Es wird eingewendet, insbesondere was den Blog von Charles Konia betrifft, die Orgonomie wäre viel zu parteipolitisch, beispielsweise hinsichtlich des US-Präsidenten Barack Obama, und würde zu sehr in „weltanschaulichen Fragen“ Partei ergreifen, insbesondere was die „Spiritualität“ angeht. Wir haben es also wieder mit zwei der drei Tabus jeder gepanzerten Gesellschaft zu tun: Politik, Religion und Sexualität. (Selbst mit dem dritten Tabu muß sich Orgonomie herumschlagen! Hier geht es vorzugsweise um ihre Haltung zur Homosexualität.)
Henry Wallace ist die politische Figur, die zu Reichs Zeiten Obama noch am nächsten kommt. Reich äußerte sich 1948 gegenüber seinem Mitarbeiter Myron R. Sharaf wie folgt über Wallace und die Progressive Party:
Reiner Faschismus! Sie versprechen das Blaue vom Himmel, sagen aber nicht, wie sie es zu geben gedenken. Mir ist das aus Deutschland alles wohlbekannt. (M.R. Sharaf: „Some Remarks of Reich: Summer 1948“, Journal of Orgonomy, 2(2), November 1968, S. 215-224)
Wer bzw. was waren Henry Wallace und die Progressive Party? Die Antwort erspare ich mir und verweise auf den entsprechenden Artikel auf Wikipedia. Siehe auch meine eigenen Ausführungen hier. Obama ist aus fast identischen Zusammenhängen hervorgegangen, d.h. Bemühungen aus der Demokratischen Partei der USA eine Partei zu machen, die in etwa der deutschen Die Linke entspricht. Den Leuten wird Friede, Freude, Eierkuchen vor allem aber „Bürgerrechte“ versprochen, wenn sie denn nur ihr Leben den Bürokraten anvertrauten.
Und was die Sache mit der Religion betrifft: Es geht nicht darum, daß jeder glauben kann, was er will. Wer sollte ihm das verbieten? Es geht schlicht darum, daß Glaubenssysteme nicht außerhalb der Kritik stehen können. Es ist konstitutiv für die Orgonomie dieses gesellschaftliche Tabu nicht zu beachten. Das hysterische: „Der wagt es meinen Glauben zu kritisieren!“, ist einfach nur erbärmlich. Wir werden dem Faschismus keine Rückzugsräume gewähren, auch wenn die Linke etwa die „Islamkritik“ in, ausgerechnet, die braune Ecke schieben will.
In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, daß Wallace tief im Okkultismus theosophischer Provenienz verstrickt war. Und das zu einer Zeit als jenseits des Atlantik eine ganze Nation, das „Dritte Reich“, sich dem Okkultismus Blavatskys ergeben hatte. Heute feiert diese Scheiße in Gestalt von David Icke fröhliche Auferstehung.
Ich verweise auf das Kapitel über Nicholas Roerich und das Kalachakra-Tantra im Buch Der Schatten des Dalai Lama von Viktor und Viktoria Trimondi (Düsseldorf 1999). Den russischen Maler Nicholas Roerich (1874-1947) führte sein Interesse am Okkultismus zum Buddhismus. Er war mit dem zaristischen Kalachakra-Tempel in St. Petersburg unter Leitung des russischen Lama Agvan Dorzhiev verbunden. 1924-29 kam es zu Roerichs berühmter Suche nach Shambhala in Innerasien. 1929 begann Roerich eine sehr erfolgreiche internationale Kampagne mit seinem „Banner des Friedens“ und dem „Roerich-Pakt“ zum Schutz kultureller Besitztümer in Kriegszeiten. 1935 wurde dieser Vertrag von 21 Ländern im Weißen Haus unterzeichnet. Roosevelt selbst war anwesend. Roerich hatte Zugang zu höchsten Kreisen, weil Landwirtschaftsminister Henry Wallace, Roerich zu seinem persönlichen Guru auserkoren hatte. Wie Blavatsky haßten Roerich und seine Frau Sexualität und predigten Abstinenz und „Reinheit“. Ihr theosophisches System, eine Parallelentwicklung zu Rudolf Steiners Anthroposophie, nannten sie „Agni-Yoga“. Sie glaubten, die Welt werde im Verborgenen von einer „interplanetaren Regierung“ im Himalaya regiert, die das Kommen des zukünftigen Buddha Maitreya den Weg ebne. Der rechtskonservative Kolumnist Westbrook Pegler wollte die Guru-Story während Roosevelts letztem Wahlkampf offenlegen, wurde aber durch die Drohung der Demokraten in seine Schranken verwiesen, die Affäre des republikanischen Kandidaten mit einer jungen Frau offenzulegen. 1947 starb Roerich im nördlichen indischen Himalaya-Gebirge.
Hier Roerichs Vision über die Verbindung von Buddhismus und Kommunismus: Red Shambhala.



