Offensichtlich scheiterte Reich damit weitgehend in Wien, doch seine unmittelbar anschließenden „Sexpol“-Unternehmungen in Berlin sollten in dieser Hinsicht erfolgreicher sein.

Der 6. Weltkongreß der Komintern vom 17. August bis zum 1. September 1928 in Moskau hatte die Theorie kanonisiert, daß die Sozialdemokraten eine aktive Rolle in der Organisation der faschistischen Diktatur der Bourgeoisie spielen. Aus diesem Grund wurden die Sozialdemokraten zu den Hauptgegnern der Kommunisten erklärt. Daß die Kommunisten gleichzeitig für eine „Einheitsfront“ eintraten, sollte nur dem Ziel dienen, die sozialdemokratischen Partei- und Gewerkschaftsführer von den Massen zu isolieren. (Das war genau Reichs linksextremistische, Stalinistische Vorgehensweise 1928-1930 in Wien und dann 1930-1933 in Berlin, PN.) Innerhalb des Nachrichtendienstes der KPD wurde entsprechend 1929 eine Abteilung für „Republikanische Organisationen“ gegründet, d.h. für sozialdemokratische und „reformerische“ Organisationen. Leiter dieser Abteilung waren Willi Zimmerlich („Zurban“) (1929-1930), Lucian Iltis („Willy“) (1930-1931), Franz Vehlow („Arno“) (1931-1932), danach Franz Feuchtwanger („Schorsch“). (Bernd Kaufmann et al.: Der Nachrichtendienst der KPD 1919-1937, Berlin 1993, S. 215-220).

Diese Abteilung war verantwortlich für Bespitzelung, Unterwanderung und Unterminierung der Kultur- und Sportorganisationen (beispielsweise der deutschen Sexualreform-Bewegung, PN). Um ihr Ziel zu erreichen wurden Kontakte geknüpft, Informanten abgeschöpft, Einflußagenten plaziert und getarntes kommunistisches Propagandamaterial eingeschleust. Ziel war ein Massenübertritt von Sozialdemokraten zur KP. Das kommunistische Propagandamaterial wurde als Schrifttum „oppositioneller Sozialdemokraten“ getarnt (ebd.). Das ist der Hintergrund von Reichs drei Projekten: die „Revolutionären Sozialdemokraten“ und die „Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung“ in Wien und schließlich die „Sexpol“ in Berlin.

Die Frage ist natürlich, ob Reich „im Auftrag der Komintern“, gar „als Agent“ gehandelt hat. In der zweistündigen Schiedsgerichtsverhandlung der SDAP gegen Reich, hatte er sich zur Zusammenarbeit mit Mitgliedern der KP bekannt, zumal Parteiführer der SDAP ja auch mit Mitgliedern der faschistischen „Heimwehr“ sprächen. Eine Woche später kamen auch Rudolf Schurk, Franz Hrach und der Bäckereiarbeiter Johann Lipp, der als Herausgeber zweier Nummern von Der Revolutionäre Sozialdemokrat figuriert hatte, vor das sozialdemokratische Parteigericht, wurden aber nicht ausgeschlossen, da allein Reich die treibende Kraft war. Nach übereinstimmenden Aussagen waren auch die Mitglieder der Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung, als sie Jahrzehnte später befragt wurden, ganz verwundert über ihr Engagement – allein Reich war die treibende Kraft.

Reich wurde nicht „geführt“, er hat geführt. Er wußte, wovon er sprach, als er später vor den Stalinisten (den „Roten Faschisten“) und ihren Methoden warnte und sich vor ihrer gegen die Orgonomie gerichtete Wühlarbeit fürchtete. Diese hat ihn ins Gefängnis gebracht und war damit für seinen verfrühten Tod verantwortlich.

Und noch etwas: Die Psychoanalyse, die kommunistische Bewegung, insbesondere aber Reichs Bemühungen beides zu verbinden, waren eine (fast) rein „jüdische“ Angelegenheit. Für die damaligen Verschwörungstheoretiker (d.h. die Nationalsozialisten) war die Sache eindeutig… Wie Reichs Geschichte mit der Geschichte des Holocaust engstens verwoben ist, habe ich in Der Blaue Faschismus dargestellt. Wenn heute angebliche „Antifaschisten“, die bequem und sicher im linken Mainstream mitschwimmen, Reich zum Heroen des Antifaschismus hochstilisieren, weil sie sich mit seinem Namen schmücken wollen, dann ist das auf so vielen Ebenen einfach nur obszön…


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