Archiv für die Kategorie ‘Wissenschaft’

Grasinfusion

13. Mai 2013

Gastbeitrag von Oliver Gerlach

Hallo Herr Nasselstein, ich wende mich mit einigen äußerst interessanten Beobachtungen an Sie, die ich im Verlauf meiner Versuche mit Grasinfusionen gemacht habe.

Seit September 2012 konzentriere ich mich in meinem Labor auf die Beobachtung von Heu- und Moosinfusionen. Wie ich Ihnen bei unserem Treffen in Hamburg erzählt habe, möchte ich eine Dokumentation der Prozesse in den Infusionen mittels Zeitraffer anfertigen. Ich ringe hier immer noch mit einigen technischen und methodischen Schwierigkeiten, mit denen ich Sie heute aber nicht langweilen will. Es geht um Beobachtungen in den Infusionen, die unübersehbar orgonomische Relevanz besitzen und bisher anscheinend noch niemandem aufgefallen sind.

Ich fertigte eine Infusion aus Heu (frisch vom Zoohandel) mit Volvic-Wasser an. Die Halme werden „handverlesen“; nicht zu gelb, nicht zu grün, nicht zu dick usw. Ein großes Einmachglas wird mit kleingeschnittenem Heu und ca. 1 L Volvic gefüllt. Nach 5 – 6 Tagen zeigen sich mikroskopisch die wohlbekannten Bläschen- und Zystenformen an den Rändern der Halme, Pantoffeltierchen, Amöben usw. Aber das kennen wir ja alles schon. Um die Proben aus den Infusionsgläsern zu beobachten, legte ich einige Halme zusammen mit Flüssigkeit aus der Infusion in eine Petrischale. Mein Mikroskop kann auf dem Objekttisch eine Petrischale aufnehmen und führen. So kann ich dieses isolierte „Stück“ aus dem großen Infusionsglas über Wochen beobachten, ohne dass es austrocknet. In dieser Probe machte ich folgende Beobachtung (siehe Plasma 1-Video unten): Es scheint, als ob sich hier die feinen Bläschen geschlossen vom Grashalm lösen und davonkriechen!

Etwas später fand ich in der selben Probe dieses seltsame Gebilde (siehe Plasma 2-Video unten). Es handelt sich hierbei um ein amöboides Gebilde von gigantischen Ausmaßen. Der Bildausschnitt überdeckt mehr als 1 mm in der Diagonalen. Es verzweigt sich blumenkohlartig von einem „Uroid“ und zeigt nur an den äußersten peripheren Stellen ektoplasmatische Vorwölbungen (siehe Amöbe). An den „Stengeln“ gibt es kein Ektoplasma, dafür aber feine Bläschen, die hier wild umherschwirren und den Anschein erwecken, als wären sie eine Vorstufe von Ektoplasma. Die Strömungsbewegungen innerhalb dieses Gebildes zeigen äußerst eindrucksvolle Spannungs-Ladungs-Vorgänge.

Was ist nun das besondere an diesem Gebilde?

Meiner Erfahrung nach ist es zu groß für eine Amöbe, die verzweigte Gestalt und die fehlende ektoplasmatische Umhüllung ist ebenfalls merkwürdig. Es gibt einige Amöbenarten, die äußerst groß werden (z.B. Chaos bis zu 5 mm) aber dieses Ding sieht anders aus. Bei dem Film Plasma 2 sehen Sie etwa bei 00:37 oben links am Rand ein durchscheinendes Gebilde neben dem riesigen Blumenkohl. Das ist eine „normale“ Amöbe, die schon richtig groß ist. Ich werde den Eindruck nicht los, dass hier Plasma aus den abgestorbenen Pflanzenzellen zusammenfließt und umherwandert.

Gestern schaute ich mir das große Kulturglas, in dem sich die Heuinfusion befindet, genauer an. Mir fielen weißliche, geschwungene Streifen auf, die an der Glasinnenseite wachsen. Es sieht aus wie eine Art schleimiger Pilz, der großflächig am Glas bis hinauf zum Rand wächst. Sofort hatte ich den Eindruck, dass es sich hier um das selbe Gebilde handeln könnte, nur noch viel, viel gigantischer, mit Ausmaßen von mehreren QUDRATZENTIMETERN! Also merkte ich mir eine markante Stelle der Struktur. Heute morgen konnte ich feststellen, daß eben dieses Stück der Struktur verschwunden war: ES BEWEGT SICH! Ich entnahm eine Probe aus dem Aufwuchs und untersuchte sie mikroskopisch: Plasmaströmungen wie in Plasma 2, schwächer aber eindeutig.

Ich fertigte eine Zeitrafferaufnahme dieses Gebildes am Glas an (siehe Plasma 3-Video unten). Der Film zeigt das Gebilde im Verlauf von etwa 4,5 Stunden ohne jegliche Vergrößerung. Da ich heute morgen einige Proben entnahm und den Deckel öffnete, entkam anscheinend einige Luftfeuchtigkeit und die Glasinnenseite trocknet im Verlauf des Films ab und das Gebilde trocknet ein. Trotzdem kann man sehr eindrucksvoll Pulsation in den blutgefäßartigen Verzweigungen des Gebildes beobachten. Als ich den fertigen Film dieses plasmatischen „Monsters“ sah, musste ich mich erstmal hinsetzen. Gut dass es nicht im Trockenen „überleben“ kann, sonst würde es aus dem Glas rauskriechen…

Was bedeuten diese Beobachtungen meiner Meinung nach?

Ich interpretiere die Beobachtungen im ersten Eindruck so, dass aus zerfallendem Gewebe neben einzelligen Protisten auch „Plasma-Ansammlungen“ entstehen, die zusammenfließen und ein „System“ bilden. Bei der Beobachtung „normaler“ Amöben hatte ich schon immer den Eindruck eines „Tröpfchen Lebendes“ – ohne Form und trotzdem reizbar, stoffwechselnd usw. Anscheinend ist die kritische Masse eines solchen „Tröpfchens“ weitaus größer als ich dachte. Überaus eindrucksvoll ist auch der Eindruck der Plasmaströmungen: pulsierend, ein-und ausströmend, spontan. Das bultgefäßartige Mäandern der „Pseudopodien“ am Kulturglas scheint eine Fließ- und Bewegungsfunktion der Orgonenergie im Plasma zu zeigen, die sich auch im Körper und in den Geweben niederschlägt: Adern in tierischen oder pflanzlichen Geweben, Nervenbahnen.

