Der amerikanische Psychoanalytiker Andrew Peto hat die beiden unterschiedlichen Kulte von Juda und Israel auf zwei disparate Versuche zurückgeführt, den Ödipuskomplex zu bewältigen (Josef Dvorak: Satanismus, Frankfurt 1989, S. 152).
Wenn in Ex 4,24-26 Moses’ Frau Zippora ihren Sohn Gershom beschneidet, entspricht dies psychologisch der Identifikation des Sohnes mit der Mutter und führt zum „Jahwe allein“-Kult von Juda, wo sich der Sohn passiv homosexuell als „Braut Gottes“ dem Vatergott unterwirft. (In der Kabbala wird die jüdische Gemeinde mit der Schechina gleichgesetzt, dem weiblichen Gegenstück Gottes. Von deutschen Rabbis wird Schechina mit „Einwohnung Gottes“ übersetzt, die mit den Juden in alle Exile zieht: Gott wohnt bei der Judenheit: Gott wohnt der Judenheit bei: Gottes Beiwohnung: Gottes Beischlaf!)
In Juda wird also dem ödipalen Konflikt von vornherein ausgewichen, im Gegensatz zum Kult Israels, das den Stier anbetete. Wie sich in Gen 32,25-29 zeigt, wo Jakob mit Gott (dem Vater) kämpft, männlich die Gefahr der Kastration von sich abwendet und dem kastrierenden Vater sogar den Segen abringt.
Die Psychoanalyse spiegelt den Höhepunkt und den Niedergang des jüdisch-christlichen Patriarchats wider. Ende des 19. Jahrhunderts fiel in der Ansicht der Gebildeten die Bedeutung der Mutter für das Kind fast auf den Nullpunkt. Die ursprüngliche Psychoanalyse Freuds ist ein getreues Abbild dieser männlichen Ausschließlichkeit. Erst Leute wie Jung, Rank und Klein sollten mit ihrer Betonung des Präödipalen die Mutter wiederentdecken. Doch was sie fanden, war nicht das matriarchale Paradies, sondern die kastrierende Zippora, während für Freud weiterhin ihr Gemahl Moses das Urbild des Kastrierenden darstellte. Der Urvater, der, Freud zufolge, bei den Juden die Beschneidung eingeführt hatte.
Auffallend ist die enge Korrelation zwischen Beschneidung und Homosexualität. Es gibt ohne Übertreibung praktisch keinen moslemischen Mann, der keine homosexuellen Erfahrungen gemacht hat. (Man schaue sich etwa die Lebensgeschichte von Hamed Abdel-Samad an.) Auch in Amerika sind fast alle Männer (wenn auch nicht aus religiösen, sondern aus pseudomedizinischen Gründen) beschnitten, gleichzeitig grassieren Homosexualität und Homosexuellenhaß (= Homosexualität). Die ganze amerikanische Kultur ist vom Drang geprägt einen anderen Mann zu verletzten, „in ihn einzudringen“ oder selbst verletzt zu werden. Man denke nur an das unverkennbar homoerotische Ereignis „Duell“ in den Western.
Die Eroberung des „matriarchalen“ Westens Amerikas im 19. Jahrhundert läßt sich mit dem Vordringen der arabischen Wüstenstämme in die umliegenden matriarchalen Kulturen vergleichen. Die Rolle, die die Homosexualität in solchen reinen Männergesellschaften von Eroberern spielt, kann man gar nicht überbewerten. Dazu gehört auch die tiefe, puritanische Religiosität der Amerikaner und Araber, die von homosexuellen Untertönen nur so gesättigt ist. Wie widernatürlich ist es doch, wenn Männer einen Mann („Gott“) anbeten, dem sie ständig ihre Liebe bekunden und von dem sie Liebe erflehen:
Du bist mein Gott, dich suche ich! Ich sehne mich nach dir mit Leib und Seele; ich dürste nach dir wie ausgedörrtes, wasserloses Land. (Ps 63,2)
Der Gläubige erscheint vor Gott als Sohn, der ihn, seinen Vater, innig liebt (Jer 3,4), mit Anklängen an eine homoerotische Unterwerfung:
Du hast mich verführt, Herr, und ich habe mich verführen lassen, du hast mich gepackt und mir Gewalt angetan. Nun spottet man über mich, alle lachen mich aus. (Jer 20,7)
Aber auch umgekehrt kann sich der Gläubige als päderastischer Gott fühlen, wenn ihm im moslemischen Paradies ein „Kreis ewigglühender Jünglinge aufwartet, so schön wie Perlen, in ihren Muscheln verborgen“ (Sure 52,25 und 76,209).
In seiner 1910 geschriebenen Studie über „Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci“, der vielleicht homosexuell war, beschreibt Freud, wie das männliche Kind unter dem Einfluß des Kastrationskomplexes, der ihn um seine Männlichkeit zittern läßt, jene unglücklichen Geschöpfe verachten lernt, nämlich die Frauen, an denen nach seiner Meinung die Kastration bereits vollzogen worden ist (Studienausgabe, Bd. X, S. 121). Wenn Freud in einer anschließenden Fußnote unmittelbar auf die Juden zu sprechen kommt, klingt hier eine Verbindung zwischen Frauenverachtung, Homosexuellenhaß und Antisemitismus an. Die Fußnote aus dem Jahr 1919 lautet:
Es scheint mir unabweisbar anzunehmen, daß hier auch eine Wurzel des bei abendländischen Völkern so elementar auftretenden und sich so irrational gebärdenden Judenhasses zu suchen ist. Die Beschneidung wird von den Menschen unbewußterweise der Kastration gleichgesetzt. Wenn wir uns getrauen, unsere Vermutungen in die Urzeit des Menschengeschlechts zu tragen, kann uns ahnen, daß die Beschneidung ursprünglich ein Milderungsersatz, eine Ablösung, der Kastration sein sollte.
