Mit ‘Altes Testament’ getaggte Artikel

Der Familienroman der Menschheit

21. April 2013

Zu einem bestimmten Zeitpunkt, als sich der Mensch von der übrigen Natur abspaltete, begann er mit der Niederschrift seiner Geschichte. Aber warum traf das Niederschreiben der Geschichte mit dieser Abspaltung zusammen? Jetzt beginnt der Mensch mit einer Bewegung zurück zur Natur, obgleich er sich dessen nicht bewußt ist… Es ist ein enormes Problem – dieses zeitliche Zusammentreffen von Geschichtsschreibung und dem Abwenden von der Natur. (Wilhelm Reich, 1948 zu Myron Sharaf, Journal of Orgonomy, March 1969, S. 118f)

Für Freud war der Ödipus-Komplex das zentrale Geschehen. Er schlägt sich beispielsweise im „Familienroman der Neurotiker“ (1909) nieder, demzufolge der im realen Leben enttäuschende Vater tatsächlich ein ganz anderer ist, ein Held, ein König, etc. Für Reich war der zentrale Mythos der Menschheit geradezu gegensätzlich geartet: nicht der Sohn opfert in seiner Phantasie den Vater, sondern umgekehrt der Vater opfert ganz real den Sohn – der „Christusmord“. Für Reich war in dieser Hinsicht Christus und der Mord an ihm in der Tat „das Alpha oder das Omega“, ähnlich wie in der Psychoanalyse der Ödipus-Komplex das A und O ist.

Betrachtet man nun die Geschichte und die Mythen der Völker, stößt man auf eine Illustration von Reichs Buch Christusmord nach der anderen. Der zentrale Mythos des Christentums ist derartig in die Geschichte eingezeichnet, daß manche sogar davon ausgehen, die gesamte Weltgeschichte sei von Christen geschrieben, also kaum mehr als „der Familienroman der Menschheit“. Siehe dazu beispielsweise die Arbeit des russischen Mathematikers Anatolij T. Fomenko.

Vor einigen Jahren habe ich folgende Rezension eines Buches eines dieser Chronologiekritiker auf meine Netzseite plaziert, später dann aber wieder zurückgezogen, weil mir die Sache denn doch zu wenig zum Thema Orgonomie zu passen schien:

Christoph Pfister: DIE MATRIX DER ALTEN GESCHICHTE

Bei seinem geschichtskritischen Ansatz geht der promovierte Historiker Pfister von der folgenden persönlichen Beobachtung aus: In der Nähe von Bern fand man die Fundamente von drei „gallorömischen Vierecktempeln”, die angeblich im 3. Jahrhundert zerstört wurden. Über einem dieser Sakralbauten wurde, wieder angeblich, 1000 Jahre später (ca. 1340) eine Kapelle errichtet, die dann in der Reformationszeit zerstört wurde. Pfister fragte sich, wie um alles in der Welt man nach 1000 Jahren noch wissen konnte, wo ein Kultbau der Kelten oder Römer gestanden hatte. Das wäre für uns Heutige das Jahr 1003!

Wir haben es mit dem Gegensatz zwischen einer funktionalistischen Geschichtsforschung zu tun, die sich am archäologischen Befund, am eigenen Augenschein, am vorurteilsfreien, unverbildeten Menschenverstand, „an der Natur” orientiert und einer mechano-mystischen „Geschichtswissenschaft”, die sich an Bücher hält, die ein „Wissenschaftler” vom anderen abgeschrieben hat. Diese Kette beginnt mit den antiken und mittelalterlichen Schriftquellen, – die durchweg aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammen bzw. zu dieser Zeit „aufgetaucht” sind.

Die Grundaussage von Pfisters Buch lautet, daß einigermaßen gesicherte geschichtliche Kenntnisse bereits ausfransen, wenn man nur 400 Jahre zurückgeht. Mit jedweder Gewißheit ist endgültig Schluß ab etwa dem Jahr 1500 und Geschichte geht über in Geschichtsdichtung, die sich in ihrer Substanz kaum von den Romanen Tolkiens unterscheidet. Das einzige, was einer seriösen Geschichtsforschung bleibt, ist das Herausarbeiten der Konstruktionsmerkmale der beiden Perioden, „Mittelalter” und „Altertum”, die im 16. Jahrhundert erfunden wurden.

Damals ging man wohl so ähnlich vor wie heutigentags bei den diversen Star Trek-Fernsehserien und -Kinofilmen. Ausgehend von den Abenteuern von Captain Kirk, dem Vulkanier Spock und den anderen Crewmitgliedern von „Raumschiff Enterprise” wurde innerhalb von knapp vier Jahrzehnten eine facettenreiche zukünftige Geschichte der Menschheit kreiert, wobei man sich bei jeder Produktion jeweils an den vorangegangenen Machwerken orientierte. Das mußte natürlich immer wieder zu schmerzlichen Ungereimtheiten führen, die bei einer einheitlichen Planung nicht aufgetreten wären.

In der alten Geschichte findet man eine solche auffällige Verwerfung im Mittelalter, das, weil viel zu lang (1000 Jahre!), als daß man es durch einfache Verlängerung der Neuzeit in die Vergangenheit und Dehnung der Antike hätte schließen können, mehr schlecht als recht durch die Hilfskonstruktion „karolingische Zeit” aufgefüllt wurde. Entsprechend ist bei „Karl dem Großen” die Fiktionalität der alten Geschichte am augenfälligsten. Insbesondere Heribert Illig hat sich mit der Bloßlegung dieser grotesken Geschichtsfälschung hervorgetan. (Es ist traurig, daß er von Pfister mit keinem Wort erwähnt wird!)

In der Zeit der „Reformation” wurde der nicht näher bestimmbare und nur lokal organisierte synkretistische „Arianismus” – wie wir ihn vielleicht noch heute in der schiitisch-schamanistischen Mischreligion des anatolischen Alevismus vor uns haben? – durch die dogmatischen Religionen der Lutheraner, Calvinisten, Katholiken, Orthodoxen, Juden und nicht zuletzt auch der Sunniten und Schiiten mit Hilfe von Glaubenskriegen, Inquisition und „Hexenverbrennungen” ausgerottet. Um die alte Religion vergessen zu machen, wurde, ähnlich wie später in den Kolonialgebieten, die Erinnerung an die Vergangenheit von der organisierten und schwerbewaffneten Emotionellen Pest ausgelöscht und „Geschichte geschrieben”.

Wie die Blaupause der alten Geschichte geartet war und mit welcher Technik diese „Matrix” ausgefüllt wurde, kann man sich sehr schön anhand des besagten „Arianismus” vergegenwärtigen. Benannt wurde er nach Arianus, der im Jahre 325 unter KONSTANTIN zum Erzhäretiker erklärt wurde. Arianus entspricht ein Jahrtausend später (1415) dem fast namensgleichen Jan Hus, der auf dem Konzil in KONSTANZ inhaftiert und dann verbrannt wurde. Dieses fiktive Konzil wird auch im Buch Esra des Alten Testaments beschrieben, wo Jan Hus als Johanan (die hebräische Namensform von Johannes = Jan) auftritt, – der in einer „Tempelzelle” eingesperrt ist.

Dergestalt wurden die Epochen mit Variationen immer der gleichen Geschichten aufgefüllt, die der religiösen Erbauung dienten. Zum Beispiel: wer vom Glauben abfällt, den bestrafen die Ostgoten, Vandalen und Alemannen als Geißel Gottes, und da diese arianischen, bzw. heidnischen Völkerschaften in ihrem Unglauben verstockt blieben, verschwanden sie, im Gegensatz zu den katholischen Franken, schließlich aus der Geschichte. Mit Variationen und mit einem fiktiven Zeitkolorit verfremdet hat das Alte Testament den gleichen Inhalt. Wobei es natürlich die Ostgoten, Vandalen und Alemannen genausowenig gegeben hat, wie etwa Philister, Samaritaner oder Midianiter.

Allein schon die Zeitrechnung „ab Christi Geburt” ist ein zynischer Scherz! Sie wurde angeblich im Jahre 525 von dem in Rom wirkenden „skythischen (sic!) Mönch” Dionysius Exiguus eingeführt. Die Schrift aus dem 6. Jahrhundert, die diese Geschichte enthält, wurde aber erst im 17. Jahrhundert in Frankreich „entdeckt”. Zu einer Zeit, als das Zahlengerüst der alten Geschichte, an dem sich noch heute die Historiker orientieren, von dem Franzosen Denis Pétau, latinisiert Dionysius Petavius (1583-1652), ausgearbeitet wurde. In Pétau steckt das französische Wort „petit”, klein. Und was bedeutet das lateinische Wort „exiguus”? „Klein, schmächtig”!

Daß die gesamte Geschichtsschreibung wirklich nichts anderes ist als Dichtung im Dienste der Theologie, wird z.B. auch an der einzigen Quelle für das frühe Rom deutlich: Titus Livius, der angeblich im 1. Jahrhundert v.Chr. schrieb – und dessen Schriften im 16. Jahrhundert „entdeckt” wurden. Auffällig sind die vielen Parallelen zu den Erzählungen des zur gleichen Zeit (16. Jahrhundert!) verfaßten Alten Testaments. So entsprechen z.B. die sieben Könige Roms (die wiederum Alter Egos bei den spätrömischen Kaisern haben) den alttestamentarischen Königen.

Ein Hauptelement der Geschichte, die Livius zu erzählen hat, ist die Emanzipation der Plebejer (= Christen) gegenüber den Patriziern (= Heiden) während der sage und schreibe 400 Jahre andauernden römischen Republik. Die Plebejer ziehen dreimal in der Geschichte der Republik protestierend aus der Stadt (= Ägypten) auf einen von Livius nicht näher lokalisierten „heiligen Berg”, um für ihre Bürgerrechte zu demonstrieren. Schließlich erhalten sie den geforderten gesetzlichen Schutz, z.B. das „Zwölftafelgesetz”. Der heilige Berg der Plebejer = Christen, bzw. der Juden = „Judices” (die Richter, die das lateinische Recht, „Jus”, vertreten, „das Volk des Gesetzes”), ist der Vesuv = der Sinai. Der Auszug der Juden aus Ägypten ist in Wirklichkeit der Auszug aus der ägyptischen Religion. (Dazu muß man wissen, daß Rom wahrscheinlich einst eine ägyptische Provinz war.) Das Heilige Land „Kanaan” ist die Region Kampanien am Fuße des Vesuvs. Jerusalem ist das himmlische Rom.

Auch in der Figur des Jesus Christus finden sich viele römische Elemente, etwa die des Sklaven Spartakus (sozusagen ein Super-Plebejer), der gekreuzigt wurde, und die des armen Mönches Hildebrand, der zur Zeit der Ottonen, also tausend Jahre „nach Christus” nach Rom pilgerte und zum Papst Gregor VII. gewählt wurde. Auf ihn geht der weltliche Machtanspruch der Kirche, die strenge Hierarchie und nicht zuletzt das Zölibat zurück. (Die ins Auge springende schizoide Doppelgesichtigkeit Jesu – Spartakus/Cäsar, Mönch/Pontifex Maximus, Pazifist/herrschsüchtiger Gewaltmensch – wird von mit in Der verdrängte Christus thematisiert.)

