Der affektblockierte Wellensittich auf der Orgoncouch

18. Dezember 2014

Der heutige Mensch ist gepanzert. Die Panzerung setzt sich aus sieben Segmenten zusammen: Augen-, Mund-, Hals-, Brust-, Zwerchfell-, Bauch- und Beckensegment. Die obersten beiden Segmente und das Beckensegment enthalten die Sinnesorgane, d.h. die Organe mit der wir mit der Umwelt in Kontakt treten. Das Genital ist gewisserweise ebenfalls ein „Sinnesorgan“. Im Anschluß an Freud spricht man von den erogenen Zonen: okular, oral, anal, phallisch und genital. Die Frustration der natürlichen oralen und genitalen Strebungen führt möglicherweise zur Aktivierung unnatürlicher (okularer, analer und phallischer) Strebungen und zur Fixierung auf einer dieser fünf Entwicklungsstufen, was mit einer entsprechenden Panzerung im Augen-, Mund- und Beckensegment einhergeht. Diese komplizierte Dynamik bestimmt die Charakterstruktur. Beispielsweise wird bei einem Zwangscharakter die natürliche Genitalität so unterdrückt, daß es zu, wenn auch nur schwachen, phallischen Strebungen kommt (die stets unnatürlich sind!), die sofort durch Analität (die erst recht stets unnatürlich ist!) aufgrund von Kastrationsangst abgewehrt werden. Das schlägt sich in der ausgesprochen rigiden Panzerstruktur des Zwangscharakters nieder. Kam es am Anfang des Lebens zu einer sehr starken okularen Panzerung, entwickelt sich kein Zwangs-, sondern ein kataton-schizophrener Charakter

Zwar sind wohl so gut wie alle Menschen in den Augen, im Mundbereich und im Becken gepanzert, aber darauf kommt es weniger an als vielmehr darauf, welche Funktion diese Panzerung jeweils einnimmt. Geht der Patient bei Energieanstieg in den Augen weg (schizophrener Charakter) oder senkt er das Energieniveau durch Abpanzerung jenes Segments, daß für die Energieaufnahme primär verantwortlich ist (der chronisch-depressive Charakter) oder schwankt er zwischen diesen beiden Alternativen (der manisch-depressive Charakter). Die Frage ist also, wie das bioenergetische Feld des Menschen in seiner individuellen Entwicklung konditioniert wurde – und wie man es wieder systematisch dekonditionieren kann.

Das muß nicht heißen, daß die Konditionierungen in einer Gesellschaft regelmäßig verteilt sind und so die Charakterstrukturen schön ausgeglichen sind. Beispielsweise ließe sich eine Gesellschaft denken, in der nicht wie heute die bei weitem meisten Männer phallische Charaktere sind, sondern Zwangscharaktere. Früher war es sicherlich so, daß die meisten Menschen mehr anal konditioniert waren, während sie heute mehr okular konditioniert sind. In Skandinavien sind die Menschen im Mittel mehr oral-depressiv konditioniert, in Deutschland mehr anal-zwanghaft, in den USA mehr phallisch-aggressiv. Je rationaler die Behandlung der Kleinkinder wird, desto weniger ausgeprägt sind spezifische Konditionierungen (z.B. wird heute nicht mehr rigide nach Plan gestillt, die Pampers haben die Stuhlentleerung der Babys leichter handhabbar gemacht, etc.) – wodurch in Zukunft aber auch die Diagnosestellung immer schwerer werden wird, einfach weil die Pathologie ausgewogener ist. Aber das bestätigt eher die innere Logik der von Reich und im Anschluß daran von Baker entworfenen Nosologie, als daß sie untergraben wird. Außerdem hatte Reich diese Schwierigkeiten bereits in den 1920er Jahren mit den Menschen aus den Unterschichten, die nicht so rigide erzogen wurden, dann aber später um so heftigeren Versagungen ausgesetzt waren. So entstand der triebhafte Charakter, den man nosologisch kaum sinnvoll einordnen kann und der, wie die Orgonomin Barbara Koopman bereits Anfang der 1970er Jahre konstatierte, heute immer mehr Menschen umfaßt.

Ich gehe in meiner Charakterdiagnose nicht auf, der Leser geht in der seinen nicht auf, der pallisch-narzißtische Reich nicht und auch nicht der chronisch-depressive Baker – niemand ist auch nur annähernd erschöpfend durch die Charakterdiagnose beschrieben. Es ist ja auch gar nicht die Aufgabe der Charakterdiagnose, ein photographisches Abbild eines Menschen zu liefern, sondern sie soll nur den funktionellen Schwerpunkt seiner Pathologie erfassen und dem intersubjektiven Austausch zugänglich machen – um so zusätzliche Informationen über den Patienten zu erschließen, denn so gesehen ist er plötzlich kein Unikum mehr, sondern gehört zu einer ganzen Gattung, die an tausenden Exemplaren bereits seit Jahrzehnten eingehend erforscht wurde.

Es ist so wie bei einem Wellensittich: jeder Wellensittich ist wirklich ganz anders, es sind echte Persönlichkeiten – aber trotzdem macht es Sinn, wenn ich mich mit anderen Wellensittichhaltern austausche. Und genauso ist es mit Zwangscharakteren: alle sind unvergleichbare Individuen, die sich ganz unterschiedlich verhalten – aber das schließt doch nicht aus, daß ein Therapeut sich an einen anderen Therapeuten wendet und ihm sagt: „Weißt Du, ich habe jetzt seit Monaten einen Zwangscharakter in Behandlung und ich finde einfach keinen Ansatzpunkt, um in seine Panzerung einzubrechen, irgendwie bleibt er stets unberührt, egal wie tief ich charakteranalytisch oder biophysisch ansetze.“ Worauf der andere Therapeut antworten kann: „Tja, wenn ich auf meine bisherigen Fälle zurückschaue, bringt es nichts, einen Zwangscharakter zum Atmen zu bringen, das Zwerchfell zu befreien und seine Kindheitsgeschichte durchzukauen oder seine gegenwärtigen Schwierigkeiten. Das einzige, was wirklich weiterhilft, ist das hochtreiben des Sadismus. Ansonsten kannst Du ihn entpanzern, wie Du willst, er wird sich nie ändern und im Grunde ein nüchterner Beobachter bleiben und so am Ende die Therapie als vermeintlicher Sieger verlassen. Es ist alles vergebens, solange nicht die maßlose Wut hochkocht. Ohne diesen zentralen Punkt ist alles Reden und Weinen und Bekennen und alles bioenergetische Mobilisieren ohne Bedeutung. Laß dich nicht zum Komplizen machen, der dem Patienten hilft seinen wunden Punkt zu umgehen.“

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die Diagnose in der Orgontherapie in viererlei Hinsicht einfach unverzichtbar und hat vier Funktionen: 1. verhindert sie, daß man den Patienten nur als Unikum sieht, das keinerlei Gesetzmäßigkeiten unterliegt; 2. verhindert die Diagnose von vornherein, daß man den Patienten als bloßen geschichtslosen „bioenergetischen Sack“ sieht, an dem der „Orgoningenieur“ herum manipuliert; 3. wird durch die korrekte Diagnose verhindert, daß der Patient den Therapeuten in die Irre führt, also alles gibt und scheinbar „gesundet“, nur damit ja nicht der schmerzhafteste Punkt angegangen wird; und 4. zwingt die Diagnosestellung den Therapeuten sich mit der Struktur des Patienten wirklich auseinanderzusetzen, d.h. sich selbst Rechenschaft darüber abzulegen, inwieweit er die Struktur des Patienten verstanden hat, so daß er darüber mit Kollegen sprechen kann.

