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In fünf Schritten durch das Universum: Reichs Leben als Naturforscher

27. Februar 2013

Wie an anderer Stelle erwähnt, setzt sich die orgonomische Wissenschaft aus fünf Bereichen zusammen: 1. Medizin, 2. Soziologie, 3. Biologie, 4. Physik und 5. Kosmologie.

  1. MEDIZIN: Zwischen 1919 und 1927 war Reich Psychoanalytiker und nichts außerdem. Er entwickelte die Orgasmustheorie und arbeitete die Charakteranalyse heraus. Der Organismus des Neurotikers ist krank, weil sich dem natürlichen Trieb, der entladen werden will, die Triebabwehr entgegenstellt. Das dynamische Gleichgewicht zwischen Trieb und Triebabwehr konstituiert den Charakterpanzer, der in der Charakteranalyse aufgebrochen werden soll, um eine ungestörte Triebökonomie zu ermöglichen („orgastische Potenz“). Der Panzer ist (abgesehen von Erbkrankheiten, Vergiftungen, Unfällen, etc.) für sämtliche psychologischen, psychiatrischen und medizinischen Leiden verantwortlich.
  2. SOZIOLOGIE: Zwischen 1928 und 1933 beschäftigte sich Reich neben der Medizin vor allem mit der sozialen Verursachung der Triebabwehr. Wie entstand die sexualfeindliche, „gepanzerte“ Gesellschaft? (Studie über die Trobriander) Wie ist eine sexualbejahende, „ungepanzerte“ Gesellschaft wieder herzustellen? (Studien über Sexualreform, den Faschismus und die Sowjetunion)
  3. BIOLOGIE: Zwischen 1934 und 1939 untersuchte Reich neben seinen medizinischen und soziologischen Studien den Trieb der Trieb-Triebabwehr-Dichotomie. Als Ergebnis einer erfolgreich verlaufenden Charakteranalyse hatten seine Patienten über „vegetative Strömungen“ berichtet, die Reich objektivieren wollte. In seinen „bio-elektrischen Untersuchungen über Sexualität und Angst“ maß er den Potentialunterschied zwischen der Hautoberfläche und dem Gewebe unterhalb der Haut. Er entdeckte, daß bei Lustempfindungen die Lebensenergie nach außen hin expandiert, während sie bei Unlustempfindungen (insbesondere Angst) nach innen hin kontrahiert. In einer zweiten Versuchsreihe versuchte er diese „Plasmabewegung“ unmittelbar unter dem Mikroskop bei durchsichtigen Mikroorganismen, insbesondere Amöben, direkt zu beobachten. Bei den entsprechenden Experimenten entdeckte er, daß nicht Zellen, sondern einfache Energiebläschen die kleinste Lebenseinheit darstellen. An diesen „Bionen“ entdeckte er schließlich eine Strahlung, die „Orgonstrahlung“, die sozusagen die Substanz der vegetativen Strömung ausmacht: es handelt sich um das Fließen von „Orgonenergie“ durch den Körper.
  4. PHYSIK: Zwischen 1940 und 1950 beschäftigte sich Reich neben seinen medizinischen, soziologischen und biologischen Studien mit den physikalischen Eigenschaften der von ihm entdeckten neuen Energieform Orgon. In erster Linie ging es dabei um die Untersuchung des von ihm konstruierten „Orgonenergie-Akkumulators“, der beispielsweise in seinem inneren wärmer ist als die Umgebung und in dem sich ein aufgeladenes Elektroskop langsamer entlädt als außerhalb des Akkumulators.
  5. KOSMOLOGIE: Zwischen 1951 und 1957 beschäftigte sich Reich neben seinen medizinischen, soziologischen, biologischen und physikalischen Studien mit einem Bereich, den er als „cosmic orgone engineering“ bezeichnete. Dabei ging es prinzipiell um zwei Forschungsrichtungen: die „kosmische Überlagerung“ und das ORANUR-Experiment, die sich jeweils damit beschäftigen, wie sich die Orgonenergie bei Erregung verhält. Verkürzt ausgedrückt, kommt es im kosmischen Orgonenergie-Ozean zur spiralförmigen Überlagerung von Orgonenergie-Strömen, die sich gegenseitig anziehen und erregen. Man denke in diesem Zusammenhang an eine typische Spiralgalaxie. Aus dieser Überlagerung geht Materie hervor. Diese Materie kann einen „Störfaktor“ im Orgonenergie-Ozean darstellen, insbesondere wenn sie wieder zerfällt („Radioaktivität“), wodurch es zu einer Übererregung der ursprünglichen Orgonenergie kommt, an deren Ende eine abgestorbene, toxische Form der Orgonenergie („OR“) steht, das „DOR“ (deadly orgone energy). Der OR-DOR-Metabolismus und die kosmische Überlagerung sind Inhalt des besagten Cosmic Orgone Engineering (CORE) und umfassen die vier anderen Bereiche der orgonomischen Wissenschaft.

reichswegfunf

Um die Biologie zu verstehen, ist funktionelles Denken notwendig

16. Oktober 2012

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über das mechano-mystische Denken in der Biologie:

Um die Biologie zu verstehen, ist funktionelles Denken notwendig

The Journal of Orgonomy (Vol. 28, No. 1, Spring/Summer 1994)

30. Juli 2012

Ich kann mich gut erinnern, daß wir beim Biologieunterricht auf dem Gymnasium fast die gleiche Tabelle des Autonomen Nervensystems durchgegangen sind, wie sie Reich Mitte der 1930er Jahre in Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst abgedruckt hat:

Die Lehrerin meinte, man habe wohl oft behauptet, die parasympathische Reaktion stehe für Expansion, die sympathische für Kontraktion, aber wenn man die Tabelle durchgehe, sehe man schnell, daß das einfach nicht stimme, denn beispielsweise kontrahiert die Iris bei einer parasympathischen Innervation, während sich die Arterien erweitern.

