Die Emotionelle Pest läßt sich mit den folgenden vier Punkten umreißen:
- Die Handlung und das behauptete Motiv für diese Handlung stimmen nicht überein. Beispielsweise wird Kindern gesagt, daß es nur „zu ihrem Besten“ wäre, wenn sie mißhandelt und mißbraucht werden.
- Trotzdem ist der, der von der Krankheit „Emotionelle Pest“ angesteckt wurde, hundertprozentig von seiner Sache überzeugt und verfolgt sie mit fanatischer Entschlossenheit. Man denke nur daran, wie die katholische Heimerziehung über Generationen hinweg für jeden sichtbar Seelenkrüppel hinterlassen hat. Das hat die Täter niemals auch nur im entferntesten innehalten lassen.
- Das zeigt, daß das Denken des Pestkranken nicht dem rationalen Abwägen von Pro und Kontra dient, sondern die Schlußfolgerung von vornherein feststeht und erst im nachhinein „logisch“ untermauert wird. Das ist Ideologie bzw. „religiöse Überzeugung“.
- Etwas, was nie fehlt, da es sich mit dem einzig wirklichen Motiv des Pestkranken deckt, ist die sexuelle Diffamierung, genauer die Diffamierung der Genitalität. Beispielsweise beruhte die katholische Heimerziehung auf nichts anderem.
Ein naheliegenderes, aktuelles Beispiel ist das Kopftuch bei moslemischen Mädchen in unseren Städten:
- Das Kopftuchtragen diene der kulturellen und religiösen Identität der Mädchen, die es ohnehin freiwillig und aus innerer Überzeugung tragen. Es sei damit Ausdruck ihrer Autonomie, tatsächlich wird mit dem Kopftuch jedoch signalisiert, daß sie Eigentum, Besitz der Familie sind, die damit gleichzeitig ihren Machtanspruch über den öffentlichen Raum kundtut.
- Die Sache wird durch alle Instanzen bis zu den höchsten nationalen und internationalen Gerichten durchgefochten, als ginge es beim häßlichen Mummenschanz um ein zentrales Menschenrecht.
- Mit Verweis auf die Scharia (der Koran ist in dieser Hinsicht alles andere als eindeutig!) werden alle Diskussionen abgebügelt.
- Tatsächlich geht es darum, die „Schamhaare“ zu verhüllen, denn für den Islam ist die Frau nichts anderes als eine wandelnde, ständig notgeile Vagina. Unverschleiert ist sie „naked meat“, wie sich einmal ein Australischer Imam ausgedrückt hat.
Dieses Beispiel bringt uns dazu, wie die Emotionelle Pest in der heutigen vom Multikulturalismus und der Political Correctness geprägten antiautoritären Gesellschaft funktioniert.
Zunächst einmal legen die Gutmenschen zwei verschieden Maß an. Was die Sache mit der katholischen Heimerziehung betrifft, würden sie uns in jeder Hinsicht zustimmen. Der eine oder andere unter ihnen ist vielleicht sogar „Reichianer“! Ganz anders sieht es mit dem Kopftuch aus. In diesem Fall wird uns der Vorwurf des Rassismus an den Kopf geworfen. Man sieht daran sofort, daß es ihnen ganz und gar nicht um die Emotionelle Pest zu tun ist, sondern um ihren Antiautoritarismus, für den das Establishment, insbesondere aber die Katholische Kirche, per se schlecht ist, während Minderheiten per se gut sind, insbesondere, wenn sie (vermeintliche) Opfer des Establishment sind, etwa moslemische „Kolonialvölker“.
Die antiautoritäre Geisteshaltung mag auf den ersten Blick weitaus sympathischer und „lebenspositiver“ erscheinen als die alte autoritäre, die Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus so meisterlich beschrieben hat, tatsächlich steht sie der Emotionellen Pest jedoch weitaus näher:
- Das was gesagt und getan wird, erweckt oberflächlich den Eindruck, als sei es gegen die Emotionelle Pest gerichtet, tatsächlich zielen die antiautoritären Reden und Handlungen aber ganz im Gegenteil darauf ab Liebe, Arbeit und Wissen zu vernichten. Das wird beispielsweise am Sexualkundeunterricht und den diversen Schulreformen deutlich. Es sei zum Wohle der Kinder, doch tatsächlich weisen alle Indikatoren seit den 1970er Jahren auf eine immer weiter zunehmende seelische Verwahrlosung und auf genau jenen „Bildungsnotstand“ hin, den zu bekämpfen die Reformer doch angeblich in Angriff nehmen wollten. In Wirklichkeit ging es ihnen nur um eins: um die Überwindung des „Biologismus“. Nichts sei angeboren, weder „Gender“, noch Intelligenz, noch Talent und alle überkommenen Hierarchien gelte es mit Hilfe der Erziehung aufzubrechen.
