Ich kann mich gut erinnern, daß wir beim Biologieunterricht auf dem Gymnasium fast die gleiche Tabelle des Autonomen Nervensystems durchgegangen sind, wie sie Reich Mitte der 1930er Jahre in Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst abgedruckt hat:
Die Lehrerin meinte, man habe wohl oft behauptet, die parasympathische Reaktion stehe für Expansion, die sympathische für Kontraktion, aber wenn man die Tabelle durchgehe, sehe man schnell, daß das einfach nicht stimme, denn beispielsweise kontrahiert die Iris bei einer parasympathischen Innervation, während sich die Arterien erweitern.
An diesem Beispiel sieht man sehr schön den Unterschied zwischen dem mechano-mystischen und dem funktionalistischen Denken. Die Biologin denkt mystisch in Absolutheiten, sozusagen in „Platonistischen Ideen“: „Expansion an sich“ gegen „Kontraktion an sich“. Dann schaut sie mechanistisch auf die vermeintliche „Wirklichkeit“ und sieht keine bzw. nur vage Korrelationen. Sie mutiert zur „Skeptikerin“ und wischt die Idee „Expansion gegen Kontraktion“ verächtlich vom Tisch.
Der Funktionalist hingegen sieht die einzelnen Innervationen durch das Autonome Nervensystem im funktionellen Zusammenhang. Es ist hoffnungslos, dies der besagten Biologin erklären zu wollen, weil ihr aufgrund ihrer Panzerung das Konzept „gesamtorganismisches Funktionieren“ sowieso wesensfremd ist.
Charles Konia beschäftigt sich in „The Plasmatic System, Part II: The Endocrine System“ (S. 4-22) mit den Hormonen, die in die Blutbahn ausgeschüttet werden und die durchweg der parasympathischen Funktion (Ladung) bzw. der sympathischen Funktion (Entladung) zugeordnet werden können.
Der parasympathischen Funktion entspricht
- einer Senkung des Blutzuckerspiegels und Kalziumspiegels durch Insulin bzw. Calcitonin;
- einer Senkung des Plasmavolumens durch Hemmung von Aldosteron und Cortisol; und
- einer Erhöhung der Keimdrüsenhormone.
Die sympathische Funktion entspricht:
- einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels und Kalziumspiegels durch Glucagon bzw. Parathormon;
- einer Erhöhung des Plasmavolumens durch Stimulierung von Aldosteron und Cortisol; und
- einer Senkung der Keimdrüsenhormone.
Konia, der des weiteren die Beziehung zwischen Hormonen und Rezeptoren auf die primordiale orgonotische Wahrnehmungsfunktion zurückführt, schließt:
Das funktionelle Denken erlaubt es, die zahlreichen spezifischen biochemischen Reaktionen innerhalb dieses Rahmens einzuordnen. Das umfaßt ein Verständnis der Entwicklung des biologischen Funktionierens vom Einfachen ausgehend hin zum Komplexen. Zugegebenermaßen ist das ein sehr ehrgeiziges Projekt. Seine Durchführung wird ein tiefschürfendes Bild von biologischen Funktionen bieten, das den gegenwärtigen mechano-mystischen Theorien überlegen ist.
Schlagwörter: Aldosteron, Autonomes Nervensystem, Biologie, Blutzuckerspiegel, Cortisol, Endokrinologie, Glucagon, Hormone, Insulin, Parasympathikus, parasympathisch, Parathormon, Skeptiker, Sympathikus, Vagus

30. Juli 2012 um 22:34 |
Diese Darstellung erklärt in der Emotionspsychologie, neben der Motivationspsychologie, eine Aggressionstheorie, warum der Mensch oder das Tier sich in einer bedrohlichen Situation “zurückzieht” oder in die “Aggression” (Expansion) geht.
Im Funkkolleg, einer Zusammenarbeit von Hörfunk und Universitäten, wurde ca. 1986 über “Biopsychologie” dieses Modell des vegetativen Nervensystems neben dem Modell des zentralen Nervensystems, als “Gehirn des Körpers” vorgestellt, dass alle Organe und die Motorik innerviert und somit Grundlage einer psychosomatischen (nicht im engeren Sinne) werden kann. W. Reich wurde hier nicht erwähnt.
Im Studium war dies Inhalt des Faches der Neurophysiologie bis heute, wo die Biopsychologie wieder zu einer Fachrichtung wurde innerhalb der Psychologie.
Wir sind also nur einen Katzensprung von der “Orgonpsychologie” enfernt.
30. Juli 2012 um 22:44 |
Der Orgonom Robert A. Harman hat eine augfwendige Arbeit zum Autonomen Nervensystem verfaßt. Eine Arbeit über den Schlaf, während dem das Autonome Nervensystem weitgehend die Herrschaft über uns übernimmt. Eine ganze wunderbare Existenz für sich, von der wir keine Ahnung haben. Er geht soweit, daß das Autonome Nervensystem höher entwickelt ist als das Zentrale Nervensystem. Bewußtsein wird überbewertet
1. August 2012 um 21:53 |
Hätte Harman auch eine leise Ahnung von Mesmer, dann wäre ihm bzgl. des Schlafes, der offensichtlichen Verbindung zum autonomen Nervensystem und der therapeutischen Bedeutung ein Lichtlein aufgegangen; er wäre zum Mesmeristen mutiert und würde sich nicht mehr Orgonom nennen.