Pfiester zufolge gehört das „antike Griechenland” ins 15. Jahrhundert und ist ein Produkt der Landnahme, die Spaniens, Frankreichs und Italiens, die von Griechenland, Kleinasien und die Levante bis hinunter nach Ägypten und weiter nach Tunis reichte. Diese Eroberungen zeigen sich, Pfister zufolge, in den vollendet spät-gotischen Prachtbauten im Nahen Osten, die zur Zeit der angeblichen Kreuzzüge vollkommen undenkbar sind, – und nicht zuletzt in den durchweg iberischen, gallischen und italischen Orts- und Landschaftsnamen dieser Gebiete. Auch erklärt sich mit der religiösen Rechtfertigung der imperialistischen Landnahme zwanglos, warum das Heilige Land Kampanien vom Fuße des Vesuvs in die Levante versetzt wurde („Kanaan”) und warum aus dem Höhenheiligtum Präneste, dem heutigen Palestrina in der Nähe Roms, das Land der Höhenheiligtümer „Palästina” wurde.

Die Expansion nach Osten, dieser Kampf zwischen dem Gallier („de Gaulle”!) Goliath und dem einheimischen „Palästinenser” David, war m.E. die Initialzündung für die Ausbildung des Islams. Ähnlich wie im 20. Jahrhundert der Marxismus in Osteuropa und der Dritten Welt war im 16. Jahrhundert der sich formierende Islam eine antiwestliche „Befreiungstheologie”, die vom Westen inspiriert und inhaltlich geformt wurde – bis zur „kulturrevolutionären” Auslöschung der eigenen Kultur des Mittleren Ostens, die konsequent nach westlich-christlichen Muster „arabisiert” wurde (ein Prozeß, der bis heute andauert!).

Was hat die Humanisten des 16. und 17. Jahrhunderts, also Leute wie den erwähnten Denis Pétau oder etwa seinen Vorläufer Joseph Justus Scaliger (der Begründer der „wissenschaftlichen Chronologie”), zu ihrer verheerenden Fälschungsaktion bewegt? Aus dem „reformatorischen” Geist der Zeit heraus konnte Geschichte nichts anderes sein als Heilsgeschichte. Offenbar wollte man den Kult um die mythische Christus-Figur sichern und zum alleinigen Glauben machen, indem man bis in die kleinsten Einzelheiten hinein eine mehrtausendjährige angeblich profane Geschichte um diese sozialrevolutionäre Erlösergestalt herum konstruierte. Eine Geschichte, die die christliche Theologie perfekt illustriert und „konkretisiert”. Dagegen hatten die anderen Kulte, etwa der des Mithras, nichts aufzubringen: Kopf schlägt Bauch! Geschichte schlägt Mythos! Der Appell an die asozialen „kulturrevolutionären” Entwurzelten schlägt gewachsene Strukturen! Oder mit anderen Worten: das Christentum ist die Urform des Roten Faschismus. (Wie schon Nietzsche feststellte, vgl. Der verdrängte Nietzsche.)

Hinter der Matrix standen „modern liberals” (siehe Der politische Irrationalismus aus orgonomischer Sicht). Das vollständig vom bioenergetischen Kern abgetrennte Denken zeigt sich in ihren im wahrsten Sinne des Wortes „abgehobenen” Konstruktionen und dem von ihnen geschaffenen Alp eines impotenten, verbitterten Intellektuellen-Gottes, der wirre Bücher voll Frauenverachtung, abartiger Gewaltphantasien und das „Jüngste Gericht” schreibt. Ein harter und rachsüchtiger Gott, der, wie Nietzsche in Also sprach Zarathustra anmerkt, sich eine Hölle zum Ergötzen seiner Lieblinge erbaute. (Zum [sexual-]ökonomischen Hintergrund der Vorliebe für die „unterdrückten Massen” im 16. Jahrhundert siehe Ökonomie und Sexualökonomie.)

Leider durchschaut Pfister den charakterologischen Hintergrund der Matrix nicht. Aber immerhin scheint ihre quasi „marxistische” Natur durch, wenn er z.B. im Zusammenhang mit dem fiktiven Spartakus-Aufstand schreibt: „Die Sklaven sind im Grunde immer siegreich, was beweist, daß das Christentum siegen wird. Nur die Zeit ist noch nicht reif für die religiöse Wende” (S. 92). Hier wird förmlich greifbar, daß später der Marxismus (der moderne „Spartakismus”, der zwangsläufig siegen wird, wenn „die Zeit reif ist”!) an der erfundenen christlich-humanistischen Heilsgeschichte weitergestrickt hat. Auf S. 390 sieht Pfister eine Parallele zwischen der einstigen dem Untergang geweihten Sowjetideologie und der heutigen theologisch inspirierten „Geschichtswissenschaft” – die ebenfalls dem Untergang geweiht ist. (Es ist sicherlich kein Zufall, daß Pfisters Hauptquelle, ohne die sein Buch undenkbar wäre, Fomenko ist. Russen wissen aus erster Hand, daß ganze Gesellschaften in einer „Matrix” leben können – in einem Gespinst aus Lüge und Manipulation.)

Was mich im Nachhinein skeptisch gemacht hat, ist beispielsweise die Aufarbeitung der Hexenprozesse. Mit den exakt datierten Gerichtsakten, die den Alltag, den religiösen Glauben und die politischen Verhältnisse dokumentieren, haben Historiker die „schwarze Legende“ widerlegt. Die Inquisition war schlimm, aber kein „Holocaust“, dem Millionen zum Opfer gefallen sind. Wer hätte all diese Geschichtsdokumente fälschen sollen? Und dann auch noch so, daß sie der offiziellen Geschichtschreibung widersprechen!

Chronologiekritiker sehen, wie einst Schopenhauer, daß ganz entgegen den Behauptungen Hegels sich die Geschichte in einer „ewigen Wiederkehr des Gleichen“ zu erschöpfen scheint. Daraufhin fassen sie den Geschichtsverlauf so zusammen, daß sie uns schließlich eine konzise „Geschichte“ vorlegen können. Kann es nicht aber auch so sein, daß die Menschheit auf neurotische Weise immer und immer wieder das gleiche Christusmord-Geschehen durchexerzieren muß und daß dieser „Wiederholungszwang“ die Menschheitsgeschichte zu einer derartig öden und unlogischen Geschehensabfolge machte?

christusallber

Nikolai Levashov (Teil 1)

4. Mai 2012

Seit 2007 habe ich gezögert von folgendem zu berichten und meine damalige Einsicht immer wieder verdrängt. Aber irgendwann kommt alles Verdrängte an die Oberfläche.

Zunächst einmal wird dem aufmerksamen Leser aufgefallen sein, daß ich in meiner Besprechung des skandalösen Begleitbandes zu OROP Wüste den zweiten Teil des Büchleins, der von Richard Blasband zu verantworten ist, unterschlagen habe. Die Erklärung ist einfach. Wenn ich Blasbands Aufsatz lese, vergehe ich am Anfang des Berichtes in maßloser Bewunderung für diesen Orgonomen, – um am Ende, nachdem er den russischen Wunderheiler und „Seher“ Nikolai Levashov eingeführt hat, einfach nur traurig den Kopf zu schütteln, weil er Arnim Bechmanns Glauben an eine quasi „anthroposophische“ „Weiterentwicklung“ der Orgonomie die „orgonomische“ Beglaubigung verleiht. Blasband präsentiert den Okkultisten Levashov als Autorität, die abschließend über Reich urteilen kann. Levashov sei geistig mit vielen Millionen außerirdischen Zivilisationen und „hunderten anderen Universen“ in Kontakt! Das ganze gehört zum Abgefahrensten, was ich jemals gelesen habe – und ich kenne mich wirklich in der okkulten und angeblich „esoterischen“ Literatur aus. So wollte Heiko Lassek, der das damalige Buchprojekt zu verantworten hatte, dem deutschen Publikum Reich nahebringen!

Siehe auch meine Ausführungen in Der Mythus des 21. Jahrhunderts. Aber kommen wir zu Levashov selbst:

Jahrgang 1961 gehörte Levashov nach einer Karriere beim Militär zu den zahllosen Wunderheilern, die die Fernsehkanäle des untergehenden rotfaschistischen (mechanistischen) Sowjetreichs bevölkerten und den Übergang zum schwarzen Faschismus (Mystizismus) in Rußland augenfällig machten. (Siehe dazu meine Ausführungen in Der blaue Faschismus.) Im desorientierten Rußland machten sich schwarzfaschistische Sekten wie Scientology, die Osho-Bewegung, Hare Krishna und nicht zuletzt autochthone Bewegungen breit, die Okkultismus, Antisemitismus und „Eurasiertum“ miteinander verbanden. Ganz ähnliches trug sich in China mit der faschistischen Sekte Falun Gong zu. Genau das ist der Grund dafür, daß Reich seine ehemaligen kommunistischen Genossen so abgrundtief hassen lernte: sie haben die Massen, die sie doch angeblich befreien wollten, freiheitsunfähiger und dümmer gemacht als je zuvor.

James Demeo hat sich eingehend mit dem Fall Levashov auseinandergesetzt. In seinem in Rußland wegen Verbreitung von Antisemitismus und Rassenhaß verbotenen Buch Russian History Viewed Through Distorted Mirrors beschreibt Levashov auf Grundlage der „slawisch-arischen Veden“ die außerirdische Herkunft der Menschenrassen. Levashov klingt dabei wie Helena Blavatsky, die Urmutter aller Nazi-Esoterik. Das jüdische Alte Testament stelle die gleiche Geschichte aber aus Sicht der feindlichen anti-arischen Kräfte dar, d.h. aus der Perspektive der schwarzen Magier. Dabei ginge es um den kosmischen Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwischen evolutionärem Fortschritt und Niedergang. Entweder befreie sich die Erde von den „jüdischen Parasiten“ oder die Menschheit werde untergehen. Unter anderem würden, so Levashov, die Juden mit den von ihnen kontrollierten Massenmedien die Gesellschaft sexualisieren und so die Evolution sabotieren. Die „evolutionäre Tür“, um über das Tiersein hinauszugelangen, schließe sich bei jedem Menschen zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr. Wenn zu dieser Zeit die psychischen Energien für Sex verschwendet würden, bleibe nicht genug für die spirituelle Entwicklung übrig.