Polysaccharide, Kapitalismus und Faschismus

12. Mai 2013

Kun Zhao von der UCLA, Northwestern University und Boo Shan Tseng von der University of Washington haben zusammen mit weiteren Forschern herausgefunden, daß sich Bakterien in etwa so organisieren wie kapitalistische Ökonomien, d.h. „die Reichen werden immer reicher“.

Auf Oberflächen wandern Bakterien umher und finden zu Gemeinschaften zusammen, den sogenannten „Biofilmen“, die sehr widerstandsfähig sind, insbesondere was Antibiotika betrifft. Bakterien hinterlassen bei ihren Wanderungen Spuren aus speziellen Polysacchariden, an denen sich andere Bakterien ausrichten. Um manche Bakterien, die im richtigen Augenblick am richtigen Ort sind, sich aber ansonsten in nichts von anderen Bakterien unterscheiden, bilden sich durch positive Rückkoppelung Mikrokolonien, die schließlich zu Biofilmen werden, in denen die einzelnen Bakterien von einer Hülle aus Polysacchariden geschützt werden.

Die Biofilme entwickeln sich, so die Forscher, in Übereinstimmung mit dem Zipfschen Gesetz, das beispielsweise verwendet wird, um zu beschreiben, warum eine kleine Gruppe von Menschen den Großteil des Reichtums einer Gesellschaft kontrolliert. Entsprechend ziehe eine kleine Anzahl von Bakterien den meisten Nutzen aus den gemeinschaftlich produzierten Polysacchariden. Um bisher resistente Biofilme zu bekämpfen, könne man deshalb Konzepte nutzen, die Wirtschaftswissenschaftler ausgearbeitet haben.

Diese Forschungsarbeit ist nicht nur deshalb faszinierend, weil sie verschiedene Disziplinen miteinander verbindet, indem sie gemeinsame Funktionsprinzipien (CFPs) aufdeckt, sondern vor allem auch deshalb, weil diese CFPs zu den grundlegendsten Eigenschaften orgonotischer Prozesse gehören: die Überlagerung und das orgonomische Potential. Orgonenergie-Einheiten ziehen sich gegenseitig an (Überlagerung) und dergestalt zufällig entstandene Orgonenergie-Konzentrationen werden zu Kondensationskeimen, zu denen immer mehr Orgonenergie hinfließt (orgonomisches Potential):

baktueberpoten

Dies geschieht in allen Systemen, die man sich selbst überläßt. Sei es in einer Petrischale oder in einer Wirtschaft. Deshalb ist es auch vollkommen illusionär, daß sich in einer entwickelten Gesellschaft ohne Zwang, d.h. ohne die eine oder andere Form von „rotem Faschismus“, der Reichtum gleichverteile. Alles, was man tun kann, ist zu verhindern, daß sich die gegebene Verteilung verfestigt und die Reichen mit Gewalt den Status quo zu erhalten suchen („schwarzer Faschismus“).

Reich in der Platonischen Akademie (Teil 2)

30. April 2013

Der Gegensatz von Quantität und Qualität ist die Grundlage der Physik. Durch diese Trennung hat sie sich von der Aristotelischen Philosophie befreit und ist zur Wissenschaft geworden. Zum Beispiel interessiert die Farbe Blau und ihr Verhältnis zur Farbe Rot in keinster Weise, sondern z.B. nur daß die „blauen“ Photonen energiereicher sind, als die „roten“. Daß Rot eine Signalfarbe ist und Blau etwas melancholisch wirkt, ist den Physikern egal und muß draußen vor bleiben. Für Reich war jedoch gerade die Aufhebung des Gegensatzes von Quantität und Qualität der Ausgangspunkt der Orgonomie.

Physiker räumen gerne ein, daß Aristoteles vielleicht ein guter Psychologe und Biologe gewesen sein mag, wenn er nur nicht sein psychologisches und biologisches Denken auf rein physikalische Phänomene übertragen hätte. Doch sowohl für Aristoteles als auch für Reich war es nicht die Aufgabe der Psychologie und Biologie der Physik zu folgen, sondern umgekehrt. Dazu schrieb Reich 1944 in einem Brief an seinen Mitarbeiter Theodore Wolfe:

Es ist kein Zufall, daß die Orgonenergie – d. h. die grundlegende kosmische Energie, die das Leben steuert – nicht im Kontext der Physik toter Materie, sondern im Kontext der Psychiatrie, der Emotionen, entdeckt wurde. Bei der Entdeckung habe ich in keinster Weise den Bereich der Bio-Psychiatrie verlassen. Die Beziehung zwischen der physikalisch-mathematischen Wissenschaft und der Wissenschaft vom Leben wird einfach umgekehrt: bis jetzt sind Biologie, Medizin, etc. der Chemie und Physik gefolgt und versuchten auf eine völlig verfehlte Weise ihre Wissenschaft auf Gesetze zu gründen, die im Bereich der anorganischen Physik entdeckt worden waren. Die Entdeckung des Orgons kehrt diese Beziehung um. Jetzt stellen die Funktionen lebendiger Organismen das Modell für die Erforschung einer grundlegenden Energie dar. Dies wird nicht nur für die Erforschung der Orgonenergie zur Anwendung kommen, sondern für weit mehr als dies: die vielen Lücken und Widersprüche im Bereich von Chemie und Physik werden ausschließlich durch die Tatsachen, die aus der Orgon-Forschung hervorgehen, gelöst werden. Von nun an, und das kann ich sicher voraussagen, wird es nicht mehr die Rolle von Biologie und Psychiatrie sein, Physik und Chemie zu folgen, vielmehr werden die Rollen vertauscht werden und es werden Physik und Chemie sein, die Biologie und Psychiatrie folgen, um sich auf eine bessere und exaktere wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Dies gilt auch in einem anderen, tieferen erkenntnistheoretischen Sinn. (American Odyssey, S. 223)

Dies ist in meinen Augen der spezifische Grund, warum fast jeder Physiker fast automatisch so negativ auf Reich reagiert. Schließlich entwickelte sich die Physik durch die Emanzipation vom Aristotelischen Ansatz, d.h. einer psychologistischen bzw. biologistischen Herangehensweise. Es ist nur allzu verständlich, daß Physiker derartig allergisch auf Reich reagieren, so als sei er im wahrsten Sinne des Wortes „mittelalterlich“.

