Der Rote Faden: Alfred Kantorowicz

20. Oktober 2014

Wahrscheinlich bedingte Alfred Kantorowiczs Wohnsitz seinen Entschluß, Mitglied der KPD zu werden. In der Berliner „Roten Künstlerkolonie“ am Laubenheimer Platz gab es mehr Bewegungsfreiheit und Diskussion als in anderen Zellen der KP. Im Sommer 1932 wurde er, nur wenige Monate nachdem er der Partei beigetreten war, wegen seiner unermüdlichen organisatorischen und propagandistischen Bemühungen Nachfolger von Gustav Regler als politischer Leiter dieser Parteizelle. Der organisatorische Leiter wurde Max Schröder, Arthur Koestler war für die Agitprop zuständig.

Der „Rote Block“ im Berliner Bezirk Wilmersdorf lag mit seinen etwa 1000 Bewohnern zwischen dem Laubenheimer Platz (heute Ludwig-Barnay-Platz) und der Bonner Straße. Es war die sogenannte „Künstlerkolonie“ – die „Gewerkschaft der Bühnenangehörigen“ (Schauspieler, Bühnentechniker, etc.) und der „Schutzverband Deutscher Schriftsteller“ hatten auf diesem Platz drei Wohnhäuser für ihre Mitglieder. Diese „Künstlerkolonie“ wurde in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren ein Treffpunkt sowohl der Etablierten als auch der Unbekannten, derer, die es geschafft hatten, und jener, die gescheitert waren. Zu den Bewohnern des Viertels gehörte neben Kantorowicz und seiner Frau Friedel Ebenhöch (die in der Nähe von Ernst und Carola Bloch, in der Kreuznacher Straße Nr. 48 lebten) viele andere berühmte Namen: Johannes R. Becher (Autor und später Staatssekretär für Bildung und Kultur der „DDR“), Bloch (der berühmte stalinistische Philosoph), Sally Bowles, Hermann Budzislawski, Ernst Busch (der berühmte kommunistische „Kampfsänger“), Axel Eggebrecht (der berühmte sozialdemokratischer Journalist), Erich Engel, Georg Hermann, Kurt Hiller, Peter Huchel, Martin Kessel, Arthur Koestler, Susanne Leonhard, Jo Mihaly, Erich Mühsam (der berühmte Anarchist), Wilhelm Reich, Alfred Sohn-Rethel, Leonhard Steckel, Werner von Trott zu Solz, Erich Weinert (der berühmte Schriftsteller). (Zu nennen wäre auch Manès Sperber, der berühmte Anhänger von Alfred Adler. Alles in allem bestand Reichs KP-Zelle aus 20 bis 25 Mitgliedern.)

1959 Kantorowicz stellte fest, daß unter ihnen Funktionäre, politische Profiteure, Informanten, Spitzel nicht zu finden waren. In diesem Quartier funktionierte bis 1933 die Zusammenarbeit zwischen Unabhängigen, Kommunisten, Sozialdemokraten und anderen Linken. Arthur Koestler erinnert sich, daß, da die meisten intellektuelle waren, die Struktur der Zelle atypisch war. Axel Eggebrecht meinte, daß „unser rote Block“ ein Beispiel dafür bot, wie die braune Katastrophe hätte abgewendet werden können (Michael Rohrwasser: Der Stalinismus und die Renegaten, Stuttgart 1991, S. 108f).

Als mehr als 100 Bewohner dieses Quartiers 1932 einen überparteilichen „Antifaschistischer Schutzbund“ gründeten, stand er unter der Leitung von fünf Männern: dem Kommunisten Kantorowicz, dem parteilosen Axel Eggebrecht, dem Kommunisten Max Schröder, dem Sozialdemokraten Hermann Budzislawski und dem Anarchisten Albert Arid. Der „Schutzbund” traf Vorkehrungen den roten „Künstlerblock“ zu verteidigen (Kantorowicz: Nachtbücher. Aufzeichnungen im französischen Exil 1935-1939, Hamburg 1995, S. 26f).