An diesem Beispiel sieht man sehr schön den Unterschied zwischen dem mechano-mystischen und dem funktionalistischen Denken. Die Biologin denkt mystisch in Absolutheiten, sozusagen in „Platonistischen Ideen“: „Expansion an sich“ gegen „Kontraktion an sich“. Dann schaut sie mechanistisch auf die vermeintliche „Wirklichkeit“ und sieht keine bzw. nur vage Korrelationen. Sie mutiert zur „Skeptikerin“ und wischt die Idee „Expansion gegen Kontraktion“ verächtlich vom Tisch.

Der Funktionalist hingegen sieht die einzelnen Innervationen durch das Autonome Nervensystem im funktionellen Zusammenhang. Es ist hoffnungslos, dies der besagten Biologin erklären zu wollen, weil ihr aufgrund ihrer Panzerung das Konzept „gesamtorganismisches Funktionieren“ sowieso wesensfremd ist.

Charles Konia beschäftigt sich in „The Plasmatic System, Part II: The Endocrine System“ (S. 4-22) mit den Hormonen, die in die Blutbahn ausgeschüttet werden und die durchweg der parasympathischen Funktion (Ladung) bzw. der sympathischen Funktion (Entladung) zugeordnet werden können.

Der parasympathischen Funktion entspricht

  1. einer Senkung des Blutzuckerspiegels und Kalziumspiegels durch Insulin bzw. Calcitonin;
  2. einer Senkung des Plasmavolumens durch Hemmung von Aldosteron und Cortisol; und
  3. einer Erhöhung der Keimdrüsenhormone.

Die sympathische Funktion entspricht:

  1. einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels und Kalziumspiegels durch Glucagon bzw. Parathormon;
  2. einer Erhöhung des Plasmavolumens durch Stimulierung von Aldosteron und Cortisol; und
  3. einer Senkung der Keimdrüsenhormone.

Konia, der des weiteren die Beziehung zwischen Hormonen und Rezeptoren auf die primordiale orgonotische Wahrnehmungsfunktion zurückführt, schließt:

Das funktionelle Denken erlaubt es, die zahlreichen spezifischen biochemischen Reaktionen innerhalb dieses Rahmens einzuordnen. Das umfaßt ein Verständnis der Entwicklung des biologischen Funktionierens vom Einfachen ausgehend hin zum Komplexen. Zugegebenermaßen ist das ein sehr ehrgeiziges Projekt. Seine Durchführung wird ein tiefschürfendes Bild von biologischen Funktionen bieten, das den gegenwärtigen mechano-mystischen Theorien überlegen ist.

Grundelemente einer orgonomischen Soziologie (Teil 1)

19. Juli 2012

Was ist Soziologie etwa im Verhältnis zur Humanethologie? Jeder „verhält“ sich irgendwie, selbst Tiere haben ein „Verhalten“. Soziologie kommt ins Spiel, wenn es um intentionales Verhalten geht, d.h. um Handlungen. Sie steht damit in der Mitte zwischen Biologie auf der einen und Psychologie auf der anderen Seite:

Biologie ist hierbei der umfassendste und tiefste Bereich, die Psychologie der eingeschränkteste und oberflächlichste. Wenn wir Reichs wissenschaftliche Entwicklung verfolgen, hat er sich in der obigen Darstellung von rechts nach links entwickelt: Psychoanalyse → Marxismus → sexualökonomische Lebensforschung. Entsprechend verlagerte sich im Laufe der Jahre das Zentrum seiner Aufmerksamkeit: Intentionen → Handlungen → Verhalten.

In seiner „sexualökonomischen Lebensforschung“ fand Reich, daß das Lebendige „nur funktioniert“. Intentionen sind eine nachgeschaltete Funktion der sozialen Fassade.

Aus dem Kern (A) kommt der Impuls zu einem Verhalten, das sich in der sozialen Fassade (C) mit einer entsprechenden Intention verbinden kann und dergestalt im sozialen Bereich (D) zu einer Handlung wird. Die Soziologie wird spezifisch orgonomisch durch Einbeziehung der Panzerung (B).

Rationale Handlungen bedürfen keiner Analyse, da die Gleichung „Verhalten + Intention = Handlung“ einfach zu lösen ist. Bei einer rationalen Handlung führte ein Kernimpuls schnurrstraks zu eben dieser Handlung. Bei einer irrationalen Handlung hingegen verlor sich der ursprüngliche Impuls in einem Gestrüpp von Strebungen und Gegenstrebungen bis am Ende schließlich eine Handlung herauskam, die auf einer unmittelbaren Intention beruht, welche mit dem ursprünglichen Impuls rein gar nichts mehr zu tun hat.

In diesem Beispiel ist der ursprüngliche Impuls die spezifische Liebe zur Mutter, am Ende steht Servilität gegenüber jedermann und in jeder Situation, d.h. eine vollkommen irrationale Handlungsweise.