Charles Konia führt in seinem Buch Neither Left Nor Right aus, daß alle bedeutenden politischen Denker seit der Antike entweder mystischen oder mechanistischen Theorien anhingen und auf dieser unpassenden Grundlage die Gesellschaft verstehen wollten. Aristoteles sei die einzige Ausnahme gewesen, denn er war an erster Stelle Naturwissenschaftler. Theorie hatten den Fakten zu folgen. Außerdem war er praktisch der einzige „mit einem auf der Biologie gründenden Verständnis der gesellschaftlichen Organisation“ (S. 6).

Die Wirklichkeit ist, so Konia, für Aristoteles nicht statisch, sondern entwickelt sich einem Ziel entgegen, d.h. sie ist funktioneller Natur. Bei Aristoteles steht das Ganze (etwa der Staat) vor dem Teil (das Individuum). Der Staat setze sich nicht aus einer Anzahl von Menschen zusammen (Quantität), sondern aus unterschiedlichen Arten von Menschen. Der Staat ist ein organisches Gebilde, das sich selbst reguliert, keine Maschine, die von Machteliten benutzt wird. Entsprechend sollte es nicht eine Herrschaft von Menschen, sondern die des Rechts geben. Aufgrund seines funktionellen Denkens konnte bereits Aristoteles vor dem Sozialismus warnen. (Im damaligen Sprachgebrauch redete Aristoteles in diesem Zusammenhang von „Demokratie“. Übrigens sind die westlichen Staaten, etwa die USA, England oder Deutschland nicht einfach „Demokratien“, sondern in Aristotelischer Tradition Republiken bzw. konstitutionelle Monarchien, d.h. der Souverän kann sich nicht willkürlich über Gesetze hinwegsetzen, manche Gesetze von Verfassungsrang nicht mal verändern!)

Insbesondere hebt Konia den Unterschied zum Mystizismus Platos hervor. Wie dies mit der Entdeckung des Orgons zusammenhängt, kann man sich vielleicht am besten am Leib-Seele-Problem vergegenwärtigen. Hans Hass führt aus, daß für Plato der Leib nur das Werkzeug der Seele gewesen sei. Der Leib sei ein „Fahrzeug“ der Seele, das sie wie ein „Steuermann“ lenke.

[A]nders sahen Aristoteles und viele nach ihm die Seele. Sie ist kein Wesen, das vom lebenden Körper getrennt existiert, sondern eine Kraft, die den Leib zum Lebendigen macht. Sie ist ein gestaltendes Prinzip, sie kommt auch schon den Pflanzen zu. Sie ist ein Formprinzip: Leib und Seele verhalten sich zueinander wie Stoff und Form (Duns Scotus). Kritolaos nannte die Seele „Quinta essentia“. Nach E. Becher ist sie der „führende Faktor“ in den Organismen. Die Aristotelische Bezeichnung „Entelechie“ wurde von H. Driesch übernommen. Die Seele ist eine ganzmachende ordnende Kraft, nur ein Teil der Seele sei im Menschen bewußt: das „lch“. (Naturphilosophische Schriften, Bd. 3: Energon-Theorie, München 1987, S. 266)

symbol9

  1. die Seele bestimmt den Körper;
  2. der Körper bestimmt die Seele;
  3. und
  4. Seele und Körper existieren nebeneinander und beeinflussen einander;
  5. und
  6. Seele und Körper schließen einander aus;
  7. und
  8. Seele und Körper sind ein und dasselbe;
  9. die biologische Energie.

Reich in der Platonischen Akademie (Teil 1)

28. April 2013

In seinem neuen Buch Time Reborn stellt der theoretische Physiker Lee Smolin das Platonistisch/Einsteinsche Diktum in Frage, daß die Zeit eine Illusion sei und er kommt dabei zu einer Argumentation, die weitgehend identisch mit der Reichs ist. Smolin:

Die Zeit ist entscheidend und die Wirklichkeitserfahrung, die wir alle haben, in der Gegenwart zu sein, ist keine Illusion, sondern die tiefste Einsicht in den grundlegenden Charakter der Wirklichkeit.

Anfangs habe er wie die meisten seiner Kollegen angenommen, die Zeit sei nur subjektiv, eine Illusion. Doch „im Laufe der Zeit“ gewann er die Überzeugung, daß die Zeit etwas Reales ist und sogar der Schlüssel sein könnte, um die Naturgesetze zu verstehen. Diese seien nämlich nicht etwas Absolutes und Unveränderliches, quasi Platonistische Ideen, sondern würden sich „im Laufe der Zeit“ entwickeln.

Überlegungen über den Charakter der Zeit sind alles andere als abgehobene Spitzfindigkeiten theoretischer Physiker. Smolin:

Wenn ich glaube, daß die Zukunft bereits festgelegt ist, dann sind die Dinge, die das Wertvollste des Menschseins ausmachen genau wie die Zeit selbst eine Illusion. Wir streben doch nach Entscheidungen im Leben. Das ist ein wertvoller Teil unseres Menschseins. Wenn das das wirklichkeitsgerechte metaphysische Bild ist, daß es nur Atome gibt, die sich in der Leere bewegen, dann wird es niemals etwas neues geben und nichts wird jemals eine Überraschung sein — es ist nur die Neuordnung von Atomen. Das geht mit einem Verlust von Verantwortung, sowie einem Verlust der menschlichen Würde einher.