2009 verkündete Levashov bei einem Treffen mit Lesern seines Buches, daß in den letzten Jahrtausenden die Feinde der Menschheit, die „sozialen Parasiten“ (d.h. die Juden) alles getan hätten, um die Slawo-Arier zu versklaven und zumindest teilweise zu vernichten. Das Weltjudentum würde die ganze Menschheit versklaven und zu einen Zustand bloßen Tierseins degradieren. Sie würden jährlich Hunderte Millionen Menschen zerstören durch giftige Nahrung und Medizin, verschmutztes Wasser und verschmutzte Luft, Krieg und Terror. Levashov rufe aber nicht zur Gewalt gegen Juden auf, denn Kriege und Revolutionen seien das Hobby der Feinde, die gelernt hätten, bei solchen Auseinandersetzungen die besten der besten Slawo-Arier zu töten. Der einzige Weg sei, die Wahrheit zu verbreiten. Die Feinde hätten Todesangst davor, daß wir erkennen, wer wir selbst und wer sie sind; wir begreifen, daß wir keine Sklaven sind und unsere Sklaventreiber weit wegschicken könnten.

Mit diesem Nazi-Programm wollte Levashov an der letzten Präsidentschaftswahl in Rußland teilnehmen, scheiterte aber daran, daß er, der zwischen 1991 und 2006 in den USA weilte, nicht lange genug in Rußland gelebt hatte, um antreten zu dürfen. Seinen Wahlaufruf kann man nur würdigen, wenn man weiß, daß, Levashov zufolge die „Mischrasse“ der Juden von außerirdischen Parasiten befallen wurde und seit Jahrtausenden damit beschäftigt sei, die arische Rasse insbesondere aber das „vedisch-arische Rußland“ zu zerstören. Dazu diente die Christianisierung Rußlands, Ivan der Schreckliche, Peter der Große und die von jüdischen Finanzkapitalisten in Amerika finanzierte Russische Revolution und der ebenfalls von diesen Kreisen finanzierte Hitlerismus. Heute würden die Juden (natürlich im Verbund mit den Freimaurern) das russische Volk mit genmanipulierter Nahrung, Impfprogrammen, Drogen, etc. auszuradieren suchen. Auch gäbe es einen geheimen Krieg Amerikas gegen Rußland, beispielsweise gingen, wie der „Wissenschaftler“ Levashov ausführt, die verheerenden Brände in Rußland 2010 auf HAARP zurück:

Romney Antichrist

3. Mai 2012

Die USA haben sich in eine ausweglose Lage gebracht. Man kann schon fast hoffen, daß der sozialistische Alptraum Obama die Präsidentschaftswahl gewinnt, woran sich dann unmittelbar und unumgehbar eine Präsidentschaft Hillary Clintons anschlösse. Die Alternative ist Mitt Romney. Er ist nicht nur Mormone, wie Kennedy Katholik war, sondern die Familie Romney gehört zum Mormonenadel und Romney war Bischof der Mormonenkirche und stand als Bezirksleiter zwölf Mormonengemeinden vor. Es wäre ungefähr so als wenn der Erzbischof von Köln Bundeskanzler werden würde!

Die Mormonen sind nicht nur eine weitere der zahlreichen christlichen Kirchen, sondern es handelt sich um einen Kult ähnlich den Zeugen Jehovas oder Scientology. Tatsächlich kann man das Mormonentum als „Scientology des 19. Jahrhunderts“ bezeichnen, zumal die Kirche aufgrund der Zwangsabgaben der Mitglieder unglaublich reich ist.

Es begann alles Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Okkultisten, Wünschelrutengänger und „Schatzsucher“ Joseph Smith, dem eines Tages im Wald in einer Erscheinung, die man heute als „UFO-Kontakt“ beschreiben würde, Gott und Christus höchstpersönlich erschienen sind, um ihm zu sagen, daß er die einzig wahre Kirche begründen werde. Gründungsdokument ist das Buch Mormon, das Smith mit Hilfe der „Sehersteine“, mit denen er sonst auf Schatzsuche gegangen war, von mit „neuägyptischen“ Schriftzeichen beschriebenen Goldplatten übersetzt haben will, die ihm vom Engel Moroni übergeben worden seien. Jeder kann selbst schnell und bequem die absurde Geschichte von Smith, dem Buch Mormon, dem Mormonen-Staat in Utah, etc. im Internet nachlesen.

Das Buches Mormon ist ein leidlich erbauliches christliches Traktat, das sich um eine absurde und schlichtweg lächerliche Räuberpistole über Juden und Christus im alten Amerika (inklusive Pferden, Elefanten, Geld, Schwertern, Rädern, etc.) rankt. Erhellend ist der Vergleich mit dem Alten Testament, das in einer Hinsicht absolut erstaunlich ist: die zentralen Helden Abraham, Moses und David werden alles andere als idealisierend gezeichnet, ganz im Gegenteil, und die Feinde Israels sind nicht etwa nur „böse Mächte“, sondern Werkzeuge Gottes, um Israel zu strafen. Das Buch Mormon hingegen ist ein stinklangweiliger Comic, in dem es nur absolut gute Helden und absolut böse Schurken ohne jede psychologische Tiefe gibt.

Im übrigen taucht im Buch Mormon nicht eines der Doktrin auf, für das das Mormonentum bekannt wurde: keine pseudo-freimaurerischen Riten, keine Blutrache, keine Vielehe und vor allem nicht die zentrale Doktrin, die das Mormonentum so sehr in die Nähe von Scientology rückt: Der Kosmos wurde nicht von Gott erschaffen, sondern die Materie und die „göttlichen Gesetze“ sind ewig. Jene Menschen, die diesen Gesetzen perfekt folgen, werden zu Göttern. Beispielsweise war auch Elohim, also der Gott zu dem wir beten, einst ein Mensch. Ziel des Mormonen ist es eines Tages so ein Gott wie Elohim zu werden, Seelen durch himmlischen Sex mit zahllosen Frauen zu „zeugen“ und sie dann auf einem Planeten, der wie unsere Erde aussieht, mit Leibern zu versehen und mit göttlichen Offenbarungen zu versorgen.

Der normale Mormone folgt dem amerikanisierten Mickey-Mouse-Christentum des Buch Mormon, doch die Elite, zu der auch Romney gehört, hat sich ganz dem besagten Projekt der Selbsterhöhung verschrieben.

Ein solcher Mann, und Romney ist ohne jede Frage fanatischer Mormone, darf einfach nicht Führer der freien Welt werden und „den Finger am Knopf haben“! Es ist schlicht eine Frage der geistigen Normalität! Absolut bezeichnend ist auch die spontane Antwort nach seinem Lieblingsbuch:

Nietzsche über Christus (Teil 1)

8. April 2012

Bei Nietzsche kann man ein eigentümliches Schwanken in seiner Einschätzung von Jesus konstatieren. Jesus hätte seine Lehre widerrufen, hätte er die Erde liebengelernt. „Edel genug war er zum Widerrufen!“ (Also sprach Zarathustra, Studienausgabe, S. 95). Nietzsche meint aber auch:

(…) ein Typus Mensch, der mir nicht Ekel machen soll, (ist) gerade der Gegensatz Typus zu den Ideal-Götzen von ehedem, einem Typus Cesare Borgia hundertmal ähnlicher als einem Christus. (Brief an Malwida von Meysenbug vom 20.10.1888)

Anfänglich betrachtete Nietzsche, der vom verkitschten Jesus-Bild des 19. Jahrhunderts geprägt war, Christus als „den edelsten Menschen“ (Menschliches, Allzumenschliches, A 475). Für Nietzsche ist Christus eindeutig ein guter Mensch mit einem warmen Herzen, doch (oder gerade deshalb)

förderte (er) die Verdummung der Menschen (…). Sein Gegenbild, der vollkommene Weise – dies darf man wohl vorhersagen – wird ebenso notwendig der Erzeugung eines Christus hinderlich sein. (Menschliches, Allzumenschliches, A 235)

Das christliche Himmelreich auf Erden wird also die Entwicklung dessen verhindern, was Nietzsche später als „Übermensch“ bezeichnet hat.

Auf diese Periode, in der Nietzsche Jesus als harmlosen Idioten betrachtete, folgt eine sehr kritische, in der er Jesus als „großen Egoisten“ bezeichnet (Studienausgabe, Bd. 9, S. 550).

Der Egoismus ist verketzert worden, von denen die ihn übten (…); sie brauchten die entgegengesetzte Gesinnung bei den Menschen, die ihnen Funktion leisten sollten. (ebd., S. 557)

Wenn ein Idealist der Praxis nicht Skeptiker aus Instinkt ist, so wird er zum Narren der Eitelkeit und hält sich für Gottes Sohn. (ebd., S. 116)

Doch konnte sich Nietzsche nie entscheiden, wen er für die „psychologische Erfindung“ des Christentums verantwortlich machen sollte: Jesus oder Paulus (Fröhliche Wissenschaft, A 353).

Ich liebe es durchaus nicht an jenem Jesus von Nazareth oder an seinem Apostel Paulus, daß sie den kleinen Leuten so viel in den Kopf gesetzt haben. (Studienausgabe, Bd. 12, S. 506)

Doch schließlich fand Nietzsche zu seiner ursprünglich positiven Einschätzung zurück, indem er alles Negative auf Paulus schob, während aus Jesus der Idiot mit reinem Herzen wurde, eine gefährliche „Unschuld vom Lande“, die gar nicht weiß, was sie anrichtet.

Mit Karl Löwith kann man den Unterschied zwischen Reich und Nietzsche in Bezug auf Jesus wie folgt ausdrücken:

Für Hegel [wie auch entsprechend für Reich] bedeutet die Menschwerdung Gottes in Christus die einmal für immer zustande gekommene Versöhnung der menschlichen und göttlichen Natur; für Nietzsche bedeutet sie, daß der Mensch gekreuzigt und gebrochen wurde in seiner wahren Natur. (Nietzsches Philosophie der Ewigen Wiederkehr des Gleichen, Hamburg 1978, S. 43)

In dieser Betrachtungsweise hat Nietzsche einen Vorgänger in Giordano Bruno.

Bruno zog das Alte dem Neuen Testament vor. Ganz wie Nietzsche, der meinte, das Neue mit dem „Alten“ Testament zu einem Buch zusammengeleimt zu haben, sei „vielleicht die größte Verwegenheit und ‘Sünde wider den Geist’“ (Jenseits von Gut und Böse, A 52). Nietzsche bewundert die Größe der Hebräischen Bibel, dagegen findet er im Gegensatz dazu im Neuen Testament nur

lauter kleine Sekten-Wirtschaft, lauter Rokoko der Seele, lauter Verschnörkeltes, Winkliges, Wunderliches, lauter Konventikel-Luft, nicht zu vergessen einen gelegentlichen Hauch bukolischer Süßlichkeit, welcher (…) nicht sowohl jüdisch als hellenistisch ist. Demut und Wichtigtuerei dicht nebeneinander; eine Geschwätzigkeit des Gefühls, die fast betäubt; Leidenschaftlichkeit, keine Leidenschaft, peinliches Gebärdenspiel. (Genealogie der Moral, III A 22)

Zu Lk 6,23 („Desgleichen taten ihre Väter den Propheten auch“) merkt er an: „Unverschämtes Gesindel! Es vergleicht sich bereits mit den Propheten“ (Antichrist, A 45).