Man könnte einwenden, daß man mit der Diagnose, der Etikette („die und die Krankheit“), die man dem Patienten auf die Stirn klebt, den Weg für das gesunde Potential des Patienten und seine Entwicklungsmöglichkeiten verbaut. Reich sah das anders, als er über seine Patienten sagte: „Nach außen hin erscheinen sie in einer bestimmten verschrobenen Art, doch durch das Krankhafte hindurch können wir deutlich das Gesunde spüren“ (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 29). Ohne eine Diagnose kann man das Gesunde nicht deutlich sehen, sondern nur eine undeutliche Qualität, zu der wir nie vordringen können, weil wir den Weg, die Straßenkarte, d.h. die Charakterdiagnose und die dazugehörige orgonometrische Gleichung nicht kennen.

Es geht auch darum, zu erkennen, daß die Charakterstruktur eine überlebensnotwendige Einrichtung für den Patienten ist, um mit seiner Energie umgehen zu können. Es wäre eine Katastrophe, die er kaum überleben würde, wenn man etwa einem Zwangscharakter von heute auf morgen seine ganz spezifische Panzerung nehmen würde. Vielmehr muß die Panzerung logisch und schlüssig sozusagen „rückabgewickelt“ werden. Auch ist die Panzerung nicht vom Himmel gefallen und geht nicht einfach auf die Willkür der Eltern zurück, sondern ist integraler Bestandteil einer gepanzerten Gesellschaftsstruktur. Der wirkliche Kampf beginnt deshalb erst nach erfolgreicher Beendigung der Therapie oder wie Reich schrieb: „Derart sind unter den Bedingungen der sexualverneinenden Gesellschaftsordnung gerade die gesündesten Menschen schwersten subjektiven Leiden ausgesetzt“ (ebd., S. 31).

Es geht um nicht weniger als eine grundlegende Veränderung – von allem. Ich erinnere an Reichs Marxistische Phase, die er später wie folgt umdeutete: „Es gibt in der Gesellschaft eine bestimmte Menschenschicht, die verstreut ohne Zusammenhang lebt und wirkt: die Schicht der mit natürlicher Sexualität ausgestatteten genitalen Charaktere. Man findet sie außerordentlich häufig im Industrieproletariat.“ (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 151)

sozioaffblock

Wissenschaft und Religion

17. Dezember 2014

Freud weigerte sich, die sozialen Konsequenzen aus seinen eigenen Beobachtungen zu ziehen, stattdessen brachte er sachfremde „ethische Normen“ ins Spiel. Reich spielte da nicht mit – und wurde aus der „Wissenschaft“ verbannt… Die Orgonomie entstand…

Ist sie noch aktuell, wo doch das Feuilleton das „neue holistische Denken“, die „andere Intelligenz“, die „dritte Kultur“, das „relationale Denken“, die „neue Spiritualität“, etc. pp. preist? Nun, auch heute kulminiert das letztendlich doch stets in Aussagen wie die folgenden aus Thomas Görnitz’ Quanten sind anders (Heidelberg 1999):

Die Naturwissenschaft bedarf auch solcher Gesprächspartner [wie der Kirche], die ihr aus einer ganz anderen Sicht als der eigenen die möglichen Folgen und Probleme ihres Tuns spiegeln, denn die Ergebnisse der Naturwissenschaft allein sind nicht ausreichend, um ethische Normen zu begründen. (S. 41)

Und:

Die Einbettung der Wissenschaft in ihr natürliches und gesellschaftliche Umfeld und die Reflexion über die Folgen ihrer Anwendungen unterliegen aber nicht einer (…) zwangsläufigen Entwicklung wie die Wissenschaft selbst, sondern sie bleiben eine ständige Aufgabe der beteiligten Wissenschaftler. (S. 43)

Das sind zentrale Aussagen in einem Buch, über „Die verborgene Einheit der Welt“, dem es darum zu tun ist, die mechanistische Wissenschaft endlich zu überwinden! Das eine zentrale, allein entscheidende Problem wird ausgeklammert: die Frage nach den „ethischen Normen“ und warum sich die Gesellschaft nicht „zwangsläufig“ entwickelt. Dort, wo es wirklich zur Sache geht und Folgerungen aus der Wissenschaft zu ziehen sind – ordnet sie sich unwissenschaftlichen Instanzen unter!

Zwar sieht Görnitz, daß die Grundfrage der Wissenschaft „transzendentaler“ Natur ist, also von den „Vorbedingungen der Möglichkeit von Erfahrung“ abhängt, aber er ist hier immer noch auf dem Stand von Kant und F.A. Lange. Selbstverständlich ignoriert er, daß Reich weit darüber hinaus gegangen ist, als er das Augenmerk auf die Charakterstruktur des Forschers, d.h. seine verinnerlichte soziale Umwelt, das Über-Ich, richtete. Stattdessen wird dieses Über-Ich („Gott“) als unverzichtbarer Leitfaden genommen.

Apologeten des Christentums verweisen (in zahllosen Variationen) fast unisono auf zwei Dinge:

  1. Halte Dein kleines Baby im Arm: die Liebe, die Du für es empfindest, wirst du unmöglich auf Chemie und Hirnströme reduzieren können. Diese Liebe ist etwas Transzendentes, Göttliches.
  2. Wenn du dich mit Moral und Ethik wirklich ernsthaft auseinandersetzt, wirst du finden, daß man sie nicht rationalistisch entwickeln und „ableiten“ kann, sondern daß sie von Anfang an da sind und allenfalls freigelegt werden. Die Moral ist etwas Transzendentes, Göttliches.

Punkt 1 spricht von der Kontaktlosigkeit der „wissenschaftlichen“ Menschen, der alles auf „Atome“ in einer leeren Welt reduzieren will, Punkt 2 von der Kontaktlosigkeit der religiösen Menschen, der sich in potentiell gefährlichen Hirngespinsten verfängt. Die Liebe zum Kind geht mit dem orgononotischen Kontakt einher und unser moralisches Empfinden ist ebenfalls eine Funktion des orgonotischen Kontakts. (Nebenbei: Aus diesem Grund bin ich so ein absolut kompromißloser Gegner aller Drogen! Straight Edge!)

Das, was als „transzendent“ und „jenseits der Triebe und des Körpers“ empfunden wird und so manchen Wissenschaftler in die Fänge des „Glaubens“ treibt, ist nichts anderes als die Orgonenergie im allgemeinen und die Genitalität im besonderen. Ich habe das in Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht ausgeführt. Im Laufe der Evolution hat sich die Orgonenergie schrittweise von der Materie „emanzipiert“, so daß im Menschen die kosmischen Energiefunktionen zum tragen kommen. In der großen Musik kann man sie unmittelbar hören. Sie zu mystifizieren, wie es die Religionen tun, geht am Sinn des Lebens vorbei – ist „Sünde“.

Man benötigt wahrhaftig nicht die Kirchenväter, um ethisches Verhalten (Mitgefühl) und das Böse (Gefühllosigkeit) zu erklären. Mitte der 1990er Jahre wurde von dem italienischen Forscher Giacomo Rizzolatti bei Affen entdeckt, daß spezielle Nervenzellen auch dann aktiv werden, wenn ein Affe den anderen Affen nur beobachtet, ohne selbst tätig zu sein. Diese „Spiegelneuronen“ sind die Grundlage unseres Einfühlungsvermögens und damit unseres Soziallebens. Wir fühlen, was das Gegenüber fühlt, wenn in unserer Kindheit die Spiegelneuronen richtig trainiert und entsprechend verschaltet wurden. Um Empathie zu entwickeln, muß das Kind Empathie erfahren und eigene Gefühle rückgespiegelt bekommen. In einer Art Kettenreaktion bildet sich so auf herrschaftsfreie Weise ein die Gesellschaft tragendes Netz des „Mit-Gefühls“. Heutzutage sind dabei die Medien von zentraler Bedeutung: was das Kind beobachtet, verinnerlicht es, weshalb Gewalt und Gefühllosigkeit in Videospielen und Fernsehen die Grundlagen unserer Gesellschaft unterminiert.

So der Freiburger Neurobiologe und Psychiater Joachim Bauer in seinem Buch Warum ich fühle, was du fühlst.

