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Reich und die moderne Biologie (Teil 1)

7. Dezember 2014

Mancher wird sich an die Aufregung um das „Human Genom Projekt“ erinnern, die Entschlüsselung des „genetischen Codes“ des Menschen, und was für ungeheure Folgen es haben würde: wir würden beginnen so gut wie alles zu verstehen. Die Euphorie hat sich schnell verflüchtigt.

Es wurde berichtet, daß die Entschlüsselung des menschlichen „Epigenoms“ gelungen sei. Thema der Epigenetik ist die Steuerung der Genexpression. Schließlich sind die Gene in jeder Körperzelle, etwa in einer Nierenzelle oder einer Netzhautzelle, identisch und außerdem werden nicht alle Gene von der Zelle gleichzeitig benötigt. Was steuert also die Gene – die doch angeblich den menschlichen Organismen steuern?

Die Wissenschaft erklärt dies heute insbesondere durch Verweis auf die „Methylierung“, mit der wir uns bereits in Die Kinder der Zukunft und die Genetik (Teil 3) und Der zweite Code und die Kinder der Zukunft beschäftigt haben:

An einige DNA-Bausteine hängt der Körper kleine chemische Schalter, Methylgruppen genannt, an und schaltet damit dahinterliegende Gene aus.

Man sieht, die mechanistische Wissenschaft verlagert das Problem lediglich, denn was steuert nun wiederum die „Methylgruppen“?

Wir sind gerade Zeugen einer Revolution in den Biowissenschaften, durch die Reich von neuem im Wesentlichen Recht gegeben wird. Das Ende der erdrückenden Dominanz der Genetik ist nah.

Reich zufolge werden durch das Energiesystem neugeborenes Kind „einige elementare kosmische Funktionsgesetze in den Bereich menschlichen Handelns gebracht.“ Es bilden „sich die Spermatozoen und Eier in den Metazoen (…) durch Kondensation von Orgonenergie im Keimgewebe“ (Die kosmische Überlagerung). Reich fragt „worin konkret sich die Vererbung kundgibt, an welchen biologischen Funktionen sie abläuft.“ und glaubte die, damals noch hypothetischen Gene wären „eigens dazu erdacht die Frage des lebendigen Funktionierens“ zu verhüllen und den Zugang zur formbildenden lebendige Kraft zu verrammeln (Der Krebs).

Und tatsächlich war es zu Reichs Lebzeiten „alles andere als klar, daß diese Einheiten [die Gene] Moleküle in Begriffen der strukturellen Chemie waren.“ (Max Delbrück z.n. J. Herbig: Die Geningenieure, München 1978) Heute sind wir immerhin weiter und kennen die Struktur der Gene genau. Zwar kann man heute noch immer nicht erklären, wie sich neue Arten entwickeln, aber die Konstanz der Arten ist mit Hilfe der Gene erstmals verständlich geworden!

Wissenschaft findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern ist wie jedes menschliche Handeln durch die Charakterstrukturen bestimmt und es will so scheinen, daß die wissenschaftlichen Erfolge bezüglich dieses „konstanten Faktors“ mit der Panzerung der Wissenschaftler zusammenhängen. Man dringt wohl ins Innere der Körperzellen und sogar in die Atomkerne vor, aber die Orgonenergie wird übersehen. Der gepanzerte Mensch nimmt nur das für wahr, was seiner Panzerung entspricht – er nimmt nur das Unbewegliche, das „Unbedingte“ wahr. So ist ihm das Wesentliche bei der Vererbungsfrage durch die Hände geglitten.

Henri Bergson hat in seiner Einführung in die Metaphysik diesen Grundirrtum wie folgt in der Geschichte der Philosophie festgemacht, die unsere Naturwissenschaft geprägt hat: Der Irrtum der antiken Philosophien lag darin,

daß sie immer aus dem menschlichen Geiste so natürlichen Glauben schöpfen, eine Veränderung könne nur Unveränderlichkeiten ausdrücken und entwickeln. Hieraus ergab sich, daß die Aktivität eine abgeschwächte Kontemplation, die Dauer ein trügerisches und bewegliches Bild der unbeweglichen Ewigkeit, die Seele ein Sturz der Idee war. Diese ganze Philosophie, die mit Plato beginnt, um bei Plotin anzulangen, ist die Entwicklung eines Prinzips, das wir folgendermaßen formulieren würden: „Im Unbeweglichen ist mehr enthalten als im Beweglichen, und man gelangt vom Stabilen zum Unstabilen durch eine einfache Verminderung.“ Das Gegenteil aber ist die Wahrheit.

Diese Tradition führte in der Biologie schließlich zur Genetik, die eben keine „reine“ Wissenschaft ist. Eine solche kann es (in einer gepanzerten Gesellschaft) gar nicht geben, da Wissenschaft immer mehr ist als die Ansammlung von Fakten. Die Charakterstruktur filtert diese zwiefach: erstens wird die Faktenauswahl beschränkt, man sucht das Statische, und zweitens wird ohnehin alles im Sinne des Statischen interpretiert, – weil man selber „statisch“ ist, gepanzert.

In seinem Buch Die Selbstorganisation des Universums (München 1982) führt Erich Jantsch aus, daß Bergson sich seinerzeit u.a. gegen die Meinung wandte, menschliches Gedächtnis habe seinen Sitz ausschließlich im Gehirn:

Gedächtnis ist ihm zufolge eine Funktion des Gesamtorganismus. Die Unterscheidung zwischen metabolischem und neuralem Gedächtnis, je nach Art der beteiligten Kommunikationsprozesse, bringt hier Klärung. Die Existenz eines metabolischen Gedächtnisses im Menschen bestätigte sich, als Wilhelm Reich in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts nachwies, daß sich traumatische Erlebnisse nicht nur in der Psyche, sondern auch in Muskelkontraktionen niederschlagen.