Das Judentum hat mehr Scheu und Abstandsbewußtsein für alles, was mit Gott und seinem Gesalbten zusammenhängt. Über dem Messias steht Gott als der hochheilige und allmächtige Herr, während sich beim Christentum eine Art kleinbürgerliche Tuchfühlungstendenz gegenüber Gott abzeichnet, was Nietzsche bekanntlich scharf ironisierte. (H.J. Gamm: Der braune Kult, Hamburg, 1962, S. 211f)

Die Juden unterwerfen sich Gott als leibeigene Sklaven (Lev 25,55), während die Christen aus Willen zur Macht Gott eklig nah auf die Pelle rücken. Paulus wird mit Christus eins und

mit dem Einswerden ist jede Scham, jede Unterordnung, jede Schranke von ihm genommen, und der unbändige Wille der Herrschsucht offenbart sich als ein vorwegnehmendes Schwelgen in göttlichen Herrlichkeiten. (Morgenröte, A 68)

Paulus wiederholt hier nur das, was Christus mit seiner „Sohnschaft“ vorexerziert hatte.

Giordano Bruno war vielleicht der einzige Ketzer (die ja praktisch durchweg gläubige Christen waren), der aus christlicher Sicht zu Recht verbrannt wurde. Er hatte Jesus Christus, dem er den Codenamen „Orion“ gab, verflucht und mit abgrundtiefer Verachtung überschüttet, als billigen Gaukler, der sich selbst zum höchsten Gott gemacht und damit die Natur entgöttlicht hatte. Christus war für Bruno ein Mensch „von niedrigster und gemeinster Natur und Denkart“ (Jochen Kirchhoff: Bruno, rororomono, S. 124). Wie Bruno wohl darauf reagieren würde, daß Reich ihn im Christusmord als Seelenbruder neben Christus gestellt hat?!

Bruno hat nie widerrufen und ist trotz schwerer Folterungen stolz und ungebrochen gestorben. Ein Augenzeuge beschreibt seine Verbrennung am 8. Februar 1600 nach achtjähriger Einkerkerung wie folgt:

Heute also ist er zum Scheiterhaufen oder Brandpfahl geführt worden. Als hier dem schon Sterbenden das heilige Kruzifix vorgehalten wurde, wandte er mit verachtender Miene sein Haupt. (Kirchhoff, S. 52)

Als 1889 das berühmte Bruno-Denkmal auf dem Campo dei fiori, wo Bruno verbrannt worden war, errichtet wurde, schrieb Papst Leo XIII an alle Gläubigen der Welt:

[Bruno] hat weder irgendwelche wissenschaftlichen Leistungen aufzuweisen, noch hat er sich irgendwelche Verdienste um die Förderung des öffentlichen Lebens erworben. Seine Handlungsweise war unaufrichtig, verlogen und vollkommen selbstsüchtig, intolerant gegen jede gegenteilige Meinung, ausgesprochen bösartig und voll von einer die Wahrheit verzerrenden Lobhudelei. (ebd., S. 140)

Bis zur Aufhebung des katholischen Index 1965 war die Lektüre Brunos für Katholiken verboten.

Israel: ein Licht in der finstersten Hölle

30. November 2011

Tiefe Gottgläubigkeit hat es immer nur in den Wüstengebieten gegeben, einschließlich den Emotionellen Wüsten. Über dieser Landschaft liegt Gott wie eine DOR-Schicht. Gott als DOR läßt das Meer austrocknen, die Ströme versiegen, die üppigen Weiden verdorren, die Bäume absterben und die Blütenpracht verwelken (Nah 1,4).

Man lese aber auch Jes 58,6-12, wo sich Gottes Herrlichkeit als wohltuendes OR erweist.

Die dritte Gestalt des „dreieinigen“ Gottes der Wüste rächt sich als OR (bzw. ORANUR) an jenen, die den Libanon abgeholzt, sein Wild ausgerottet und eine Blut- und Schreckensherrschaft über Stadt und Land ausgeübt haben. DOR-sequestrierendes OR ist Gott in Jes 59,3-8.

Später in der biblischen Tradition spaltet sich der „dreieinheitliche“ Gott des Alten Testaments in den dualistischen Gegensatz, der sich schließlich im Neuen Testament niederschlägt: Gott und Teufel.

Israel ist das Zwischenreich am Rande der Wüste zwischen Reinheit und Unreinheit. Aufgabe der Juden als „Priestervolk“ ist es, das Unreine immer weiter zurückzudrängen. (Übrigens ganz ähnlich den Zarathustra-Gläubigen in Persien, die bei der gewaltsamen Islamisierung, einer regelrechten Schlammflut, fast ausgerottet wurden.) Das gesamte jüdische Gesetz diente einer Art DOR-Sequestration: die schmutzigen DORigen sekundären Triebe in Schach zu halten. Der Pentateuch ist kurz zusammengefaßt „Wüstenwanderung plus Gesetz“. Moderne Rabbiner verbinden diese beiden Elemente logisch so, daß das Gesetz als rettender Wegweiser dem Menschen bei seinem Weg durch die Wüste (die Emotionelle Wüste) helfen solle.

Die Emotionelle Wüste, in der Israel leben mußte, zeigt sich z.B. in 2 Kön 8,12, wo der Syrer Hasael (845-801) nach Israel eindringt, Israels Männer tötet, Kinder zerschmettert und schwangeren Frauen die Leiber aufschneidet. Unter dem Stichwort „Kemosch, Stammesgott der Moabiter“ erwähnt die Einheitsübersetzung die Inschrift eines moabitischen Königs, „in der er beschreibt, wieviel israelitische Ortschaften er für Kemosch mit dem Bann belegt, d.h. ausgerottet hat“. Ständig war Israel von Philistern und Arabern bedroht (siehe 2 Chr 21,16f), ganz zu schweigen von den Großmächten Ägypten, Assur, Babylon, Persien, Griechenland und schließlich Rom, das fast die „Endlösung“ brachte. Ganz Saharasia gegen ein Volk.

Der Antisemitismus im „arischen“ Saharasia Osteuropas gehört ebenfalls hierher. Man empfand die im ausgehenden Mittelalter von Westen kommenden deutschen Juden als Gefahr, da sie das Leben symbolisierten, das die Stammvölker Saharasias (Zentralasiaten einschließlich „Ariern“, Slawen, etc.) nicht ertragen konnten. Die Kosaken unter Bodyan Chmelnizkij haben 400 000 Juden im Jahrzehnt nach 1648 umgebracht, von da geht eine gerade Linie zu den Pogromen der russischen Schwarzhemden und direkt weiter zu den Nationalsozialisten und den heutigen sozialistischen und antisemitischen Parteien Die Linke und NPD.

Saddam Hussein sah sich als Nachfahren Nebukadnezzars, der vor den Augen Zidkijas dessen kleine Kinder abschlachtete, um ihm dann die Augen auszustechen. „Nase und Ohren werden sie dir abschneiden und deine Kinder mit dem Schwert umbringen“ (Ez 23,25). Es ist eine Kontinuität über die Jahrtausende hinweg, z.B. spricht das Buch Ester (3,1) von Haman, dem großen Judenfeind im Persischen Reich als vom „Sohn Hammedathas, dem Agagiter vom Samen Agags, dem Amalekiter“ – dem Todfeind Israels und die Verkörperung Saharasias vom Exodus bis hin zu den Nazis und Hamas: Amalek.

Unter den Griechen, die ja den humanistischen Fans der Antike zufolge um so viel besser waren als die späteren Christen, ließ der hellenistische König dem Wortführer des jüdischen Volkes

vor den Augen seiner Mutter und seiner Brüder die Zunge abschneiden, nach Skythenart die Kopfhaut abziehen, Nase und Ohren abschneiden und schließlich noch Hände und Füße abhacken. Dann ließ er den verstümmelten, der immer noch lebte, in die Pfanne werfen und braten. (2 Makk 7,4f)

Darauf folgte die noch schlimmere römische Zivilisation –

entstellt durch entwürdigende Sklaverei, Kindermord, Menschenopfer, gerichtlich angeordnete Folterung, Grausamkeit gegen Tiere – Züge, die aus der jüdischen Kultur verbannt worden waren. (Hyam Maccoby: König Jesus, Tübingen 1982, S. 56f)

Im 5. Jahrhundert v.Chr. bildete sich in Nordarabien das Königreich Dedan, das, so Michael Grant, bis zur Sinai-Halbinsel und ins Niltal expandierte. Es war ein Gegenspieler Israels.

Das sollte sich auch in hellenistischer und römischer Zeit nicht ändern. Im Grunde lebt diese alte Gegnerschaft auch in den Kriegen unserer Zeit mit all ihren entsetzlichen und unkorrigierbaren Folgen wieder auf. (Das heilige Land, Bergisch Gladbach 1988, S. 298f)

Heute steht das ganze Saharasia, ohne eine einzige Ausnahme, geschlossen gegen das kleine Israel, das nicht größer ist als Schleswig-Holstein, während die arabischen Staaten ein Gebiet umfassen, daß zweimal so groß ist wie die USA – wahrhaftig eine Landfrage. 5 Millionen Juden in einem explosionsartig anwachsenden Meer von 200 Millionen fanatisierten und entmenschten Arabern. Selbst hier im Naziland gibt es besonders geschmackvolle Zeitgenossen, die zwar keine Braunhemden mehr dafür aber Palästinensertücher tragen – aus Solidarität mit den unterdrückten Arabern…

Apropos Saharasia und Solidarität mit den armen und deshalb zwangsläufig guten Menschen aus der „Dritten Welt“: Sowjetische Afghanistan-Veteranen haben von den Mudschahedin berichtet, diese würden ausschließlich unter Rauschgift kämpfen, als Trophäen in ihren Taschen die abgeschnittenen Ohren und Penisse ihrer Feinde bei sich tragen und als Trinkgefäße abgetrennte weibliche Brüste benutzen. Und aus den Gefängnissen des damaligen sowjetischen Marionetten-Regimes in Kabul kommt folgender Bericht:

Die schlimmste Nacht war die, in der ich seelisch gefoltert wurde. Sie brachten mich in eine Zelle, die sehr dunkel, lang und eng war. Stellen Sie sich das Grauen vor: Nur ein widerlicher Geruch und überhaupt keine Chance zu entkommen! Diese Situation war wirklich sehr schlimm, sehr unheimlich, grausam und entsetzlich. In einer Ecke gab es ein ganz schwaches Licht. Überall sah ich herausgerissene Haare, abgeschnittene Brüste und einzelne Gliedmaßen. In der hintersten Ecke lag eine Leiche. Es war unerträglich. Dort sagten sie zu mir: „Hier wirst du auch enden!“ Und: „Hier siehst du eure Hurensöhne in Einzelteilen. Die waren wie du.“ (eine Afghanin im Flüchtlingslager aus dem am 19.12.89 in der ARD ausgestrahlten Fernsehbericht Tschadai und Buzkaschi – Afghanische Frauen heute von Elke Jonigkeit)

Das Judentum ist ein einziger großer Aufstand gegen diese seit 6000 Jahren andauernde Hölle auf Erden.