Bauers daran anschließendes Buch Prinzip Menschlichkeit – Warum wir von Natur aus kooperieren und seine fundamentale Kritik an der modernen Genetik und an der Soziobiologie Das kooperative Gen – Abschied vom Darwinismus haben ebenfalls enge Berührungspunkte zur Orgonomie. Ein kurzer Überblick findet sich im Wikipedia-Eintrag über ihn.

Adipositas bei einem phallischen Charakter mit einem oralen unbefriedigten Block (Teil 2)

16. Dezember 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Dale Rosin: Adipositas bei einem phallischen Charakter mit einem oralen unbefriedigten Block (Teil 2)

acologo

Der Rote Faden: Reich in Skandinavien (Teil 2)

15. Dezember 2014

Am 29. Oktober 1933 schrieb eine dänische Zeitung, daß man Leute wie Reich, diese sexuellen Schweine, aus dem Land entfernen sollte. Bereits am 3. Oktober hatte das dänische Innenministerium beschlossen, daß Reichs befristete vorläufige Aufenthaltsgenehmigung nach Ablauf der sechs Monate nicht verlängert werde, so daß er am 1. Dezember das Land verlassen müßte. Er reiste nach London, weiter nach Paris, Zürich, Tirol, um dort Weihnachten mit seinen Kindern zu verbringen. Weiter nach Wien und Prag. Über Deutschland zurück nach Skandinavien. Nimmt seine Lebensgefährtin Elsa Lindenberg aus Berlin mit, die inzwischen ihre Freunde und Familie besucht hatte. Anfang 1934 kommen Willi und Elsa in Malmö, Schweden an. Reich führt den Begriff „Sex-Pol“ ein und veröffentlicht als „Ernst Parell“ die Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie. Am 3. und 4. April Treffen der linken Psychoanalytiker in Oslo: Reich, George Gerö, Nic Hoel, Edith Jacobsohn. Zurück nach Malmö. Ende Mai läuft erneut seine sechsmonatige vorläufige Aufenthaltserlaubnis (diesmal für Schweden) aus und er zieht illegal nach Sletten, Dänemark. Am 1. Juli 1934 Treffen von Reich, Fenichel, Gerö, Nic Hoel in Humlebäk, Dänemark. Seine beiden Töchter besuchen ihn. Die Gruppe reist über Deutschland zur psychoanalytischen Konferenz in Luzern, Schweiz, 26. bis 31. August. Danach Camping in der Schweiz. Über Frankreich zurück nach Dänemark. In Kopenhagen wohnt er bei Freunden.

Ende Oktober 1934 zieht er nach Oslo, wo er bis 1939 ansässig bleibt. Zunächst wohnt er in einer Pension, dann am 14. November schreibt er in sein Tagebuch: „Nach 1 3/4 Jahren Wanderung wieder eine Wohnung.“ Januar 1935 beginnt er seine Vorlesungen an der Universität Oslo. 24. März 1935: der Oszillograph ist bereit. Mai bis Dezember 1935 die bioelektrischen Experimente. 1936: im Sommer reist Reich nach Grundlsee, Österreich, um die Kinder zu sehen. Den gesamten August über (2.8. bis 5.9.1936) reist er allein durch Europa: Norwegen, Dänemark, Polen, Tschechoslowakei, Österreich, Schweiz, Frankreich, England, Dänemark, Norwegen. Am 4. Oktober 1936 besucht Malinowski Reich in Oslo. 1. Mai 1937: das Labor für Lebensforschung wird eröffnet. DuTeil vom 26. Juli bis 7. August in Oslo. Am 22. September beginnt die konservative Aftenposten mit der norwegische Pressekampagne. 1938: im Juli ist Reich campen, im August erste Notizen über die Arbeitsdemokratie. Am 18. August 1939 verläßt Reich Norwegen.

Die Kopenhagener Ortsgruppe der Sexpol wurde 1936 geschlossen. Dr. med. Leunbach mußte eine dreimonatige Haftstrafe wegen illegaler Abtreibung absitzen. Das gleiche passierte Dr. med. Tage Philipson, dem vorgeworfen wurde, Patienten vernachlässigt zu haben. Darüber hinaus wurde Leunbach (Jahrgang 1884) das Recht zur Berufsausübung für fünf Jahre entzogen, außerdem wurde er durch den Verlust seiner Bürgerrechte bestraft. Philipson wurde das Recht zu praktizieren für drei Jahre entzogen. Auch wurde die Krankenschwester Frau Perlmutter verurteilt. Wegen des Mangels an Unterstützung für Leunbach und Philipson durch die Sexpol-Mitglieder stellte Reich die Sexpol ein: seine „politische Arbeit“ hatte ein Ende gefunden.

zeitschrift2In Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (Band 3, Doppel-Heft 3/4(10/11) 1936) findet sich unter der Rubrik „Die internationale Sexpol-Diskussion“ das folgende von Interesse:

In der deutsche Emigrantenpresse in Frankreich besprachen im Januar und Februar 1934 deutsche Trotzkistische Zeitschriften Reichs Massepsychologie ziemlich positiv, jedoch änderten sie ihre Ansicht offenbar sehr bald. Es gab eine abfällige Schmähung der Sexualpolitik (ohne sich speziell auf Reich und seine Gruppe zu beziehen). Im März 1936 veröffentlichte die Trotzkistische Unser Wort ein komplette Ablehnung und verständnislose Kritik von Karl Tschitz‘ Sexpol-Buch Religion, Kirche, Religionsstreit in Deutschland. Die Besprechung enthielt auch scharfe Schmähungen gegen die Sexualökonomie generell (S. 157f).

Am 17. Mai 1936 veröffentlichte Mot Dag, die Zeitschrift der Marxistischen norwegischen Gruppierung Mot Dag, einen Artikel von Hanns Vogt: „Wer regiert Deutschland?“. Dort diskutiert er auch, sich auf Reichs Massepsychologie beziehend, die sexual-psychologischen Wurzeln der NS-Idologie. Dies ist um so bemerkenswerter, als Mot Dag zuvor der Sex-Pol ablehnend gegenübergestanden hatte (S. 159). (Zu Vogt siehe Der Rote Faden: Willy Brandt und Mot Dag (Teil 2)).

Die Zeitschrift der norwegischen Arbeiterpartei Kamp og Kultur veröffentlicht das Kulturprogramm der Sex-Pol gefolgt von einen furiosen Angriff von Digernes in dem kommunistische Parteiorgan Arbeideren am 22. und 25. Mai 1936. Digernes sei, so heißt es in der Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie, nicht in der Lage, zwischen den subjektiven Inhalten und der objektiven Funktion einer Ideologie zu unterscheiden, was ihn – offenbar bewußt bösartig – zu Mißverständnissen führt. Zum Beispiel bestreitet die Sex-Pol nicht die psychologische Realität der Religion, findet darin sogar eine verschleierte Lebensbejahung, was Digernes so interpretiert, daß die Sex-Pol die Religion verteidige (S. 159). (Reich ist ein „Psycho-Faschist“!)

Diese Notizen über Trotzkisten, linke Sozialisten und Kommunisten werfen ein Licht auf Reichs politische Position zu dieser Zeit und seine politische Entwicklung:

  1. Desillusioniert durch den Großen Krieg wird Reich, wie alle um ihn herum, ein Sozialdemokrat (1919-1927).
  2. In Österreich war die Sozialdemokratie verbal sehr radikal, aber ihre tatsächliche Politik wurde immer defätistischer, so daß sich Reich der damals extrem linken Komintern zuwendet (1927-1933).
  3. Trennung von der Komintern (1932-34).
  4. Reich wendet sich mehr und mehr den Trotzkisten zu, gefolgt von einer ähnlichen Trennung weg von den Trotzkisten (1933-36).
  5. Reich nähert sich den linken sozialistischen Organisationen wie Brandts SAP (z.B. auf dem Innencover seiner Zeitschrift druckt Reich 1937 eine Anzeige für das Organ der SAP ab) und der Mot Dag (1935-39) an.
  6. Er formuliert das Konzept seiner Arbeitsdemokratie zunächst ganz ähnlich wie linke „Sozialdemokratie“, distanziert sich dann aber zunehmend von der Linken (1937-46).
  7. Nachdem er sieht, daß selbst der neue, der zweite „Große Krieg“ nicht ausreicht, um Bewegung „in den Massen“ zu tragen, wendet er sich der Rechten zu: aus einem Roosevelt-Fan wird ein Eisenhower-Fan (1946-57).
  8. Der nächste logische Schritt wäre gewesen, alle veralteten theoretischen Verbindungen zu Marx und Lenin zu kappen, was aber erst die ACO-Orgonomen taten.