Es wäre interessant hier auch den Einfluß des deutschen Zoologen Richard Wolfgang Semon (1859-1918) auf Reich näher zu analysieren, denn wie in der Chronik der Orgonomie erwähnt, gehörte, neben Bergson, auch Semon zu Reichs frühsten wissenschaftlichen Prägungen. Semon hatte angenommen, daß Sinneseindrücke zu permanenten Veränderungen in den Nerven führen. Diese Engramme (Spuren) ermöglichen Semon zufolge die Assoziation und Erinnerung und sie gehen ins Erbgut ein. Alle Engramme zusammen bilden die Mneme, d.h. das biologische Gedächtnis.

Die Lehre von der Vererbung erworbener Eigenschaften hat sich bis zum heutigen Tage, obwohl sie richtig ist, praktisch nicht durchsetzen können. (Der Krebs)

Bei dieser Verteidigung des Lamarckismus dachte Reich wohl an das Schicksal eines seiner wichtigsten frühen Anreger. 1919 hatte Reich den österreichischen Zoologen Paul Kammerer (1880-1926) persönlich kennengelernt, dem es gelungen war, die Vererbung erworbener Eigenschaften an Niederen Tieren und Amphibien experimentell nachzuweisen.

Der Biologe Alexander Vargas von der Universität von Chile ist nach Untersuchung der Laborbücher Kammerers zu dem Schluß gekommen, daß Kammerer ein früher Vertreter der erwähnten Epigenetik war.

An Kammerers Biologievorlesungen erinnerte sich Reich „mit besonderer Vorliebe“. Ilse Ollendorff zufolge führte Reich sein bleibendes Interesse an der Biologie auf Kammerers Wirken zurück. In Der Krebs zitiert er Kammerer ausführlich.

Näheres über Kammerer kann der Leser in Arthur Koestlers Der Krötenküsser (München 1972) finden. Hier sei Kammerer nur kurz zitiert, um einen Eindruck von seiner Grundeinstellung zu vermitteln, die nachhaltig auf Reich gewirkt hat:

Entwicklung ist (…) nicht erbarmungslose Auslese, die alles Lebendige formt und vervollkommnet, nicht verzweifelter Kampf ums Dasein, der allein die Welt beherrscht. Alles Geschaffene strebt vielmehr aus eigener Kraft nach oben dem Lichte und der Lebensfreude zu und begräbt nur Unbrauchbares im Gräberfeld der Selektion.

Anfang der 1920er Jahre war Kammerer einer der berühmtesten aber auch umstrittensten Biologen der Welt. Zu einer Zeit als sich die Eugenik, d.h. die Züchtung wertvollen und die „Ausmerzung“ wertlosen Lebens zunehmend durchsetzte, vertrat Kammerer offensiv einen Lamarckismus, demzufolge beispielsweise die guten Eigenschaften, die eine gute Kindererziehung mit sich bringt, an zukünftige Generationen vererbt wird. Es war nur naheliegend, daß er 1926 an die Kommunistische Akademie der Wissenschaften in Moskau, die Institution für fortschrittliches Gedankengut, berufen wurde.

Leider konnte er diesen Posten nicht mehr ausfüllen, da er infolge des Skandals um einen angeblichen wissenschaftlichen Betrug Selbstmord verübte. Stattdessen wurde Iwan Wladimirowitsch Mitschurin zum führenden sowjetischen Lamarckisten. Unter Mitschurins Einfluß war die Parteilinie seit 1929 offiziell Lamarckistisch. Er stand so hoch in Kurs, daß seine Heimatstadt Koslow nach seinem Tod 1935 in Mitschurinsk umbenannt wurde. So heißt sie heute noch.

Diese Entwicklung war nicht verwunderlich, denn schon Engels hatte davon gesprochen, daß die Bedürfnisse des Vormenschen sich ihre Organe geschaffen hätten. Bereits 1906 hatte Stalin darauf hingewiesen, daß die Theorie des Neo-Lamarckismus an die Stelle des Neo-Darwinismus rücke, denn sie zeige, „wie quantitative Veränderungen qualitative hervorbringen“ (C.D. Darlington: Das Gesetz des Lebens, Wiesbaden 1959).

Als „humanistische Materialisten“ wollten die Sowjetmarxisten die Welt langfristig zum Guten wenden, und dazu bot damals nur der Lamarckismus einen realistischen Ansatzpunkt, wollte man nicht wie die Nazis Menschen züchten. Der Lamarckismus war das Ideal für die über Generationen hinweg in die Zukunft blickenden Erziehungsdiktatoren der Sowjetunion. Aktuelle Verhaltensveränderungen würden sich verewigen und so das Sowjetsystem langfristig absichern.

Es ist nicht verwunderlich, daß der „bürgerliche“ Begründer des Behaviorismus, J.B. Watson, enthusiastisch Kammerers Ergebnisse über die Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften begrüßte. Watson:

Wie viel würde es für die Pädagogen, für die Gesellschaft im allgemeinen bedeuten, wenn [Kammerers Resultate] richtig wären!

Reich reiht sich hier lückenlos ein. Noch 1949 hat Reich den berühmt-berüchtigten Hohenpriester des „Mitschurin-ismus“, Trofim Denissowitsch Lyssenko, in einem Brief an Neill gegen die amerikanischen Genetiker verteidigt. Reich beklagt nur, die Russen hätten rein politische Motive geleitet, die sie zufällig auf die richtige wissenschaftliche Seite geführt hätten.

