Archiv für die Kategorie ‘Psychologie’

Das Bauhaus und Goethe

13. April 2013

ein Gastbeitrag von John Wilder

Zwar gibt es zahlreiche Theorien zur Farbe, die im Laufe der Jahrhunderte der Öffentlichkeit unterbreitet wurden, doch zwei Theorien stechen hervor: die von Isaac Newton, ein Engländer, und die von Johann Wolfgang von Goethe, ein Deutscher, denn beide sind seit Jahrhunderten bis zu unserem eigenen Jahrhundert einflußreich gewesen. Im Bauhaus konkurrierten diese beiden Theorien miteinander und beeinflußten einander, aber da das Bauhaus in Goethes Heimatstadt Weimar gegründet worden war und die ersten Leiter (Itten, Kandinsky, Klee) expressionistische Künstler waren, welche Farbtheorien zur Anwendung brachten und lehrten, die letztlich auf der Grundlage von Goethes Arbeit fußten, herrschte Goethes Ansicht vor.

Goethe, 1749-1832, launisch und künstlerisch, experimentierte auf eine explorative Weise und mischte Pigmente ohne viel theoretische Anleitung und zeichnete aufschlußreiche visuelle und emotionale Reaktionen auf. Newton, 1642-1727, ein strenger Puritaner, war zunächst einmal Theoretiker, und er ging davon aus, daß seine Lichtexperimente seine Theorien über die Eigenschaften der Lichtstrahlen, die durch ein Prisma projiziert wurden, kontrollieren.

Goethes mehr subjektive Theorie, die auf der Arbeit mit Pigmenten gründete, war von besonderem Interesse für praktizierende Künstler, während Physiker Newtons objektive (ohne emotionale Beteiligung auskommende) Theorie bevorzugten. Zu einem gewissen Grad spiegeln die Unterschiede zwischen Newton und Goethe sich in ihren jeweiligen Sprachen: im Englischen gibt es ein Wort für „Geist“ (mind) und ein anderes Wort für „Seele“ (soul), während im Deutschen ein einziges Wort beides bedeutet. [Im Englischen gibt es kein Wort für den umfassenden Begriff „Geist“! PN]

Ich glaube, daß eine frühere wissenschaftliche Meinungsverschiedenheit einiges Licht auf die Newton/Goethe-Auseinandersetzung werfen kann. Den unterschiedlichen Ansätzen zum Studium der Farbe bei Newton und Goethe waren unterschiedliche Ansätze zum Studium der Bewegung bei Newton und einen anderen Deutschen, Gottfried Wilhelm Leibniz, vorausgegangen. Newtons berühmte Studien der Bewegung waren durch Theorie motiviert, während Leibniz‘ Studien eine andere, mehr spirituelle Seite hatten. Zum Beispiel:

(Newton) Impuls = Masse X Geschwindigkeit
(Leibniz) Vis Viva = Masse X Geschwindigkeit X Geschwindigkeit

„Vis Viva“ war Leibniz‘ Begriff für Lebenskraft oder lebendigen Kraft, womit er ähnliche Interessen wie Goethe zeigte. Newtons mehr steriler Ansatz entwickelte sich zu „Kraft = Masse X Beschleunigung“, während Leibniz’ Ansatz sich zur Formel für kinetische Energie entwickelte, die Energie der Bewegung (KE = 1/2 Masse X Geschwindigkeit X Geschwindigkeit). Heute verwenden Ingenieure die auf Leibniz‘ zurückgehenden Formeln, um Bewegungen mikroskopisch und makroskopisch zu beschreiben, ob die Brownsche Molekularbewegung oder Planetenbewegungen. Obwohl Physiker Newtons Darstellung der Planetenbewegungen verwenden, „Kraftvektoren“, die auf die Planeten einwirken, ist Leibniz’ Darstellung für Ingenieure praktischer. Sie fordert, daß die Gesamtenergie (die sich ändernden Bewegungs- und Potentialenergien des Planeten) konstant bleibt. So gab die praktische Herangehensweise der Ingenieure Leibniz’ Ansatz bei der Untersuchung von Körpern in Bewegung den Vorzug, genauso wie die praktische Herangehensweise der bildenden Künstler Goethes Ansatz bei der Untersuchung von Farben, die Emotionen beeinflussen, den Vorzug gab. Im Bauhaus sollten sich die unterschiedlichen Ansätze durch die sorgfältige Integration des Künstlers/Handwerkers und Technikers in der Werkstatt treffen.

Im frühen Bauhaus hatten Goethes Ansichten eindeutig den Vorrang. Johannes Itten, der 1919 den Einführungskurs des Bauhauses für neue Studenten kreiert hatte, verwendete die Entdeckungen Goethes über Farben, wie es ihm durch seine Mentoren Hölzel, Runge und den „Geisteswissenschaftler“ Rudolf Steiner vermittelt worden war. Der Theosoph Rudolf Steiner hatte viele Jahre der Herausgabe von Goethes Büchern gewidmet und das Goetheanum in Dornach, Schweiz gebaut, wo er mindestens zehn Vorträge über Farbenlehre hielt. Hölzels Theorie von den sieben Farbkontrasten entstammte unmittelbar Goethes Studien. In Ittens Einführungskurs wurden die sieben Kontraste Hölzels/Goethes jeweils objektiv, emotional und symbolisch untersucht nach Farbton, Wert, Temperatur, Komplementarität, Gleichzeitigkeit, Sättigung und Ausdehnung. Itten glaubte wie Goethe an die Fähigkeit der Kunst, den Menschen stärker in Kontakt mit seiner Seele bzw. seinem Geist zu bringen.