Mittlerweile in Amerika ansässig, zitiert Otto Fenichel in einem seiner Rundbriefe (3. August 1938) einen Bericht von Gerö über Norwegen:

In den Zeitungen tobt seit Monaten eine Kampagne für und gegen Reich. Er, d.h. seine elektrischen Narrheiten, wurden von wissenschaftlichen Kreisen als ärgste Charlatanerie entlarvt, von manchen Seiten auch die Nicht-Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung gefordert. Verteidigt wurde er vor allem von den Narren des inneren Kreises Sigurd Hoel, Nic Hoel, Ola Raknes, Havrevold. Schjelderup ist vollständig abgefallen. Er sagt jetzt die gleichen Wahrheiten über Reich, die er von Dir (Fenichel) und mir schon vor Jahren gehört und damals höhnisch abgelehnt hat. Er gab mir gegenüber zu, daß Reich die Psychoanalyse in Norwegen fürchterlich geschädigt hat. Trotzdem haben sowohl er wie Braatöy ein Gesuch unterschrieben, das für die Verlängerung von Reichs Aufenthaltsbewilligung eintritt, weil sie sehr anständig den Standpunkt vertreten, daß man verhindern soll, daß die Ausweisung Reichs einen Präzedenzfall gegen das Asylrecht schafft. (119 Rundbriefe, Bd. 2 (Amerika), S. 951f)

Im Rundbrief vom 6. Februar 1939 zitiert Fenichel aus einem Brief aus Skandinavien:

Aus Oslo hört man, daß dort die Sex.Pol. immer mehr einschrumpft. Sigurt Hoel scheint bereits zu schwanken, dagegen Raknes und Nic Hoell keineswegs. … Die Zeitschrift erscheint nicht mehr. … Eine Tratschgeschichte ist bezeichnend für den Geist der Sex.Pol.: Bei Raknes ziehen sich die Patienten Trainingsanzüge an, bevor sie die „vegeto-therapeutische“ Seance beginnen. (ebd., S. 1065)

Punkt 3 des Rundbriefs vom 3. Mai 1939 handelt von Skandinavien: vor einiger Zeit hielt der norwegische Psychoanalytiker Braatöy einen Vortrag vor der Studenterforeening in Kopenhagen. Fenichels Berichterstatter:

Es ist interessant, wie diese Norweger, selbst Braatöy, der nie ganz die Distanz verloren hat, von Reich und der Sex.Pol.-Ideologie verdummt worden sind. Eine an sich wünschenswerte Kulturkritik an dem heutigen Erziehungssystem verliert ihre Berechtigung und Überzeugungskraft wegen unklarer Gesichtspunkte und falscher Verallgemeinerungen. Denn Braatöy hat nicht klar unterschieden zwischen der affektiven Lebendigkeit des unneurotischen Menschen und dem neurotischen Affektausbruch, so daß die Karikatur, die ich Dir beilege, ihn ganz treffend ironisiert. Danach, was er gesagt hat, könnte man annehmen, hysterische Affektausbrüche wären der Idealzustand für den Normalen. (…) In Oslo ist jetzt glücklicherweise zwischen Reichisten und Analytikern jede Verbindung abgebrochen. Zu Reich halten jetzt nur mehr Raknes und die Hoel. (ebd., S. 1107f)

Der Rote Faden: Reich in Skandinavien (Teil 1)

14. Dezember 2014

Am 29. Januar 1933 findet in Berlin eine Konferenz über den sexualpolitischen Einheitsverband statt, ein zweiter am 18. und 19. Februar. Beide stimmen gegen Reich, womit seine Beteiligung an der sexualpolitischen Vorfeldorganisation der KPD endet. Danach reist Reich nach Kopenhagen zu einer Vortragsreise.

In einem Artikel in Aftonbladet vom 29.10.1972 berichtet Per Meurling unter der Überschrift: „Zur Erinnerung an Wilhelm Reich. Ein tragisches Genie“ über einen Vortrag Reichs in Lund bei der radikal-sozialistischen Studentenvereinigung „Clarté“, „irgendwann im Jahre 1933“. Seinen Eindruck faßte er in den Sätzen zusammen: „Ich glaube, ich habe nie einen genialeren und anregenderen Redner gehört, und genauso glänzend war seine Kunst der Antwort (replikkonst) in der folgenden Debatte.“ (Helmut Müssener: Exil in Schweden, München 1974. S. 470f).

Am 27. Februar der Reichstagsbrand. Reich kehrt am Folgetag, den 28. Februar nach Berlin zurück. Nachdem die Nazi-Zeitung Völkischer Beobachter ihn am 2. März angreift, flieht er nach Bayern, das noch nicht von den Nazis kontrolliert wird, und überquert die Grenze nach Österreich. Er kehrt dann aber nach Berlin zurück und reist von dort nach Wien. Am 17. März erklärt Freud, daß der Psychoanalytische Verlag nicht, wie vereinbart, die Charakteranalyse veröffentlichen wird. Am selben Tag schreibt Reich, inzwischen in Wien, an die Redaktion der Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse, daß die Nazis die Psychoanalyse auf jeden Fall als „Kulturbolschewismus“ betrachteten.

massenpsych1Tage Philipson besucht Wien und bittet Reich ihm nach Kopenhagen zu folgen. Reich kommt über Polen reisend am 1. Mai in Kopenhagen an. Am 1. Oktober veröffentlicht er dort Die Massenpsychologie des Faschismus. Am 21. November sagt die Zeitung der dänischen KP (KPD), daß er wegen dieses Buches aus der KPD (d.h. der deutschen KP) ausgeschlossen sei.

In ihrem Aufsatz „Wilhelm Reich (1897-1957) Psychoanalytiker“ (in: Willy Dähnhardt/Birgit S. Nielsen [Hrgs.]: Exil in Dänemark, Heide 1993) beschreiben Per Kristensen und Elo Nielsen Reichs Aufenthalt in Dänemark wie folgt: In Kopenhagen lebt Reich in der Wohnung der dänischen Autorin Jo Jacobsen. Zur Gruppe um ihn herum zählen außerdem die Erzieherin Ellen Siersted, verheiratet mit dem „Außenseiter der dänischen Psychoanalyse“ Erik Carstens, der Arzt Tage Philipson, der Student der Philologie Jørgen Neergaard, der Arzt J.H. Leunbach, Gunnar Leistikow, außenpolitischer Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung Social-Demokrate, selbst ein Emigrant, Leistikows Frau Maja Dahl, der Realschullehrer Poul Hansen und dessen Frau Kim Hansen und Tora Raknes, die Tochter von Ola Raknes. Zu dieser Gruppe sind Elsa Lindenberg, Georg Gerö, Walter Kolbenhoff und einige andere hinzuzufügen, beispielsweise der Autor Jonny Rieger (1908–1985), das Pseudonym von Wolf Harten. Rieger war ein Freund von Kolbenhoff und Siersted. Riegers dänische Frau Agnete Hessel machte eine Lehranalyse bei einem von Reichs Schülern.