Hier ein Bericht darüber, was vor wenigen Jahren die Buddhisten in Sri Lanka den Tamilen angetan haben – da keine Juden und sogenannten „Palästinenser“ involviert waren, hat es keinen unserer grandiosen Friedensfreunde auch nur eine Sekunde interessiert. Die „Betroffenheit“ geht gegen Null!

Ron Paul 2012

3. November 2011

Eines der Merkwürdigkeiten der politischen Landschaft ist die persönliche Haltung auffällig vieler „Libertärer“, die den Staat in einem fast schon als anarchistisch zu bezeichnenden Umfang auf ein Kleinstmaß zurechtstutzen wollen. Die Gesellschaft soll fast ausschließlich vom Markt beherrscht werden. Dies gilt auch für harte Drogen und andere unchristliche Schrecklichkeiten, die dem Leser jetzt vielleicht einfallen. Man sollte annehmen, daß eine solche Ideologie fast ausschließlich von Atheisten und „Leuten wie Frank Zappa“ vertreten wird, tatsächlich finden sich unter den führenden Köpfen der libertären Gedankenwelt strenggläubige Christen. Man denke nur an Ron Paul in Amerika oder den Unternehmer und Autor Roland Baader hier in Deutschland. Die libertäre Denkfabrik Ludwig von Mises Institute wurde beispielsweise von dem selbst manchen Libertären zu extremen und radikalen Llewellyn H. Rockwell, Jr gegründet, – einem fundamentalistischen Katholiken.

Warum sollten ausgerechnet von der Charakterstruktur her zweifellos „Rechte“ eine Weltanschauung vertreten, bei der im Vergleich selbst Anarchisten und „Autonome“ geradezu gemäßigt wirken? Zunächst einmal trügt der Schein! Wenn man etwa auf Max Stirner verweist werden diese Libertären merkwürdig still, wenn nicht sogar aggressiv abweisend. Ihre Struktur ist von „Moral und Ethik“ geradezu gesättigt. Auch wenn sie die „Freiheit“ ständig im Munde führen, geht es ihnen in Wirklichkeit gar nicht um „freie Entfaltung“, sondern darum den Staat als Institution zu vernichten. Und dies aus dem einen Grunde, daß der Staat die Verkörperung der mechanistischen, „linken“ Lebensauffassung ist.

Dies ist ein Kampf, der bis in die Anfänge der Panzerung des Menschentiers zurückreicht. Man denke etwa an die Auseinandersetzung zwischen den Propheten und den Königen im Alten Testament, an den ständig schwelenden Konflikt zwischen der Priesterkaste und dem Pharao im alten Ägypten (Stichwort Echnaton), an die Auseinandersetzung zwischen Taoismus/Buddhismus und Konfuzianismus im alten China und die zwischen der Falun Gong und dem Staat im modernen China, an den Investiturstreit im Mittelalter oder etwa den Kirchenkampf unter Bismarck. Es war stets der Widerstreit zwischen zwei letztendlich unvereinbaren Charakterstrukturen. (Siehe dazu meine Ausführungen in Der politische Irrationalismus aus orgonomischer Sicht.)
Diese Grundstruktur der gepanzerten Gesellschaft ist dem mechano-mystischen Denken so gut wie unzugänglich, weil es nicht die bioenergetischen Grundlagen der gesellschaftlichen Prozesse sieht, sondern an der Oberfläche hängenbleibt.

Beispielsweise können extreme Vertreter der jeweiligen Strömungen in bestimmten Momenten der gesellschaftlichen Entwicklung identische Ideologien vertreten – aus diametral entgegengesetzten Gründen. Die einen sind extrem libertär mit allen (manchmal verheerenden Konsequenzen), weil sie von ihrem geradezu eschatologischen „mystischen“ Haß gegen den „mechanistischen“ Staat getrieben werden. Die anderen vertreten genauso fanatisch exakt die gleichen Ansichten, weil sie auf den Trümmern der alten Ordnung ein neues, ein gerechtes System aufbauen wollen. In diesem Sinne sind sie die konsequentesten Vertreter des „mechanistischen“ Staatsgedankens.

So rational, vernünftig, ja „funktionell“ die libertäre Idee auch wirken mag, wird sie doch scheitern. Sie wird scheitern, weil sie den bioenergetischen Zwängen einer gepanzerten Gesellschaft genauso ausgesetzt ist, wie alle anderen Ideen, denen man ihre Irrationalität sofort ansieht.

Solange nicht die Panzerung selbst angegangen wird, ist dem gesellschaftlichen Elend nicht abzuhelfen. Was tun? Ein erster Schritt wäre die um sich greifende Einsicht, daß es den Panzer überhaupt gibt!

Die Beschneidung

13. Oktober 2011

Der unmittelbarste Angriff auf das Leben eines Kindes ist die Verstümmelung seines Genitals. Und nichts anderes als eine Verstümmelung ist das Abschneiden der schützenden und hochsensiblen Vorhaut bei Jungen. (Es ist tatsächlich eine Frage, ob beschnittene Männer wirklich „Zärtlichkeit“ entwickeln können.) In der Antike betrachteten die römischen und griechischen Proselyten die Beschneidung als eine widerwärtige, entehrende Verstümmelung, was den Christen einen Großteil ihrer frühen Anhängerschaft eintrug, denn hier konnte man „Jude“ werden und trotzdem der Beschneidung entgehen.

Othmar Keel und Max Küchler zufolge gewann die Beschneidung seit der Zeit der babylonischen Gefangenschaft (als andere Bundeszeichen fehlten) für die Juden ihre große Bedeutung mit absolutem Pflichtcharakter (Synoptische Texte aus der Genesis, Fribourg 1971, S. 141). Siehe 1 Makk 1,50f und Apg 15,1. „Die Priesterschrift entstand gegen Ende dieser Zeit und hat deshalb die Praxis der Beschneidung mit der ganzen Absolutheit (Gen 17,14) schriftlich in den Bundesschuß mit Abraham vorverlegt“ (ebd.). Aber schon lange Zeit vorher wurde sie, wie Lev 12,3 zeigt, wie selbstverständlich vollzogen.

Michael Grant schreibt, der Ritus der Beschneidung sei seit dem dritten Jahrtausend im Orient bekannt.

Auch die Bibel, die ausdrücklich hervorhebt, daß man sich hierbei steinzeitlicher Feuersteinmesser bediente, weiß davon, daß man den Brauch auch anderswo kannte – dies ganz besonders bei den Völkern in ariden Wüstengebieten und halbariden Steppen am Wüstenrand. (Das Heilige Land, Bergisch Gladbach 1988)

Dies stimmt natürlich genau mit den Thesen James DeMeos überein. Besonders interessant ist aber der Hinweis auf die Altertümlichkeit dieses Brauchs („steinzeitliche Feuersteinmesser“).

DeMeo sieht in der Beschneidung die Nachwirkung alter Blutrituale, die mit der Lossprechung des Mannes für den Kontakt mit dem als giftig betrachteten Vaginalblut verbunden waren, also extremen Ängsten vor dem „Mysterium Frau“ und vor der Sexualität entstammten (The Saharasia Connection, University of Kansas 1986, S. 168f). Hatte ein Mann Geschlechtsverkehr mit einer Frau, blieben beide bis zum Abend unrein, wenn er aber während ihrer Monatsblutung mit ihr Verkehr hatte, wurde er für sieben Tage unrein. Die Frau selbst war natürlich schon allein durch die Monatsblutung unrein und diese Unreinheit übertrug sich auf alles, was mit ihr in Berührung kam (Lev 15,18-24). Jesus hat diese Phobie überwunden (Mt 9,20-22).

In Der Mann Moses und die monotheistische Religion sieht Freud hinter der „Heiligung“ des Volkes durch die von Moses durchgeführte Beschneidung einen symbolischen Ersatz für die Kastration, die der „Urvater“ über seine Söhne verhängt hatte. „Wer dies Symbol [der Beschneidung] annahm, zeigte damit, daß er bereit war, sich dem Willen des Vaters zu unterwerfen, auch wenn er ihm das schmerzlichste Opfer auferlegte“ (Studienausgabe Bd. IX, S. 567).

Wir haben es wohl nur Paulus, wenn nicht sogar Jesus selbst, zu verdanken, daß wir nicht als Halbkastraten unser Leben fristen müssen. Im übrigen hat die Beschneidung natürlich wenig bis nichts mit Moses zu tun und beschränkt sich nicht auf die Juden (und die Ägypter, von denen sie Freud zufolge die Beschneidung übernommen haben sollen), sondern sie war im ganzen Nahen Osten verbreitet. Jer 9,25 zählt zu den Beschnittenen „die Ägypter und die Leute von Juda, die Edomiter, die Ammoniter, die Moabiter und die Stämme in der Wüste, die sich ihre Schläfen rasieren“. Die Beschneidung wurde also praktisch von allen Völkern im Umkreis Israels praktiziert.

Wegen Paulus waren jedoch in Europa die Juden die einzigen Beschnittenen. Was eine der Hauptquellen des Antisemitismus ausmachte. Die Beschneidung gemahnte an die gefürchtete Kastration und rührte damit an ein gern vergessenes Stück der urzeitlichen Vergangenheit (Freud, Bd. IX, S. 539). Hinzu kam das Image als „Gottesmörder“, die aus dem Schlachten von Tieren eine heilige und, da die Tiere geschächtet wurden, grausig blutige Angelegenheit machte.

Unbewußt verband sich so die Angst vor der Beschneidung mit der existentiellen Angst in einem Menschenopfer dargebracht zu werden. Freud hat ja entdeckt, daß der Kastrationskomplex wirklich die ganze Existenz betrifft – das Kind (im Erwachsenen) um sein Leben fürchtet. Und tatsächlich verbirgt sich hinter der Beschneidung ein verdrängtes Menschenopferritual. Genauso wie das Jungtier an seinem achten Lebenstag Jahwe geopfert wurde (Ex 22,29), wurde ursprünglich auch das erstgeborene Kind geopfert. Später wurde daraus die Beschneidung am achten Tag (Gunnar Heinsohn: Was ist Antisemitismus? , Frankfurt 1988, S. 55).

Hyam Maccoby hat nachzuweisen versucht, daß Zippora erst durch eine Manipulation der alttestamentlichen Redaktoren dazu kam, ihrem Sohn die Vorhaut abzuschneiden. Und zwar als Ersatz für die Opferung des Kindes durch Moses. Um dies grausige Geschehen zu verdecken, wanderte das Opfermesser in die Hand Zipporas und schnitt nur die Vorhaut ab (The Sacred Executioner, London 1982).

