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Kabbala und Überlagerung

17. Oktober 2011

Die Kabbala, die jüdische Geheimlehre, soll als „dritte Thora“ genauso wie die erste und zweite Thora (Pentateuch und mündliche Überlieferung) direkt auf Moses zurückgehen.

Kabbalistisch spaltet sich Gott aus der Einheit in die Zweiheit und konstituiert dabei das Haus der Welt, das hinfort von Zweiheiten geprägt ist, die darauf drängen sich wieder zu vereinigen. Dies war auch die Geheimlehre Jesu, wie sie sich in der Bezeichnung manifestiert, die er Gott gab: ABBA. Orgonometrisch ist dies der knappste Ausdruck für die Schöpfungsfunktion: von der Einheit (Alef, der Stier = 1) zur Zweiheit (Beth, das Haus = 2) und von der Zweiheit (B) zu einer neuen Einheit (A). Das ist Abba, unser lieber Vater im Himmel, die Weltformel.

In der Kabbala wurde Magie als Fortführung der Schöpferkraft des Gottes betrachtet, der den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hatte, während das Christentum Magie stets verteufelt hat. Wollte es so seine Ursprünge kaschieren?

In seinem Buch über Sigmund Freud and the Jewish Mystical Tradition hat David Bakan den Nachweis bringen wollen, daß Freud die Psychoanalyse aus der Kabbalistik hergeleitet habe (Princeton, NJ 1958). Der Versuch eines solchen Nachweises ist Bakan gründlich mißlungen. Trotzdem kann man, auch wenn sich keine direkte Verbindung nachweisen läßt, von einer Gleichartigkeit von Kabbala und Psychoanalyse (und damit indirekt auch der Orgonomie) schon allein deshalb sprechen, weil beide Systeme praktisch alles mit sexuellen Metaphern darstellen. Alle Symbole erhalten einen sexuellen Inhalt.

In der Orgonomie ist ein Symbol immer das Produkt einer Überlagerung zweier konträrer Elemente, so daß implizit alle Symbole sexueller Natur sein müssen, da für den Menschen „Überlagerung“ in erster Linie Überlagerung von Frau und Mann ist. Man denke nur an das Sinnbild für das Christentum (ein vertikaler Balken durchdringt einen horizontalen) oder für die Judenheit (ein nach unten gerichtetes „weibliches“ Dreieck wird von einem nach oben gerichteten „männlichen“ Dreieck durchdrungen).

Zur derartigen Symbolen siehe auch meine Ausführungen im 1. Abschnitt von Der blaue Faschismus.

Für den nichtmedizinischen Orgonomen John M. Bell ist das Symbol (in der Literatur die Metapher) ein Produkt der Überlagerung von sich scheinbar ausschließenden Elementen:

Die erfolgreiche Metapher (…) ist eine Art energetischer Überlagerung ähnlich der Fusion zweier getrennter Energieströme, die eine neue Einheit oder ein neues System erzeugen. Die Metapher überlebt, wenn sie wahrhaft bedeutungsvoll und genuin funktionell ist, als ein neues Konzept oder eine Idee, die mit Bedeutung, Einsicht und Energie (der Fähigkeit zur Bewegung) gefüllt ist. („Art and Orgonomy – Preliminary Considerations“, Journal of Orgonomy, Nov. 1977)


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