Neben dem Einfluß des Vitalismus (wie ihn Kammerer vertrat) und des „Dialektischen Materialismus“ auf Reich ist natürlich in vorderster Linie Freud zu nennen. In der Psychoanalyse diente der Lamarckimus hauptsächlich dem Zweck, eine Art Ursünde auf den Grund des Unbewußten zu setzen. So führt Freud (noch ziemlich vage) in Totem und Tabu den Ödipuskomplex auf den „Vatermord in der Urhorde“ zurück, der so quasi angeboren ist. Explizit sollte sich Freud zwei Jahrzehnte später in Der Mann Mosese zum Lamarckimus bekennen, trotz der „gegenwärtigen Einstellung der biolgischen Wissenschaft (…), die von der Vererbung erworbener Eigenschaften auf die Nachkommen nichts wissen will.“

Freud brauchte den Fortbestand von Erinnerungsspuren aus der archaischen Erbschaft, um die Kluft zwischen Individual- und Massenpsychologie überbrücken zu können, d.h. um die Völker wie einzelne Neurotiker behandeln zu können. Freud:

Wir tun damit auch noch etwas anderes. Wir verringern die Kluft, die frühere Zeiten menschlicher Überhebung allzuweit zwischen Mensch und Tier aufgerissen haben. Wenn die sogenannten Instinkte der Tiere, die ihnen gestatten, sich von Anfang an in der neuen Lebenssituation so zu benehmen, als wäre sie eine alte, längst vertraute, wenn dies Instinktleben der Tiere überhaupt eine Erklärung zuläßt, so kann es nur die sein, daß sie die Erfahrung ihrer Art in die neue eigene Existenz mitbringen, also Erinnerungen an das von ihren Voreltern erlebte in sich bewahrt haben. Beim Menschentier wäre es im Grunde auch nicht anders. Den Instinkten der Tiere entspricht seine eigene archaische Erbschaft, sei sie auch von anderem Umfang und Inhalt.

Reich hat sich nie mit dem Mißbrauch des Lamarckismus durch die Stalinisten und Freudianer auseinandergesetzt. Dazu war er zu sehr in der jeweiligen Tradition verankert. Seine Kritik galt ausschließlich dem Mißbrauch des Darwinismus durch rechte reaktionäre Kreise im Sinne der Klassengesellschaft und des Rassenwahns. So unterscheidet Reich 1933 in seiner Massenpsychologie des Faschismus zwischen der Darwinschen Hypothese der natürlichen Zuchtwahl, die von Hitler rassistisch mißbraucht werden konnte, Reich nennt sie „reaktionär“, und dem Darwinschen Nachweis der Abstammung der Arten, der Reich zufolge „revolutionär“ gewesen sei.

lamarck

Lamarcks Vorstellungen wurden bis vor kurzem als wissenschaftliche Kuriosa betrachtet, die keiner ernsten Untersuchung wert seien. Mit Beginn des neuen Jahrtausends scheint sich eine Renaissance des Lamarckismus anzubahnen.

Man kann beispielsweise auf Joachim Klose von der Berliner Charite verweisen. Seiner Meinung nach, können epigenetische Informationen beim Menschen durchaus in die Keimbahn eingehen. Renato Paro vom ETH Zürich untersuchte entsprechendes bei der Fruchtfliege Drosophila. Würden sich diese Forschungsansätze bestätigen, wären die Konsequenzen global. Sogar die Evolution könnte sich schneller und gezielter abgespielt haben, als Darwin es sich vorgestellt hat. Sein verspotteter Gegenspieler Lamarck, der schon vor 190 Jahren von einer Vererbung erworbener Eigenschaften sprach, könnte zu neuen Ehren kommen.

Im letzten Jahrhundert wurde geflissentlich verdrängt, daß Darwin selber mit zunehmendem Alter immer mehr zu einem ausgesprochenen Lamarckisten wurde. Außerdem ging es bei Darwin weniger um die mechanistische Lehre zufälliger Mutation, sondern die natürliche Auslese als schöpferische Instanz stand zentral. Beide, Darwin und, wie wir gesehen haben, Lamarck, wurden schlimm entstellt und vulgarisiert – „mißbrauchsfähig“ gemacht.

Pierre P. Grassé (Evolution, Stuttgart 1973) meint, eine der Hauptmethoden Lamarck kaltzustellen, habe darin bestanden, ihm Behauptungen zuzuschreiben, die er so nie gemacht hatte.

Lamarck wird viel zu wenig gelesen und seine Gedanken wurden in einer so vereinfachten und schematisierten Form dargestellt, daß sie manchmal geradezu lächerlich wirken.

Für Lamarck war weniger die mechanistische Beeinflussung durch die Umwelt, die dann vererbt wird, entscheidend, als vielmehr innerplasmatische Vorgänge. Diese wurden jedoch, so Grassé,

bisher nicht in die Experimente mit einbezogen, die darauf abzielten die Erblichkeit erworbener Merkmale zu beweisen. Sie berücksichtigen vor allem die Umwelt und nicht den Organismus, ihre negativen Ergebnissen sind nur zu gut zu erklären.

Es wird kaum erwähnt, daß Lamarck einen Vervollkommnungstrieb annahm, der bestimmte „Fluida“, vergleichbar mit Bergsons „élan vital“, zu bestimmten Organen leiten bzw. sie von dort ableiten würde. Lamarcks Konzept von den „Fluida“ und einem inneren Drang der die Form bestimmt, erinnert an Reich:

Wachstum in der Längsachse (…) erscheinen (…) als energetische Funktionen des Körperorgons, als Resultate seines inneren Bestrebens, aus dem einengenden Membransack hinauszugelangen. Dabei dehnt sich die Membran und bildet so die vorquellenden Säcke der sich entwickelnden Organe in ihrem Ursprungsstadium. (Die kosmische Überlagerung, S. 64)

Etwa zeitgleich mit Reich entwickelte der Franzose Paul Wintrebert den „chemischen Lamarckismus“. Eine der theoretischen Hauptfragen des Lamarckismus ist, wie erworbene Merkmale der Körperzellen sich den Keimzellen mitteilen und sich dort verankern. Nach Wintrebert vollzieht sich dieser Vorgang in drei Etappen:

  1. In einem Organ bildet sich infolge einer durch das Milieu bewirkten Störung eine Substanz, die mit seinem Verhalten nichts zu tun hat und auf eine chemische Veränderung seiner Mechanismen hindeutet. Diese Substanz zeigt in ihrer Struktur Spuren ihrer Herkunft und wirkt wie ein Antigen.
  2. Es erfolgt eine Reaktion des Haut- und endokrinen Drüsen-Systems. Dieses neutralisiert die pathogene Wirkung des Antigens durch Erzeugung eines spezifischen Gegenstoffes, eines adaptiven Enzyms, das die mangelhafte Funktion anregt und das humorale [durch Blut- und Lymphewege übertragenes] Gleichgewicht wieder herstellt. Dieser Gegenstoff hat den Charakter eines zweckmäßigen und vergänglichen Begleithormons.
  3. Dieses adaptive Hormon verbindet sich gegebenenfalls chemisch mit den Nukleoproteinen des Erbplasmas. (z.n. Jean Rostand: Biologie – Wissenschaft der Zukunft, Darmstadt 1954)

Dabei ist hervorzuheben, daß Wintrebert die beiden ersten Stufen als Werk der lebendigen Substanz betrachtete und nur der dritten Etappe einen rein chemischen Charakter gab. Für Wintrebert bestand die Differenz zwischen Genetikern und Lamarckisten

im wesentlichen darin, daß für die Genetiker das Gen das Protoplasma steuert, während ganz im Gegenteil für die Lamarckisten das Protoplasma über das Gen, das es gebildet hat, verfügt, es verwendet oder nicht, je nachdem, ob in seiner Funktionsweise seine Struktur es dazu veranlaßt oder nicht, sich aufgrund chemischer Affinität mit ihm zu kombinieren. (Grassé)

Für den mechanistischen Genetiker ist die Evolution ein vom Lebensprozeß losgelöster Vorgang – nicht das Leben bildet und benutzt die Gene, sondern die „egoistischen“ Gene benutzen das Protoplasma, um ihre Information in die Ewigkeit weiterzugeben. Es ist das mechanistische Äquivalent einer extrem mystischen Weltsicht, in der eine unsterbliche Seele in der Reihe der „Wiedergeburten“ Körper benutzt.

Für den „aufgeklärten Lamarckisten“ Wintrebert hingegen ist die Evolution

eine Verkettung von Mechanismen, die adaptive Substanzen erzeugen, sie ist die ständige Schöpfung adaptiver Mutationen, die die Umwelt überwinden und die miteinander verkettet sind. Sie sind auf einen einzigen Erbvortrag zu reduzieren, hieße ihren Dynamismus mit der erblichen Kinematik zu verwechseln, aus dem Leben die schöpferische Funktion auszuschalten. (…) Die Evolution ist eine Verkettung von Neubildungen und die Vererbung begnügt sich damit, diese zu investieren. (z.n. Grassé)

Zum Abschluß ein Dokumentarfilm über die Evolution:

Freuds Verdrängung

8. Juni 2014

Seit vielen Jahren wird Freud und die Psychoanalyse grundlegend infrage gestellt. Dazu gehört insbesondere sein Konzept der Verdrängung. Jahrelang habe ich diese Kritik abgetan, bis ich auf folgendes stieß:

Ein von Harrison Pope (Harvard Medical School in Boston) zusammengestelltes Forschungsteam aus Psychologen und Literaturwissenschaftlern hat vor der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert kein einziges Indiz dafür gefunden, daß es so etwas wie „ins Unbewußte abgeschobene Traumata“ gab. Dazu wurde sowohl die Fach- und Sachliteratur als auch Romane, Erzählungen und Gedichte untersucht. Tatsächlich findet sich eines der frühsten Beispiele erst 1859 in einem Roman von Charles Dickens. Das Verdrängen von Erinnerungen sei, so vermutet Pope, kein biologisch-neuropsychologischer Mechanismus, sondern ein Produkt der modernen westlichen Kultur.

Wie soll man dann Reichs Entdeckung erklären, daß mit Auflösung der Panzerung typischerweise (aber nicht notwendigerweise) verdrängte Erinnerungen ins Bewußtsein treten, die mit der Genese der Panzerung in Zusammenhang stehen?

Beispielsweise könnte man spekulieren, daß seit der Aufklärung des 18. Jahrhunderts die „gesellschaftliche Panzerung“ immer brüchiger wurde, was dann in den entsprechenden „revolutionären“ Theorien, beispielsweise jenen Freuds, zum Ausdruck gekommen ist. Diese These hat Reich ansatzweise bereits 1929 in seinem Aufsatz Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse formuliert. Die Gesellschaft war vor 1800 schlicht zu gepanzert, als daß der Verdrängungs-Mechanismus hätte erfaßt werden können.

Ohnehin ging es Reich primär um die Verdrängung im Zusammenhang von Gefühlen.

James Gross (Stanford University, California) und Jane Richards (University of Texas, Austin) zeigten anhand von 57 Freiwilligen, denen ein aufregender Film über eine OP vorgeführt wurde, daß sich diejenigen am besten erinnern, die während eines besonderen Erlebnisses mit ihren Gefühlen dabei sind und sie nicht unterdrücken.

Aus Sicht der Orgonomie kann man davon ausgehen, daß bei den „Gefühllosen“ die Bilder zurückkehren, wenn sich der Krampf löst, der die Gefühle zurückhält.

Doch wirklich überzeugend sind diese Argumente kaum. In einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung von 2007 hieß es beispielsweise:

Tatsächlich gibt es für die Theorie der Verdrängung keine stichhaltigen Belege. So müßte Freud zufolge das Ausmaß des Vergessens bei jenen Menschen besonders groß sein, die Schlimmes erlebt haben und deshalb gewillt sind, das Erlebte aus ihrem Gedächtnis zu tilgen. Das Gegenteil ist der Fall: Sogar jene Erwachsene, die in ihrer Kindheit sexuell mißbraucht wurden, können sich gedanklich nicht von den Inhalten lösen, die an das Trauma erinnern (Behaviour Research and Therapy, Bd. 44, S. 1129, 006). Das Problem ist nicht das Verdrängen, sondern das Nicht-Verdrängen-Können.