Weil der Mensch gepanzert ist, gibt es drei Arten von Handlungen:

  1. rationale Handlungen;
  2. neurotische Handlungen; und
  3. pestilente Handlungen

Rationale Handlungen sind durch „Löcher in der Panzerung“ möglich. Neurotische Handlungen sind sozusagen „Karikaturen“ rationaler Handlungen, d.h. sie sind „gut gemeint“, während pestilente Handlungen aktiv alles bekämpfen, was d Rationalität steht. Neurotiker reagieren auf „störende Bewegung“ mit manifesten neurotischen Symptomen, beispielsweise werden sie depressiv; Pestkranke reagieren, indem sie der Bewegung ein Ende setzen. Da es feige Seelenkrüppel sind, geschieht dies durch Ausnutzung der widersprüchlichen Natur der Panzerung mit ihrem komplizierten Geflecht von Strebungen und Gegenstrebungen. Das nennt sich Kabale. Praktisch alle große Literatur hat sie zum Gegenstand.

Die ersteren Handlungsweisen garantieren das Fortbestehen der Arbeitsdemokratie und werden umgekehrt von dieser auch den irrationalsten Menschen aufgezwungen. Irrationale Handlungen, seien diese neurotisch oder pestilent, gehen auf Panzerung zurück. Sie gefährden die Arbeitsdemokratie. Doch während neurotisch motivierte Handlungen die Arbeitsdemokratie nur behindern, setzen Handlungen, die von der Emotionellen Pest motiviert sind, alles daran die Arbeitsdemokratie zu zerstören.

Dieser letztere Bereich ist das, was man allgemeinhin als „Politik“ bezeichnet, insbesondere „engagierte Politik“. Daß weite Teile der Soziologie heute „politisiert“ sind, zeigt auf besonders deutliche Art und Weise wie sehr die Soziologie als Wissenschaft abgewirtschaftet hat. Man nehme etwa eine beliebige soziologische Studie über „Migranten“ in die Hand und man wird sofort sehen, wie ideologisch verpeilt die Zunft ist. Wenn sich gesellschaftliche Entscheidungsträger nach diesen pseudo-wissenschaftlichen Studien orientieren, werden die dort beschriebenen Zustände sich mit absoluter Sicherheit verschlimmern und kritisch zuspitzen. Oder mit anderen Worten: die heutigen Soziologen sind zentraler Bestandteil der gesellschaftlichen Probleme, die die Gesellschaft mit Hilfe ihrer Expertise bewältigen will.

Bei der gängigen Soziologie geht es beispielsweise um „Klassenanalyse“, d.h. um die unterschiedlichen Interessen der Klassen. Hier läßt sich jede mögliche andere Einteilung einsetzen: der „Gendergesichtspunkt“, Generationskonflikte, religiöse Gegensätze, etc. Für die orgonomische Soziologie ist das alles von sekundärer Bedeutung. Sie interessiert sich in erster Linie für die Charakterstrukturen, die die ursprünglichen Interessen teilweise in ihr Gegenteil verkehren. Reich hat das bereits 1933 in seiner Massenpsychologie des Faschismus vorexerziert. Das reduziert hochkomplizierte soziologische Analysen auf das Freilegen einiger weniger Charakterstrukturen.

Orgasmusforschung am Institut Curie, Paris

5. Juli 2012

Jonas Ranft und seine Kollegen vom Institut Curie, Paris wandeln auf ähnlichen Pfaden wie einst Reich in den 1930er Jahren. Statt die Zelle von der Genetik und den Mechanismen der biochemischen Signalgebung innerhalb und zwischen Zellen her zu untersuchen, betrachteten die französischen Physiker den Flüssigkeitsdruck innerhalb und außerhalb der Zellen. Dazu versuchten sie zuvor dokumentierte Beobachtungen mit Hilfe eines mathematischen Modells mit zwei Komponenten zu untersuchen.

Auf der einen Seite werden Zellen wie eine sich teilende Flüssigkeit behandelt, die einer Expansion ausgesetzt ist. Auf der anderen Seite ist die Flüssigkeit in den Zellzwischenräumen wie eine ideale Flüssigkeit, die nicht zusammengepreßt werden kann. Dieses Modell wurde entworfen, um die Natur des mechanischen Drucks aufzuhellen, der auf sich teilende Zellen durch ihr Umgebungsgewebe ausgeübt wird. Er wird als homöostatischer Druck bezeichnet.

Zuvor hatte das Team um Ranft ein Modell mit nur einer Komponente entwickelt, in der der homöostatische Druck proportional zum Flüssigkeitsdruck innerhalb der Zelle ist. Wenn dies jedoch der Fall wäre, könnte es sehr große Organismen nicht geben, da die Zellen im unteren Bereich des Körpers den Druck nicht überlebten.

Mit dem dergestalt die Wirklichkeit weit besser beschreibenden Zweikomponenten-Modell, schlossen die Wissenschaftler darauf, daß es der Innenruck der Zellen und nicht der Außendruck der zwischenräumlichen Flüssigkeit ist, der den Grad der Zellteilung beeinflußt. Wenn genauso viele Zellen durch Zellteilung entstehen, wie durch bionösen Zerfall (Apoptose) zugrundegehen, ist der homöostatische Druck ausgeglichen. Entsprechend wird er vor allem durch Zellwucherungen wie insbesondere beim Krebs gestört.