Kantorowiczs Beschreibung des Wesens von Reichs KP-Zelle erklärt, warum Reich ein Mitglied der KP sein und trotzdem sagen konnte, ohne zu lügen, daß er nicht Mitglied war, daß sie ihn nie als echtes Mitglied der KP akzeptiert hätten: 1931/32 hatte die KP-Führung wenig Kontrolle über die Parteizelle Reichs. Sicher gab es offizielle KP-Treffen, Indoktrinationskurse, Demonstrationen, Sitzungen der Zelle; Reich und seine Genossen wurden ständig mit Verlautbarungen, Erklärungen, Beschlüssen überschüttet, doch auf die schlingernde Parteilinie reagierte man nur mit Sarkasmus. Schließlich war man Freiwilliger und entschied selbst, an welcher Front man stand und wie, etwa in der ideologischen Auseinandersetzung oder im Straßenkampf. Man war eine autonome Insel in der Mitte des bereits überwiegend nazifizierten Westberlin. Die weitentfernten Hauptquartiere der lokalen Berliner KP oder gar des Zentralkomitees der KPD konnten das kaum kontrollieren. Der höchstrangige Besuch war gelegentlich der Unterbezirksleiter Willi Müller, ein Berliner Arbeiter, der bei Untergrundaktivitäten nach der nationalsozialistischen Machtübernahme umkam.

Kantorowicz erinnert sich, daß der „rote Block“ wie eine entlegene Blockhütte in einem Wald von Hakenkreuzfahnen war. In den drei Künstlerblöcken sah man keine Naziflaggen, selbst nachdem Hitler die Macht übernommen hatte bis zum Tag des Reichstagsbrandes. Die drei Blöcke waren im antifaschistischen „Kampfbund Künstlerkolonie“ organisiert und standen bereit, mit Hilfe anderer militanter Gruppen aus den Stadtteilen Wilmersdorf, Steglitz und Friedenau die SA-Horden zurückzuschlagen. Die Funktionäre der KP-Parteimaschinerie tolerierten es wohl oder übel, daß ausgerechnet die Intellektuellen und Künstler am Rande der kommunistischen Bewegung ein deutliches Beispiel des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Flut setzten. Trotzdem wurden die „kleinbürgerlichen Außenseiter“ nicht wirklich ernstgenommen. Man bediente sich der großen Namen – sonst nichts. Im Herbst und Winter 1932/33 ging alles so schnell, daß die Parteifunktionäre auch gar nicht die Zeit fanden, um auch noch gegen diese Rebellen vorzugehen. Ansonsten wäre es wahrscheinlich schon dann zu Konflikten gekommen, der mit Parteiausschluß oder Austritt aus der Partei geendet hätten. Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, der Unterdrückung und Verfolgung der Partei verdeckte diese Spannungen zeitweise. Im Moment der Niederlage, die unterlegenen Partei zu verlassen, wäre vielen wie Fahnenflucht erschienen. Nur der äußere Druck brachte sie näher zusammen. (Um so schmerzlicher muß für Reich der Parteiausschluß Ende 1933 gewesen sein!) Die Partei wurde bedroht, stand von allen Seiten unter Feuer. Die meisten waren Soldaten während des Ersten Weltkrieges gewesen und waren damit vertraut: an der Front, im Angesicht des Feindes, wird nicht über den Sinn oder Unsinn eines Befehls diskutiert – er wird ausgeführt.

Kantorowicz zufolge half man sich über die Sturheit und die Dummheit der Parteioffiziellen des Thälmann-Zentralkomitees hinweg, indem man Lenins berühmte Abhandlung Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus von 1920 zu Rate zog. Die Fehler, Schwächen, Engstirnigkeit, Rauheit und Ungerechtigkeit des Parteiapparates wären nur eine vorhergesagte Kinderkrankheit, die sich mit der Reifung und Konsolidierung der Partei auswachsen würden (Kantorowicz: Deutsches Tagebuch. Erster Teil, Berlin 1978, S. 30-34).