Aus eigener Erfahrung mit der Orgontherapie kann ich sagen, daß es gar nicht um die Erinnerung per se geht, sondern um Einsichten hinsichtlich der eigenen Entwicklung. Ob und an welche „Geschichten“ (angebliche „Erinnerungen“) diese sich festmachen, bzw. sozusagen „illustriert werden“, ist sekundär. Ob diese „Erinnerungen“ irgendeiner Realität entsprechen ist gleichgültig, solange mit ihrer Hilfe, die entscheidende therapeutisch wirksame Einsicht vermittelt wird.

Dies wird wohl auch die Grundlage der ja zweifellos vorhandenen Heilungserfolge durch das Freudsche „Bewußtmachen des Verdrängten“ sein. Es geht um die Veränderung stereotyper Sicht-, Denk- und Verhaltensweisen. Es geht um das Wegbrechen von okularer Panzerung durch Gespräche, die zu neuen „Einsichten“ führen. Die „Erinnerungen“, die dabei aus der „Verdrängung“ auftauchen, sind nur eine mehr oder weniger poetische Einkleidung der bioenergetischen Veränderungen im Körper. Sie ähneln darin den Träumen.

Das Tragische bei der ganzen Angelegenheit ist, daß durch den „Freudianischen“ Kult unzählige Leben kaputt gemacht worden sind. All die Familien, die zerstört wurden, weil sich jemand in der Therapie urplötzlich an sexuellen Mißbrauch „erinnert“ hat. Aufgrund dieses Schwachsinns sind vollkommen unschuldige Menschen für viele Jahre ins Gefängnis gewandert!

Es stimmt, daß in seiner Arbeit in der psychoanalytischen Ambulanz für die Armen Reich einer der ersten Psychoanalytiker war, der die Wahrhaftigkeit des sexuellen Kindesmißbrauchs bestätigte. Man siehe die beiden letzten Kapitel von Frühe Schriften und seinen Aufsatz „Eltern als Erzieher“ (Zeitschrift für Psychoanalytische Pädagogik, 1926 und 1927). Aber trotzdem hat sich Reich nie gegen Freuds „Verführungstheorie“ ausgesprochen. Er hat stets die Freudsche Vorstellung verteidigt, daß Kinder sexuelle Wesen sind, die an ihren Eltern sexuelles Interesse zeigen (solange man ihnen kein kindsgerechtes Sexualleben mit Gleichaltrigen ermöglicht). Und was angebliche Erinnerungen an sexuellen Mißbrauch betrifft, verweise auf Reichs Charakteranalyse, wo er sich vehement gegen die Ansicht wendet, der Therapeut ginge in die Zeit zurück, als ob unser Geist wie eine Diskette funktioniere, auf der etwas unveränderlich und abrufbereit gebrannt ist. Es ist alles Panzerung im hier und jetzt.

Wenn bestimmte Körperregionen entpanzert werden, scheint so etwas wie ein „plasmatisches Gedächtnis“ aktiviert zu werden. Erinnerungen an die Geburt oder gar das intrauterine Leben bedeuten nicht, daß es damals bereits ein „Ich“ gab, das sich nun erinnert (die besagte „Diskette“). Nicht mein „Ich“, sondern mein Selbst, d.h. mein Körper war dabei, als ich geboren wurde. Es ist naiv zu glauben, damals wäre etwas abgespeichert worden, was sich später wieder abrufen läßt. Erinnerungen sind, streng orgonomisch betrachtet, nur eine aktuelle Folgeerscheinung der Art, wie in der Vergangenheit sich die bioenergetische und physische Grundlage des aktuellen Ich formierte. Die Erinnerungen sind in der Muskelpanzerung eingeschlossen, weshalb es Sinn macht, wenn sich „ungepanzerte“ Schizophrene verhältnismäßig gut erinnern, diese Gabe aber verlorengeht, wenn sie sich im Verlauf der Therapie abpanzern.

Als Medizinstudent wurde Reich von R.W. Semon beeinflußt, nach dem Sinneseindrücke zu permanenten Veränderungen in den Nerven führen. Diese Engramme (Spuren) ermöglichen nach Semon die Assoziation und Erinnerung und sie gehen ins Erbgut ein. Alle Engramme zusammen bilden die Mneme, d.h. das biologische Gedächtnis. Später glaubte Reich im Anschluß an Freud, daß der „Wiederholungszwang“, Lust immer wieder erfahren zu wollen, „ein wesentliches Stück des Problems des Gedächtnisses ausmachen (dürfte)“ (Charakteranalyse, Fischer TB, S. 288). Schließlich, 1950, mußte er nach dem Gedächtnis gefragt jedoch kleinmütig einräumen: „Ich muß ehrlich zugeben, daß ich nichts darüber weiß“ („Processes of Integration in the Newborn and the Schizophrenic”, Orgonomic Functionalism, Vol. 6, 1996, S. 63).

Charles Konia geht davon aus, daß die Wahrnehmungsfunktion entsteht, wenn sich die organismische Orgonenergie vom kosmischen Orgonenergie-Ozean mittels einer Membran trennt. Die „Innenwelt“ nimmt Kontakt mit der „Außenwelt“ auf, wobei sich die Wahrnehmung (und die mit ihr verbundene Erregung) bionartig in subzellularen Gebilden organisiert, die Zentren „plasmatischer ‘Erinnerung’“ bilden. Das Protoplasma kann sich dann auf der einen Seite zu Genen organisieren (DNA), auf der anderen Seite zum Gehirn (Nervenzellen) („The Perceptual Function“, Journal of Orgonomy, 18(1), 1984, S. 80-98), primär ist jedoch das „plasmatische Gedächtnis“.

protomemory

Gekreuzigt schon im Mutterleib

21. Mai 2014

In seinem Interview mit Kurt Eissler (Reich Speaks of Freud) sagt Reich 1952 über die Beschneidung:

Nehme den armen Penis, nimm ein Messer und fange an zu schneiden. Und jeder sagt, „es tut nicht weh“. Verstehen Sie? Alle sagen nein, es tut nicht weh. Das ist eine Entschuldigung, klar, eine Ausrede: daß die Nervenenden sich noch nicht entwickelt hätten, weshalb sich die Wahrnehmung in den Nerven noch nicht entwickelt hätte und deshalb das Kind nichts spüren würde. Nun, das ist Mord.