Kandinsky und Klee hielten ebenfalls grundlegende Lehrveranstaltungen über Farbe am Bauhaus und sie lehrten auch weiter, lange nachdem Itten 1923 gegangen war. Kandinsky, gleichfalls ein Anhänger von Steiners Theosophie, hatte geschrieben: „So ist hinter der Materie, in der Materie der schaffende Geist verborgen. Das Verhüllen des Geistes in der Materie ist oft so dicht, daß es im allgemeinen wenig Menschen gibt, die den Geist hindurchsehen können“ (Über die Formfrage, 1912). Wie Itten und Klee wollte auch Kandinsky Form auf ihr einfachstes Wesen reduzieren, auf ihr Minimum, so daß der innere Geist oder die Seele des Künstlers, der Künstlergruppe, des Volkes oder des Zeitalters stärker in der äußeren Form zum Ausdruck gebracht werden könnte. Form könnte vereinfacht werden durch Zersplitterung der linearen Perspektive und der Konturen, indem Farbe und Form transparent gemacht werden, durch das Verbannen von Schatten und Glanzlichtern oder mit der Übernahme einer regelmäßigen Musterung. Man glaubte, daß die Einfachheit der Form, die Farbe stärker betonen und die Wechselwirkung der Farben untereinander verbesserte. Der Maler Josef Albers, der von Itten, Kandinsky und Klee ausgebildet wurde, studierte später die psychologische Wirkung von Farben und Farbkombinationen und Kontrasten, wobei er die Form auf ein Minimum reduzierte. Bei Albers war das so, daß er Farbquadrate innerhalb von Farbquadraten malte.

Mir scheint, als wurden künstlerische, dynamische Farbwechselwirkungen als Königsweg zum Ausdruck der Seele angeboten. Klee schrieb, daß er nach der Brücke suche, die vom Sichtbaren zum Unsichtbaren führt. „Kunst gibt nicht das Sichtbare wider, sondern macht sichtbar” (Schöpferische Konfession, 1920). Klee wollte seine Ideen von alltäglichen Erfahrungen ableiten, ganz so wie es Wissenschaftler und Ingenieure tun. Auch kleidete Klee wie sie seine Ideen in Begriffen von Bewegung, Energie und Ladung (siehe seine Notizbücher). Mir scheint Klee in seinem Ansatz mehr amerikanisch zu sein; empirischer und demokratischer als Kandinsky oder Itten, die beide offenbar zur autoritären Mystik neigten.

Als 1923 der Expressionist Itten durch den russischen Konstruktivisten und Kommunisten Moholy-Nagy ersetzt wurde, verlagerte sich das Bauhaus im Schwerpunkt von „Kunst um der Kunst Willen“ zur zweckdienlichen Kunst, von der individuellen Geistigkeit zum gemeinschaftlichen Sozialismus, vom Expressionismus zur Architektur und zum Industriedesign. Kunst (und die künstlerische Farbwechselwirkung) galt nun als eine Macht, die nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Gesellschaften umformen könnte. Sie könnte beim Aufbau einer neuen Welt helfen durch ein einheitliches Weltbild, geschaffen durch eine moderne Kunst mit Hilfe der modernen Technik. Anstelle von ein paar Einzelnen, die einen genuineren, expressiven Kontakt mit ihrem Geist entdecken, könnte sich die gesamte Gesellschaft durch „sowjetische“ (Arbeiterräte-) Architektur und durch die künstlerische Gestaltung der Massenproduktion umformen, durch das Erwecken und die Visualisierung des schlummernden „Volksgeistes“, und die Welt so sehen, wie Goethe sie vielleicht gesehen hat.

Bauhausalbers

Prinzipielle Wahrheit und spezielle Wahrheiten

7. April 2013

Mit dem Thema Wahrheit und Lüge habe ich mich bereits an anderer Stelle beschäftigt.

Die prinzipielle Wahrheit kann idealistisch als Ausdruck absoluter Kategorien betrachtet werden. Dann läßt sich die „göttliche“ Wahrheit erkennen und die „weltliche“ Wirklichkeit durch Handeln demgemäß umformen.

Es ist aber auch möglich umgekehrt, materialistisch von der Wirklichkeit auszugehen und von hier aus „opportunistisch“ verschiedene „spezielle Wahrheiten“ zu sehen, je nachdem in welche Richtung man in der Landschaft der Wirklichkeit blickt. In Abhängigkeit vom Blickwinkel ändert sich die Wirklichkeit (die Form der „Landschaft“), der jeweils eine andere spezielle Wahrheit entspricht.