Reichs Artikel „Wohin führt die Nackterziehung?“ wurde in der dänischen Zeitschrift Plan von dem Redakteur Edvard Heiberg veröffentlicht. Reich berichtet über diesen Fall in Menschen im Staat. Offiziell ging es in dem Fall um Pornographie. Aber das war eigentlich nicht der eigentliche Punkt, der zu dem Prozeß gegen Genossen Heiberg führte, da der Plan in der gleichen Ausgabe auch scharfe Schmähungen gegen Nazi-Deutschland veröffentlicht hatte. Tatsächlich ging es im Prozeß gegen Heiberg um Verleumdung einer fremden Macht, etwas was Dänemark indirekt Schaden zufügte. Das Thema Pornographie wurde nur aufgebracht, um den politischen Charakter des Prozesses gegen Heiberg zu verschleiern. Heiberg wurde vom Vorwurf der Pornographie freigesprochen, aber trotzdem zu 30 Tagen Gefängnis wegen Beleidigung der ausländischen Macht Deutsches Reich verurteilt. Dennoch wurde in kommunistischen Kreisen der Prozeß verwendet, um sich von Reich zu distanzieren, der angeblich Heiberg in den Rücken gefallen war.

Wie erwähnt druckte die kommunistische Arbejderbladet am 21. November 1933, daß Reich aus der KP ausgeschlossen worden war. Dieser anonyme KP-Artikel „Marodorer i Arbejde“ (Plünderer am Arbeitsplatz) wirft Reich vor, der Sache der Sozialdemokraten zu dienen und Verwirrung und Korruption in die Reihen der Arbeiterklasse zu tragen. Er sei ausgeschlossen worden einerseits wegen seiner Haltung in Deutschland vor Hitlers Machtübernahme und andererseits wegen der Veröffentlichung des Buches Die Massenpsychologie des Faschismus, in dem er versucht habe, die Psychoanalyse und sexuelle Gesichtspunkte zu benutzen, um Marx und Lenin einer Revision zu unterziehen. Auch habe er einen Verlag ohne Erlaubnis der Partei gegründet. Hinzu kämen seine politischen und persönlichen Beziehungen zur „konterrevolutionären Brandler-Gruppe“ (siehe unten).

Noch 28. Februar 1933 hatte Arbejderbladet einen Artikel veröffentlich, in dem Reichs sozio-politische Arbeit gelobt worden war. Reich wurde damals als Beispiel präsentiert, dem man nacheifern sollte; ein Beispiel dafür, wie Intellektuelle der Arbeiterklasse effektiv zur Seite stehen könnten. Und noch am 27. Oktober 1933 hatte die Zeitung kommentarlos eine Ankündigung für ein Treffen in Borups Hojskole, Kopenhagen veröffentlicht unter der Überschrift „Der Kampf für die Psychoanalyse“. Das Treffen wurde von Erik Carstens und Jørgen Neergaard aus Solidarität für Reich arrangiert, der in der Sitzung über „Den Kampf um die Psychoanalyse auf dem medizinischen, pädagogischen und kulturellen Feld“ sprach.

Dieses Lobpreisen und diese Solidarität änderte sich mit der Nachricht vom 21. November 1933 urplötzlich. Am 1. Dezember 1933 veröffentlichte Arbejderbladet einen großaufgemachten anonymen Artikel, demzufolge Reichs Buch über die Massenpsychologie des Faschismus zwangsläufig zum Ausschluß aus der KPD hat führen müssen. Der Artikel schließt mit der Vorgabe, daß Reichs Arbeit als „gefährlich für unsere revolutionäre Arbeit“ bekämpft werden müsse. (Das „Calling all Couriers“ von 1933 wirft den Schatten voraus auf Werthams Aufruf von 1946, daß Reichs „Psycho-Faschismus“ von „Kurieren“ ein Ende gesetzt werden müsse, „jeder in seinem speziellen Bereich, sei es Wissenschaft, Literatur oder Journalismus“.)

Man siehe Zeugnisse einer Freundschaft, wo A.S. Neill schreibt (23. Juli 1946):

Die Kommunistische Partei Dänemarks, die recht stark ist, ist Deinen [d.h. Reichs] Leuten sehr feindlich gesinnt, wie ich höre. Und einige, die früher von meinen Büchern begeistert waren und jetzt in der KP sind, lehnen sie auf einmal ab, weil ich zu diesem schrecklichen Reich halte.

Siehe auch Neill am 18. Oktober 1946 über den erschreckenden nazi-ähnlichen Haß von Neills kommunistischen Freunden.

Einhart Lorenz beschreibt in seinem Buch über die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) im skandinavischen Exil folgendes zur damaligen politischen Lage in Dänemark (Mehr als Willy Brandt, Frankfurt 1997): In Dänemark gab es kaum einen Platz für die eher linke SAP, da im Gegensatz zu Norwegen die dänischen Sozialdemokraten eng mit der deutschen SPD verflochten waren. Auch war Dänemark sozusagen von KPO- und Trotzkistischen Emigranten „besetzt“. Und nicht zuletzt war Dänemark das Zentrum der KPD in Skandinavien. Die einzige dänische Organisation, die der SAP nahestand, war die Frem-Gruppe. Frem, gegründet 1932, war von der norwegischen Mot Dag inspiriert. Aber die Gruppe blieb winzig (20 Mitglieder!) und ohne jeden Einfluß. Sie spaltete sich sogar in zwei Teile, eine davon stand der KPO nahe, d.h. der Gegenspielerin der SAP.

Brandler, der Anführer der KPO, war im Oktober 1933 auf der Durchreise in Kopenhagen und traf diese KPO-Frem’ler, die Studenten Per Kirstein, Ester und Mogens Boserup. (In diesem Zusammenhang begegnete er auch Reich! Siehe dazu Menschen im Staat, Frankfurt 1995, S. 213.) Brandler erklärte die Boserups zur dänischen Anlaufstelle der KPO-Emigranten, die daraufhin das „Hilfskomitee für Deutschlands Kommunistische Partei-Opposition“ gründeten.

So mußte der Führer der SAP in Dänemark, der 26jährige Franz Bobzien, andere dänische Kontakte finden. September 1933 hatte er Verbindungen zu einigen Trotzkisten geknüpft, z.B. zu Bernhard Böggild, der Trotzkis Aufenthalt in Kopenhagen November 1932 organisiert hatte, sowie zu Georg Jungclas, einem Trotzkistischen Emigranten von der Linken Opposition (LO), sowie mit dänischen Gewerkschaftern. Aber auch diese zehnköpfige Gruppe („Marx-Engels Gruppe in Dänemark“) erodierte schnell: nach drei Monaten waren sie nur noch zu dritt oder viert! Im Januar 1934 nachdem er in einer Versammlung der sozialdemokratischen Jugend Dänemarks sprechen konnte und Einladungen zu einem Treffen der dänischen Schülerinnen und Schüler und einer pazifistischen Organisation erhielt und auch Kontakt zum Kreis um Wilhelm Reich fand, schickte Bobzien einen optimistischeren Bericht an die SAP-Zentrale in Paris. In diesem Schreiben vom 16. Januar 1934 berichtete er, daß es im Winter 1933/34 in Kopenhagen einen gemeinsamen „Marxistischen Elementarkurs“ zusammen mit Mitgliedern des Kreises um Wilhelm Reich gäbe. Im Februar 1934, während eines Jugendkonvents in der niederländischen Stadt Laren, wurde Bobzien von der niederländischen Polizei verhaftet und an das nationalsozialistische Deutschland ausgeliefert. Auch danach konnte die SAP keine Wurzeln in Dänemark schlagen.

Dieser kleine Schnappschuß zeigt, wo Reich zu diesem Zeitpunkt politisch stand: in der Mitte eines Dreiecks, das vom „rechten“ Flügel der KPD (Brandlers KPO), dem „linken“ Flügel der KPD (die Trotzkistische „Linke Opposition“) und der SAP („linker“ Flügel der SPD/„rechter“ Flügel der KPD) gebildet wurde.