Beide Interpretationen (Beschneidung als magisches Wegwaschen des Mentruationsblutes, Beschneidung als Ersatz für das Menschenopfer) finden ihre Gemeinsamkeit in einer dritten Theorie:

Mir will es eher so scheinen, als wäre die Beschneidung weniger ein Ritual, das einen eindeutig patriarchalen Hintergrund hat, sondern vielmehr ein spätmatriarchales Element darstellt. Die feministische Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth schreibt, daß der Vatergott, der die Muttergöttin verdrängt, als erstes ihr weitverbreitetes Machtsymbol, den Blitz, bzw. die „Doppelaxt“, übernimmt, „mit dem sie tötete oder kastrierte“ (Für die Musen, Frankfurt 1988, S. 48). Beispielsweise war es in Kanaan fester Bestandteil des Fruchtbarkeitskultes, daß Männer kastriert wurden, um als männliche Tempelprostituierte der Göttin zu dienen. Und auch sonst waren, wie noch heute, die priesterlichen Tätigkeiten so geartet, daß die Priester die sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale ausbildeten, weil die rituellen Techniken weibliche Hormone erzeugten.

Beschneidung ist Ausdruck der Sehnsucht zurück ins Matriarchat: der Mann blutet wie die Frau, durch seinen Tod kehrt er dahin zurück wo er herkam. Es war ein verqueres Fruchtbarkeitsritual wie in Sündenfall und Fruchtbarkeit ausgeführt.

Gottes Gesetz

6. Oktober 2011

Gott ist nichts als der Zuckerguß über dem Teufel. Man vergleiche nur die 10 Gebote mit all dem Schrecklichen, was in Jahwes Namen in der Bibel geschieht. Die Bibel ist ein zutiefst obszönes Buch.

Mit diesem Widerspruch (der „Gott des Lebens“ ein Todfeind des Lebens) werden wir erst fertig, wenn wir zwischen zwei unvereinbaren Religionen unterscheiden, die in der Bibel ihren Niederschlag gefunden haben: der matriarchalen und der levitischen. Diesem sich gegenseitig ausschließenden zweierlei Religionsverständnis hat Elsworth F. Baker in seinem Buch Der Mensch in der Falle Ausdruck verliehen, als er „Religion“ in den folgenden beiden Sätzen gegenteilig definierte:

  1. „Das kosmische Gefühl (der innerste Kontakt) ist die Grundlage aller Religionen.“ (S. 119)
  2. „(…) die Entwicklung eines Gewissens oder Über-Ichs, [heißt] Verdrängung, Zivilisation und die Geburt der Religion (…)“ (S. 72)

In seiner Sammlung von Aphorismen The Value of Values, die zwischen Nietzsche und Reich vermitteln sollen, hat Jerome Eden bestritten, daß man die zweite Erscheinung überhaupt Religion nennen darf:

Keine organisierte Körperschaft, die auf der Grundlage von Prinzipien arbeitet, die der Natur und dem Gott der Natur zuwiderlaufen, darf sich als wahre „Religion“ bezeichnen. Eine natürliche Religion beruht auf der Lebensformel oder sie kann sich nicht in Übereinstimmung mit dem Leben befinden.

Man kann aber auch das gesamte Phänomen „Religion“ als Äußerungsform der Emotionalen Wüste betrachten. Heide Göttner-Abendroth schreibt dazu:

„Re-ligio“ bedeutet so etwas wie „Rückbeziehung, Rückbindung“. Eine Rückbindung ist aber erst dann erforderlich, wenn die primäre Bindung verlorengegangen ist (wie es die Paradiesvertreibung in der Bibel anschaulich macht). Und die primäre Bindung kann nur dann verlorengehen, wenn die Gottheit etwas Fernes, Hohes, Fremdes, Transzendentes geworden ist, das man wieder suchen muß, kurz: wenn die Gottheit etwas grundsätzlich anderes ist als man selbst. (Für die Musen, Frankfurt 1988, S. 54)

Durch die Wüstenpanzerung hindurch versucht sich der Mensch an seinen Kern („Gott“ als kosmisches Gefühl) zurückzubinden. Durch die Panzerung wird Gott zum „ganz anderen“. Diese „Transzendenz“ kam mit dem Patriarchat in die Welt – und Gott verschwand aus der Welt. James DeMeo schreibt, der patriarchale Gott sei dadurch gekennzeichnet, daß er nicht innerhalb der Natur gegenwärtig ist, sondern außerhalb der Natur, so daß es religiöser Spezialisten („Leviten“) bedürfe, die zwischen diesem fernen, unerreichbaren Gott und dem Menschen vermitteln (The Saharasia Connection, University of Kansas 1986, S. 228). Schließlich fällt auch diese Vermittlung weg und der Mensch lebt nur noch nach Prinzipien, nach dem Gesetz, der Schrift (Levitentum wird zu Rabbinertum, Katholizismus zu Protestantismus, Feudalismus zu Liberalismus).

Man geht fehl, wenn man glaubt, daß das Recht des „du sollst“ mehr Menschlichkeit schaffen würde. In Wirklichkeit ist es auch nur Mord. Organisierter Mord, Menschenopfer, die der Göttin Justitia dargebracht werden. Prinzipiell gibt es keinen Unterschied zwischen z.B. der Ehebrecherin, die in Saudi Arabien in einem Menschenopferritual gesteinigt wird, und einem beliebigen Rechtsfall in einem anderen Rechtsstaat. Das Recht ist nichts weiter als institutionalisierte Gewalt, die Fortsetzung des Krieges, den das gepanzerte „Leben“ gegen das Lebendige führt, mit anderen Mitteln.

Der krasseste aktuelle Fall ist wohl die hochethische Abtreibungsgesetzgebung. Im Vergleich der Kulturen hat DeMeo festgestellt, daß in jenen Gesellschaften, wo „das ungeborene Leben geschützt wird“, in einem überdurchschnittlichen Ausmaß Feinde getötet, gefoltert und verstümmelt werden. Je friedlicher Völker sind, desto geringer ist die Strafe für den Abortus (ebd., S. 198).

Das Gegenmodell (wenn dies das richtige Wort ist) für die hierarchische Struktur von Offenbarung, Vermittlung und Befolgung oder aber für den liberalen Rechtsstaat ist eine Gesellschaft, die auf der Wissenschaft (im Sinne Nietzsches als „gesunder Begriff von Ursache und Wirkung“) beruht. Gerda Weiler hat diese matriarchale Geistesart selbst im Alten Testament gefunden, vor allem im Buch der Sprichwörter. In Spr 24,30-34 z.B. beschreibt der Ich-Erzähler, wie er am „Feld eines Faulpelzes“ vorüber ging, das vollkommen verwüstet war. „Ich sah es und zog meine Lehre daraus“, nämlich kein Faulpelz zu sein. Weiler kommentiert diese naive Volksweisheit wie folgt:

Ein Mensch hat einen sinnvollen Zusammenhang erkannt, er hat gesehen, daß Fleiß eine nützliche Tugend ist. Er sagt: „Ich!“ – Ich habe gesehen und danach gehandelt. Als Empfehlung gibt er es weiter an ein Du. Aber er sagt nicht: Du mußt! Du sollst! Er weist auf die Folgen der Faulheit in: Die Armut wird dich überkommen, wie ein Wanderer kommt über Nacht. (Ich verwerfe im Lande die Kriege, München 1984, S. 377)

In einer von der Wissenschaft geprägten Gesellschaft braucht es kein „Du sollst“ zu geben, kein Gesetz, kein Recht. Solange wir noch ein Rechtsstaat sind, bleiben wir mit einem Bein im Mittelalter!

Als Beispiel für solche wissenschaftlichen Gesellschaften verweist Weiler auf verschiedene Untersuchungen: auf Henry Lewis Morgans Arbeit über die mutterrechtlich organisierten Irokesen, eine Arbeit über das prä-römische Gallien sowie eine Arbeit über „die älteste israelitische Stammesordnung“ (ebd., S. 370).

Die Irokesen kannten keinerlei Gesetze. (Es ist äußerst interessant, daß Franklin und Jefferson manche ihrer Ideen für die Ausformulierung der amerikanischen Verfassung aus dem hochentwickelten sozialen Leben der Irokesen geschöpft haben.) Die Religion der Druiden „entbehrte jeder ethischen Grundlage“. Das alte Israel war an keine „höhere Moral“ gebunden. (Über die Zeit vor David heißt es: „Es gab zu jener Zeit noch keinen König in Israel, und jeder tat, was er wollte.“ Ri 17,6 und 21,25, der Schlußsatz des Buches von den Richtern.) Als Beispiel sei auch auf die kleinasiatischen Lykier verwiesen, über die es in der Antike hieß: „Sie haben keine Gesetze, nur Gebräuche, und werden von alters her von den Frauen beherrscht“ (z.n. Hans Biedermann: Die Großen Mütter, München 1989, S. 173). Das Matriarchat ist eine Gesellschaft ohne Gesetz. Darauf ist Christus zurückgegangen – „dem Christen ist kein Gesetz gegeben“.

Jesus konnte so denken, weil er an das Gute im Menschen glaubte. Er dachte vom Kern her, während das Alte Testament (mit den genannten Ausnahmen) in der Schicht der sekundären Triebe steckenblieb und nicht darüber hinaus denken konnte.

Der Pesthauch der Bibel (Teil 2)

26. September 2011

Die ganze levitische Mentalität zeigt sich in Dtn 6,10f:

Der Herr, euer Gott, bringt euch jetzt in das Land, das er euch zum Besitz geben will (…). Ihr werdet dort große und schöne Städte vorfinden, die ihr nicht selbst gebaut habt, und Häuser voll von Besitz, den ihr nicht selbst erworben habt, Brunnen, die ihr nicht gegraben, und Weinberge und Olivenhaine, die ihr nicht angelegt habt.

Das ist die Mentalität von Parasiten und Leviten. Sie, die Autoren des Deuteroniums, waren über ein Jahrtausend hinweg bis zur Zerstörung des Tempels Parasiten. Die Religion war hier in erster Linie nichts als ein gigantisches Geschäft ohne jede Gegenleistung. Man lese nur Salicia Landmanns Buch über Jesus und die Juden (München 1987). Es wurde für das Zentralheiligtum in Jerusalem eine Kopfsteuer erhoben, die man als „Sühnegeld für ein Leben“ (also als Ersatz für ein ausbleibendes Menschenopfer!) zu zahlen hatte. „Wenn die Israeliten mir dieses Sühnegeld zahlen, werde ich mich freundlich zuwenden und sie verschonen“ (Ex 30,11-16). Ein sehr geschäftstüchtiger Gott!