Die biosoziale Grundlage der Familien- und Paartherapie (Teil 15)

19. Oktober 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Peter Crist: Die biosoziale Grundlage der Familien- und Paartherapie (Teil 15)

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Die Zukunft der Orgonomie (Teil 2)

18. Oktober 2014

Die Zukunft der Orgonomie ruht auf vier Pfeilern, von denen gegenwärtig alle vier brüchig, wenn überhaupt vorhanden sind:

  1. Orgontherapie: Ohne sie ist alles, was „innerhalb“ der Orgonomie getan wird, vom individuellen Charakterpanzer geprägt und damit kontraproduktiv. Konkret bedeutet dies, die Beiträge sind entweder mystisch oder mechanistisch entartet. Leider gibt es in Europa kaum Therapeuten.
  2. Orgonenergie-Akkumulator: Es ist eine der Tragödien der Orgonomie, daß beispielsweise in den 45 Jahren, in denen das Journal of Orgonomy erschienen ist, kein einziger Artikel über die therapeutische Anwendung des Orgonenergie-Akkumulators erscheinen konnte. Das geschah nicht nur aus Angst vor der FDA (der amerikanischen Bundesgesundheitsbehörde), sondern vor allem wegen der Befürchtung, aus der Arzthaftpflichtversicherung geworfen zu werden und damit die Approbation zu verlieren. Mit der Obama-Gesundheitsreform und der damit einhergehenden zusätzlichen Bürokratisierung kann die Situation nur noch schlimmer werden. Aus diesem Grund liegt die Zukunft der Orgonomie eher in Europa – solange das die EUdSSR noch zuläßt.
  3. Soziale Orgonomie: Ohne Studium und Handhabe der Emotionellen Pest ist die Orgonomie der Irrationalität der gepanzerten Menschen schutzlos ausgeliefert. Zu Reichs Zeiten waren es vor allem die konservativen Kräfte, die sich den Zielen der Orgonomie entgegenstellten (d.h. vor allem dem humanen Umgang mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen), heute sind es fast ausschließlich die sogenannten „progressiven“ Kräfte, die im Wege stehen. Beunruhigenderweise ist Europa in den letzten Jahrzehnten in einem Maße nach links gerückt, daß Ideologie alles bestimmt und Vernunft kaum noch eine Chance hat.
  4. Physikalische Grundlagenforschung: Hier gibt es zwei Probleme. Erstens erzwingt der gegenwärtige wissenschaftliche Standard einen derartigen Aufwand, daß eine Finanzierung zunehmend schwieriger wird. Ohne diese Anstrengung wäre orgonomische Forschung aber kaum mehr als Selbstvergewisserung. Zweitens ist die atmosphärische Orgonenergie seit Reichs Zeiten dermaßen geschädigt worden (ORANUR), daß die orgonotischen Phänomene immer schwerer dingfest zu machen sind. (Das energetische Absterben der Atmosphäre betrifft natürlich auch die drei ersten Punkte!)

Die Lage scheint ausweglos zu sein, doch das Schöne an der Orgonomie ist, daß jeder in jedem beliebigen Moment etwas Konstruktives tun kann. Man kann seine eigene Panzerung dadurch angehen, daß man sie zunächst einmal spürt. Man kann immer und überall die Orgonenergie beobachten. Man kann sich der Irrationalität in seiner Umgebung entgegenstellen. Und vor allem kann man sich bemühen, so funktionell wie nur irgend möglich zu leben. Liebe, Arbeit und Wissen sind die Grundlagen unseres Lebens, sie sollten es auch beherrschen!

Alles hängt von den „Massen“ ab – alles hängt von uns ab. Jeder Erwachsene trägt die Verantwortung für sein Leben und die Umstände, unter denen er lebt.

Die Orgontherapie ist so zentral wichtig, weil ohne Orgontherapie alles nichts ist! Deshalb erscheinen in der Zeitschrift für Orgonomie vorerst fast ausschließlich Texte zur Orgontherapie.