In dem Übersichtsartikel Wie Ungeborene auf Schmerzen reagieren berichtet Erich Lederer beispielsweise über die Forschungen zum kindlichen Schmerzgedächtnis von Anna Taddio (University of Toronto):

Viele Jungen – in Deutschland sind es rund 15 Prozent – werden beschnitten. Wie die Kinderärztin herausfand, schreien Babys bei einer späteren Impfung viel länger, wenn man sie bei der Entfernung der Vorhaut nicht mit einer schmerzstillenden Creme behandelt. Ängste und Depressionen oder Abstumpfung beobachten Kinderärzte immer wieder bei Kindern, die ganz früh unvorbereitet gepiekst, geschnitten oder intubiert wurden.

Lederer fährt fort:

Möglicherweise reicht dieses Schmerzgedächtnis noch weiter in die Entwicklung des ungeborenen Kindes zurück in eine Zeit, in der ein Fötus den Schmerz zwar noch nicht spürt aber dennoch darauf reagiert. Sunny Anand vermutet, dass entsprechende Eindrücke schon vor der 20. Woche zu fehlerhaften Nervenverbindungen und damit zu einer Überreaktion bei späteren Reizen führen.

Man lese den gesamten Artikel! Bemerkenswerterweise wird dort zwar die Folter von Föten besprochen, mit keinem Wort jedoch der millionenfache Massenmord an ihnen. Undenkbar, das das in einem „fortschrittlichen“ Blatt wie dem Spiegel thematisiert wird.

Wiederholt habe ich mich damit befaßt, daß Tiere, die von ihrer Gehirnkapazität dazu eigentlich nicht in der Lage sein sollten, zu erstaunlichen „kognitiven“ Leistungen fähig sind. Das zeigt sich auch in der Ontogenese. Auf einer primitiven Entwicklungsstufe, d.h. noch im Mutterleib, wenn das Gehirn kaum ausgereift ist, zeigt der Mensch erstaunliche Gaben, die an sich nur mit einem voll entwickeltem Gehirn möglich sind.

Jan Nijhuis und seine Kollegen vom medizinischen Zentrum der Universität in Maastricht et al. konnten zeigen, daß bereits 30 Wochen alte Föten ein Kurzzeitgedächtnis besitzen. Sie können sich mindestens zehn Minuten lang Ereignisse merken.

Als Maß für das Kurzzeitgedächtnis diente den Forschern der sogenannte „Habituationseffekt“. Es wurde gemessen, wie lange die Föten brauchten, um nicht mehr auf einen Reiz aus Vibrationen und Tönen zu reagieren, weil sie ihn als ungefährlich erkannt hatten.

Dergestalt untersuchten die Forscher Föten in der 30, 32, 34, 36 und 38 Schwangerschaftswoche. 34wöchige Föten schienen sich an das erinnern zu können, was sie vier Wochen zuvor gelernt hatten.

Wir kommen nicht als weiße Blätter auf die Welt, vielmehr hat die Umwelt (in diesem Fall die Gebärmutter) bereits tiefe Spuren in uns hinterlassen. Für Reich begann das Projekt „Kinder der Zukunft“ entsprechend nicht erst mit der Geburt, sondern bereits mit dem Zeitpunkt der Empfängnis. Es geht hier nicht nur um stoffliche schädliche Einflüsse, etwa durch Alkohol und andere toxische Chemikalien, wie sie die Medizin seit langem kennt, sondern vor allem um Einflüsse auf die rudimentäre „Psyche“ des sich entwickelnden Menschen.

Agens dieser Beeinflussung ist die organismische Orgonenergie, deren primordiale Wahrnehmungsfunktion sich im entwickelnden Gehirn organisiert und strukturiert.

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Die Kinder der Zukunft und die Genetik (Teil 2)

29. November 2013

Reichs Alternative zur Genetik, war die „transgenerationale Epigenetik“, d.h. er wollte die Frage der Vererbung durch die Erfahrungen des Embryos im Uterus erklären. Siehe den Abschnitt „Eine Bemerkung zur Vererbungsfrage“ in Der Krebs.

Junko Arai (Tufts University, Boston) et al. ist der definitive Nachweis dieser Art der Vererbung gelungen. Sie konnten zeigen, daß Mäuse mit einem genetisch bedingten Gedächtnisdefekt nicht nur diesen Fehler in der DNA erben, sondern auch, was die Eltern gelernt haben. Der Effekt zeigte sich sowohl im Verhalten der Tiere als auch in physiologischen Untersuchungen ihrer Gehirnzellen:

Die untersuchten Mäuse hatten einen Defekt in einem Gen namens Ras-GFR1, der ihr Erinnerungsvermögen beeinträchtigte. Sie zeigten nach 24 Stunden keine Angst mehr vor Orten, an denen sie zuvor Stromschläge erhalten hatten – gesunde Artgenossen erinnerten sich dagegen nur zu gut daran. Die Gedächtnisschwäche wurde jedoch vollständig geheilt, wenn die Forscher die Mäuse kurz nach Geburt für zwei Wochen einer besonderen Umgebung aussetzten: Bunte Spielsachen, Bewegung und der Kontakt mit anderen Mäusen regten die Gedächtnistätigkeit an. Auch die gemessene Aktivität in der betroffenen Hirnregion normalisierte sich dadurch vollständig.