Es ist beispielsweise prinzipiell wahr, daß Homosexualität eine schwerwiegende Biopathie darstellt und stets mit extremer orgastischer Impotenz einhergeht. In bestimmten Zusammenhängen ist es aber auch wahr, daß Homosexuelle den sexualökonomischen Grundgedanken, demzufolge Sexualität und Fortpflanzung separate Gegebenheiten sind, verkörpern, oder etwa, daß Toleranz gegenüber Homosexuellen ein Maß der eigenen orgastischen Befriedigung ist (jedenfalls kann kein Homosexuellenhasser orgastisch potent sein!).

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Alternative zwischen prinzipienfester „Gesinnungsethik“ und opportunistischer „Handlungsethik“. Die erstere wird von „Theoretikern“ vertreten, die letztere von „Praktikern“

Tatsächlich gibt es keine abstrakte theoretische Wahrheit, die neben einer praktischen Wirklichkeit existiert. Wahrheit ist Kontakt mit der Wirklichkeit und wenn dieser Kontakt nicht besteht, dann ist alle Theoretisiererei nichtig. Haben wir diesen Kontakt, können wir die eine prinzipielle Wahrheit vertreten und uns trotzdem der speziellen Wahrheiten bewußt sein, die manchmal in Gestalt einer „Gegenwahrheit“ gegen den „Wahrheitskrämer“ verteidigt werden müssen.

Ab und an wird insinuiert, daß die Orgonomie einen geradezu „faschistischen“ Terror ausüben könnte, etwa indem sich jeder durch das „Ideal“ der orgastischen Potenz schlecht fühlt, insbesondere aber sexuelle Minderheiten wie Homosexuelle oder etwa echte Hermaphroditen. Dem ist nicht so, denn kontaktvolle Menschen gehen eben nicht mit der Wahrheit hausieren. Außerdem haben Kontaktlose ohnehin per definitionem keinen Zugang zur Wahrheit. Sie plappern sie allenfalls mechanisch nach.

prispewahr

Die mechanistische und die mystische Betrachtungsweise der menschlichen Sexualität

20. März 2013

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über die orgonomische Sexologie:

Die mechanistische und die mystische Betrachtungsweise der menschlichen Sexualität

Möge das Orgon mit dir sein!

25. Februar 2013

Keiner von uns hat ein Problem mit einem guten Buch eine Stunde auf einem Stuhl zu sitzen oder im kunstvoll angelegten Ziergarten einen schmalen Weg entlangzugehen, ohne je auf eine der kostbaren Pflanzen am Wegesrand zu treten. Aber man stelle sich vor, der Stuhl stünde auf einem 300 Meter hohen Pfahl bzw. der schmale Pfad wäre eine geländerlose genauso schmale Brücke über einen 300 Meter tiefen Abgrund. Mit Sicherheit würde jeder von uns nach wenigen Minuten straucheln und in den sicheren Tod stürzen!

Diese zwei Beispiele reichen vollkommen aus, um zu zeigen, worum es im Leben geht. Es geht darum, daß unser größter Freund, die Angst, die uns davor bewahrt unkalkulierbare Risiken einzugehen, unter bestimmten Umständen unser größter Feind sein kann.

Ich kenne jemanden, der am Ende des Zweiten Weltkrieges gleich mehrere mörderische Schlachten, in denen jeweils alle seine Kameraden gefallen sind, überlebt hat. Alle waren in Panik erstarrt oder liefen herum wie hochgeschreckte Hühner, nur er behielt kühles Blut und tat das, was objektiv zu tun war, um den Gang durch den Fleischwolf zu überleben. Dem Filmproduzenten Artur „Atze“ Brauner ist das Unmögliche geglückt: den Holocaust zu überleben (die Besetzung Polens und der westlichen Sowjetunion). Er hatte ein Geheimnis: das Wort „Angst“ war ihm vollkommen fremd. Wo andere in Panik geraten wären, blieb er cool, klaren Verstandes und wacher Sinne. Oder mit anderen Worten: er blieb in Kontakt, während die Welt um ihn herum sich in ein blutiges Schlachthaus/Irrenhaus verwandelte. Die Angst macht uns, wenn man das so sagen kann, mit ihren an dieser Stelle unangebrachten Schreien „Paß auf!“ ganz kirre. Wir werden „unsouverän“ und verlieren die Kontrolle, eben weil wir alles kontrollieren wollen, d.h. „aufpassen“.

Das Geheimnis ist Kontrolle, die mit Hingabe kompatibel ist. Während ich dies selbstvergessen in mein Notebook eintippe, wissen meine Finger verzögerungslos, wo die jeweilige Taste ist. Sobald ich jedoch „aufpasse“ und mich frage, wo etwa die S-Taste ist, komme ich heillos durcheinander. Ich stürze sozusagen ab. Dadurch aber, daß ich nicht auf die Tasten achte und alles willenlos meinen Fingern überlasse, – kontrolliere ich alles. In diesem Zustand könnte ich auch vollkommen entspannt auf dem besagten Stuhl sitzen oder vollkommen problemlos die halsbrecherische Brücke überqueren.

