Archiv für 7. August 2012

The Journal of Orgonomy (Vol. 29, No. 1, Spring/Summer 1995)

7. August 2012

Diese Ausgabe des Journal of Orgonomy dreht sich weitgehend um T. Berry Brazeltons und Bertrand Cramers Buch Die frühe Bindung: Die erste Beziehung zwischen dem Baby und seinen Eltern.

In seinem Vorwort zu dieser Ausgabe des strong>Journal of Orgonomy schreibt Charles Konia, daß Ärzte wie Brazelton ein intuitives Verständnis für orgonotische Funktionen bei Kindern haben.

Durch ihren Einfluß werden sie nach und nach eine positive Wirkung auf das Feld der Kindesentwicklung und verwandte Disziplinen ausüben. Wir begrüßen ihre Anstrengungen, die zu neuen Beobachtungen führen, mit denen grundlegende Konzepte der medizinischen Orgonomie bestätigt werden.

Die orgonomische Psychologin Virginia L. Whitener bezeichnet das Buch in ihrer Besprechung (S. 80-84) als eine „Goldmine“. Ein Gutteil seines Wertes würde auf den einfühlsamen Fallgeschichten beruhen, die präsentiert werden. Es handele sich bei dem Buch um einen wertvollen Beitrag zum orgonomischen Wissensschatz.

Zunächst einmal stellen die Autoren etwas fest, was von den meisten schlichtweg übersehen wird:

  1. die einfache Tatsache, daß während der Säuglingsphase emotionale Probleme auftreten. Diese Probleme beruhen
  2. auf Störungen der Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind. Obwohl sich die Autoren natürlich psychologisch, statt bioenergetisch, ausdrücken, wird doch klar, daß es um Probleme des orgonotischen Kontakts geht.
  3. hat jedes Kind von Anbeginn eine sehr individuelle Struktur, die mit der jeweils spezifischen Kontaktstörung der Eltern interagiert, was jeden einzelnen Fall einmalig macht.

Brazelton und Cramer kritisieren die gegenwärtige Ausbildung der Fachleute, die sich mit diesen Problemen auseinandersetzen sollen:

  1. werden die Probleme des Kindes auf körperliche Quellen, statt auf das Verhalten zurückgeführt.
  2. wird die Aufmerksamkeit auf die Pathologie, statt auf die positiven Kräfte gelenkt, die in der Familie wirken.
  3. wird entweder das Kind oder die Mutter, statt beide gemeinsam, behandelt. Und
  4. werden die Kinder draußen vor gelassen, wenn es um die Analyse und die Behandlung der Familiendynamik geht.

Wie es Reich zuvor getan hat, demonstrieren Brazelton und Cramer die Vorteile, die darin liegen, schwerwiegende Probleme frühzeitig anzugehen. Sie betonen auch die prophylaktische Wirkung, wenn man weniger schwerwiegende pathologische Probleme frühzeitig im Säuglingsalter angeht, damit sie nicht zu ernsteren Problemen werden.

In ihren Fallgeschichten gehen Brazelton und Cramer wie folgt vor, um eine emotionale Übereinstimmung zwischen Eltern und Kind wiederherzustellen:

  1. werden zurückliegende ungelöste Konflikte aufgedeckt. Dabei kommt es
  2. zu einer gesteigerten Wahrnehmung der damit verbundenen schmerzhaften Gefühle, denen man bisher ausgewichen ist und die bei den Eltern zu den derzeitigen kontraproduktiven Haltungen geführt haben. Die Eltern erleben
  3. die betreffenden Emotionen erneut, können sie zum Ausdruck bringen und werden dergestalt
  4. in die Lage versetzt, das Kind realitätsgerechter im Hier und Jetzt wahrzunehmen.

Wenn die Autoren Gefühle benennen und aufdecken, die in pathologischen Beziehungsmustern gebunden worden waren, und die befreit werden, wenn der Elternteil auf diese Muster hingewiesen wird, überschreiten [Brazelton und Cramer] eindeutig bloße Erziehungsfragen und befassen sich damit, was Orgonomen als Panzer definieren. (Panzerung blockiert den Kontakt eines Menschen zu Gefühlen. Deswegen ist die Wahrnehmung verzerrt. Wenn der Panzer, insbesondere der Augenpanzer, in der orgonomischen Behandlung aufgelöst wird, tauchen Emotionen auf und die Wahrnehmung wird objektiver.) Brazelton und Cramer sind mit dem Konzept der Panzerung wahrscheinlich nicht vertraut. Jedoch beschäftigen sie sich beim Blick auf die pathologische Dynamik mit Manifestationen des Panzers: blockierte, verzerrte Wahrnehmung und Verhalten, das aus verzerrten Impulsen hervorgeht.


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