Die US-Forscher waren nun einigermaßen konsterniert, als sie feststellen mußten, daß auch Jungtiere von der Therapie profitierten, die nicht sie selbst, sondern ihre Mütter Monate zuvor erfahren hatten.

Obwohl die Tiere denselben Gendefekt trugen und direkt nach Geburt von ihrer Mutter getrennt wurden, wiesen sie für über einen Monat eine normale Gedächtnisaktivität auf. Das von der Mutter Erlernte wurde also während der Schwangerschaft auf die Nachkommen übertragen.

Die (1.) individuelle Erinnerung, (2.) die kulturelle Erinnerung (Mneme), (3.) die oben beschriebene epigenetische Vererbung und schließlich (4.) die genetische Vererbung sind in einer Hinsicht funktionell identisch:

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Siehe dazu meine Ausführungen in Biopathien und die Gene.

Um das Projekt „Kinder der Zukunft“ erfolgreich bewältigen zu können, müssen alle vier Ebenen bewältigt werden. Das umfaßt (1.) die Psychotherapie des Einzelnen, (2.) die Aufklärung der Gesellschaft, (3.) eine umfassende perinatale Betreuung und (4.) eine individuelle Betrachtung des „Stoffes“ aus dem jeder Einzelne von uns gemacht ist (diesen Punkt habe ich in Teil 1 ausgeführt).

Der Schlüssel zur angewandten Magie

11. März 2013

Der Antichrist, Aleister Crowley, wurde einmal gefragt, was denn nun die Magie eigentlich ausmache, für die er so berühmt sei. Man erwartete sicherlich irgendwelche Zauberkunststücke oder okkulten Firlefanz. Vielmehr nahm Crowley die hochnäsigen Skeptiker mit zu einem Spaziergang durch den Finanzdistrikt von London. Er folgte einem distinguierten Banker, einem echten englischen Gentleman, durch die Straßen, wobei Crowley dessen Schritt, Gesten, Gehabe peinlich genau kopierte. Unvermittelt stauchelte Crowley willentlich und stürzte auf den Gehweg. Gleichzeitig geschah mit dem Banker, der gar nicht sehen konnte, was hinter ihm geschah, exakt dasselbe. Das ist Magie!

Es geht darum aus zwei Objekten eines zu machen. Wenn ich etwa die Voodoo-Puppe mit der Nadel steche, spürt das die Person, die mit dieser Puppe – identisch ist. Die Frage ist natürlich, was in diesem Zusammenhang „Identität“ konkret bedeutet.

Magie beruht auf der quasi Platonistischen Vorstellung, daß die materielle Welt, die von Raum (das „Nebeneinander“) und Zeit (das „Nacheinander“) bestimmt wird, ein „feinstoffliches“ Doppel hat. Eine „Hinterwelt“; in der es keine räumlichen und zeitlichen (und damit auch keine logischen) Beschränkungen gibt, ähnlich dem Freudschen Unbewußten, das eine Jungsche Wendung genommen hat. Der Mensch könne in diesen Bereich durch seinen Willen oder besser gesagt durch seine Intention hineinwirken: durch Postulate. Also so, wie wir auch sonst mit „Feinstofflichen“, etwa unseren eigenen Gedanken umgehen. Crowleys oben beschriebenes Kunststück wird also nur dem gelingen, der willensstark genug ist, um gottgleich „postulieren“ zu können. „Und Gott sprach: Es werde Licht!“ (Das erklärt auch den „satanistischen“ Aspekt, den Magie stets unweigerlich annimmt: das Geschöpf stellt sich an die Stelle des Schöpfers. Es erklärt damit auch, warum Leute wie Crowley „die Widernatur“, etwa die Homosexualität, extreme Antimoral oder Drogenmißbrauch, derartig zelebrierten.)

Wie das ganze erklären, wenn man es nicht „skeptisch“ als Blödsinn abtun will, was mit gutem Gewissen nur jener weltfremde Ignorant tun kann, der derartiges nie gesehen oder gar selbst erlebt hat?

Aus orgonometrischer Sicht gibt es neben der Funktion „Bewegung“, die durch die Größen Raum und Zeit vollständig beschrieben werden kann, die Funktion „koexistierende Wirkung“, die sich außerhalb des Nebeneinander und Nacheinander befindet.

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Diese Entwicklungsgleichung läßt sich mit Hilfe dreier Funktionsgleichungen beschreiben, einer homogenen und zwei heterogenen:

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transtl

translt

Im Bereich der Bewegung sind t (Zeit) und L (Länge, Raum) zwei einfache Variationen: v = L/t

Im Bereich der koexistierenden Wirkung hingegen handelt es sich um heterogene Funktionen, die ineinander übergehen können. Wie das praktisch aussieht, kann man sich an den folgenden beiden Beispielen vergegenwärtigen:

  • Jede Art von „Gedächtnis“ ist ein Übergang von einem Nacheinander in ein Nebeneinander.
  • Galaxien, die Tausende von Lichtjahren umfassen, funktionieren einheitlich, weil es zu einem Übergang von einem Nebeneinander zu einem Nacheinander kommt.

Das wirkt als gäbe es „unterhalb“ (oder „oberhalb“?) der Welt der Bewegung eine zweite Welt, in der Raum und Zeit nicht trennen. Das ganze wird in dem Augenblick zum Mystizismus, wenn geglaubt wird, daß der Wille oder die Intention hier so wirken, wie im mechanischen Bereich Gegenstände aufeinander wirken. Wir haben es in diesem Bereich jedoch tatsächlich mit einer Welt zu tun, in dem der Wille nur wirken kann, wenn er in die autonomen Funktionen nicht eingreift. Diese „Magie“ habe ich vor kurzem beschrieben. Genau aus diesem Grund wird die Magie aber auch nie so funktionieren, wie etwa Nikolai Levashov behauptet hat. Und genau das ist das Problem: Man wird durch beeindruckende Vorführungen wie die Crowleys überzeugt, wenn man sich aber darauf verläßt, daß die Methode funktioniert, ist man verraten und verkauft. Im Bereich der „Geistheilung“ haben für diese Erkenntnis viele mit ihrem Leben bezahlt. Crowley selbst konnte die Geister nicht mehr kontrollieren, die er gerufen hatte und ist verarmt und verzweifelt als Drogenwrack gestorben.