Betrachten wir dazu das Emblem der Zeitschrift. Historisch geht es auf die zu Reichs Lebzeiten von Elsworth F. Baker herausgegebene Zeitschrift Orgonomic Medicine zurück, deren Symbol eine Äskulapschlange war, die sich um das Symbol des orgonomischen Funktionalismus schlängelte (siehe hier). Als Baker diese Zeitschrift 1968 unter neuem Titel fortführte (The Journal of Orgonomy), gesellte sich zur Schlange, die die Medizin symbolisiert, der Blitz als Symbol der Physik. Die neue Zeitschrift sollte nämlich auch die von Reich herausgegebene Zeitschrift CORE ersetzen, in der es vor allem um Orgonbiophysik gegangen war. Insgesamt symbolisiert das Emblem der Zeitschrift für Orgonomie die drei Hauptbereiche der Orgonomie: Medizin (Schlange), Physik (Blitz) und Kosmologie (Spiralgalaxie).

Entsprechend wird die Orgonomie in den drei Bänden von Die Entdeckung des Orgons beschrieben: Bd. 1: Die Funktion des Orgasmus, Bd. 2: Der Krebs und der nie abgeschlossene dritte Band über die orgonomischen Funktionalismus, dessen geplanter Inhalt sich aus Äther, Gott und Teufel und Die kosmische Überlagerung in etwa erschließen läßt.

Nochmal: Warum ist dann die Orgontherapie so überproportional wichtig? Weil –, um mit Kant zu sprechen: „Die Welt erscheint nicht so, wie sie ist, sondern so, wie ich bin.“ Bin ich gepanzert, ist alles nichts! Oder anders gesagt: Es müssen in Deutschland erst eine „kritische Masse“ an Menschen eine Orgontherapie durchlaufen haben, ehe man sich sinnvoll mit etwas anderem als der orgonomischen Medizin beschäftigen kann!

Und hier geht es wirklich um die Orgontherapie, nicht irgendeine „Körperpsychotherapie“ oder eine vom American College of Orgonomy nicht autorisierte angebliche „Orgontherapie“!

In einem Kalender habe ich folgenden Spruch des Schweizer Jesuiten und Zen-Meisters Niklaus Brantschen gefunden: „Wie ich gehe, so geht es mir; wie ich stehe, so steht’s um mich; wie ich laufe, so laufen die Dinge bei mir.“ Kant wird hier sozusagen „verkörpert“. Im Kommentar wird auf alltägliche Sprüche verwiesen wie „Laß den Kopf nicht hängen!“, „mit stolzgeschwellter Brust“, „Trag die Nase nicht so hoch!“

Das bedeutet aber nicht, daß die Orgontherapie eine „Körpertherapie“ ist. Ganz im Gegenteil!

Reich hat seinem Mitarbeiter Myron Sharaf gesagt: „Es sollte möglich sein, Orgontherapie durchzuführen, ohne den Patienten zu berühren, nur mit Reden“ (z.n. Sean Haldane: Pulsation, London 2014, S. 199).

Und Baker hat geschrieben:

Manchmal kann man Gefühle freisetzen und manchmal läßt das Festhalten nach, wenn man dem Patienten beschreibt, was er ausdrückt oder was er tun möchte, oder wenn man ihm einen Spiegel vorhält oder durch verständnisvolle Worte und nicht durch direkte Bearbeitung der Muskeln. Ich habe oft das Gefühl gehabt, wenn man nur genug wüßte und aufmerksamer wahrnähme, könnte man die Therapie ganz und gar auf diese Weise durchführen. (Der Mensch in der Falle, München 1980, S. 91)

Noch etwas: Die Orgonomie wird in Deutschland nur eine Zukunft haben, wenn die Orgontherapie hier eine Zukunft hat. Mehr: die Orgonomie wird nur in Deutschland eine Zukunft haben. Oder anders ausgedrückt: hat Deutschland keine Zukunft, hat auch die Orgonomie keine Zukunft.