Im Schlußkapitel von Die kosmische Überlagerung bringt Reich das mit der Genese der Panzerung in Zusammenhang. Er erwähnt die sprichwörtlichen Tausendfüßler, der über seine eigenen Füße stolpert, wenn er auf seine einzelnen Füße achten würde.

Es geht darum „arbeitsdemokratisch“ die Autonomie der Funktionen zu achten und die Energie frei fließen zu lassen. In dem Augenblick, an dem man bewußt eingreift, kommt alles hoffnungslos durcheinander. Das ist so in der Wirtschaft und so ist es im eigenen Organismus. Das ist nicht zuletzt auch die Grundlage der Ars Amatoria und der Ars Martialis (Frauen abschleppen und Männer abmurksen). Oder, wenn man so will, es ist die Grundlage aller Magie.

In der gepanzerten Gesellschaft wird diese Magie zerstört. In Kindheitstagen werden wir durch die sexualfeindliche (egal ob autoritäre oder permissive) Umwelt verunsichert und verlieren das Vertrauen in die autonomen Funktionen. Wir sollen uns „beherrschen“, doch indem wir uns be-herrschen, verlieren wir tatsächlich die Kontrolle.

In der Orgontherapie geht es darum, daß wir wieder souverän werden, – indem wir unsere (Pseudo-) Souveränität aufgeben:

Kontrollauto1

Kontrollauto2

Leidet jeder der Wilhelm Reich kritisiert an der Emotionellen Pest?

13. Februar 2013

Alle werden jetzt ein vehementes „Nein!“ oder zumindest eine Wiederholung von Reichs Ausführungen über „immanente Kritik“ erwarten. Hier soll es jedoch darum gehen, daß diese Frage selbst pestilent ist. Jeder Physiker würde sich dagegen verwahren, daß die von Newton entdeckten Gesetze der Mechanik von einem „Geisteswissenschaftler“ etwa aus moralischen oder ästhetischen Gründen kritisiert werden, wie es beispielsweise Goethe tat. Reich hat eine Entdeckung gemacht, die Funktion der orgastischen Plasmazuckung, die ihm praktisch universell Ablehnung und Verachtung eingebracht hat, obwohl ihre Wahrheit faktisch selbstevident ist.

Der Hinweis, daß Reich charakterliche Züge aufwies, die weniger angenehm waren. Beispielsweise, daß hier und da der beinharte Weltkriegsoffizier durchbrach oder die Doppelmoral und die übersteigerte Eifersucht, die fast alle Männer seiner Herkunft zu dieser Zeit kennzeichnete… Das hat nichts, aber auch rein gar nichts mit dem Wissenschaftler Wilhelm Reich zu tun! Dieses Psychologisieren und „Biographisieren“ ist eine bequeme Ausflucht, um das Wesentliche zu umgehen. Es geht um die „Kulturdiskussion“, wie sie im ersten Teil von Die sexuelle Revolution dokumentiert ist, nicht darum, wie in seiner Beziehung mit Freud Reichs Vaterkomplex zum tragen gekommen ist.

Es macht schlichtweg keinen Sinn darüber zu diskutieren, ob Kinder glücklich aufwachsen sollen oder nicht. Eins gibt das andere, es geht um Jugendliche, es geht um Erwachsene. Einem „Fanatismus“ oder „dünne Haut“ vorzuwerfen, nur weil man kompromißlos für das Lebendige eintritt, ist eine unglaubliche Unverschämtheit. Es ist die Emotionelle Pest!

Aber muß dann nicht zumindest eine inhaltliche Diskussion möglich sein, beispielsweise angesichts der neuen Erkenntnisse der Sexologie? Es ist erschreckend, welch merkwürdige Vorstellung manche Menschen sich von „Wissenschaft“ machen. Es geht nicht um Demokratie und Kompromißbildung, sondern um Fakten, um Wahrheit und Nichtwahrheit.

Man nehme etwa den Sammelband Der „Fall“ Wilhelm Reich, der sich kritisch mit Reich auseinandersetzt. Das gesamte Buch ist eine Unverschämtheit, d.h. es geht um die Person Reich und um die vollkommen irrelevanten persönlichen Meinungen irgendwelcher „Fachleute“. Es ist Emotionelle Pest und nichts außerdem.

Selbstverständlich hat Reich Fehler gemacht. Ach was! Aber man erzähle mir nicht, daß sich die „Kritiker“ für diese Fehler wirklich interessieren. Ihnen geht es schlicht darum, ganz im Gegenteil die Wahrheit in Diskredit zu bringen. Man kann etwa diskutieren, daß Reich jeweils Freud und Marx grundlegend mißverstanden oder etwa sich nicht ausreichend in die Physik eingearbeitet hat, aber darum geht es nicht wirklich. Den Kritikern geht es einzig und allein um die Entdeckung der Funktion der orgastischen Plasmazuckung – sie ist es, was sie stört. Deshalb versuchen sie Freuds Libidotheorie zu dekonstruieren, deshalb heben sie die Bedeutung des „Bewußtseins“ hervor, deshalb haben sie ein solch starkes Interesse an Reichs Privatleben, deshalb können sie das Orgon nur als mystische Kraft, aber nicht als reale Energie anerkennen.