Bemerkenswert an der Arbeit des Institut Curie ist die Bedeutung, die dem steigenden Innendruck („Expansion“) der Zellen für das fundamentale Funktionieren der Organismen zukommt, frei nach Reichs Orgasmusformel „Schwellung → Ladung → Entladung → Enspannung“. Darüber hinaus sind beide Ansätze eng mit dem Krebsproblem verknüpft.

Reich hatte in den 1930er Jahren gezeigt, daß die Spannungs-Ladungs-Vorgänge, die für die Sexualität charakteristisch sind, auch bei der Zellteilung eine Rolle spielen. Bei der Zelle ist der Spannungsdruck gegen die Membran vor der Teilung höher als danach jeweils in den beiden Tochterzellen. Zellteilung ist entsprechend ein orgastischer Vorgang.

In den 1930er Jahren spaltete sich die biologische Forschung: Die „Schulbiologen“ beschäftigten sich fast ausschließlich mit den „nichtlokalen“ Aspekten des orgonotischen Funktionierens, die sich in der genetischen Information und der Signalgebung niederschlagen. Siehe dazu etwa meine orgonometrischen Ausführungen über Biopathien und die Gene. Mit der „lokalen“ orgonotischen Bewegung (Kreiselwelle, Pulsation) hat sich bisher fast ausschließlich die Orgonomie beschäftigt, weshalb die Studie des Institut Curie so bemerkenswert ist.

Die Pseudowissenschaft „Orgonomie“ (Teil 1)

31. Mai 2012

Anfang des letzten Jahrhunderts sprach Freud von der „Libido“, einer quantitativen Größe, deren „Produktion, Vergrößerung oder Verminderung, Verteilung und Verschiebung uns die Erklärungsmöglichkeiten für die beobachteten psychosexuellen Phänomene bieten soll“ (Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Fischer TB, 1961, S. 87). Reich hat Mitte der 1920er Jahre mit diesem Konstrukt die biologische Funktion des genitalen Orgasmus erklärt: er soll überschüssige libidinöse Energie abführen und neurotische Verarbeitungsmechanismen überflüssig machen.

Bereits in Freuds anfänglicher Definition der Libido taucht die elektrische Ladung auf. Es handele sich bei ihr um etwas, „das der Vergrößerung, Verminderung, der Verschiebung und der Abfuhr fähig ist und sich über die Gedächtnisspuren der Vorstellungen verbreitet, etwa wie eine elektrische Ladung über die Oberfläche der Körper“ (Gesammelte Werke, Bd. 1, S. 74). Im Verlauf seiner „Orgasmusforschung“ Anfang der 1930er Jahre begann Reich diesen Ansatz weiterzuführen, indem er sich mit den damals neusten (und bis heute kaum eingeholten) Forschungen über das Autonome Nervensystem beschäftigte und schließlich seine „bioelektrischen Experimente über Sexualität und Angst“ in Angriff nahm, die die entsprechenden Versuche von Masters und Johnson aus den 1960er Jahren vorwegnahmen.

Der Unterschied zu Freud, der sich immer mehr als Psychologe verstand und sich so gut wie gar nicht mehr mit der wissenschaftlichen und medizinischen Forschung seiner Zeit auseinandersetzte, wird durch folgende Aussage Freuds besonders kraß beleuchtet: „(…) ich weiß nichts, was mir für das psychologische Verständnis der Angst gleichgültiger sein könnte, als die Kenntnis des Nervenweges, auf dem ihre Erregungen ablaufen“ (Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Fischer TB, 1992, S. 376). Man vergleiche dies mit Reichs Arbeit über das sympathische und vagische Nervensystem!

Ein vollwertiger Orgasmus ist die heftige einheitliche quallenartige Pulsation, bzw. Konvulsion des gesamten Organismus während des genitalen Höhepunktes in der liebevollen geschlechtlichen Umarmung. Diese Funktion läßt sich im gesamten Reich der Biologie finden bis hinab zur Ebene der Zellteilung. Diese kann man durchaus als eine Art von „Orgasmus“ betrachten, denn auch sie passiert dem Organismus, „wenn er zu platzen droht“. Reich hat die Erleichterung nach dem „Orgasmus der Zelle“, d.h. nach der Zellteilung, dadurch erklärt, daß das gleiche Plasmavolumen nun auf zwei Tochterzellen mit einer größeren kombinierten Oberfläche verteilt ist. Das macht die erstrebte Erleichterung aus.

Reichs Versuch diese „libidinösen“ Mechanismen direkt am Einzeller zu studieren, führte Mitte der 1930er Jahre zur Entdeckung der sogenannten „Bione“, mikroorganismus-artige Gebilde, die durch Quellung verschiedener Materialien in Nährlösung entstehen. 1939 beobachtete Reich, an aus Meeressand gewonnenen sogenannten „SAPA-Bionen“ eine organisches Material aufladende Energieform. U.a. entdeckte er, daß die Strahlung der SAPA-Bione photographische Platten schwärzt.

Diese von ihm entdeckte Energie nannte Reich „Orgon“. Sie entspricht in etwa der von Biologen schon immer postulierten Lebensenergie. Sie läßt sich im Orgonenergie-Akkumulator (ORAC) konzentrieren. 1940 beobachtete Reich, objektiviert mit dem „Orgonoskop“, daß ein Funkeln, das er in ORACs beobachtet hatte, auch in der Atmosphäre auftrat. Abhängig vom Wetter und insbesondere der relativen Luftfeuchtigkeit herrscht im ORAC entgegen dem Entropiegesetz ständig eine höhere Temperatur als außerhalb („orgonomisches Potential“). Reich entdeckte auch, daß sich im ORAC das Elektroskop langsamer entlädt als außerhalb. Außerdem gelang es ihm die Orgonenergie mit dem vorher orgonotisch aufgeladenen Zählrohr eines Geiger-Müller-Zählers nachzuweisen. Ebenso kann man Orgonenergie-Felder durch das Aufleuchten orgonotisch aufgeladener Fluoreszenz-Röhren nachweisen.