deutschorg

Die Zukunft der Orgonomie (Teil 1)

17. Oktober 2014

Es gibt zwei Wege der Orgonomie in die Zukunft:

  1. Expansion durch Diffusion,
  2. Expansion durch Konglomeration.

Die vielleicht radikalste Vertreterin des ersten Ansatzes war Eva Reich, die kaum Grenzen kannte, wenn es darum ging, den Namen „Wilhelm Reich“ vor dem Vergessen zu bewahren. Alles, was auch nur annähernd an Reichs Intentionen erinnerte, wurde von ihr unterstützt. Man lese etwa das vielleicht lächerlichste Reich-Buch, das je erschienen ist: Wilhelm Reich. The Man who Dreamed of Tomorrow. Das Vorwort stammt von Eva Reich. Wäre ihr die Führung der Orgonomie nach Reichs Tod zugefallen, gäbe es heute nicht vielleicht zweidutzend medizinische Orgonomen, sondern Tausende. Tatsächlich gibt es sie ja auch heute, aber das Resultat wäre genau das, was man heute beobachten kann: eine Verwässerung der Orgonomie bis zur Unkenntlichkeit und eine massive Schädigung von Patienten im Namen der „Orgonomie“. Ich habe das alles bis zum Überdruß in den verschiedensten Blogeinträgen und in meinen Buchbesprechungen erläutert (siehe den obigen Link).

Die Gegenposition hat Elsworth F. Baker verkörpert, der selbst noch erstaunlich „liberal“ war, und sie hat sich durch Charles Konia weiter zugespitzt. „Qualität statt Masse“ wäre das naheliegende Stichwort, aber es geht bei näherer Betrachtung um mehr.

Es ist nicht einfach der Gegensatz von Expansion und Kontraktion, sondern es umfaßt etwas, was in dieser Gesellschaft, die vom Kult der Expansion geprägt ist, immer seltener vorkommt: das Vorbereiten auf einen Schwung nach vorne. Erfinder werkelten jahrelang vor sich hin, bis man beispielsweise Gummi dergestalt aufbereiten konnte, daß etwas wie Autoverkehr möglich wurde. Heute ist die Gummifertigung ein gigantischer Industriezweig, den man sich unmöglich wegdenken kann.

Damit so etwas möglich ist, braucht es unendlicher Geduld, Disziplin und Konzentration auf das Wesentliche. Man denke nur mal daran, welch ein Aufwand es ist, ein Instrument zu erlernen oder ein international anerkannter Virtuose zu werden. Dem geht jahrelanges Klimpern in den eigenen vier Wänden und viele Semester im Konservatorium voran. Welche Opfer es kostet, die höhere Mathematik mit leichter Hand zu beherrschen oder eine fremde Sprache so gut zu sprechen wie ein Muttersprachler! Es ist alles ein langwieriges Zuschleifen eines Rohdiamanten.

Genau das läßt sich auf die Orgonomie übertragen. Es bringt nichts, rein gar nichts, wahrheits- und freiheitskrämerisch Versatzstücke der „Reichschen Lehre“ zu verbreiten und aus deren Vertretern eine breite „Bewegung“ bilden zu wollen:

  1. käme am Ende doch nur die neumodische Beliebigkeit zum tragen und die Orgonomie würde sozusagen den „Wärmetod“ erleiden.
  2. bestünde im Falle einer schnellen Überexpansion die Gefahr, daß alles schließlich nur noch schneller implodiert und sich in nichts auflöst. Man denke nur daran, wie vor wenigen Jahrzehnten Teilhard de Chardin wirklich in aller Munde war. Heute ist er weniger als bedeutungslos. Die Orgonomie darf zu keiner Modeerscheinung werden, wie sie es zeitweise zu werden drohte (Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre)! Prompt wäre die heillos überexpandierte Orgonomie damals beinahe verpufft. (Es hätte nicht viel gefehlt und 1957 wäre Schluß gewesen.)
  3. muß es eine Instanz geben, die mit einiger Autorität bestimmen kann, was Orgonomie ist und was nicht. Diese Aufgabe wird durch eine Überexpansion verunmöglicht.