Jedem Physikstudenten werden von vornherein zwei Dinge ausgetrieben: das Vertrauen in seinen natürlichen Sinn für Logik und in die eigenen Sinne. Nur mit Hilfe dieser Platonistischen Didaktik, und einer wohlorganisierten Inquisition, konnte die Relativitätstheorie überleben. Die Gründe dafür, daß sich Einstein durchsetzen konnte (mit all den unausdenkbaren ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen, die die Zerstörung der physikalischen Wissenschaften zeitigte) hat nichts mit Physik zu tun, sondern ist der irrationalen menschlichen Charakterstruktur zu schulden. Die einzige Funktion der Relativitätstheorie bestand darin, das Universum in eine leblose Wüste aus mathematischen Formeln zu verwandeln. Oder wie Reich es ausdrückt:

Einstein gelang es, die erste Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts zu beeindrucken, gerade weil er den Raum leer gemacht hatte. Den Raum so zu entleeren, daß das ganze Weltall zu einem statischen Nichts wurde, war die einzige Theorie, die die wüstenhafte Charakterstruktur des Menschen dieses Zeitalters befriedigen konnte. Der leere, unbewegliche Raum und eine Wüsten-Charakterstruktur passen gut zusammen. Es war ein letzter Versuch von Seiten des gepanzerten Menschen, dem Wissen über ein mit Lebensenergie angefülltes Weltall zu widerstehen und zurückzuhalten, das in vielen Rhythmen pulsiert und sich ständig im Zustand der Entwicklung und Veränderung befindet; das in einem Wort funktionell ist und nicht mechanistisch, mystisch oder relativistisch. Es war, aus Sicht der Naturwissenschaft, die letzte Schranke vor dem endgültigen Zusammenbruch der Panzerung des Menschen. (American Odyssey, S. 248)

Smolins fast durchweg Platonistisch geprägte Kollegen haben gegen ihn ein scheinbar treffendes Gegenargument: das Dilemma des Meta-Gesetzes. Wenn nämlich physikalische Gesetze der Zeit unterliegen, muß es jenseits der Zeit ein „Meta-Gesetz“ geben, das diese Entwicklung steuert. Oder mit anderen Worten: die physikalischen Gesetze stehen doch über der Zeit!

Hier zeigt sich das ganze Elend des mechano-mystischen Weltbildes, d.h. einem Weltbild, das eine bizarre Kombination von „Atomen, die sich in der Leere bewegen“ und Platonistischer Philosophie ist, in der alles von überweltlichen statischen Ideen (Gesetzen) beherrscht wird. Diese Weltsicht ist unmittelbarer Ausdruck des Selbsterlebens des gepanzerten Organismus.

Was nun das besagte „Dilemma“ anbetrifft verschwindet dieses mit der Entdeckung des Orgons, denn damit wurde ein physikalischer Bereich jenseits „der Atome, die sich in der Leere bewegen“ entdeckt, der das mechano-mystische Weltbild aufsprengt:

widfunk

Vis Viva

12. April 2013

ein Gastbeitrag von John Wilder

Wilhelm Reich war Produkt einer deutschen Erziehung, nicht einer britischen oder französischen, so wurde er in der Schule wahrscheinlich von den Ansichten des großen deutschen Wissenschaftlers Gottfried Wilhelm Leibniz durchdrungen und wurde in der Schule wahrscheinlich mit Leibniz‘ Konzept von der integralen „Lebenskraft“, die der materiellen Welt inhärent ist, bekannt gemacht, statt der kälteren, mehr abstrakten Weltsicht eines Newton und Descartes, die in England und, in geringerem Maße, in Frankreich vorherrschten.

Bevor moderne europäische Wissenschaftler begannen, den Begriff „Energie“ zu verwenden, war der Begriff Vis Viva (aus dem Lateinischen für „Lebenskraft“) in Gebrauch. http://en.wikipedia.org/wiki/Vis_viva

Leibniz war von der Bedeutung des Produkts aus „Masse und Geschwindigkeit im Quadrat“ überzeugt, die ursprünglich von Huygens untersucht worden war und die Leibniz Vis Viva, lebendige Kraft, nannte. Er glaubte, daß die Vis Viva das wirkliche Maß der Kraft sei, im Gegensatz zu Descartes Kraft der Bewegung (was „Masse mal Geschwindigkeit“ bzw. dem Impuls entspricht). Es ist nicht ganz klar, warum Leibniz „m v2“ als Größe gewählt hat, statt Descartes‘ „m v“, aber er kam offenbar aufgrund mechanischer Überlegungen zu dem Schluß, daß seine Größe fundamentaler war. Leibniz‘ Behauptung, daß Vis Viva, nicht Descartes‘ Größe, die grundlegendste Erhaltungsgröße war, kommt einer frühen Formulierung des Energieerhaltungssatzes der Mechanik sehr nahe. Da jedoch die Erhaltungsgröße der Bewegung eine der Säulen der kartesischen Naturphilosophie geworden war, wurde Leibniz‘ Vorschlag, daß die grundlegende Bewegungsgröße eine anders war als die, die Descartes vorgeschlagen hatte, von vornherein von allen guten Cartesianern abgelehnt. Eine große Kontroverse folgte zwischen der deutschen Schule des physikalischen Denkens, die natürlich Leibniz unterstützte, und den Schulen Frankreichs und Englands, deren Cartesianer und Newtonianer sich gegen ihn wandten. Beim Bestimmen der Vis Viva als grundlegender Bewegungsgröße suchte Leibniz nach einem Wirkprinzip, das erhalten blieb und das Universum davon abhielt „abzuwirtschaften“. http://scienceworld.wolfram.com/biography/Leibniz.html

Ab 1686 schrieb Leibniz eine Reihe von Arbeiten, in denen er einwendete, daß die Größe, die in der Natur absolut und unzerstörbar erhalten bleibt, nicht die Bewegungsgröße „m v“ (Masse mal das absolute Geschwindigkeitsmaß) sei, sondern eher die Vis Viva oder lebendige Kraft „m v2“ (Masse mal Geschwindigkeit mal Geschwindigkeit). Die lebendige Kraft, gemessen mit „m v2“, bildete für Leibniz das Wesen der Natur, ein allumfassendes Prinzip, die Grundlage seiner ganzen Philosophie. Damit ist die frühe Kontroverse um das Vis Viva kein sinnloser Streit um „Impuls“ gegen „kinetische Energie“, sondern ein geschickter Einspruch von Leibniz gegen ein unzureichendes Konzept, „m v“, und wie es die Welt beschreibt.