- Wie gesagt: trotz aller Evidenz und trotz der als Monstranz vorangetragenen Rationalität und „Diskussionskultur“, kann nichts die Bildungsreformer von ihrem Tun abhalten. Jetzt wird sogar die Schreibschrift abgeschafft und die Kinder sollen die Rechtschreibung „antiautoritär“ nach eigenem Gutdünken lernen. Nur nicht korrigieren, denn das könnte die armen Geschöpfe von der Lust am Lernen abhalten! Wirklich alles deutet darauf hin, daß dergestalt eine Generation von Analphabeten herangezogen wird, deren Gekrickel kein Mensch wird entziffern können, – doch die Bildungsreformer machen mit wachsendem Bekennerelan weiter. Man denke auch an die großartige Rechtschreibreform, – nach deren Einführung die Rechtschreibleistungen dramatisch abgesackt sind!
- Die „Diskursethik“ frei nach Habermas ist nichts anderes als moralischer Terror, der mit Denkverboten arbeitet. Man versuche doch einmal logisch und mit Verweis auf nachweisbare Fakten mit diesen sozialdemokratischen „Denkern“ zu diskutieren! Wie das aussieht und ausgeht, haben wir bei der Sarrazin-Debatte gesehen: moralistischer Terror und, wenn die Roten Nazis doch nur könnten wie sie wollten, der Polizeiknüppel.
- Dieser Kampf gegen den „Biologismus“ hat einen Kern, der geradezu selbstevident ist. Er ist der Kern jeder lebensfeindlichen Ideologie, sei sie autoritär oder antiautoritär: der Mensch sei kein Tier, sei nicht sexuell, die Genitalien spielten keine Rolle. Beim Antiautoritarismus ist das besonders perfide, weil diese Sexualfeindlichkeit im Gewande der Aufklärung und der Befreiung daherkommt. Ihre höchste Ausprägung findet diese Quintessenz der Emotionellen Pest in den postmodernen Theorien, denen zufolge das Geschlecht eines Menschen ein bloßes gesellschaftliches Konstrukt ist. Womit wir wieder beim Sexualkundeunterricht wären.
Tags: Antiautoritarismus, Bildungsnotstand, Bildungsreform, Biologismus, Diskursethik, Gender, Gender Mainstreaming, Habermas, Heimerziehung, Islam, Kopftuch, Motiv, Multikulturalismus, political correctness, Rechtschreibreform, Sarrazin-Debatte, Scharia, Schulreform, Sexualkundeunterricht
25. Januar 2012 um 09:36 |
@O.: Vielen Dank für diese erhellende Geschichte.
Wie gerne lebte ich in einer Welt ohne solche Prallhansel (Chemielehrer)!
23. Januar 2012 um 18:18 |
Hier beschreibt Konia die Emotionelle Pest in der antiautoritären Gesellschaft am Beispiel der Occupy-Bewegung:
http://charleskonia.com/2012/01/22/the-occupy-movement-is-self-sustaining/
23. Januar 2012 um 09:20 |
Im Großen und Ganzen ein sehr guter Artikel.
Aber eine Anmerkung: Vor der “Bildungsreform”, in der guten alten autoritären Gesellschaft, ging es nicht darum, die natürlichen, angeborenen Talente zu fördern, sondern um die Reproduktion der herrschenden und besitzenden Schicht durch “Bildung”. Es war nicht wichtig, was jemand kann, sondern wer sein Vater war. Und alle Reformversuche haben daran nichts geändert, sondern höchstens die Zusammenhänge verschleiert.
24. Januar 2012 um 22:41 |
Auch heute geht es nach der Bildungsreform nicht, um das was einer kann. Sondern jeder Arbeitnehmer ist zu einer austauschbaren Nummer geworden.
Noten sind keine Pädiktoren für einen sozialen und beruflichen Erfolg. Auch die Schulbildung nur bedingt relevant, jemand der das Abitur erreicht hat steht aufgrund dessen nicht besser da, sondern hat nur bei entsprechendem Vitamin B Erfolg.
Die “autoritäre Gesellschaft” existiert somit weiter, trotz Tussenbewegung und Reformen in Bildung (bzw. was davon übrig ist).
Ein schönes Praxisbeispiel: Ein “erbtheoretischer” Lehrer hatte eine Fehde über Bildungsreform mit dem Stiefvater eines Jungen, der an eine erwerbsrelevante Bildung glaubte und die authoritäre Erziehung (alter “schwarz-brauner Kameraden”) ablehnte. Jahre nach hitziger Diskussion um Bildungsfragen kam der “Sohn” dann in seine Schule und wurde von diesem Chemielehrer vor der Klasse vorgeführt. Seine Leistungen in Chemie waren wohl nicht die besten und wurden nicht besser dadurch, dass der Lehrer ihn bei Gelegenheit vorführte. Er hatte schließlich die Note, die der Lehrer von ihm wollte: “5″.
Was der Lehrer nicht wußte, war dass sein Vater ein Dipl.-Chemiker war, also seine “genetische” Anlage für Chemie die Note “1″ hätte sein können, hätte der Lehrer dies nur gewußt. Viel ausschlagebender wäre aber wohl gewesen, dass der leibliche Vater dasselbe Parteibuch wie der Lehrer hatte. Es können sich auch eben “Konservative” im Erkennen von gleichgesinnter “Intelligenz” irren.