Ein Einwand gegen die Entdeckung des Orgons durch Dr. med. Wilhelm Reich war stets, daß sich hier ein ärztlicher Psychotherapeut und Psychiater auf ein Feld begab, in dem nur ausgebildete Physiker vernünftig arbeiten können. Dabei wird gerne vergessen, daß die Physik zu einem großen Teil von eben solchen Ärzten geschaffen wurde, wie Reich einer war. Er also in einer kontinuierlichen Tradition von Ärzten stand, die der Physik den Weg gewiesen haben.

Außerdem ist der Umweg über Psychologie, Medizin und Biologie alles andere als ein „Umweg“. Tatsächlich stellte er die einzige Möglichkeit dar, die Orgonenergie zu entdecken. Die Entwicklung der Orgonomie hob nicht mit theoretischen Überlegungen über „Energie“ an, sondern mit der unvermittelten existentiellen Erfahrung der Körperströmungen und des orgastischen Erlebens des einzelnen Menschen Wilhelm Reich.

Reich schrieb dazu 1947 in einer Darstellung der Geschichte des Orgonomischen Funktionalismus:

Der embryonale Funktionalismus gab der Energie in der natürlichen Entwicklung den Vorzug, ohne in der Lage zu sein, diesen Vorrang zu beweisen. Und es gab zu der Zeit nichts, das erklären würde, wo ein junger Naturwissenschaftler diese Voreingenommenheit ausgebildet haben könnte. (…) Aus heutiger Sicht scheint es so, daß diese Priorität einfach auf den Empfindungen von Bewegung in meinem eigenen Organismus beruhte. Es war nichts weiter als ein Vorurteil, das sich später als richtig herausstellte. (Orgonomic Functionalism, Vol. 1, S. 4; Hervorhebungen hinzugefügt)

In einer 1952 verfaßten Autobiographie stellt es Reich so dar, daß seine Lebensarbeit praktisch 1916 begann, als er im Alter von 19 Jahren, nachdem er schon sechs Jahre hindurch sexuell aktiv gewesen war, zum ersten Mal beim Geschlechtsakt das erfuhr, was er später „orgastische Potenz“ nennen sollte; das totale Verschmelzen mit einem anderen Organismus. „In dieser ersten wichtigen Erfahrung des süßen Strömens des lebendigen Lebens, wurzeln die meisten von WRs Hauptleistungen“ (ebd., S. 88). Also die gesamte Orgonomie ist praktisch die Verarbeitung dieser Urerfahrung des k.u.k.-Leutnants an der italienischen Front.

Man kann angesichts seines Themas, der orgastischen Plasmazuckung, unmöglich den wissenschaftlichen vom „privaten“ Reich trennen. Mag sein, daß Reich auch ohne die Entdeckung des Orgons sich „Alone“ gefühlt hätte, aber gerade wegen dieses seines Wesens hat er ja das Orgon entdeckt. Und in dieser Hinsicht ist es auch gleichgültig, ob es das Orgon nun wirklich gibt oder ob er es „erfunden“ hat. Das gleiche gilt sogar für seine Nachfolger: man wird nicht zum Außenseiter, weil man der Orgonomie folgt, sondern man folgt der Orgonomie, weil man ein Außenseiter ist.

Ein Organismus, der das meiste seiner Energie darauf verwendet, das natürlich Lebendige in sich selbst zu verbergen, kann die Fähigkeit nicht haben, das Lebendige außer sich zu fassen. (Der Krebs, Fischer TB, S. 35)

Es geht darum, sich nicht durch Rücksichten auf andere Meinungen aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Das wichtigste in der Orgonomie ist erst einmal der ungefilterte orgonotische Kontakt, der einem unmittelbar sagt, was richtig und was falsch ist, wem man folgen kann und wem nicht. Daraus geht dann ein klares Denken hervor. Oder anders gesagt: folge deinem Kern und nicht deinem Charakter oder den Meinungen, die andere in dich eintrichtern oder als „Weltanschauungen“ bereits in dich eingetrichtert haben.

Du bist nicht Wilhelm Reich!

26. April 2012

Am Anfang steht das Wort. Man nehme eine Orgontherapie, auf die schließlich auch erst hingewiesen werden muß, bevor der Patient überhaupt darauf kommt, zum orgonomischen Arzt zu gehen. Es mag sein, daß es mit Reich anders gewesen ist, aber heute beginnt jedes orgonomische Experiment mit dem Nachvollzug eines überlieferten Versuchsaufbaus. Orgonomie ist wie alle Wissenschaft zunächst immer eine mündliche oder schriftliche Mitteilung. Vor der Praxis stehen Vorlesungen und Durcharbeiten von Lehrbüchern. Entsprechend ist die Qualität der wissenschaftlichen Unternehmungen von der Klarheit und Logik der Darstellung abhängig. Reich selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, wie verheerend schludrige und unpräzise Formulierungen für die Entwicklung der Wissenschaft sind, beispielsweise in der Biologie die beiden Worte „um zu“.