Bewegung und Ausdehnung, für Descartes das Wesen der Natur, waren für Leibniz lediglich Beziehungen und bildeten nicht die Realität. Was in der Natur für Leibniz wirklich real war, ist die Urkraft oder das Streben und das wurde von ihm in den folgenden Jahren als die Essenz der von ihm so benannten Monade ausgearbeitet.

Was für Leibniz im Universum real ist, ist Aktivität; das Wesen der Substanz ist Aktion, nicht Ausdehnung, wie Descartes insistiert hatte. Diese Tätigkeit stellt sich als eine Urkraft oder ein Streben nach Veränderung dar; es ist die innerste Natur des Körpers. Die unteilbaren Grundstoffe, deren Wesen eine kontinuierliche Tendenz zur Aktion ist, wurden später, im Jahre 1714 von Leibniz als Monaden bezeichnet.

So bilden die Erhaltung von Substanz und Kraft die Grundlage von Leibniz‘ philosophischem Standpunkt. Da Zeit und Raum weder Realitäten noch Substanzen sind, sondern lediglich Beziehungen darstellen, ist Bewegung, die die kontinuierliche Veränderung in Raum und Zeit ist, ebenfalls nur eine Beziehung. Was real an der Bewegung ist, ist die Kraft, ein momentaner Zustand, der in sich das Streben nach einem zukünftigen Zustand trägt. Es ist daher klar, warum Bewegung und Ausdehnung für Leibniz nicht das Wesen der Realität sein können, wie sie es für Descartes waren. http://nature.berkeley.edu/departments/espm/env-hist/articles/2.pdf

Im Laufe der Jahre haben sich die Ansichten von Descartes und Newton in der theoretischen Physik durchgesetzt, aber Leibniz‘ Anschauungen wirken bis zu einem gewissen Grad in der angewandten Technik, bei der praktischen Arbeit, fort. Beispielsweise bleibt heute in der Himmelsdynamik die Vis Viva-Gleichung (auch orbitale Energieerhaltungsgleichung genannt) eine der grundlegenden und nützlichen Gleichungen, die die Bewegung von um die Erde kreisenden Körpern bestimmt. In moderner Ausdrucksweise ist es die direkte Folge des Satzes von der Erhaltung der Gesamtenergie, bei der die Summe von kinetischer und potentieller Energie konstant bleibt, während sich der Satellit in seiner Umlaufbahn bewegt.

Diese Seite http://www.eoht.info/page/Vis+viva hilft die Evolution (oder den Rückschritt?) der Vis Viva, der „Lebenskraft“, in den Begriff „kinetische Energie“ und andere abstrakte Begriffe, meist durch die Schüler Newtons, zu verstehen:

[Émilie du Châtelets] Buch Institutions de Physique („Lektionen in Physik“) erschien im Jahr 1740; es war als Überblick der neuen Ideen in Wissenschaft und Philosophie für ihren 13 Jahre alten Sohn konzipiert, beinhaltete aber komplexe Ideen führender Denker der Zeit und versuchte diese miteinander in Einklang zu bringen.

Im Buch kombiniert sie die Theorien von Gottfried Wilhelm Leibniz und die praktischen Beobachtungen von Willem ‘s Gravesande, um zu zeigen, daß die Energie eines sich bewegenden Objekts nicht proportional zu dessen Geschwindigkeit ist, wie von Newton, Voltaire und anderen angenommen worden war, sondern zum Quadrat seiner Geschwindigkeit. (In der klassischen Physik lautet die richtige Formel Ek = 1⁄2 m v², wobei Ek die kinetische Energie eines Objekts ist, m die Masse und v die Geschwindigkeit.) http://en.wikipedia.org/wiki/Émilie_du_Châtelet

In der Technik wurde nach Leibniz‘ Tod „lebendige Kraft“ schrittweise in „Arbeitsenergie” oder die Energie der Arbeit umgewandelt.

Eine kurze aber umfassende Darstellung der Geschichte der „lebendige Kraft“ in der Physik findet sich hier: http://rhig.physics.wayne.edu/~sean/Sean/Course_information_files/VisViva.pdf

Wozu dieses Netztagebuch?

30. März 2013

Dieses Netztagebuch ist aus der Netzseite www.orgonomie.net herausgewachsen. Ursprünglich war der Nachrichtenbief eine wöchentliche Strompost, die die neusten Entwicklungen in Gesellschaft und Wissenschaft mit den Themen der Netzseite in Zusammenhang bringen sollte.

Problem bei solchen Netztagebüchern ist, daß sie zur Verbreitung von Weltanschauungen tendieren. Die Orgonomie ist jedoch Wissenschaft, keine Weltanschauung. Entsprechend war für Reich in den 1920er und 1930er Jahren die Psychoanalyse eine Wissenschaft und keine Weltanschauung, obwohl sie als Weltanschauung bekämpft wurde (Menschen im Staat, S. 238). Reich führte damals weiter aus, daß sich in der „objektiven Wissenschaft“ der weltanschauliche Konflikt nicht direkt zu äußern pflege. Man müsse unterscheiden, wo wissenschaftliche Differenzen Mängeln sachlicher Erkenntnis und wo sie weltanschaulichen Motiven entspringen, und ausmachen, wo es zur Bremsung der Erforschung der Wahrheit durch eine unbewußt festgehaltene Weltanschauung komme (ebd., S. 250).

Es kann also nicht darum gehen, hier eine vermeintlich „orgonomische“ Weltanschauung zu vertreten (was ein Widerspruch in sich selbst wäre!), sondern nur darum zu zeigen, wo und wie die diversen Weltanschauungen verhindern, daß sich die Wahrheit, d.h. die Wissenschaft durchsetzt. Ein solches Unterfangen ist natürlich nur möglich, wenn man selbst auf einem sachlichen Fundament steht.