Der Beschnittene steht so unbewußt für den Unbeschnittenen zwischen Mann und Frau, ist verachteter Homosexueller, ist „Jude“.
Diese verwickelten Zusammenhänge zeigen sich auch, wenn die Juden einerseits als die Vertreter des Patriarchats dingfest gemacht werden (antisemitische Tendenzen im Feminismus), andererseits die Juden aber als Volk mit „weibischem Charakter“ bezeichnet werden (Gerda Weiler: Ich verwerfe im Lande die Kriege, München 1984, S. 344).
In den 1930er Jahren wollte der Psychoanalytiker Immanuel Velikovsky ein Buch über Die Masken der Homosexualität schreiben, in dem er darstellen wollte, wie die unterdrückte Homosexualität Quelle der Lust, körperlichen Schaden zuzufügen, und des Hasses zwischen Nationen wird, wo die eine den Triumph über die andere als verweichlicht empfundene Nation sucht:
Ist nicht die Mordlust der Türken, die ein armenisches Dorf massakrieren, gesteigert durch diese Unterschiedlichkeiten in der unbewußten völkischen Konstitution? Ist nicht Deutschland mit dem nationalen Emblem eines Adlers, der die Krallen spreizt, um sie seinem Opfer ins Fleisch zu bohren, ein natürlicher Feind Frankreichs mit seiner Mädchengestalt in phrygischer Mütze oder, als Alternative, mit seinem Hahn, einem lauten aber wenig furchteinflößenden, beinahe komischen Ersatz für eine männliche Gestalt? (…) In der Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Israel und den arabischen Staaten wurden die letzten wiederholt und gründlich von den Juden versohlt, deren Image durch Jahrhunderte der Diaspora das eines verfolgten und vergewaltigten Volkes war. Hierunter hat die so lange hochgehaltene Selbsteinschätzung der Araber als einer männlichen Rasse so sehr gelitten, daß keine Konzession seitens Israels sie beschwichtigen konnte. (Das kollektive Vergessen, Frankfurt 1987, S. 133)
Die von Velikovsky aufgedeckten Hintergründe zeigen sich auch in folgendem Graffiti an der Nürnberger Führertribüne: „Türken raus – Sieg Heil – Fickt die Türken in den Arsch!“ (Spiegel 4/89, S. 71). So blickt man zu schwachen „weibischen“ „Untermenschen“ hinab. Umgekehrt erscheint das Volk, das einen unterworfen und versklavt hat, als hyperpotenter Superman. So spricht Ezechiel (23,20) von den Ägyptern, „deren Glied so groß wie das eines Esels ist und die so brünstig sind wie Hengste“.
Die „Vergeistigung“ der Gottesvorstellung in Juda war nichts weiter als ein Rückfall in die passive Analität mit passiv femininer Unterwerfung, zwanghaften Ritualen und Gesetzen und mit masochistischer Religiosität. Es fand eine kollektive Kastration statt, die noch heute aus den Gläubigen solche gebrochenen Gestalten mit der typisch weinerlichen Stimme und Gedrücktheit macht. Von gläubigen Christen geht die gleiche depressive Grundstimmung aus, wie von Menschen, die in ihrer Kindheit sexuell mißbraucht worden sind. Sie identifizieren sich mit dem Sohn, der von seinem Vater an ein Kreuz genagelt und zu Tode gefoltert worden ist.
Ein Dämon, den wir erst vernichten können, wenn wir die historische Genese des Fluchs, die historische Genese Gottes durchschaut haben. Hier hat die Orgonomie eher Schaden angerichtet, mit ihrem fatalen Hang alles zu ontologisieren, was funktionell der verfrühten, bzw. zu tiefen Deutung in der Charakteranalyse entspricht. Gott wird zum „kosmischen Orgon“ gemacht und auf diese Weise wird er nur noch fester in den Seelen der Menschen verankert. Das „Kosmische“ fand im radikalen Monotheismus des „kosmischen“ Jahwe seine erste Ausprägung. Aus einem Gott, der seinen Platz auf Bergen, in Wolken und schließlich im Tempel hatte, wurde ein Gott, der über der Welt thront. Doch dies war paradoxerweise ein ähnlicher Abfall vom Grundwesen der jüdischen Religion wie später die Ausformung eines „kosmischen Messias“ durch die Christen. Aus einem Menschen wurde Gott – der schlimmste Götzendienst, den man sich vorstellen kann. Die Moslems gingen sogar noch weiter und beteten einen „kosmischen Gegenstand“ an, den „unerschaffenen“ Koran. So wie Gabriel Maria heterosexuell den Christus brachte, brachte Gabriel Mohammed den Koran, diesmal mit homoerotischen Untertönen, wie Salman Rushdie in seinen Satanischen Versen gezeigt hat.