Das Deuteronium als fiktives Vermächtnis des sterbenden Mose wurde von Leviten zur Untermauerung ihrer Herrschaft verfaßt und dann von ihnen als Entdeckung einer uralten geoffenbarten Heiligen Schrift verkauft (2 Kön 22,3-23,3). Um diesen Kristallisationspunkt des Alten Testaments gruppierten sich dann das jahwistische Geschichtswerk, das vorher zur Zeit Salomos von Leviten verfaßt worden war, und die Priesterschrift, die nachher von Leviten im babylonischen Exil geschrieben wurde. Dazwischen liegt der Elohist, dessen zentrales Thema die Gottesfurcht ist, also praktisch die Furcht vor den Leviten. Noch heute droht man: „Dir werde ich die Leviten lesen!“

Hinter dieser „erbarmungswürdigen Lüge“ der levitischen Geschichtsfälschung Altes (und durch Paulus auch Neues) Testament sieht Nietzsche in seinem Antichrist (Abschnitt 26)

eine parasitische Art Mensch, die nur auf Kosten aller gesunden Bildung des Lebens gedeiht; der Priester, mißbraucht den Namen Gottes: er nennt einen Zustand der Gesellschaft, in dem der Priester den Wert der Dinge bestimmt, „das Reich Gottes“; er nennt die Mittel, vermöge deren ein solcher Zustand erreicht oder aufrechterhalten wird, „den Willen Gottes“; er mißt, mit einem kaltblütigen Zynismus, die Völker, die Zeiten, die einzelnen danach ab, ob sie der Priester-Übermacht nützten oder widerstrebten. (…) Sie haben aus den mächtigen, sehr frei geratenen Gestalten der Geschichte Israels, je nach Bedürfnis, armselige Ducker und Mucker oder „Gottlose“ gemacht, sie haben die Psychologie jedes großen Ereignisses auf die Idioten-Formel „Gehorsam oder Ungehorsam gegen Gott“ vereinfacht. – Ein Schritt weiter: der „Wille Gottes“ (das heißt die Erhaltungs-Bedingungen für die Macht des Priesters) muß bekannt sein – zu diesem Zweck bedarf es einer „Offenbarung“. (…) Der Priester hatte, mit Strenge, mit Pedanterie, bis auf die großen und kleinen Steuern, die man ihm zu zahlen hatte (– die schmackhaftesten Stücke vom Fleisch nicht zu vergessen: denn der Priester ist ein Beefsteak-Fresser), ein für allemal formuliert, was er haben will, „was der Wille Gottes ist“ (…) Von nun an sind alle Dinge des Lebens so geordnet, daß der Priester überall unentbehrlich ist; in allen natürlichen Vorkommnissen des Lebens, bei der Geburt, der Ehe, der Krankheit, dem Tode, gar nicht vom „Opfer“ (der Mahlzeit) zu reden, erscheint der heilige Parasit, um sie zu entnatürlichen – in seiner Sprache: zu „heiligen“ (…) (…) Der Ungehorsam gegen Gott, das heißt gegen den Priester, gegen „das Gesetz“, bekommt nun den Namen „Sünde“; die Mittel, sich wieder „mit Gott zu versöhnen“, sind, wie billig, Mittel, mit denen die Unterwerfung unter den Priester nur noch gründlicher gewährleistet ist: der Priester allein „erlöst“ (…) Psychologisch nachgerechnet, werden in jeder priesterlich organisierten Gesellschaft die „Sünden“ unentbehrlich: sie sind die eigentlichen Handhaben der Macht, der Priester lebt von den Sünden, er hat nötig, daß „gesündigt“ wird (…) Oberster Satz: „Gott vergibt dem, der Buße tut“ – auf deutsch: der sich dem Priester unterwirft. –

Manche der jüdischen Propheten sollten sich später gegen die Priester auflehnen, wie z.B. Hosea 4,8: „Sie mästen sich von den Sühneopfern meines Volkes, deshalb sind sie so gierig nach seinen Verfehlungen.“ Und schließlich erschien Jesus, doch auch er sollte, wie die Propheten vor ihm, nur ein Lichtblitz in der alles verschlingenden Finsternis der Emotionellen Pest sein. Es kam Paulus, der Träger levitischen Ungeistes mit seinen unterirdischen Größenphantasien; „Ihr wißt doch, daß das Volk Gottes einst die Menschheit richten wird“ (1 Kor 6,2). Aber lassen wir wieder den Antichrist (Abschnitt 42) zu Worte kommen:

Der „frohen Botschaft“ folgte auf dem Fuß die allerschlimmste: die des Paulus. In Paulus verkörpert sich (…) das Genie im Haß, in der Vision des Hasses, in der unerbittlichsten Logik des Hasses. Was hat dieser Dysangelist alles dem Hasse zum Opfer gebracht! Vor allem den Erlöser: er schlug ihn an sein Kreuz. Das Leben, das Beispiel, die Lehre, der Tod, der Sinn und das Recht des ganzen Evangeliums – nichts war mehr vorhanden, als dieser Falschmünzer aus Haß begriff, was allein er brauchen konnte. Nicht die Realität, nicht die historische Wahrheit! (…) Und noch einmal verübte der Priester-Instinkt [des Leviten] das gleiche große Verbrechen an der Historie – er strich das Gestern, das Vorgestern des Christentums einfach durch, er erfand sich eine Geschichte des ersten Christentums. Mehr noch: er fälschte die Geschichte Israels nochmals um, um als Vorgeschichte für seine Tat zu erscheinen: alle Propheten haben von seinem „Erlöser“ geredet… (…) Der Typus des Erlösers, die Lehre, die Praktik, der Tod, der Sinn des Todes, selbst das Nachher des Todes – nichts blieb unangetastet, nichts blieb auch nur ähnlich der Wirklichkeit. Paulus verlegte einfach das Schwergewicht jenes ganzen Daseins hinter dies Dasein – in die Lüge vom „widerauferstandenen“ Jesus. Er konnte im Grunde das Leben des Erlösers überhaupt nicht brauchen – er hatte den Tod am Kreuz nötig und etwas mehr noch… Einen Paulus (…) für ehrlich halten, wenn er sich aus einer Halluzination den Beweis vom Noch-Leben des Erlösers zurechtmacht, oder auch nur seiner Erzählung, daß er diese Halluzination gehabt hat, Glauben schenken, wäre eine wahre niaiserie seitens eines Psychologen: Paulus wollte den Zweck, folglich wollte er auch die Mittel… Was er selbst nicht glaubte, die Idioten, unter die er seine Lehre warf, glaubten es. – Sein Bedürfnis war die Macht; mit Paulus wollte nochmals der [levitische] Priester zur Macht – er konnte nur Begriffe, Lehren, Symbole brauchen, mit denen man Massen tyrannisiert, Herden bildet.

Jesus steht für die alte, matriarchale Tradition Israels, Paulus steht für die neue patriarchale levitische Tradition Israels. – Nachweislich entstammt alles Menschliche im Alten Testament der matriarchalen Herkunft Israels. Alles Unmenschliche kam vom Levitentum, das ursprünglich nichts mit Israel zu tun hatte. So ist z.B. ein Großteil des Buches der Sprüche matriarchalen Ursprungs. Dies sieht man schon am letzten Kapitel der Sprüche, den „Ratschlägen für König Lemuel, die seine Mutter ihm gab“. Oder man nehme nur Sprichwörter wie: „Es ehrt einen Mann, wenn er sich aus einem Streit heraushält; nur ein Dummkopf stürzt sich hinein“ (Spr 20,3). Man solle bei Kränkung Nachsicht üben (Spr 19,11) Und vergleiche dies mit dem aggressiven, kriegslüsternen Deuteronium. Auch Jesaja rät dem König, nicht die Karte der Macht und Gewalt zu spielen. Vielmehr erhofft er die Wiedererweckung des Volkes vom leidenden Menschensohn (Jes 52,14). Dies verweist auf den spätmatriarchalen Mythos vom „Heros der Göttin“.

So ist man bei der Lektüre es Alten Testaments hin und hergerissen. Manche Stellen könnten von Jesus selbst sein: „Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken“ (Spr 25,21). Aber kaum wird so der Weg aus der Falle von Rache und Vergeltung gewiesen, schlägt einem der levitische Ungeist entgegen. Einerseits liest man in Lev 19,33f:

Unterdrückt nicht die Fremden, die in eurem Land leben, sondern behandelt sie genau wie euresgleichen. Jeder von euch soll seinen fremden Mitbürger lieben, wie sich selbst. Denkt daran, daß auch ihr in Ägypten Fremde gewesen seid.

Andererseits schlägt einem gleich darauf Dtn 7,16 ins Gesicht:

Alle Völker, die der Herr in eure Gewalt gibt, müßt ihr vernichten. Ihr dürft kein Mitleid mit ihnen haben und auf keinen Fall ihre Götter verehren, denn das würde euch ins Verderben stürzen.

Gegen diesen Geist kämpfte Christus als Hüter der israelischen Traditionen, weswegen er von den Hütern der deuteronomistischen Tradition ans Kreuz genagelt wurde. Und tragischerweise – tragisch für die Generationen der letzten 2000 Jahre – war auch sein Hauptapostel, Paulus Vertreter dieser Traditionslinie religiösen Todschlags.

Der Pesthauch der Bibel (Teil 1)

25. September 2011

Die gesamte Bibel atmet den Hauch der Wüste. Ich kann mich noch gut an meinen Religionsunterricht erinnern. Was uns da als „Frohe Botschaft“ verkauft wurde, hinterließ bei mir nichts als einen faden Nachgeschmack von Trockenheit, Dürre, Wüste und vor allem Grauen. Ich bin sicher, daß jeder als Kind mit dem untrüglichen Sinn des noch relativ ungepanzerten Lebens diesen Mumiengeruch wahrgenommen hat.

Was hält denn die Bibel, Altes und Neues Testament, konzeptionell zusammen? Die Geschichte des Wüstendämons „Asasel“. Am „Versöhnungstag“ wurde ihm ein „Sündenbock“ dargebracht, auf dem zuvor vom Priester alle Sünden des Volkes übertragen worden waren (Lev 16). Genauso wurde, Paulus zufolge, Jesus mit den Sünden des Volkes beladen und (dem Wüstendämon) Jahwe geopfert.