Dieses Fundament ist die Orgonomie bzw. die folgenden vier Grundelemente (vgl. www.orgonomie.net/hdozeit.htm):

  1. die Funktion des Orgasmus
  2. die Entdeckung des Orgons
  3. der Orgonomische Funktionalismus
  4. das ORANUR-Experiment

Am wichtigsten, weil die Grundlage von allem, ist der 1. Punkt. Für den Leser dieser Zeilen bedeutet dies konkret psychiatrische Orgontherapie als die alles entscheidende Grundvoraussetzung, um überhaupt in irgendeiner Weise orgonomisch tätig sein zu können (siehe www.w-reich.de).

Parallel dazu strebt die soziale Orgonomie danach, die „soziale Panzerung“ aufzulösen. Dies geschieht, indem den Massen bewußtgemacht wird, daß die Lösung ihrer Probleme nicht im politischen, sondern im bio-energetischen Bereich liegt. Wie der amerikanische Orgonom Charles Konia neulich in seinem Netztagebuch schrieb:

Das erste und einzige, was den Menschen auf ihrem aktuellen emotionalen Entwicklungsstand gesagt werden kann, ist, daß es keine politischen Lösungen für ihre sozialen Probleme gibt und ihre politischen Lösungen, um den Himmel auf Erden zu erreichen, ein Schwindel sind. Wenn die Menschen diesen Gedanken fassen können, reicht das erst mal. Politische Sehnsucht ist bei den heutigen Massen an die Stelle der religiösen Sehnsucht getreten. Auf diese Weise drücken sie ihren Mystizismus aus.

Punkt 2 beinhaltet den Nachvollzug und die Weiterführung von Reichs Experimenten.

Punkt 3 ist mehr oder weniger Inhalt von www.orgonomie.net, desgleichen

Punkt 4, hier insbesondere der Kampf gegen die Emotionelle Pest, die Auswirkungen von DOR (abgestorbener, giftiger Orgonenergie) auf gesellschaftlicher Bühne (OREP).

 

Hegel und der Orgonomische Funktionalismus (Teil 3)

29. Dezember 2012

Teil 1

Teil 2

Hegels Methode ist ein „spekulatives Denken“, d.h. im damaligen Sprachgebrauch ein „überblickendes Denken“; ein Denken, das das Gemeinsame in den Erscheinungen sieht. In diesem Sinne war Hegel ein funktioneller Denker.

Grundlage seines Denkens war der Dreischritt aus „Einheit – Getrenntheit – höherer Einheit“, d.h. einer Einheit, in der das Getrennte auf eine höhere Ebene gehoben, es „aufgehoben“ wird. Diesen Dreischritt ging er in allen denkbaren Bereichen durch: von der Naturphilosophie (insbesondere Goethes Farbenlehre) bis hin zur Religions- und Philosophiegeschichte, wobei es ihm gelang, jeweils funktionelle Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichsten Bereichen offenzulegen.

Am Anfang steht die „einfache (unterschiedslose) Einheit“. Sie entspricht dem gängigen naiven, „wissenschaftlichen“ Denken, das keine Widersprüche zuläßt.

Es ist ein naives Denken, weil es nicht sieht, daß in jeder Einheit implizit die Zweiheit enthalten sein muß, sonst wäre sie nämlich keine Einheit. Jede „These“ bringt mit Notwendigkeit eine „Antithese“ mit sich. Ein „Innen“, impliziert immer ein „Außen“, Bewegung Stillstand, Licht Dunkelheit, Leben Tod, Freiheit Gebundenheit, etc. pp.

Dieser Umschlag ins Gegenteil bedingt den zweiten Schritt der Triade: die Unterschiede, das Wechselspiel von These und Antithese, wie sie im Gegensatz zum „einfachen Sein“ das „Dasein“ bestimmt.

Im menschlichen Geist bildet sich schließlich die „höhere (konkrete) Einheit“, in der die diversen Unterschiede jeweils in einer Synthese aufgehoben sind. Dieser „Geist“ ist aber nicht etwa der Gedanke des einzelnen Menschen, sondern „der Gedanke Gottes“, der letztendlich allem zugrundeliegt. Im Menschen wird sich sozusagen „das Sein“ seiner selbst bewußt, womit wir wieder am Anfang des Dreischritts wären. Beispielsweise gehen aus Sicht des Geistes (und damit auch real!) Innen und Außen auf die Gestalt zurück, Bewegung und Stillstand, Licht und Dunkelheit, Leben und Tod, Freiheit und Gebundenheit jeweils auf die Organisation, etc. pp.

Hegel3strich

Dieses philosophische (und in mancher Beziehung gleichzeitig religiöse, genauer gesagt christliche) System ist kaum etwas anderes als eine mystische Verzerrung der Orgonometrie, d.h. der objektiven Logik der Natur. Natürlich war es Hegels Anspruch diese „objektive Logik der Natur“ letztgültig entschlüsselt zu haben, doch tatsächlich blieb seinem Nachfolger Reich dieser Schritt vorbehalten.

Jacob Meyerowitz hat das Denken des Menschen wie folgt orgonometrisch beschrieben:

meyermagie

Der Mensch denkt sozusagen auf „Ebenen“, von denen er jedoch nicht erfassen kann, daß es sich um Ebenen unterschiedlicher Tiefe handelt. Entsprechend wird auf abstrakte Weise alles mit allem verknüpft ohne Rücksicht auf die funktionelle Entwicklung (in diesem Beispiel gestaffelt in drei Ebenen, es könnten mehr sein), so als handele es sich um eine einzige Ebene. Die funktionelle Entfaltung, die „Bifurkationen“, „außerhalb der Ebenen“ fällt ganz aus dem Blick. Es ist Aufgabe der Orgonometrie sie wieder in den Blick zu bringen.

