Der Antichrist, Aleister Crowley, wurde einmal gefragt, was denn nun die Magie eigentlich ausmache, für die er so berühmt sei. Man erwartete sicherlich irgendwelche Zauberkunststücke oder okkulten Firlefanz. Vielmehr nahm Crowley die hochnäsigen Skeptiker mit zu einem Spaziergang durch den Finanzdistrikt von London. Er folgte einem distinguierten Banker, einem echten englischen Gentleman, durch die Straßen, wobei Crowley dessen Schritt, Gesten, Gehabe peinlich genau kopierte. Unvermittelt stauchelte Crowley willentlich und stürzte auf den Gehweg. Gleichzeitig geschah mit dem Banker, der gar nicht sehen konnte, was hinter ihm geschah, exakt dasselbe. Das ist Magie!
Es geht darum aus zwei Objekten eines zu machen. Wenn ich etwa die Voodoo-Puppe mit der Nadel steche, spürt das die Person, die mit dieser Puppe – identisch ist. Die Frage ist natürlich, was in diesem Zusammenhang „Identität“ konkret bedeutet.
Magie beruht auf der quasi Platonistischen Vorstellung, daß die materielle Welt, die von Raum (das „Nebeneinander“) und Zeit (das „Nacheinander“) bestimmt wird, ein „feinstoffliches“ Doppel hat. Eine „Hinterwelt“; in der es keine räumlichen und zeitlichen (und damit auch keine logischen) Beschränkungen gibt, ähnlich dem Freudschen Unbewußten, das eine Jungsche Wendung genommen hat. Der Mensch könne in diesen Bereich durch seinen Willen oder besser gesagt durch seine Intention hineinwirken: durch Postulate. Also so, wie wir auch sonst mit „Feinstofflichen“, etwa unseren eigenen Gedanken umgehen. Crowleys oben beschriebenes Kunststück wird also nur dem gelingen, der willensstark genug ist, um gottgleich „postulieren“ zu können. „Und Gott sprach: Es werde Licht!“ (Das erklärt auch den „satanistischen“ Aspekt, den Magie stets unweigerlich annimmt: das Geschöpf stellt sich an die Stelle des Schöpfers. Es erklärt damit auch, warum Leute wie Crowley „die Widernatur“, etwa die Homosexualität, extreme Antimoral oder Drogenmißbrauch, derartig zelebrierten.)
Wie das ganze erklären, wenn man es nicht „skeptisch“ als Blödsinn abtun will, was mit gutem Gewissen nur jener weltfremde Ignorant tun kann, der derartiges nie gesehen oder gar selbst erlebt hat?
Aus orgonometrischer Sicht gibt es neben der Funktion „Bewegung“, die durch die Größen Raum und Zeit vollständig beschrieben werden kann, die Funktion „koexistierende Wirkung“, die sich außerhalb des Nebeneinander und Nacheinander befindet.
Diese Entwicklungsgleichung läßt sich mit Hilfe dreier Funktionsgleichungen beschreiben, einer homogenen und zwei heterogenen:
Im Bereich der Bewegung sind t (Zeit) und L (Länge, Raum) zwei einfache Variationen: v = L/t
Im Bereich der koexistierenden Wirkung hingegen handelt es sich um heterogene Funktionen, die ineinander übergehen können. Wie das praktisch aussieht, kann man sich an den folgenden beiden Beispielen vergegenwärtigen:
- Jede Art von „Gedächtnis“ ist ein Übergang von einem Nacheinander in ein Nebeneinander.
- Galaxien, die Tausende von Lichtjahren umfassen, funktionieren einheitlich, weil es zu einem Übergang von einem Nebeneinander zu einem Nacheinander kommt.
Das wirkt als gäbe es „unterhalb“ (oder „oberhalb“?) der Welt der Bewegung eine zweite Welt, in der Raum und Zeit nicht trennen. Das ganze wird in dem Augenblick zum Mystizismus, wenn geglaubt wird, daß der Wille oder die Intention hier so wirken, wie im mechanischen Bereich Gegenstände aufeinander wirken. Wir haben es in diesem Bereich jedoch tatsächlich mit einer Welt zu tun, in dem der Wille nur wirken kann, wenn er in die autonomen Funktionen nicht eingreift. Diese „Magie“ habe ich vor kurzem beschrieben. Genau aus diesem Grund wird die Magie aber auch nie so funktionieren, wie etwa Nikolai Levashov behauptet hat. Und genau das ist das Problem: Man wird durch beeindruckende Vorführungen wie die Crowleys überzeugt, wenn man sich aber darauf verläßt, daß die Methode funktioniert, ist man verraten und verkauft. Im Bereich der „Geistheilung“ haben für diese Erkenntnis viele mit ihrem Leben bezahlt. Crowley selbst konnte die Geister nicht mehr kontrollieren, die er gerufen hatte und ist verarmt und verzweifelt als Drogenwrack gestorben.