Das bedeutet natürlich nicht, daß bloße Worte wichtiger wären als das Experiment und die konkrete Erfahrung. Es ist ähnlich wie eine Wegbeschreibung, die das „unsubstantiellste“ am ganzen Weg ist, an dessen Ende beispielsweise ein „Date“ stehen könnte, – aber ohne die dröge und formelhafte Wegbeschreibung wird man von vornherein hoffnungslos in die Irre gehen.

Aus funktioneller Sicht ist es eine Todsünde sich unlogisch, verworren oder so „verschwurbelt“ auszudrücken, daß einem niemand folgen kann. Nicht nur, daß eine solche Ausdruckweise die Arbeitsdemokratie unterminiert und sabotiert. Sie ist auch in einer anderen Hinsicht Emotionelle Pest (= destruktiver Irrationalismus auf dem sozialen Schauplatz), denn sie induziert bei anderen die eigene okulare Panzerung, die dadurch geradezu „ansteckend“ wird.

Bioenergetisch entspricht das ganze einer Orgontherapie, die (wenn man mal von der Mobilisierung der Atmung absieht) stets beim okularen Segment beginnt und erst am Ende zum Beckensegment und damit zum Kern der Neurose (dem Ödipuskomplex und der orgastischen Impotenz) vordringt.

Leute, die kaum einen geraden Satz formulieren können, aber gleich immer zu den „handgreiflichen“ Essentials durchdringen wollen, ähneln in ihrem Vorgehen der „Bioenergetik“ nach Alexander Lowen, bei der gleich am Anfang das Becken „mobilisiert“ wird und dadurch ein hoffnungsloses Durcheinander im Patienten hervorgerufen wird. Derartige Leute, die alle möglichen „praktische Erfahrungen“ vorweisen können, sind dann typischerweise jene, die schließlich die Orgonomie, bzw. das, was sie für „Orgonomie“ halten, mit den absurdesten mystischen Theorien anreichern.

Ein des Öfteren zu hörender Einwand lautet, die Formulierungen, mit denen die Orgonomie verbreitet wird, seien zu holzschnittartig, gar „phrasenhaft“. Dem kann man nur entgegenhalten, daß fast jede Neuformulierung der Orgonomie erfahrungsgemäß kaum mehr erzeugt als ein heilloses Durcheinander, also genau das, was ich anfangs kritisiert habe.

Die folgende Abbildung (die ausschließlich im Zusammenhang mit diesem Blogeintrag Sinn macht!!) illustriert das gesagte:

In der korrekten Vermittlung der Orgonomie, die dem eingezeichneten Pfeil folgt, steht eine möglichst klare Erklärung am Anfang (Orgonometrie). Darauf folgt die Bobachtung der Erscheinungen, auf die man aufmerksam gemacht wurde, woran sich der Nachvollzug der Experimente anschließt (quantitative Orgonometrie), was schließlich im qualitativen Nachvollzug mündet. Am Anfang wird man auf die Orgonenergie hingewiesen, an Ende weiß man, daß sie existiert. Steht am Anfang chaotische Fehlinformation, kann es diese Erfahrung nie und nimmer geben.

Da die Menschen heute nun mal so sind, wie sie sind, nämlich gepanzert, kann die umgekehrte Entwicklung, die Reich selbst genommen hat, von vagen Ahnungen einer „psychischen Energie“ hin zu wildem „Herumprobieren“ nur zu entstellten mystischen Formulierungen führen. Der übliche Unsinn, der über die Lebensenergie verbreitet wird.

Reich selbst hat den umgekehrten Weg beschritten. Er ist aus seinem eigenen inneren Erleben in den 1920er Jahren vom Postulat einer „psychische Energie“ ausgegangen, hat in den 1930er Jahren entsprechende, anfangs „wilde“ und unsystematische, Experimente durchgeführt, die in den 1940er Jahren zu entsprechenden Beobachtungen der atmosphärischen und kosmischen Orgonenergie führten, was schließlich in den 1950er Jahren in seinen orgonometrischen Formulierungen mündete. Aber Reich war halt Reich!

Zum naturwissenschaftlichen Status der Orgonenergie

22. April 2012

Woher wissen wir eigentlich, daß es Neutronen gibt? Weder kommen sie in der Natur vor, wenn man mal von der unbedeutenden Neutronenfreisetzung durch die kosmische Strahlung absieht, noch kann man sie sehen oder fühlen, wenn sie den Atommeiler verlassen. Trotzdem sind wir (zu recht) fest davon überzeugt, daß es Neutronen und den Rest des Teilchenzoos gibt. Aber ausgerechnet beim Orgon, daß man spüren und sehen kann, tauchen Zweifel auf, – weil es nicht in das Theorien- d.h. Meinungsgebäude von Fachleuten paßt, die sich nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben und deshalb gar keine Fachleute sind.

Was die Falsifizierbarkeit und damit die Wissenschaftlichkeit der Orgontheorie betrifft: Auch viele andere wissenschaftliche Theorien sind schwer falsifizierbar. Ich denke etwa an die Evolutionstheorie, bei der alle möglichen Zwischenformen zwischen den Arten fehlen, nie der Übergang von einer Spezies zur anderen beobachtet oder experimentell verifiziert wurde, etc. Eine wissenschaftliche Theorie geht langsam zugrunde, wie ein Feuer, das keine neue Nahrung erhält und flackert mit jedem neuen erfolgreichen Experiment und jeder bestätigenden Beobachtung von neuem auf. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Orgontheorie in nichts von anderen wissenschaftlichen Theorien.