Das „Kritik wird doch noch erlaubt sein!“ ist nur ein Ablenkungsmanöver. Darüber hinaus dient es dazu, Verwirrung zu stiften. Man soll in endlose Diskussionen verwickelt werden, die nur ein Ziel haben: immer weiter vom Wesentlichen wegzuführen. Außerdem ist es natürlich ein zynisches Spiel mit den persönlichen Unsicherheiten (d.h. sexuellen Schuldgefühlen!) und Zweifeln der „Anhänger“ Reichs.

Tatsächlich können all die „Kritiker“ Reich nicht ausstehen. Sie behaupten, dies sei so, weil er eine Atmosphäre der Grandeur um sich verbreite und behaupte, seine Entdeckungen seien welterschütternd. Ja, warum würde Reich sie wohl sonst veröffentlicht haben?! Manche halten den gängigen faden Käse für „Wissenschaft“, den einer vom anderen abschreibt.

Was die „Kritiker“ tatsächlich bis zur Weißglut treibt, ist, daß hier jemand für das Lebendige eintritt: offen, stolz und laut. Das war in der autoritären Gesellschaft, in dem jedem das Rückgrat gebrochen wurde, genauso ungeheuerlich, wie es heute ungeheuerlich ist, wenn jemand die Eier hat, sich den gängigen Sprachregelungen und dem Meinungsdiktat zu entziehen. Früher hat beispielsweise ein Schwuler, der den aufrechten Gang gelernt hatte, die Pest in Rage gebracht. Heute reicht es, „schamlos“ ein heterosexueller, nationalbewußter weißer Mann zu sein.

Die „Reich-Kritiker“ zeigen die Fratze des Kleinen Mannes in voller Ausprägung. Sie sagen: „Was nimmt sich dieser Kerl heraus! Wie kann er es wagen! Shocking!

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Die Vernebelung der Orgonomie

26. Januar 2013

Heutzutage gilt man allenfalls als Antisemit, wenn man Taten wie Mengele oder Befehle wie Hitler zu verantworten hat oder sie zumindest ausgesprochen rechtfertigt. Ansonsten kann man über die Gefährdung des „Weltfriedens“ durch das klitzekleine Israel (so groß wie Hessen!) oder über den angeblichen „Völkermord“ an den bevölkerungs-explodierenden „Palästinensern“ räsonieren und trotzdem frech behaupten, man wäre kein Antisemit. Entsprechend dürfen „Israelkritiker“ in diesem Land auf keinen Fall als das bezeichnet werden, was sie angesichts derartiger Äußerungen ohne Zweifel sind: Antisemiten vom Schlage eines Julius Steichers!

Wer die einzige Demokratie im Nahen Osten „kritisiert“ (wie es so schön beschönigend heißt), stellt sich außerhalb jedes zivilisierten Diskurses. Wenn man so etwas durchgehen läßt, dann gehen alle Maßstäbe verloren, Israel wird weiter delegitimiert und am Ende steht das, was doch angeblich alle verhindern wollten: ein zweiter und diesmal finaler Holocaust. Der Anfang dieser abschüssigen Straße in den Untergang des jüdischen Volkes ist gemacht, wenn alle darauf bestehen, daß man doch wohl Israel „kritisieren“ dürfe. Wehe jedoch man nimmt sich heraus die Antisemiten zu kritisieren, dann ist plötzlich ein Ende mit der verlangten „Liberalität“. Das Lebendige darf verfolgt werden, doch es darf nicht verteidigt werden!

Überhaupt darf man nichts mehr beim Namen nennen. Wenn ich etwa Präsident Obama als pestilenten Charakter bezeichne, stehe ich als Extremist da, den man nicht ernst nehmen kann. Bei fast allen Lesern scheint die Emotionelle Pest erst bei Adolf Hitler und Josef Stalin anzufangen. Obama habe doch so viel persönlichen Charme, könne Lachen, habe eine glückliche Familie, etc. Nun, Hitler und Stalin konnten auch ausgesprochen charmant sein. Hitler war ein ausgenommen angenehmer Chef, während beispielsweise für Churchill seine Sekretärinnen etwa den gleichen emotionalen Wert hatten wie Zimmerpflanzen, nur daß er die letzteren besser behandelte.

Es geht nicht darum eine Checkliste durchzuarbeiten, um zu ergründen, wer als pestilenter Charakter bezeichnet werden kann und wer nicht, sondern um das Gewichten von Indizien. Die Parallelen zwischen etwa Hitler und Obama sind in dieser Hinsicht einfach unübersehbar und können von keinem ernsthaften Menschen in Abrede gestellt werden.