Kifferalzheimer

3. März 2012

Pressemitteilung des American College of Orgonomy.

“Marijuana is harmless because it’s just a plant. It’s natural.” “You can’t get addicted to pot.” “Alcohol is much more dangerous than marijuana.” These and other common misconceptions about marijuana use will be discussed on Saturday, March 31, 2012 by nationally recognized substance abuse expert Richard Ryan and psychologist Dee Apple at the presentation, “Clearing the Air: Facts & Fictions about Marijuana” at the Paul Robeson Center for the Arts, 102 Witherspoon Street, Princeton, NJ from 4:00PM to 6:00PM.

With daily marijuana use among high school seniors at a 30-year high, and students experimenting with its use at younger and younger ages, this presentation is a must for young people, concerned parents and anyone who cares about the future of our country. The talk is part of a series of social orgonomy talks sponsored by the American College of Orgonomy (ACO).

Richard J.T. Ryan, M.A. co-founded Creative Drug Education, in Middlesex County, Massachusetts in 1981, which is now based in Colorado. Having written and implemented a successful curriculum on substance use and abuse issues in the state of Maine, Creative Drug Education quickly expanded into the private sector of education, focusing on providing alcohol (and other drug) use and abuse awareness and prevention programs to schools throughout the United States.

Dr. Apple is a clinical psychologist in private practice in Princeton and is the director of psychological services at the Lawrenceville School. He graduated from the University of North Carolina with a B.A.in psychology, received his M.A. and Ph.D. degrees from the University of South Dakota, and completed his training at the Medical College of Virginia. He is a Member of the Board of Regents and Clinical Associate of the ACO, a member of the college’s social orgonomy committee, Director of both the College’s CORE research group and of the ACO’s Introductory Laboratory Workshop in Orgonomic Science. Dr. Apple has authored articles on a wide range of topics in the Journal of Orgonomy. He is available for interviews prior to the event.

Cannabis schränkt die orgonotische Erstrahlung des Organismus ein. Die „Aura“ des Körpers wird schwächer, verliert an Kohärenz und wird „schmutzig“(DOR), die Augen hören auf zu „strahlen“.

Ich will hier auf zwei Folgen des Kiffens eingehen, die unmittelbar mit der Einschränkung der Erstrahlung zusammenhängen: die menschlichen Vermögen des „Aufrechtstehes“, das, was man im Amerikanischen so schön umfassend als „being square“ beschreibt, und des „Erinnerns“ (Gedächtnis).

Daß diese drei Funktionen zusammengehören, sieht man unmittelbar am gewöhnlichen Alterungsvorgang, der sich primär in zwei Phänomenen zeigt: der Körper fällt in sich zusammen und die geistigen Funktionen, insbesondere das Kurzzeitgedächtnis, lassen nach:

Funktionen der „Erstrahlung“ lassen sich mit heterogenen orgonometrischen Gleichungen darstellen (im Funktionsbereich „Bewegung“ würde das anders aussehen!), die das Verhältnis von Raum und Zeit beschreiben:

Kiffer werden träge und „sacken in sich zusammen“. Es ist als könnten sie mangels eigener orgonotischer Ladung („Antischwerkraft“) nicht mehr dem Zug der Schwerkraft widerstehen.

Gravitation läßt sich, da sie eine Funktion der Erstrahlung ist, orgonometrisch wie folgt beschreiben:

Es geht hier um die Aufhebung der räumlichen Trennung („Länge L wird in Zeit t überführt“), was wiederum (u.a.) die Grundlage der Gravitation ist.

Das Gedächtnis hat seine primordiale Grundlage in folgender orgonometrischer Gleichung:

„Zeit t wird in Länge L“ überführt, d.h. speziell hier, daß Information gespeichert wird.

Wie gesagt sind diese beiden Funktionen von der tieferliegenden und umfassenderen Funktion Erstrahlung abhängig.

Cannabis hat verheerende Auswirkungen auf das „Arbeitsgedächtnis“, das man beispielsweise braucht, um einen Satz zu verstehen und komplizierte Sachverhalte nachzuvollziehen. Nun haben der Franzose Giovanni Marsicano vom INSERM und die Kanadierin Xia Zhang (University of Ottawa) herausgefunden, daß das Arbeitsgedächtnis überraschenderweise nicht etwa dadurch gestört wird, daß das THC direkt auf die Nervenzellen wirkt, sondern auf die spinnenförmig verzweigten und untereinander ein enges Netzwerk bildenden „Astrozyten“. Das sind die Zellen, die die Neuronen ernähren und unterstützen, indem sie eine vermittelnde Rolle zwischen der Blut-Hirn-Schranke und den Nervenzellen einnehmen.

„Wir haben jetzt den ersten Beweis erbracht, daß Astrozyten das Arbeitsgedächtnis direkt beeinflussen“, sagt Xia Zhang (…). „Daß die unterstützenden Zellen in Wirklichkeit eine führende Rolle einnehmen, ist die größte Entdeckung unserer Forschung. Das ist einfach unglaublich“, freut sich Zhang. Ob die lange unterschätzten Astrozyten auch in anderen Bereichen des Gedächtnisses eine Rolle spielen, muß noch untersucht werden.

Aus orgonomischer Sicht deutet dies darauf hin, daß das Gedächtnis nicht mechanisch auf einer Art „Festplatte“ (die Neuronen) gespeicherte Information ist, sondern tiefer im Körper verankert ist. Oder anders ausgedrückt: diese Forschungsergebnisse verweisen nicht auf den (wie auch immer aufgefaßten) „Geist“, sondern auf die Bioenergie!


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