Wenn die Orgonomie die objektive Wahrheit vertritt, wird es über kurz oder lang zu einem plötzlichen Pusch nach vorne kommen, ähnlich wie die erwähnte Gummiindustrie förmlich explodiert ist, nachdem ein gewisser Entwicklungsstand erreicht war und die Umweltbedingungen (insbesondere die Entwicklung des Autos) entsprechend gediehen waren. In diesem Sinne muß sich die Orgonomie konsolidieren, beispielsweise was die Ausbildung von medizinischen Orgonomen betrifft oder die Ausformulierung der Orgonometrie. Das würde durch eine verfrühte Expansion weitaus schwieriger, wenn nicht sogar verunmöglicht werden.

Die orgonenergetischen Hintergründe dieser Funktionen wurden bereits an anderer Stelle beschrieben. Ein naheliegendes Beispiel ist der Geschlechtsakt mit seinem langen „Mahlen“ (den Friktionen), was zum plötzlichen „Schwung nach vorn“ (dem Orgasmus) führt. Dies polymorph-pervers immer weiter auszubreiten und zu variieren, hintertreibt den geregelten Energieablauf, obwohl „mehr Lust“ und eine „höhere Befriedigung“ versprochen werden. In den Bereich der Arbeitsfunktion übertragen, geschieht in der Orgonomie heute genau dasselbe: Wilhelm Reich gegen Theodoor Hendrik van de Velde (der Oswald Kolle der 1920er Jahre). Es ist der Gegensatz zwischen der konservativen und der liberalen Orgonomie. Um zu wissen, auf welcher Seite Reich stand, lese man seine Korrespondenz mit A.S. Neill Zeugnisse einer Freundschaft.

Worum es geht, wird auch durch die beiden folgenden Skizzen deutlich. Die liberale Orgonomie expandiert, erkauft dies jedoch durch eine innere Aushöhlung. Die konservative Orgonomie kontrahiert, was zu einer zunehmenden Isolation („äußeren ‚Aushöhlung‘“) führt:

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Die biosoziale Grundlage der Familien- und Paartherapie (Teil 14)

16. Oktober 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Peter Crist: Die biosoziale Grundlage der Familien- und Paartherapie (Teil 14)

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Die Entwicklung des okularen Panzers bei Säuglingen

15. Oktober 2014

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia beschäftigt sich mit dem Hintergrund der Schizophrenie:

Die Entwicklung des okularen Panzers bei Säuglingen

Eine andere Gesellschaft ist möglich. LEBEN ist möglich!

14. Oktober 2014

Der argentinische Arzt und Journalist Ricardo Coler lebte mehr als zwei Monate bei den matriarchalisch organisierten Mosuo in Südchina. Im Spiegel Online gab er ein Interview. Lesen!

An ihren Utopien sollt ihr sie erkennen. Nun, die Mosuo sind meine Utopie.

Die Gesellschaft der Mosuo ist so organisiert, daß es zwischen Ökonomie und Sexualökonomie zu keinen Konflikten kommt. Die Frauen leben zusammen mit ihren Kindern in ihren Anwesen, während die Männer im Männerhaus wohnen.

Vor der Ausbreitung Saharasias im allgemeinen und des Islam im besonderen waren „Junggesellenhäuser“ der Dreh- und Angelpunkt der gesellschaftlichen Sexualökonomie. Beispielsweise das „Bukumatula“ der Trobriander in Melanesien und das „Ghotul“ der Muria in Zentralindien (vgl. Reichs Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral und DeMeos Saharasia).