Natürlich wird dann immer gleich von der „Banalisierung des Bösen“ gesprochen, was doch nur darauf hinausläuft, daß man einen „Hitler“ nur dann erkennen kann, nachdem 50 000 000 Tote zu beklagen sind. Nein, es reichen schon Dinge, wie, daß Obama nie in seinem Leben wirklich gearbeitet hat, daß er eindeutig an einer narzißtischen Persönlichkeitsstörung leidet, daß er wirklich alle seine Wahlkämpfe mit miesen Tricks gewonnen hat, daß seine Politik wie keine zuvor Amerika polarisiert hat, daß er von jeher zum äußersten linken Rand der Democratic Party gehörte, daß er ein Adept von Saul Alinsky ist, etc. Eines der Hauptindizien ist aber eine gewisse Angstfreiheit und „Parasympathikotonie“, die die verängstigten Massen fasziniert: der „coole“ Obama im Gegensatz zum unbeholfenen Bush. Tatsächlich ist die angstfreie „Parasympathikotonie“ nur Schein, denn innerlich sind pestilente Charaktere wie tot.

Das beste Beispiel für solch einen Modju ist der überaus charmante und geradezu charismatische Ted Bundy, ein echter Frauentyp und Traum jeder Schwiegermutter:

Das ganze erinnert mich an meine Lektüre der Protokolle der Ausbildungsseminare mit Elsworth F. Baker. Ein Fall wird vorgestellt, die angehenden Orgontherapeuten sind verwirrt, weil der vorgestellte Patient (wie fast immer) keinem der von Reich und Baker beschriebenen Charakterstrukturen eindeutig zuzuordnen ist und so wird vielleicht eine halbe Stunde hin und her diskutiert, bis Baker auf die funktionell wichtigsten Züge hinweist und entsprechend zu einer eindeutigen Diagnose kommt.

Es geht schlicht darum, daß der gepanzerte Mensch eine Todesangst vor Kontakt hat und sich deshalb nur im Nebeligen und Ungefähren wohl fühlt, wenn es um energetische Phänomene geht. Das läßt sich entsprechend auf jeden Bereich der Orgonomie übertragen. Etwa die Schwärzung von alten Gemäuern: Es sieht nicht nur so aus wie Melanor, es ist Melanor! Die zerfaserte grauschwarze Wolke am Himmel ist tatsächlich eine DOR-Wolke! Das Flimmern vor den Augen ist tatsächlich Orgon! Die „kleinen Dinger“ unter dem Mikroskop sind Bione! Das mit Metall ausgeschlagene Behältnis akkumuliert tatsächlich Orgon! Das schlechte Gefühl ist ORANUR!

Es geht auch darum, daß manchem offensichtlich Charles Konias Blogeinträge zu einfach und „grobschlächtig“ sind. Es ist eine Sache, in gewundenen Sätzen und mit langatmigen Umschreibungen das „Peinliche“ (Schmerzhafte) zu umgehen – oder es direkt und unverblümt auszusprechen. Man denke auch an die Orgontherapie, wo man ellenlang seine ach so komplizierten Gefühle beschreibt und der Therapeut einfach antwortet: „Sie haben Angst!“ Bis man schließlich nach viel Geschwafel endlich erkennt, daß es tatsächlich so einfach, „primitiv“ und eindeutig ist. Wenn es kompliziert wird, ist es die Panzerung, die alles zerhackt. Wenn es nebulös wird, ist insbesondere Augenpanzerung involviert. Der Neurotiker hat eine Todesangst vor Eindeutigkeit. Es ist ihm in jeder Hinsicht, wie es im Deutschen so schön heißt, pein-lich.

abstraktorgo

Ersatzkontakt: die Faszination mit dem Bösen

11. Januar 2013

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia beschreibt die bioenergetische Grundlage Hollywoods:

Ersatzkontakt: die Faszination mit dem Bösen

Was ist Kontakt?

4. Januar 2013

Es regnet in Kyoto. Der junge Mönch spannt seinen Regenschirm auf und geht von der Meditationshalle über den Klosterhof zum Abt. Auf der Veranda streift er seine Sandalen ab und legt den zusammengefalteten Regenschirm neben sie, betritt die Klosterzelle und kniet vor seinem Meister nieder. Die alles entscheidende Frage steht im Raum, ob er nach Jahren der Zen-Meditation die Erleuchtung erlangt habe. Entsprechend erwartet er eine traditionelle Rätselfrage. Ein „Koan“, etwa ob ein fallender Baum im Wald ein Geräusch macht, wenn niemand da ist, der es hören könnte. Die Beantwortung zeigt dem Meister, ob das große Ereignis bereits eingetreten ist. Stattdessen frägt ihn sein Abt nüchtern, ob er den Regenschirm links oder rechts neben die Sandalen gelegt hat. Der vollkommen aus dem Konzept gebrachte Mönch kann die Frage nicht beantworten. Er war nicht achtsam gewesen, sondern in seinen Gedanken verloren, hat also nicht einmal die primitivste Grundlage buddhistischer Praxis verinnerlicht, die Achtsamkeit, geschweige denn, daß er die Erleuchtung erlangt hätte.

Ein Orgontherapeut würde eine ganz andere Frage stellen. Ihm geht es zwar auch zentral um die Frage, ob der Patient „wirklich da ist“, doch dreht sich diese Frage vor allem um ein Problem: Ist er mit seinen Emotionen in Kontakt? Also genau mit jenen Gefühlen, die man beim Zen ignorieren bzw. als neutraler Beobachter an sich vorbeiziehen lassen soll!