In wissenschaftstheoretischen Seminaren sieht die Welt zwar etwas anders aus, und ich halte diese Ansätze auch für ein wichtiges Korrektiv, aber in der Wirklichkeit ist die wissenschaftliche Welt ein Schlachtfeld. Es ist wie bei Medikamenten, die vom Markt verschwinden, nicht etwa weil sie als unwirksam „falsifiziert“ wurden, sondern weil sie aus der Mode kommen. Entsprechend wird auch die Orgontheorie langsam aber sicher verschwinden, wenn sie falsch ist.

Vor zwei Jahrzehnten sah ein Biophysiker den Stand seiner Wissenschaft wie folgt:

Unsere Grundkenntnisse werden zwar immer noch erweitert; im großen und ganzen nimmt der Ertrag an Erkenntnis im Verhältnis zum Aufwand an Zeit und Mühe drastisch ab. (Alfred Gierer: Die gedachte Natur. Ursprung, Geschichte, Sinn und Grenzen der Naturwissenschaft, München 1991, S. 207)

Zwar ist die Physik insgesamt keine vollständige Wissenschaft, aber es spricht doch alles dafür, daß die physikalischen Grundgesetze für denjenigen Energiebereich, der für die Chemie und die Biologie relevant ist, abschließend bekannt und universell gültig sind. (ebd., S. 21)

Nachdem er das Lebendige dergestalt festgenagelt hat, bietet er es beliebigen Weltanschauungen feil, die es sich, von der Wissenschaft gedeckt, unterwerfen können, was ich in Die orgonomische Bewegung (Teil 2) bereits ausgeführt habe. Hier ist nur wichtig, daß alles darauf hinzudeuten scheint, daß sich im Laufe der Zeit tatsächlich herausschält, daß kein Platz für das Orgon bleibt.

Darüber hinaus könnte ich eine beliebige Anzahl von Physikprofessoren präsentieren, die zeigen, daß aufgrund der Reichschen Experimente von vornherein keine neue Energieform anzunehmen ist.

Dazu ist einiges zu sagen. Zunächst einmal, daß sich in der Geschichte der Wissenschaft Aussagen, das jeweilige Fachgebiet sei abgeschlossen, regelmäßig finden. Beispielsweise waren die Physiker Ende des 19. Jahrhunderts, also unmittelbar vor Planck und Einstein, überzeugt, daß die Physik im Prinzip weitgehend abgeschlossen sei (wie etwa die Newtonsche Optik) und daß es bis zum Ende aller Zeiten, bei allen kleinen Verfeinerungen und dem Schließen einiger Lücken, zu keinen wesentlichen Umbauten im Theoriegebäude mehr kommen werde.

Eine ähnliche Haltung machte sich bis vor kurzem die Biologie zu eigen. Doch zeichnet sich mittlerweile immer mehr ab, daß der alles überrennende Triumphzug der Genetik, bei allen erstaunlichen und bleibenden Erkenntnissen, sich in der Epigenetik verläuft. Über entsprechende Entwicklungen in anderen Bereichen der Wissenschaft berichte ich regelmäßig in diesem Blog. Und was die eingangs erwähnten Neutronen betrifft: James DeMeo mißt mit einem orgongeladenen Neutronenzähler zwischen 100 und 500 cpm bis hinauf zu 4000 cpm. Normal sind weniger als 5 cpm! „Neutronen“ im üblichen Sinne können das nicht sein. Vielmehr stellt sich umgekehrt verstärkt die Frage, was Neutronen und andere subatomare Teilchen eigentlich sind! Ich verweise auf DeMeos Orgone Biophysical Research Laboratory.

Wissenschaft ist in ständigem Fluß: die Sicherheiten von gestern sind heute kaum mehr als Kuriositäten. In Äther, Gott und Teufel spricht Reich von der Rolle „des Absoluten“, das eine Entsprechung der unbeweglichen Charakterstruktur des gepanzerten Menschen ist.

Autonomie und Reliabilität

24. Dezember 2011

Im orgonomischen Funktionalismus gelten die gängigen Grenzen, die für Vergleiche gezogen werden, nicht. Beispielsweise werden die Galaxien von den gleichen energetische Gesetzmäßigkeiten regiert wie 25 Größenordnungen kleinere biologische Systeme. Das gleiche gilt für vollkommen unterschiedliche Bereiche innerhalb der gleichen Größenordnung, etwa für die Biologie und die Wirtschaft (vgl.Hans Hass und der energetische Funktionalismus). Der Psychologe und Physiker Walter von Lucadou führt beispielsweise aus:

Je autonomer und gleichzeitig reliabler ein Mensch ist, um so größer ist seine „Wirkung“ und „Bedeutung“ in der Gesellschaft. Personen, die dagegen nur autonom, aber nicht reliabel sind, werden als „eigensinnig“ und „unzuverlässig“ angesehen; wohingegen nicht autonome, nur reliable Menschen als „phantasielos“ und „langweilig“ gelten. Auch technische Einrichtungen sind um so effizienter, je mehr Autonomie sie bei gleichzeitiger Reliabilität besitzen. (Psi-Phänomene. Neue Ergebnisse der Psychokinese-Forschung, Frankfurt: Insel-Verlag, 1997, S. 147)