Hegel, der den Anspruch hatte, als erster Mensch wirklich wissenschaftlich, d.h. in Übereinstimmung mit der objektiven Realität, zu denken, hat die Orgonometrie in vieler Hinsicht vorweggenommen.

Er hat die Rolle des Gemeinsamen Funktionsprinzips (CFP) erfaßt. Zunächst als Funktion („das einfache Sein“), aus dem die Differenz und damit „das Dasein“ hervorgeht. Und dann, sozusagen in der „spekulativen Schau“, hat er diese einheitliche Funktion als Prinzip erkannt, in dem die spätere Entwicklung bereits enthalten ist. Das ganze dachte er als eine Entwicklung im Dreischritt, weil er im abstrakten Denken gefangen war, wobei er jedoch ansatzweise die funktionelle Entwicklung „außerhalb der Ebenen“ erfaßt hat. Das bezeichnet man heute als „Hegelsche Dialektik“, die über den Umweg des Dialektischen Materialismus (Marx, Engels und Lenin) zu Reich gelangte.

The Journal of Orgonomy (Vol. 40, No. 2, Fall/Winter 2006)

27. Dezember 2012

Robert A. Harman setzt sich in seinem Aufsatz „Functional Cosmology (Part VI): Misconceptions about the Relationship between Orgone Energy and Space“ (S. 119-154) mit einem Problem auseinander, das praktisch die gesamte Rezeption der Orgonbiophysik bestimmt: das „Cartesische Mißverständnis“. Dabei geht es darum, daß der physikalische Raum als eine Art „Plenum“ (DesCartes) betrachtet wird, d.h. er ist vollständig mit Materie, ähnlich dem Orgon, gefüllt. Materie, die sich bevorzugt in Strudeln wie ein „Feinstoff“ durch den Raum bewegt.

Harman zitiert den Religionsphilosophen Robert S. Corrington, der Reichs vermeintliches „Weltbild“ wie folgt beschreibt:

[Reich zufolge] war das Universum der Raum/Zeit durch schnell wirbelnde Wellen [von Orgonenergie] konstituiert, die alles Materielle und Energetische durchdrangen. (…) Reichs Art von Vitalismus schaute den gesamten Kosmos als einen weiten Orgonozean mit unterschiedlichen Dichten, Kondensationen und Drehgeschwindigkeiten je nach Region und Art des Wachstumszustandes.

Diese auf Zeno und DesCartes zurückgehende Sicht der Welt, habe, so Harman, durchaus nichts mit Reich zu tun:

  1. Der Bereich der relativen Bewegung ist nur ein Teilbereich des orgonotischen Funktionierens.

    harmantransformation

  2. Reich wollte kein in sich geschlossenes „Weltbild“ vermitteln, sondern schlichtweg Naturforschung betreiben.

Angesichts von Harmans Ausführungen mußte ich an die unterschiedlichsten Dinge denken, etwa Zuschriften über die Jahre, die, obwohl sehr nett und voller Lob, mich immer zutiefst irritiert haben. Es ging immer darum, daß ich endlich eine „Weltanschauung“ ausformuliert habe, mit der sich der Betreffende identifizieren könne. Meine Irritation kommt daher, daß die Welt nun alles braucht, aber wahrhaftig keine neue „Weltanschauung“. Es geht um Kontakt mit der Wirklichkeit (= Wahrheit), nicht um Weltanschauung (= Lüge)!

Ein anderes Beispiel: Wer die UFO-Forschung der letzten 60 Jahre verfolgt hat, wird sich vergegenwärtigt haben, daß etwas mit den diversen „Szenarien“ nicht stimmen kann. Wir haben es definitiv nicht primär mit „Raumschiffen“ zu tun, die von Punkt A nach Punkt B und zurück fliegen. Das gesamte Phänomen spricht dem Konzept „Raum“ hohn. Ich bin mittlerweile zu dem Schluß gekommen, daß „dämonologische“ Erklärungsansätze, wie sie insbesondere fundamentalistische Christen in den USA vertreten, dem Phänomen weitaus gerechter werden als das, was in der orgonomischen Literatur darüber zu lesen ist. Das heißt natürlich nicht, daß ich mystische Konzepte verteidige. Es heißt nur, daß hier ein Feld ist, wo das „cartesische Mißverständnis“ deutlich zum tragen kommt. Siehe dazu meine Ausführungen UFOs, Engel und Dämonen.

The Journal of Orgonomy (Vol. 40, No. 1, Spring/Summer 2006)

19. Dezember 2012

In der Sektion „Questions and Answers“ (S. 162) beschäftigt sich Charles Konia mit der Frage, warum es in der Orgonomie keine Doppelblindversuche gibt. Erstens sind beim ungepanzerten Beobachter derartige Vorsichtsmaßnahmen überflüssig, da er mit der Natur verbunden ist. Um den Einfluß von „Vorurteilen“ zu minimieren, wird beim Doppelblindversuch der Kontakt zwischen Beobachter und Beobachtungsobjekt minimiert, jedoch ist, zweitens, genau dieser Kontakt der Kern des orgonomischen Funktionalismus.

funktionalismus27

Dieses Thema vertieft Konia in seinem Aufsatz „The Application of Mechanistic Materialism in the Natural Sciences is an Expression of the Emotional Plague“ (S. 3-19). Hier zitiere ich nur den Abschnitt über die vernachlässigte Rolle des Qualitativen in der Naturforschung:

Qualität und Quantität sind zwei Eigenschaften aller natürlichen Funktionen. Der mechanistische Wissenschaftler ignoriert oder übersieht konsequent die qualitativen Eigenschaften zugunsten der Quantifizierung der Natur. Würde beim Unterricht genausoviel Mühe auf die qualitativen Eigenschaften der physikalischen Gesetze aufgewendet werden, die routinemäßig auf ihre quantitativen Eigenschaften gerichtet wird, hätten die Schüler im Physikunterricht eine angenehmere Zeit beim Lernen und einen besseren Zugang zum Material, das in Physik unterrichtet wird. In den medizinischen Wissenschaften finden qualitative Eigenschaften in Bezug auf Gesundheit und Krankheit, beispielsweise Funktionen, die mit Vitalität, Fäulnis und Stagnation verbunden sind, gemeinhin keine Beachtung. Mechanistische Soziologen lassen die Verwendung von qualitativen Begriffen wie Gut und Böse nicht zu. Ihr Fokus liegt ausschließlich auf quantitativen statistischen Faktoren. Für sie ist die Bevölkerungsstatistik wichtiger als die energetische Lebenskraft eines sozialen Systems. Qualitative Eigenschaften der Natur werden an mystisch orientierte Psychologen und andere, Leute, die mit den subjektiven Zuständen des Geistes zu tun haben, delegiert. Nicht vollständig in Kontakt mit der Bewegung der Energie in seinem gepanzerten Organismus, kann der mechanistische Psychologe die subjektive Bewegung der Emotionen und Empfindungen, das Strömen durch seinen Körper, nicht genau beobachten oder objektiv messen. Da er seinen Beobachtungen nicht vertrauen kann, greift er auf Doppelblindversuche zurück. Seine Messungen beschränken sich auf die oberflächlichste Ebene des menschlichen Funktionierens, wie Verhalten, Intelligenz und Eignungstests, während er durchgehend die biologische Grundlage dieser Funktionen ignoriert. Die beschränkte Fähigkeit sich auf seine Sinne verlassen zu können, ist auch der Grund, warum ein Zugang zu den emotionalen Problemen der Menschheit außerhalb des Rahmens seines Denkens liegt.

Im Gegensatz zum mechanistischen Naturwissenschaftler hat der ungepanzerte funktionelle Wissenschaftler mit dem Instrument der Orgonometrie die Möglichkeit, sowohl quantitative als auch qualitative Eigenschaften der Natur mit gleicher Leichtigkeit zu studieren. Mit genügend Wissen kann er vollständige orgonometrische Gleichungen formulieren, die beide Eigenschaften beinhalten.

The Journal of Orgonomy (Vol. 39, No. 1, Spring/Summer 2005)

11. Dezember 2012

In der Zeit nach dem ORANUR-Experiment haben Reich und seine Mitarbeiter aufgrund der anhaltenden DOR-Atmosphäre angefangen, an der „DOR-Krankheit“ zu leiden, die in vieler Hinsicht einer Art „Virusinfektion“ glich: körperliches und seelisches Unwohlsein, Müdigkeit, Übelkeit, Druck im Kopf, Brust, in den Armen und Beinen, Probleme beim Atmen mit einem Gefühl von Sauerstoffmangel, Durst, Hitzewallungen, aber auch Kälteschauer, schwarzer Stuhl.

In dieser Ausgabe des Journal of Orgonomy beschäftigt sich Dean T. Davidson, ein Orgonforscher aus Australien, in seinem Aufsatz „DOR-Sickness and the CO-Hemoglobin Reaction in Overcharged Blood“ (S. 24-33) mit der funktionellen Identität von Kohlenmonoxid-Intoxikation und DOR-Krankheit. Beide gehen typischerweise mit „Grippesymptomen“ einher. Bei akuter Kohlenmonoxid-Intoxikation kommt es zu Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindelgefühl und Übelkeit. Bei chronischer Vergiftung mit CO kommt es zu einer generellen Leistungsverminderung: man wird geistig und körperlich „schlapp“.

Reich schreibt in seinem Protokoll aus dem Jahre 1952:

Um etwa 09:30 Uhr, beim Observatorium, waren meine Handfläche und Handrücken hellrot und gefleckt. Dieser Anblick erschreckte einige meiner Freunde, die die Bedeutung von hellem Blut kannten. Sie hatten meine Hände schon gefleckt gesehen, aber noch nie so leuchtend rot.

Man sollte seine Aufmerksamkeit auf die betonte Beschreibung „hellrot“ richten, denn die CO-Hämoglobin-Reaktion des Blutes ist in der Regel leuchtend rot und spiegelt einen Zustand wider, bei dem das Hämoglobin CO bindet, das dergestalt nicht mehr in der Lage ist O2 aufzunehmen. Dies entspricht einem Prozeß des inneren Erstickens. Wir alle hatten noch den Anblick der zyanotischen Mäuse im Sinn, die in Scharen im Labor im Februar 1951 an Oranur gestorben waren. (Reich: „The Blackening Rocks“, Orgone Energy Bulletin, Vol. 5, S. 30)

Tödliche, giftige Orgonenergie (DOR) ist mehr als einfach nur Radioaktivität, entsprechend ist die DOR-Krankheit mehr als einfach nur Strahlenkrankheit. Ein schönes Beispiel hat der Arzt Max Bloom präsentiert („Observations“, Offshoots of Orgonomy, No. 3, Autumn 1981, S. 36-39).

Bloom beschreibt eine einfache Beobachtung aus dem Klinikalltag: Vier Blumenkübel auf dem Weg zum Strahlenzentrum der Klinik, in der er arbeitet. Im Blumenkübel, der dem Strahlenzentrum am nächsten steht, ist alles Pflanzenleben abgestorben, im zweiten Kübel ein oder zwei Meter weiter weg sind die Pflanzen stark verkümmert, im dritten sieht es besser aus, während die Pflanzen im vierten, am weitesten entfernten Kübel einigermaßen normal zu wachsen scheinen. Techniker des Krankenhauses konnten mit Geigerzählern kein Strahlenleck feststellen.

So ist es überall bei der Wirkung von ORANUR und DOR: die toxischen Wirkungen sind fast durchgehend mit bekannten Gefahrenquellen korreliert, wirken aber „auf mysteriöse Weise“ fort, wenn die toxische elektromagnetische und Teilchen-Strahlung eingedämmt wurde bzw. die Giftstoffe beseitigt wurden.

Trotzdem ist es berechtigt, wenn Davidson fragt, ob durch die Einwirkung von DOR das Stickstoff-Molekül (N2) in CO umgeformt wird und so der Organismus von innen her erstickt. In diesem Zusammenhang verweist er auf die Arbeit des französischen Wissenschaftlers C. Louis Kervran.

blackrocksco


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 31 Followern an