Orgonometrisch stellt sich das ganze wie folgt dar:

Koniasauge3

Der Mönch war auf seinem Weg zum Abt ganz „Erregung“, ohne darauf zu achten, was er tat, entsprechend war er nicht wirklich da. Er hatte keinen Kontakt.

Der Abt weist ihm den Weg zur „Erleuchtung“: er soll die Erregung ignorieren und ganz in der Wahrnehmung aufgehen („Achtsamkeit“). Doch das schneidet ihn letztendlich von seinen Gefühlen ab, d.h. er hat keinen Kontakt.

Der Orgonom frägt, nach den Kontakt mit den Emotionen, weil es letztendlich darum geht, d.h. um die Bewegung von Energie durch den Körper. Diese orgonotische Strömung ist das Gemeinsame Funktionsprinzip (CFP) von Wahrnehmung und Erregung:

Koniasauge4

Entsprechend ist die Grundlage wahrhaftigen Kontaktes das ungehinderte, d.h. ungepanzerte Strömen der Orgonenergie durch den Körper. Kontakt ergibt sich dann von selbst, entspricht den funktionellen Notwendigkeiten und braucht nicht durch Übungen erzwungen werden. Es ist nicht wichtig, wo genau man seinen Regenschirm hingelegt hat, solange man ihn wiederfinden kann.

Lebenshilfe im NACHRICHTENBRIEF (Teil 4)

19. November 2012

Eine der Grundfragen der Orgonomie ist, warum bereits ungepanzerte Babys (!), dann Kinder, Jugendliche und schließlich reife und intellektuell integere Erwachsene lieber auf das orgastische Glück verzichten als den schmerzhaften Kampf für das eigene Lebensglück aufzunehmen. Reich hat dazu gesagt:

Kinder schrecken, sosehr sie ihre vegetative Lebendigkeit und Freiheit ersehnen, selbst davor zurück und begeben sich freiwillig ins Joch der Unterdrückung ihrer Regungen, wenn sie eine entsprechende Umgebung finden, in der sie ihre frische Lebendigkeit relativ konfliktlos ausleben können. Es ist einer der großen Geheimnisse der Massenpsychologie, daß der Durchschnittsmensch, das Durchschnittskind, der durchschnittliche Jugendliche weit lieber die Resignation auf Glück auf sich nehmen, wenn der Kampf um Lebensfreude allzuviel Schmerzen verursacht. Eine Propaganda des Glücks ohne Verständnis und Herstellung der psychischen und sozialen Voraussetzungen eines lebendigen Lebens bliebe somit ödes Gerede. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 271)

Es ist die Angst vor dem kurzen heftigen Schmerz, der uns in ein Leben voller kleinerer Schmerzen treibt. Wir leiden beispielsweise an der Einsamkeit, die uns eine Ewigkeit kleiner Schmerzen bereitet aus katastrophisierender Angst vor einer bedeutungslosen Zurückweisung, die in unserer Phantasie über alle Maßen schmerzen wird. Diese Angst hält uns in unserem Panzer gefangen. Es ist, ganz banal, die durchaus natürliche und rationale Angst vor Schmerz.

Was tun? Gegen Angst (Kontraktion) hilft nur Lust (Expansion)! Ganz banal muß man die (ohnehin meist vollkommen unbegründete!) Angst vor dem zukünftigen Schmerz vertreiben, indem man an die zukünftige Lust denkt.

Die Angst vor heftigen Schmerzen ist der Grund, warum die Menschen vor der Orgonomie fliehen und warum „Orgonomen“ nie die volle Dosis Orgonomie nehmen, sondern sich lieber verwässerten „Reichianismen“ zuwenden. Die diversen angeblich „esoterischen“ Schulen gründen auf das gleiche Zurückschrecken vor dem Schmerz, aber sie bewahren vor der Resignation und dem dauernden kleinen Schmerz, und geben so die Illusion, den Kampf wirklich aufgenommen und bestanden zu haben. Deshalb ist der Mystizismus die größte Gefährdung der Orgonomie, denn er verspricht Lebensglück ohne Anstrengung und ohne Schmerz, d.h. ohne Orgasmusangst, d.h. ohne die Angst von der eigenen Lebensenergie zersprengt zu werden, so wie das Küken die unnachgiebige Eierschale zersprengt.