In orgonometrischer Ausdrucksweise kann der Gegensatz zwischen den beiden Funktionen „Autonomie“ (A) und „Reliabilität“ (R) nur dann fruchtbar sein, wenn sie sich nicht gegenseitig ausschließen bzw. in einem Konflikt miteinander stehen:

sondern sich gegenseitig bedingen und ergänzen:

Auf die soziale Orgonomie übertragen führt uns diese Begrifflichkeit zu folgender Gleichung (frei nach Lucadous Ausführungen):

A × R = P × B = I

Hier wird der Impakt (I) der Orgonomie beschrieben:

A × R ist die „Innenfront“. Wenn die Autonomie A maximal ist, ist der Impakt der Orgonomie gleich null, da sie nichts weiter verkörpert als die gegenwärtigen Auswüchse der antiautoritären Gesellschaft: die Propagierung des „schweineligen Egoisten“. Wenig besser sieht es aus, wenn die Reliabilität R maximal ist, denn dann würde die Orgonomie für das Extrem der alten autoritären Gesellschaft stehen: vorhersehbar, konservativ, verknöchert, erstarrt, sektiererisch. Beides wird durch Gleichung 1 beschrieben. I wäre maximal, wenn der Mittelwert zwischen A und R erreicht ist. Dies wird durch Gleichung 2 beschrieben.

P × B ist die „Außenfront“. Ist der Status als Außenseiter, das „Pariatum“ P, der Orgonomie maximal, ist ihr Impakt I gleich null. Ein Zustand, der erreicht ist, wenn sich die Orgonomie in ihrer eigenen „Esoterik“ verfängt und kein Außenstehender mehr nachvollziehen kann, worum es überhaupt geht. Diesen Status hatte Reich am Ende seines Lebens weitgehend erreicht. Der Impakt I der Orgonomie ist aber auch dann minimal, wenn die Bestätigung B maximal ist, d.h. die Orgonomie von der wissenschaftlichen Öffentlichkeit sozusagen „eingemeindet“ wurde. Das haben viele „Reichianer“ erreicht, in deren Händen sich Reichs Erkenntnisse harmonisch in einen sozusagen „fortschrittlichen Mainstream“ einordnen. Die Orgasmustheorie wird zu einer Art „westlichem Tantra“, das Orgon zu einer Neuentdeckung von „Prana“ und „Chi“ und die Orgontherapie zur „Körpertherapie“. Hingegen wäre I maximal, wenn der Mittelwert zwischen P und B erreicht ist, d.h. die Fremdheit bleibt (P), aber das Publikum doch (oder gerade deshalb) zuhört (B).

Natürlich gehören auch zu P und B orgonometrische Gleichungen entsprechend Gleichung 1 und Gleichung 2.

Die Orgonometrie von E. coli

29. Oktober 2011

Orgonometrie ist nicht nur eine abstrakte Denktechnik, sondern ist identisch mit den realen Vorgängen in der Natur. Das Grundbeispiel für Orgonometrie ist die Entwicklung von Einzellern, beispielsweise Bakterien, aus einer Mutterzelle. Hier vier Generationen:

Es können aber auch, vorausgesetzt die Umweltbedingungen stimmen, potentiell unendlich viele Generationen sein.

Ursprünglich betrachteten die Biologen dieses Phänomen rein abstrakt und gingen (wie beispielsweise auch Reich) davon aus, daß Einzeller, jedenfalls „potentiell“, unsterblich seien, es also keinen Unterschied zwischen der ursprünglichen Keimzelle und irgendeiner Zelle der, sagen wir mal, 10 000sten Generation gäbe.

Mit der Entwicklung der Mikrobiologie änderte sich diese Einstellung geradezu in ihr Gegenteil: auch bei besten äußeren Umständen (Zufuhr von Nährstoffen und Ableitung von Abfallprodukten) würden die Einzeller über die Generationen hinweg schließlich doch altern, da sich unvermeidliche Fehler, etwa oxidierende Proteine, langsam aber sicher akkumulierten.

Ich selbst habe in meiner Darstellung der Orgonometrie in diesem Sinne argumentiert: „Unendlichkeit“ sei für Entwicklungsgleichungen wie der obigen ein unbrauchbarer Begriff. Selbst unter den besten äußeren Bedingungen würde letztendlich doch alles in den ursprünglichen Orgonenergie-Ozean zurückkehren.

Neuste Forschungen haben nun gezeigt, daß sowohl die „abstrakt-biologischen“ als auch die biochemischen Vorstellungen der Entwicklung von Einzellern falsch sind bzw. beide Vorstellungen in einer jeweils wohlverstandenen Weise richtig sind.

Wenn sich beispielsweise E. coli-Bakterien über viele Generationen hinweg teilen, häufen sich zwar biochemische Fehlbildungen, doch die sammeln sich nicht etwa über die nachfolgenden Generationen weiter an, bis alles entartet und letztendlich zusammenbricht, sondern sie werden sequestriert. Das bedeutet konkret, daß sich die Bakterien nicht mehr gleichmäßig in zwei gleich ausgestattete Hälften teilen, sondern vielmehr die eine Hälfte eine gesunde Struktur hat, die sie entsprechend an folgende Generationen weitervererbt, während die andere Hälfte sämtliche Entartungen in sich aufnimmt und entsprechend nur noch bedingt überlebensfähige kleinere degenerierte Formen hervorbringt.

Das Leben ist unsterblich, weil es immer wieder von vorn anfängt.


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