Dazu eine „Fundsache“ aus einem GEO-Special (Heft Nr. 5, Okt./Nov. 2000) über Westafrika:

Bei den Bozo, ein Fischer-Volk am Niger-Fluss in Mali, ziehen die Jungen gemäß der animistischen Tradition ihres Volkes im Alter von 13 bis 15 Jahren aus der Enge der elterlichen Hütte ins „Saho“. Ein prächtiges Gebäude im Dorf. Dort werden sie in die Geheimnisse der Sexualität von einem erfahrenen Mann eingeweiht. Praktische Erfahrungen sammeln sie mit der weiblichen Dorfjugend, die regelmäßig zu Besuch kommt. Nach zwei Jahren verlassen die Jungen das „Saho“, heiraten und bauen sich eine eigene Hütte. Mittlerweile sind die „Saho“ aufgrund der fortschreitenden Ausbreitung des Islam selten geworden.

So mancher Leser wird nun verächtlich sagen: „Rousseau lebt!“. (Will sagen: „Wieder so ein Alternaiver!“) Freud oder gar Schopenhauer zitieren, und sich in der eigenen Misere genüßlich aalen. Und genau darum geht es: er will nicht weinen müssen, angesichts eines nicht gelebten Lebens. Sich lieber einreden, daß das ganze Universum ein Jammertal ist. „Ich habe nichts verpaßt!“

Das Matriarchat – Khasi – Im Land der Frauen – Teil 1:

Die biosoziale Grundlage der Familien- und Paartherapie (Teil 13)

13. Oktober 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Peter Crist: Die biosoziale Grundlage der Familien- und Paartherapie (Teil 13)

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Verfilmungen von Reichs Buch CHRISTUSMORD

12. Oktober 2014

In der Weihnachtszeit werden wir wieder Zeugen, wie Linke und Rechte entsprechend ihrer jeweiligen Charakterstruktur mit der Kunstfigur „Christus“ umgehen.

Während Linke auf Leben und Lehre Jesu abheben…

Oskar Lafontaine: „Jesus widersetzte sich dem [„neoliberalen“] Zeitgeist. Er war ein Abweichler“, –

…richten die Rechten ihr Augenmerk fast ausschließlich auf den Mythos von Christus:

eine hellenistische Mysterien-Gottheit, die Mensch geworden ist und uns durch einen magischen Akt „erlöst“ habe.

Für sie ist der Inhalt der Verkündigung Jesu gleichgültiges Beiwerk zu Geburt, Kreuzigung und Auferstehung.

Das, was Reich in der Christus-Geschichte verkörpert sah, das ungepanzerte Leben und seine Zerstörung durch die Emotionelle Pest („Christusmord“), geht in diesem Widerstreit zwischen einer infantilen Linksideologie und einer kaum weniger kindischen Mysterienreligion vollständig verloren (siehe Der verdrängte Christus).

Wie viele Weihnachten, Karfreitage und Ostern werden noch verstreichen, bis die Menschen die „gute Botschaft“ begreifen, die unbewußt in der Christus-Geschichte kodiert wurde?

In dem Artikel „The Omega Man – A Modern Allegory of Love and Plague“ (The Journal of Orgonomy, May 1980) hat John M. Bell dargelegt, daß der Film The Omega Man (1971) mit Charlton Heston in der Hauptrolle, tatsächlich als eine Verfilmung von Reichs Buch Christusmord betrachtet werden kann. „Dr. Neville“ ist der neue Christus, der durch sein Blut, der Menschheit neues Leben spendet, nachdem er im Kampf gegen die Emotionelle Pest gefallen ist.

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Mit traumwandlerischer Sicherheit gelingt es den Filmemachern den Kern zu treffen, d.h. die Christusfigur als Genitalen Charakter zu zeichnen und die Emotionelle Pest als das, was sie heute konkret ist: die sozialistische („sozialdemokratische“) Ideologie und die „liberale“ politische Korrektheit. Es ist geradezu gespenstisch, wie im Original Hestons bzw. natürlich „Dr. Nevilles“ Gegenspieler, „die Familie“, buchstäblich der degenerierte Abschaum einer untergegangenen Menschheit, die heutige „grüne“, „demokratisch-sozialistische“ Rhetorik der „Globalisierungsgegner“ von sich geben.