Adipositas bei einem phallischen Charakter mit einem oralen unbefriedigten Block (Teil 1)

13. Dezember 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Dale Rosin: Adipositas bei einem phallischen Charakter mit einem oralen unbefriedigten Block (Teil 1)

acologo

Die Sünden der Väter

12. Dezember 2014

Reich ist davon ausgegangen, daß die Charakterstruktur bereits im Mutterleib vorgeprägt wird, d.h. von den orgon-energetischen Verhältnissen im Uterus abhängt. Elsworth F. Baker meinte, daß nicht nur Schizophrenie, sondern wahrscheinlich generell alle Charaktertypen nicht nur durch Entwicklungsstörungen in der Gebärmutter, sondern vielleicht auch genetisch bedingt sind. Der genetische Einfluß bei der Schizophrenie steht mittlerweile außer Zweifel.

Ein entscheidender Einflußfaktor wurde bisher weitgehend übersehen: die Qualität des Spermas. Brian M. D’Onofrio (Indiana University) et al. haben die älteren und jüngeren Kinder von Vätern verglichen und dabei festgestellt, daß:

Im Vergleich mit den Kindern von jungen Vätern im Alter von 20 bis 24, hatten jene, die von den selben Männern gezeugt wurden, wenn diese 45 Jahre oder älter waren, das doppelte Risiko eine Psychose zu entwickeln, das Leitsymptom der Schizophrenie; mehr als dreimal so groß war die Wahrscheinlichkeit der Diagnose Autismus und die Wahrscheinlichkeit der Diagnose einer Aufmerksamkeitsstörung war etwa 13 mal größer. Tendenziell hatten sie auch mehr mit der Schulbildung und mit Drogenmißbrauch zu kämpfen.

Es ist wohl kaum zu viel Spekulation, wenn man das mit der verminderten orgonotischen Ladung und damit einhergehenden Schädigung der Spermien in zunehmendem Alter in Verbindung bringt, zumal alle anderen Faktoren (etwa der unterschiedliche Erziehungsstil) weitgehend ausgeschlossen werden konnten.

Reich zufolge hat die Psychoanalyse durch die Erforschung der libidinösen Entwicklung des Kindes die Rolle der Vererbung eingeschränkt. Der Erblichkeitsfaktor sei vor allem in der konstitutionellen Hervorhebung der erogenen Zonen gegeben. Reich konnte dann weiter als die Psychoanalyse zurückgehen bis zur Geburt, da er die „Organsprache“, die „Ausdruckssprache des Lebendigen“ sprach. Indem er die Panzerung der Mutter betrachtete, und über die Bionenforschung („T-Bazillen“, die von der Mutter auf den Embryo übergehen), richtete sich sein Augenmerk sogar auf das intrauterine Leben.

Die orgonotische Ladungsfähigkeit des Uterus übertrage sich auf den Embryo,

der ja nur einen Funktionsteil der Uterusschleimhaut bildet. (…) Auf diese Weise läßt sich zum ersten Male ein Teil des Riesenproblems der „Charaktervererbung“ fassen. (…) Der „Erblichkeitsfaktor“ wäre somit als quantitativer Energiefaktor prinzipiell faßbar (Der Krebs, Fischer TB, S. 396).

Mit der Betrachtung des orgonotischen Zustandes des Uterus ist Reich zufolge

der mechanistisch mystischen Erblehre ein weiteres Stück ihrer Domäne entwunden und der funktionellen Pathologie eingeordnet. Es liegt nicht mehr eine unkontrollierbare „erbliche Keimschädigung“ vor, die das Kind mit „Krebsanlagen“ „belastet“, sondern wir haben es mit veränderlichen Lebensfunktionen, mit Energiequantitäten und Pulsationsstörungen zu tun. (ebd.)

1968 mußte der Orgonom Robert A. Dew zwar einräumen, daß es unzweifelhaft genetische Erkrankungen gibt, wies aber auch darauf hin, daß der ständige Bezug in der Literatur auf die Häufung von Krankheiten in Familien ebensogut auf charakteranalytische Zusammenhänge deuten könne. Von Anfang an habe Reich darauf hingewiesen, wie die Familie den Charakter formt und so Biopathien „vererbt“ werden. In diesem Zusammenhang weist Dew auch auf die direkte Einwirkung durch den Uterus der Mutter hin („The Biopathic Diathesis: The Uterus and Heredity: The Biopathic Process and Intrauterine Development“, Journal of Orgonomy, Vol. 2, No. 2, November 1968, S. 160-162).

Das ist heute wissenschaftlich unbestritten. Es bleibt nur die Frage der Gewichtung. Neuerdings gibt es Belege dafür, daß sogar die Lebensgewohnheiten (also nicht nur das bloße Alter!) des Vaters über „neben-genetische“ (epigenetische) Mechanismen die Nachkommenschaft beeinflussen.

Australische Forscher haben Rattenmännchen gemästet und festgestellt, daß deren weibliche Nachkommen unter diabetes-ähnlichen Störungen ihres Stoffwechsels litten, einer Art von „prä-diabetischem Zustand“. (In Reichs Begrifflichkeit also eine Biopathie vererbt worden war.)

Zwar wäre man höchstwahrscheinlich zum selben Ergebnis gekommen, hätte man die Mütter zu verfetteten Diabetikerinnen gemacht, doch dann könnte man nicht zwischen Erblichkeit im eigentlichen Sinne und der Beeinflussung des Embryos während der Schwangerschaft unterscheiden.

Der Vater ist sozusagen aus dem Rennen. Seine Spermien befruchten die Eizelle und danach ist der Vater weg. Also da muß ein anderer Effekt vorliegen, der irgendwie über die Spermien kommt, der aber nicht genetisch sein kann, weil er ja vom Verhalten kommt.

Hier kommt ein Faktor ins Spiel, der schon des öfteren in diesem Blog erwähnt wurde: Methylgruppen, die am Erbgut anhaften und die Genaktivität steuern. Durch ihr Verhalten beeinflussen Väter zwar nicht ihre Gene jedoch die „Methylierungen“, die ebenfalls vererbt werden.

Im Nachhinein scheint es so zu sein, daß beide Parteien recht hatten: sowohl die Genetiker, für die die Gene nicht beeinflußt werden können (abgesehen von krankhaften Mutationen), als auch der bekennende Lamarck-Anhänger Reich, der die Genetik radikal ablehnte. Nachdem zunächst die eine Partei für ihre Theorien immer neue Belege fand, wie Dew einräumen mußte, ist nun die zweite Partei an der Reihe, wobei sich beide Sichtweisen überraschenderweise hervorragend ergänzen. Die Epigenetik würde ohne die Genetik gar nicht funktionieren und die Genetik würde, angesichts von Forschungsergebnissen wie dem oben beschriebenen, ohne Epigenetik in eine Krise geraten.

Jetzt ist die entscheidende Frage, was das Gemeinsame Funktionsprinzip von Genetik und Epigenetik ist. In beiden Fällen wird Erfahrung (das Nacheinander, Zeit t) zur Struktur (das Hintereinander, Länge L). Während in der DNA unauslöschlich unsere Phylogenese von den Einzellern über die Fische bis hin zu den Humanoiden eingeschrieben ist, scheint die Methylierung nach wenigen Generationen wieder zu „verwaschen“ (zum Glück!). Der erstere Vorgang scheint weitgehend nach den Gesetzen der Mechanik abzulaufen (Schädigungen der DNA und Auslese des zufällig Brauchbaren), während in der Methylierung sicherlich „plasmatische Funktionen“ zum Ausdruck kommen, wie Reich sie in den 1930er Jahren beschrieben hat.

Ziel der Orgonomie muß es sein spezifischer zu werden und zu ergründen, ob folgender Rahmen wirklich Sinn macht:

Das erinnert stark an die Triade aus Psyche, Soma und Bioenergie. Die Epigenetik würde dann mit ganzheitlichen Funktionen in Zusammenhang stehen (entsprechend dem psychischen, vorübergehenden „Ich fühle mich glücklich!“), die Genetik mit Teilfunktionen (entsprechend dem somatischen, dauerhaften „Meine Leber schmerzt!“). Wie die Bioenergie auf diese beiden Funktionen konkret einwirkt (Pulsation, Kreiselwelle, Überlagerung, etc.), wird zu eruieren sein. Der „Erbcode“ erinnert beispielsweise an das Muster von Spektrallinien.