Der berühmte Finanzexperte Marc Faber führt die gegenwärtige trotzlose Wirtschaftspolitik auf den gleichen Mechanismus zurück, mit dem sich die Orgontherapeuten tagtäglich bei ihren Patienten herumplagen müssen:

Die USA benötigten einige Schmerzen, sagt er, treffend vorexerziert durch die Sparmaßnahmen in der Eurozone, die mit gemischten Erfolg die klaffenden Haushaltsdefizite einzudämmen versuchen. „Das wird Schmerzen verursachen und es werden sehr erhebliche Schmerzen sein. Die Frage ist“, so Faber, „ob wir jetzt geringere Schmerzen durch Sparmaßnahmen auf uns nehmen oder stattdessen einen völligen Zusammenbruch der Gesellschaft in fünf bis zehn Jahren riskieren“, und er fügt hinzu, daß es einen Mangel an politischem Willen gäbe, um den US-Haushalt in den Griff zu bekommen. Faber weiter: „In einer Demokratie, werden sie den Schmerz nicht auf sich nehmen, sie werden die Probleme vor sich herschieben, so daß sie immer größer und größer werden.“ (…) „In der westlichen Welt, einschließlich Japan, ist das Problem“, so Faber, „daß wir zu viel Schulden haben und daß die Schulden jetzt irgendwo und irgendwie zurückgezahlt werden müssen oder es wird das Wirtschaftswachstum verlangsamen.“ „Ich denke, wir lebten von 1980 bis 2007 über unsere Verhältnisse und jetzt ist es Zeit die Rechnung zu begleichen.“

Die Menschen werden die notwendigen und unabwendbaren Austeritätsmaßnahmen (deren einzige Alternative der vollkommene Kollaps der Wirtschaft und damit sämtlicher sozialer Absicherungen ist!) nur auf sich nehmen, wenn es eine politische Führung gibt, die eine bessere Zukunft (Lust) glaubhaft macht. Dies wird durch die Emotionelle Pest hintertrieben, die aktuell immer neue „soziale Ungerechtigkeiten“ aufdeckt und gleichzeitig alle Zukunftshoffnungen in einem nicht enden wollenden Schwall aus Sarkasmus erstickt.

Lebenshilfe im NACHRICHTENBRIEF (Teil 1)

21. Oktober 2012

Daß Wilhelm Reich zeitlebens Tagebuch geführt hat, ist für uns Nachgeborene ein Segen. Liest man jedoch beispielsweise den neusten Band der von Mary Boyd Higgins herausgegebenen autobiographischen Notizen Reichs Where is the Truth?, frägt man sich unwillkürlich, ob dieses Tagebuchschreiben Reich besonders gut getan hat, denn das ewige Wiederkauen der eigenen Einsamkeit und der Schlechtigkeit der Mitmenschen ist nicht nur auf die Dauer nervig und wirkt auf den Leser abstoßend, man merkt auch, daß Reich sich hier selbst in seine eigene Gefühlswelt versponnen hat.

Generell ist es fraglich ob das autobiographische Aufarbeiten irgendeinen Nutzen zeitigt. Einer Studie der beiden britischen Forscher Elaine Duncan (Glasgow Caledonian University) und David Sheffield (Staffordshire University) zufolge haben die, die Tagebuch schreiben, einen weitaus schlechteren Gesundheitszustand als jene, die auf diese selbstbezüglichen Grübeleien verzichten. Tagebuchschreiber leiden wesentlich häufiger unter Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Verdauungsproblemen. Besonders deutlich ist der Effekt bei denen, die auf diese Weise ihre Traumata „bewältigen“ wollen.

Bisher hatten Psychologen angenommen, daß Tagebücher zur Bewältigung traumatischer Erlebnisse geeignet seien, aber es ist offensichtlich günstiger, wenn nicht alles sofort zu Papier gebracht wird. Man nimmt an, daß die Tagebuchschreiber viel öfter an ihr Geschick denken und sich in einem grübelnden, ewig wiederholenden Zyklus befinden.

Das Problem ist umfassender. Leute, die sich in der „Esoterik“ auskennen, wissen, daß es nichts Kontraproduktiveres gibt, als schlimme Dinge, „bei denen es doch nicht mit rechten Dingen zugehen kann“, etwa schier unerklärliche Unglückserien und unfaßbar schlechtes Karma, „aufarbeiten“ zu wollen. Nicht nur, daß es nichts bringt, vielmehr chronifizieren sich diese Umstände nur noch weiter, wenn man sich immer und immer wieder auf sie „eintuned“. Es ist geradezu ein „schwarzmagisches Ritual“ der Selbstvernichtung! Teilweise habe ich das in Mumps, Reiki und UFOs angeschnitten.

Das einzige Geheimnis des „Glückspilzes“ und „Sonntagskindes“ ist es, daß er sich nicht von der Vergangenheit einspinnen läßt, sondern immer wieder von vorne anfängt.

Weniger „esoterisch“: Das Geheimnis des Womanizers ist nicht sein Aussehen, sondern einzig und allein seine positive Ausstrahlung und seine Unverfrorenheit. Der Loser mag zwar wie der nächste James Bond aussehen, aber wenn er die unvermeidlichen Zurückweisungen des hysterischen Geschlechts nicht aus seinem Kopf kriegt, d.h. schlicht und ergreifend ignoriert bzw. gleich wieder vergißt, wird er ewig eine dunkle Wolke aus Unsicherheit mit sich tragen, die wirklich auch noch die empfänglichste Frau abstößt.

Was vergangen ist, ist vergangen. Basta! In der Vergangenheit zu leben und sei es nur, den vergangenen Tag „aufzuarbeiten“, ist äquivalent mit Panzerung!


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