Oder nehmen wir das Abendmahl, mit dem ich mich bereits an anderer Stelle beschäftigt habe. – Unter dem Druck der Wüste ist es mit Sicherheit zu Fällen von Kannibalismus gekommen. Noch in Dtn 28,53-57 hallen diese ersten alptraumhaften Schrecknisse des aufdämmernden Patriarchats nach, wenn wir dort als weiteren „Fluch des Ungehorsams“ über Ereignisse lesen, die aus späteren Dürrekatastrophen im Nahen Osten durch unbezweifelbare Zeugenaussagen belegt sind:

In der Hungersnot, die während der Belagerung in euren Städten herrscht, werdet ihr das Fleisch eurer eigenen Kinder essen, die der Herr, euer Gott, euch geschenkt hat. Der vornehmste Mann, der auf seine feine Lebensart stolz ist, wird sich nicht scheuen, seinen eigenen Sohn zu verzehren; er wird eifersüchtig darüber wachen, daß keiner von seinen Verwandten einen Bissen davon bekommt, nicht einmal die geliebte Frau und die übrigen Kinder. So groß wird die Not sein in den Städten, die von euren Feinden belagert werden. Die verwöhnteste Dame, die vor lauter Vornehmheit keinen Fuß auf die Erde setzt, wird in der höchsten Not ihre Nachgeburt verzehren und sogar das Kind, das sie soeben geboren hat; sie wird es in aller Heimlichkeit tun und nicht einmal dem geliebten Mann und den übrigen Kindern etwas davon gönnen.

Den Höhepunkt der Blutorgie, die die Bibel beschreibt, stellte der „Bann“ dar. Zu diesem Komplex zitiere ich aus der Sachkunde zur Biblischen Wissenschaft, einer Unterrichtshilfe für Religionslehrer von Hans-Jochen Gamm:

Der „Heilige Krieg“ galt den Israeliten als eine kultische Handlung. Das Heer befand sich dabei unter strenger, sakraler Ordnung. Die Krieger waren geweiht (Jos 3,5), auch ihre Waffen (2 Sam 1,21). Nach einer Niederlage fastete das Heer (Ri 20,26). Vor dem Kampf wurden Opfer dargebracht (1 Sam 7,9; 13,9). Als besonders wichtig galt die Gottesbefragung (Ri 20,27). Auf Grund des zusagenden Gottesbescheides verkündete der Heerführer: „Jahwe hat (…) in eure Hand gegeben“ (Jos 2,24; 6,2.16; Ri 7,9-15; 1 Sam 14,12; 17,46). Man meinte, daß Jahwe vor dem Heer dem Feind entgegenzog (Dtn 20,4; Ri 4,14) – und scheute sich die Krieger zu zählen, weil das Wunder Jahwes nicht rationalisiert werden durfte (2 Sam 24,1ff). Die heiligen Kriege galten als Jahwes Kriege (1 Sam 25,28), die Feinde als Jahwes Feinde (Ri 5,31; 1 Sam 30,26). Deshalb sollte das Heer sich nicht fürchten (Ex 14,13; Jos 8,1; 10,25; 11,6). Man glaubte, daß Jahwe durch Verwirrung der Feinde, durch Finsternis, Gewitter, Erdbeben, Steinschlag (Hagel oder Meteorite?) zugunsten der Geweihten in die Schlacht eingriff (Ex 23,27; Jos 10,10f; 24,7; Ri 4,15; 1 Sam 7,10; 14,15-20). Der geweihte Krieger meinte, er käme Jahwe zu Hilfe (Ri 5,23). Den Höhepunkt und Abschluß des Kampfes bildete der Bann, die Übereignung der Beute an Jahwe, deshalb wurden die gebannten Menschen und Tiere getötet; Wertgegenstände gingen in den Schatz Jahwes ein (Jos 6,18f). Nur „Heilige Kriege“, nicht die profanen, endeten mit der Bannung. (München 1965, S. 67)

Der Ausrottungsbefehl Jahwes hat sich auf das ganze Land Kanaan erstreckt. Die Bewohner des Landes gab er preis, „so daß ihr sie vernichten und ihr Land in Besitz nehmen könnt“ (Dtn 12,29). Die Beschreibung dieser heiligen Endlösung (die im übrigen nie so total stattgefunden hat, sondern nur in der Phantasie der heiligen Männer, die das Alte Testament verfaßt und kompiliert haben) überlasse ich der Heiligen Schrift:

Der Süden Kanaans wird erobert: Nachdem Josua Jericho ausgeplündert, alle seine Einwohner umgebracht und die Stadt verbrannt hatte, dasselbe mit der Stadt Ai getan und fünf Kanaaniterkönige gefangen und hingerichtet hatte,

griff Josua die Stadt Makkeda an und eroberte sie. Am König und an allen Einwohnern ließ er den Bann vollstrecken. Alle wurden getötet; niemand konnte entkommen. Josua bereitete dem König von Makkeda dasselbe Schicksal wie dem König von Jericho. Von Makkeda zog Josua mit dem Heer der Israeliten vor die Stadt Libna und griff sie an. Der Herr gab auch Libna und ihren König in die Gewalt der Israeliten. Sie töteten alle Einwohner und ließen niemanden entkommen. Dem König von Libna bereiteten sie dasselbe Schicksal wie dem König von Jericho. Von Libna aus zogen sie vor die Stadt Lachisch, umzingelten sie und griffen sie an. Am zweiten Tag der Belagerung gab der Herr die Stadt in die Gewalt der Israeliten. Sie eroberten sie und töteten genau wie in Libna alle Einwohner. Auch König Horam von Geser, der den Leuten von Lachisch zu Hilfe eilte, wurde von Josua besiegt, seine Truppen wurden bis auf den letzten Mann aufgerieben. Von Lachisch aus zogen sie in die Stadt Eglon, umzingelten sie und griffen sie an. Sie eroberten sie am gleichen Tag und vollstreckten an allen Einwohnern den Bann, genau wie sie es in Lachisch getan hatten. Von Eglon aus zogen sie vor die Stadt Hebron, griffen sie an und eroberten sie. Sie vollstreckten den Bann an der Stadt genau wie in Eglon und töteten den König und alle Bewohner, auch die der umliegenden Ortschaften, keiner konnte entkommen. Darauf kehrten sie um und griffen die Stadt Debir ab. Sie eroberten sie mit den umliegenden Ortschaften und vollstreckten den Bann an ihrem König und allen Bewohnern. Wie in Hebron ließ Josua niemanden entkommen. Er bereitete Debir und seinem König dasselbe Schicksal wie Libna und seinem König. Auf diese Weise eroberte Josua das ganze Land (…). Er besiegte alle Könige und ließ niemanden in diesem ganzen Gebiet am Leben; an allen vollstreckte er den Bann, wie der Herr, der Gott Israels, es befohlen hatte. In einem einzigen Feldzug eroberte Josua diese Gebiete und besiegte alle Könige, die dort regiert hatten; denn der Herr, der Gott Israels, kämpfte für sein Volk. (Jos 10,28-42)

Der Norden Kanaans wird erobert: Die Könige Nordkanaans versuchten die Eindringlinge aus ihrem Gebiet herauszuhalten, aber Josua gelang ein Überraschungsangriff auf ihr Lager und sie wurden in die Flucht geschlagen.

Dann kehrte Josua um und eroberte die Hazor, die damals alle Städte in dieser Gegend samt ihren Königen beherrschte. Er erschlug ihren König, und die Männer Israels vollstreckten an allen Einwohnern den Bann. Niemand blieb am Leben; die Stadt wurde verbrannt. Auch alle anderen Städte eroberte Josua und ließ ihre Könige und alle Einwohner töten, wie es Moses, der Diener des Herrn, befohlen hatte. Diese Städte wurden jedoch nicht verbrannt; sie stehen noch heute auf ihren Hügeln. Die Israeliten nahmen alle wertvollen Dinge und alles Vieh für sich; aber von den Menschen ließen sie keinen am Leben. So hatte der Herr es seinem Diener Mose befohlen, und Mose hatte den Befehl an Josua weitergegeben. Josua hielt sich genau an alle Weisungen, die Mose vom Herrn erhalten hatte. Josua eroberte das ganze Land von Süden bis Norden (…). Alle Könige dieses Gebietes nahm Josua gefangen und tötete sie. Er mußte jedoch lange gegen sie kämpfen. Außer der Hiwiterstadt Gibeon schloß keine andere Stadt mit den Israeliten Frieden. Alle mußten erobert werden. Der Herr hatte ihre Bewohner so starrsinnig gemacht, daß sie den Israeliten Widerstand leisteten; denn er wollte, daß sie alle dem Bann verfielen und ohne Erbarmen vernichtet würden. So hatte er es Mose befohlen. Damals vernichtete Josua auch die Anakiter, die in den Städten Hebron, Debir und Anab und in anderen Orten im Bergland von Juda und Israel lebten. Er vollstreckte den Bann an ihnen und ließ niemand von ihnen übrig. Nur die Anakiter in Gaza, Gat und Aschdod entkamen dem Untergang. Josua eroberte das ganze Land, wie der Herr es Mose angekündigt hatte. Er gab es den Israeliten als Besitz und teilte jedem Stamm sein Gebiet zu. Die Israeliten lebten nun in Ruhe und Frieden. (Jos 11,10-23)

Es ist die deuteronomistischen Tradition der Leviten, die von Israel als dem „erwählten Volk“ spricht (obwohl doch die Leviten selbst nicht zur Summe der Israeliten hinzugezählt werden, Num 1,49). Es sei „ein Volk von ganz besonderer Art, das sich mit anderen Völkern nicht vermischt“ (Num 23,9). Ein Volk, das Gott „hoch über alle anderen Völker erheben will, die er geschaffen hat“ (Dtn 26,19), „kein anderes Volk wird danach noch zur Herrschaft kommen und (sein) Reich ablösen. Es beseitigt alle anderen Reiche, aber es selbst bleibt für alle Zeiten bestehen“ (Dan 2,44). Ein Volk, ein Reich, ein Führer (Jos 1,16-18) – und die Untermenschen, oder wie die Bibel sie nennt: das „Un-Volk“ (Dtn 32,21). Bei Sach 14,9-17 finden wir schließlich folgende imperialistische Wahnphantasie:

Dann wird der Herr über alle Völker der Erde König sein. Es wird keinen anderen Herrn neben ihm geben, und man wird keinen anderen Gott mehr auf der Erde verehren. Das ganze Land (…) verwandelt sich in eine Ebene, Jerusalem selbst aber bleibt erhöht und überragt das übrige Land. (…) Die Völker (…), die gegen Jerusalem herangezogen sind, wird der Herr mit einer schrecklichen Krankheit schlagen. Ihr Fleisch verfault, während sie noch auf ihren Füßen stehen; die Augen und die Zunge, die sie eben noch bewegt haben, zerfallen ganz plötzlich. Der Herr wird sie so sehr erschrecken, daß sie völlig verwirrt sind und einer über den anderen herfällt. Auch die Männer von Juda werden Jerusalem verteidigen helfen, und man wird als Beute die Schätze aller Nachbarvölker einbringen, eine große Menge Gold, Silber und kostbare Gewänder. (…) Die Überlebenden aus den Völkern, die gegen Jerusalem herangezogen sind, werden jedes Jahr nach Jerusalem pilgern, um das Laubhüttenfest zu feiern und den Herrn der ganzen Welt als ihren König zu verehren. Wenn ein Volk sich weigert, zu kommen und dem Herrn Ehre zu erweisen, wird auf sein Land kein Regen fallen(!).


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