Reich schrieb 1937 in seinem Aufsatz „Der dialektische Materialismus in der Lebensforschung“:

Die Erbwissenschaft (…) hat, entsprechend dem Kegel, der auf der Spitze steht, höchst vereinzelte Erbbefunde mit einem riesigen Wust an Hypothesen und Theorien überbaut (…). Man stellt sich etwa vor, daß die Eigenschaften der höheren Organismen ebenso wie die der niederen angeboren sind, angeleggt im Keimplasma in Form von stofflich gedachten „Genen“. Die Eigenschaften also seien ewig und unveränderlich. Diese Biologie ist in ihrem Grundzug konservativ, mögen ihre Vertreter, jeder für sich, auch die fruchtbarsten Einzelergebnisse bringen. Sie zerteilt den einheitlichen Lebensstrom künstlich in Fächer, wo die einzelnen Zweige des einheitlichen Lebens fein säuberlich geordnet und beschrieben eingekapselt sind. Man sucht im allgemeinen nicht nach Prozessen, Funktionen, Veränderlichkeit, sondern nach Stoffen und chemischen Reaktionen, was an sich nicht falsch wäre, wenn es in einen allgemeinen Funktionszusammenhang hineingestellt wäre. (Hervorhebungen hinzugefügt).

LaMettrie statt DeSade, Stirner statt Marx und Nietzsche

11. Dezember 2014

Der Normalfall lautet: „Jede Frau muß selber wissen, was sie verantworten kann.“ Der Grundsatz der totalen Selbstbestimmung über seinen Körper, selbst wenn ein anderer Körper darunter leiden muß, stammt vom frühesten Pionier der Freigabe von Abtreibung, Homosexualität, Pädophilie, Prostitution und Promiskuität: dem Marquis Donatien de Sade, einem Zeitgenossen Rousseaus, auch von Wilhelm Reich und vor dreißig Jahren von deutschen Grünen und Reformpädogen ernst genommen.
Daß in Sachen Sexualität, ihrer Praxis und ihrer Folgen, jeder selber wissen müsse, was richtig sei, weil es Privatsache ist, hat niemand philosophisch „sauberer“ formuliert als de Sade. Als Befreier der Sexualität ging er davon aus, daß Vergewaltigungsopfer und Kinder, wären sie über ihr Glück aufgeklärt, durchaus mitmachen würden, was letztlich sein Emanzipationsziel war. Auch der Feminismus und der Sozialismus meinen es mit den abgetriebenen Kindern gut: Ungewollte Kinder, erst noch in schlechten sozialen Verhältnissen, wären zu bemitleiden. Es ist besser für sie, nicht geboren zu werden, als zu einem Leben ohne Chancen gezwungen zu werden. Insofern wird dem ungeborenen Kind der höchste linke Grundwert, die Solidarität, auf makabre Weise nicht vorenthalten. (Weltwoche)

Das folgende soll einfach nur Appetit machen auf die Heimatseite www.lsr-projekt.de.

Man kann Marquis de Sade und LaMettrie durchaus als Ururväter der Sexuellen Revolution betrachten. Gleichzeitig läßt sich an ihnen der Widerspruch dieser Revolution festmachen.

2003 eine Diskussion im ZDF-Nachtstudio über „Marquis de Sade und die Folgen“. Der Sade-Übersetzer Stefan Zweifel:

….in den 68 haben sie eine Sade-Ausgabe gemacht, die hört immer mit einem Orgasmus auf. Also, auch eine [philosophische] Rede dazwischen, aber es hört immer mit einem Orgasmus – nicht Wilhelm Reich, wir müssen Orgasmen haben und so [Diskussionsteilnehmerin Ursula Pia Jauch leicht amüsiertes Gesicht, ein zustimmendes „Jaja“] – bei Sade ist das nicht so, das geht einfach: genau diese Erregung greift dann wieder über ins Denken. Und das ist eine endlose Erregung.

Heute herrsche Anhedonie, trotz plakativem Sexus, „weil“, so Jauch, „das lustvolle und auch denk-lustvolle Umfeld weg ist.“

Die Sade’sche Sexualität des pseudoliberalen modern liberal… (vgl. Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie).

2004 ist der Roman Der Augenblick der Liebe von Martin Walser erschienen. Im Spiegel (30/04) wurde die zentrale Stelle hervorgehoben: in einer Rede über LaMettrie spricht der Romanheld, ein LaMettrie-Experte, davon, diesem sei es darum gegangen, „die menschliche Gattung von Schuldgefühlen zu befreien.“ Walser lasse, so der Spiegel, seinen Redner „regelrecht ins Schwärmen geraten.“ Der sagt:

Ein Frühlingsausbruch sondergleichen. Genuß als Denkbedingung. Lust als Seinserfahrung. Und Glück als Sinn des Daseins.

Und als Fazit:

Eben diese erfahrungsgesättigte Kenntlichkeit, diese immer aus dem eigenen Leben stammende Stilistik hat ihn [LaMettrie] in Verruf gebracht.

LaMettrie habe geradezu davon gelebt, „das öffentlich zu bezeugen, was bisher jeder ausgeklammert hat.“

Man vergleiche Bernd Laskas Website www.lsr-projekt.de oder Max Stirner und die Kinder der Zukunft mit folgender Stelle aus Jauchs wirr-„intellektueller“ Habilitationsschrift über LaMettrie (Jenseits der Maschine, München 1998, S. 555), in der der zentrale LSR-Punkt bei LaMettrie abgehandelt wird:

Die entwicklungspsychologisch freilich undifferenzierte Forderung, künftig in der Erziehung darauf zu achten, daß die Gewissensbisse nicht mehr weiter zum Lehrstoff gehören – „den Menschen von den Gewissensbissen befreien“ (DB 153) –, stammt aus LaMettries ureigenster Erfahrung mit der religiösen Zerknirschung. Sei es im Jansenismus, sei es im Protestantismus, sei es [im Katholizismus].

Der zentrale Punkt wird von Jauch bis zur Unkenntlichkeit zerredet, inhaltlich und dann „biographisch“ relativiert: LaMettrie übertreibe etwas, aus eigener Betroffenheit (wie bei Nietzsches Leiden am Christentum), man darf es nicht verallgemeinern; dann das denkbar unpassende Bild „Gewissensbisse als Lehrstoff“…

Dieses ziellose „Denken“ von „Intellektuellen“ wie Jauch ist Ausfluß ständiger Nichtbefriedigung.

Zu diesem Blogeintrag siehe auch unbedingt meinen Blogeintrag über Rousseau!

Das Denken der „Intellektuellen“ weltweit gruppiert sich weitgehend um die beiden Antipoden Marx und Nietzsche oder um eine Vereinigung der beiden, wie sie etwa vom russischen Bolschewismus, italienischen Faschismus und den französischen Wirrköpfen im Umfeld von Foucault, Deleuze und Derrida vorexerziert wurde. Heimlich goutieren sie sich an den Vernichtungsphantasien von Marx (siehe Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie) und Nietzsche, der die Ausmerzung der „Mißratenen“ propagierte, den „Mord aus höchster Liebe zu den Menschen“; „heilig“ sei man, wenn man „Räuber und grausam“ ist und aus der „Härte“ seine Tugend und seinen Gott mache (siehe Der verdrängte Nietzsche).

Es läßt sich zeigen, daß Marx und Nietzsche ihre Gedankengebäude als Abwehrreaktion auf das anthropologische Konzept Max Stirners entworfen haben (siehe Max Stirner und die Kinder der Zukunft.