Der Roman von Richard Mathesons, auf dem der Film beruht, und die vorangehende Verfilmung The Last Man on Earth (1964) mit Vincent Price interessieren nicht! Das gleiche gilt für das Remake I am Legend (2007), in dem Will Smith die Hauptrolle spielt. Handwerklich ist I am Legend gut gemacht, die schauspielerische Leistung ist passabel, aber es ist praktisch nichts von dem in ihm zu finden, was The Omega Man ausmacht. Der Vergleich der Filme zeigt allenfalls nochmals wie überragend The Omega Man war. Überraschenderweise war er auch viel spannender und brutaler als das nichtssagende Rührstück I am Legend. In einer rationalen Welt hätte man The Omega Man digital aufgearbeitet und die gräßliche Filmmusik durch eine passendere ersetzt.

Auch in Pale Rider – Der namenlose Reiter (1985), ein Western von und mit Clint Eastwood, werden neutestamentarische Versatzstücke so verarbeitet, daß man stellenweise glauben könnte, man hätte eine filmische Adaption von Christusmord vor sich. Das Bemerkenswerte an beiden Filmen ist 1. die klare Trennung von sekundären und primären Trieben; 2. die Verknüpfung der Christusgestalt mit genitaler Sexualität (es geht nicht um „Geist“, sondern um genitale Liebe); und 3. wird die Emotionelle Pest transparent gemacht. Das ist um so bedeutsamer, als weder die Drehbuchautoren, die Regisseure, noch die Hauptdarsteller irgendeine Ahnung von Reich hatten – und trotzdem aus dem Neuen Testament die gleiche Inspiration bezogen haben wie Reich vor ihnen.

Eastwoods letzter Film als Schauspieler, Gran Torino ist ebenfalls eine Christusgeschichte: In mythischen Vorzeiten („Koreakrieg“/„Vietnamkrieg“) geschah etwas Schreckliches, das der Held am Ende des Films durch ein Selbstopfer wieder ungeschehen macht. Er liegt gekreuzigt da und steht im neuen Leben, das er aus der Falle befreit hat, wieder auf.

Das Drama The Green Mile (USA 1999) nach einem Roman des Horror-Spezialisten Stephen King ist eine weitere „Verfilmung“ von Reichs Christusmord.

Es ist bezeichnend, daß ausgerechnet Hollywood so etwas abliefert, während die moderne „Hochkultur“ fast durchweg Emotionelle Pest produziert. Das „Intellektuelle“ beruht bioenergetisch darauf, daß Sensationen und Wahrnehmung an die Stelle von Emotionen und Erregung treten. In diesem Zustand, der sich unter dem Einfluß von Cannabis perfekt reproduzieren läßt, gewinnen Nichtigkeiten, die unendlich ausgewalzt werden, eine überbordende Bedeutung – während das Wichtige bedeutungslos wird (vgl. Die Massenpsychologie des Buddhismus ). Das zentrale Thema unserer Kultur, der Christusmord, wird unsichtbar. Um so wichtiger, ja geradezu subversiv, sind Filme „für den Publikumsgeschmack“ wie The Green Mile.

Formal auf einer weitaus höheren „Kulturebene“ bewegt sich der Film Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (2007). Sicherlich einer der besten Filme der letzten Jahre. Er ist aber nicht nur ein cineastisches Erlebnis, sondern auch eine weitere unbewußte Verfilmung von Reichs Christusmord.

Was den Film vor allem auszeichnet: „Christus“ (der Raubmörder Jesse James) ist gleichzeitig Modju… Man lese dazu Der verdrängte Christus …und man wird begreifen, warum dieser Film so verstörend ist.

Diese fünf Filme verraten mehr über Christus und sein Geheimnis als all der mystische Unsinn, der von den Kanzeln gepredigt wird.

Die biosoziale Grundlage der Familien- und Paartherapie (Teil 12)

11. Oktober 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Peter Crist: Die biosoziale Grundlage der Familien- und Paartherapie (Teil 12)

acologo


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