In Der verdrängte Nietzsche wird erläutert, inwiefern Stirners „Einziger“ im Zentrum der Philosophie Nietzsches steht – der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“. Man vergegenwärtige sich nur, wie Nietzsche in raunendem Ton, voller Angst und Panik von dieser „alles zermalmenden Idee“ spricht und vergleiche das mit seiner Notiz aus der Zeit seiner „initialen Krise“ 1865:

Was ich fürchte, ist nicht die schreckliche Gestalt hinter meinem Stuhle, sondern ihre Stimme: auch nicht die Worte, sondern der schauderhaft unartikulierte und unmenschliche Ton jener Gestalt. Ja, wenn sie noch redete, wie Menschen reden!

Eine Notiz, die, wie Bernd Laska in seinem Aufsatz Nietzsches initiale Krise überzeugend argumentiert, von dem „Dämon“ Stirner handelt.

Marx hat einen dicken Wälzer geschrieben, um Stirner zu widerlegen: Die deutsche Ideologie. Wer sich die Mühe gibt, dieses dann doch unveröffentlicht gebliebene Konvolut zu lesen, wird sehen, daß der Marxismus aus einer barock ausufernden Rezension von Stirners Der Einzige und sein Eigentum hervorgegangen ist. Siehe dazu Bernd Laskas Aufsatz über Marx und die Marxforschung.

dearmor

Die Behandlung eines katatonen Schizophrenen: Die Anlaufphase

10. Dezember 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Richard Schwartzman: Die Behandlung eines katatonen Schizophrenen: Die Anlaufphase

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Mechanistische Äquivalente zum Orgonenergie-Akkumulator: Maxwells Dämonen und die zweidimensionale Fermioberfläche bei SmB6

9. Dezember 2014

Ursprünglich betrachtete man „Wärme“ als eine Art „Fluidum“, was auch naheliegend ist. Man spürt wie einem im Freien die Wärme entweicht und am Ofen die Wärme zufließt. So stellte man sich die Sache auch in etwa vor, als Anfang des 19. Jahrhunderts die Thermodynamik formuliert wurde. Schließlich wurde jedoch erkannt, daß Wärme nicht eine Art „Ding“ ist, sondern sozusagen eine „Verhaltensweise“ der kleinsten mehr oder weniger frei beweglichen Einheiten der Materie, ihre chaotische, ungerichtete „Zitterbewegung“.

Damit trat jedoch ein gewichtiges Problem auf: Die Thermodynamik hatte gezeigt, daß, solange sich der Versuchsaufbau selbst überlassen bleibt, es stets zu einem Wärmeausgleich kommt. Schütte ich etwa heißes Wasser vorsichtig in einen Behälter mit kaltem Wasser, so daß sich ein „Warmwasserbereich“ bildet, wird über kurz oder lang das gesamte Wasser die gleiche Temperatur annehmen, die je nach dem Mengenverhältnis irgendwo zwischen den beiden ursprünglichen Wassertemperaturen liegt.

Daß das so sein muß, kann man sich vergegenwärtigen: wenn man das Wasser als eine Ansammlung von Molekülen betrachtet, die wild hin und her, vor und zurück, rauf und runter fliegen und dabei zusammenstoßen, – sehr schnell werden alle Moleküle das gleiche Bewegungsmuster annehmen. Das Bild ändert sich erst, wenn ich individuelle Moleküle betrachte: im Durchschnitt mögen sich alle gleich schnell und gleich ungeordnet bewegen, doch das individuelle Molekül A bewegt sich in einem gegebenen Zeitraum vielleicht weniger als das Molekül B.

Man könnte nun die etwas langsameren A-Moleküle individuell von den etwas schnelleren B-Molekülen trennen – und hätte wieder einen Warm- und einen Kaltwasserbereich vor sich. Auf diese Weise wäre das Zweite Thermodynamische Gesetz, das besagt, daß isolierte Systeme stets einen Temperaturausgleich anstreben, ad absurdum geführt.

Mitte des 19. Jahrhunderts spielte James Clerk Maxwell genau dieses Gedankenexperiment durch: kleine „Dämonen“ könnten die Thermodynamik auf den Kopf stellen, indem sie eine Barriere zwischen zwei Bereichen immer dann öffnen, wenn ein schnelles Molekül gegen diese zu knallen droht, während sie die Barriere bei einem langsamen Molekül geschlossen halten. Es wäre ungefähr so, als würde in der Tasse der Kaffee von alleine heiß werden!

Zwar nicht aus dem Nichts, aber aus der Information über das Verhalten individueller Moleküle, würde Energie entstehen.

Nach 150 Jahren hat der Japaner Shoichi Toyabe von der Chuo University, Tokio ein solches Experiment tatsächlich real durchführen können. Wie er das genau gemacht hat, soll uns hier nicht weiter interessieren. Das Problem bei der ganzen Sache ist natürlich, daß wir es nicht mit einer Art von „Geistwesen“ („Maxwells Dämonen“) zu tun haben, sondern mit Toyabe und der sehr aufwendigen und energieintensiven Apparatur, mit der er die einzelnen Moleküle identifiziert und manipuliert. Ein „Energiegewinn“ ist so nicht zu erzielen!

Andererseits hat auch Toyabe die Moleküle nicht berührt, also nicht direkt Energie auf sie übertragen, sondern nur Barrieren (bei ihm waren es elektrische Felder) je nachdem errichtet oder nicht errichtet. Das ist etwas grundsätzlich anderes, als einen Bereich zu erwärmen und den anderen Bereich zu kühlen, indem Wärmeenergie zu- oder abgeführt wird!

Dieses Experiment ist von Interesse, da es das mechanistische Äquivalent des Orgonenergie-Akkumulators darstellt. Wenn man das orgonomische Potential wirklich ernst nimmt, muß es die „Maxwells Dämonen“ tatsächlich geben. Sicherlich nicht in Gestalt kleiner „Toyabes“, sondern als Entsprechung jener Lebensenergie, die Toyabe lebendig macht und ihn zu seinem Experiment befähigt.

Es stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Natur der Wärmebewegung, ungefähr so, wie sich die Frage stellt, ob „Hitzewellen“ wirklich nur auf unterschiedlich erwärmte Bereiche der Luft zurückgehen oder auch die atmosphärische Orgonenergie eine Rolle dabei spielt. Zweifellos gibt es die Wärmebewegung, aber selbst der Entdecker der chaotischen Molekularbewegung, der sogenannten „Brownschen Bewegung“, Robert Brown, war ursprünglich davon überzeugt, es mit lebendigen (quasi „lebensenergetischen“) Vorgängen zu tun zu haben: lebendige Bewegung auf der kleinstmöglichen Ebene, die schließlich in der Bewegung der Lebewesen mündet.

Was ist „SMB6“? Ein topologischer Isolator! Was das ist? Etwas, was jeden Studenten der Orgonomie hellhörig machen sollte: ein chemisch homogener Isolator, der an seiner Oberfläche elektrischen Strom leitet. Es ist, als wäre ein Stück Gummi mit Metall überzogen: Reichs Akkumulatorprinzip! Samariumhexaborid („SMB6“) ist der bisher robusteste topologische Isolator und könnte von daher den Weg in neue Technologien weisen, insbesondere den „Quantencomputer“, der die gegenwärtigen Computer wie Steinzeitwerkzeuge aussehen lassen wird.

SMB6 funktioniere deshalb, so die Physiker, weil seine Oberfläche von „Dirac-Elektronen“ beherrscht wird. Das sind Elektronen, denen ein breites, praktisch kontinuierliches „Band“ an möglichen Energien zur Verfügung steht und die deshalb mit der relativistischen Dirac-Gleichung beschrieben werden können, d.h. so, als hätten sie keine Ruhemasse – seien „massefrei“ („masselose Fermionen“). Sie bewegen sich in einer zweidimensionalen „Fermioberfläche“, in der die Freiheitsgrade extrem eingeschränkt sind (kein Widerspruch zum vorherigen Satz!), es also kein „entropisches Rauschen“ mehr gibt, was, wie in Orgonenergie-Kontinuum und atomare Struktur im Zusammenhang mit der Supraleitung erläutert, sie zu einem perfekten Äquivalent der Orgonenergie macht.


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